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Sutra
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Ein Sutra (Sanskrit, n., सूत्र, sūtra, wörtl.: "Faden", Leitfaden; Pali, sūtta, Lehrrede) ist ein knapp formulierter Leitfaden, der die wichtigsten Inhalte in wenigen Worten wiedergibt.
Hinduismus
Die ältesten indischen Texte wurden mündlich überliefert. Trotz exzellenter mnemotechnischer Methoden suchte man damals nach Möglichkeiten, nicht mehr nur die umfangreichen, vollständigen Texte zu überliefern, sondern gewissermaßen unter Preisgabe der äußeren Form nur das Wichtigste zu tradieren. Zu diesem Zweck komprimierte man das Wichtigste in schlagwortartige Sätze. Der Inhalt ist oft heute wegen der Kürze nicht ganz leicht verständlich. Für die damaligen Schüler stellten die Sutren eine Art Gedächtnisstütze dar, sie erhielten gleichzeitig ausführliche mündliche Erläuterungen.
Seine konsequenteste Ausprägung fand der Sutra-Stil in der Schule der Grammatiker, insbesondere bei Panini, der auf wenigen Seiten eine vollständige Systematik des Sanskrit darlegte. Von dem Grammatiker Patanjali stammt der Ausspruch, wenn ein Sutra-Autor eine halbe, kurze Silbe einsparen könne, sei er so glücklich, wie wenn ihm ein Sohn geboren worden sei.
Fast alle philosophischen Systeme (Darshanas) der älteren Zeit fanden ihre Ausgestaltung in der Form von Sutren. Zu den Sutren ist eine umfangreiche Kommentarliteratur überliefert, die jeweils Zusammenfassungen der ursprünglichen Texte bieten.
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Buddhismus
Die buddhistische Lehre wurde in den ersten Jahrhunderten ihrer Verbreitung im wesentlichen durch Sutras, von Schülern mündlich verbreitete und später aufgezeichneten Lehrreden des Buddha übermittelt, deren frühe Ausprägungen in drei großen Sammlungen vorliegen: der Pali-Kanon, der chinesische San-Tsang (Taisho Revised Tripitaka), der tibetische Kangyur.
Oft wendet sich der Buddha in diesen Lehrreden, die stets um ein bestimmtes Thema kreisen, an eine Gruppe von Mönchen. Ein situativer Einstieg ("So habe ich gehört: Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Wildpark von Isipatana bei Varanasi. Dort nun wandte sich der Erhabene an die fünf Mönche und sprach...") ist typisch für die meisten Sutras. In den verschiedenen buddhistischen Textsammlungen liegen die Sutren oft in unterschiedlicher Form vor; dies ist auf Interpretationsvarianten der verschiedenen buddhistischen Schulen (Hinayana, Mahayana, Vajrayana) zurückzuführen.
Einen durchaus anderen Stil weisen die Mahayana Sutras auf, die auch in ihrer Thematik über die im Pali-Kanon beschriebenen Befreiungswege hinausweisen. Einzelne Werke davon sind oft von zentraler Bedeutung für einzelne Schulen und Richtungen des Mahayana, wie das Lotos Sutra für die Nichiren Schulen, oder das Große Reine Land Sutra für die Schulen des Reinen Landes.
Historische Verständnisprobleme
Im wörtlichen Sinn bedeutet Sutra "Faden", man hat das irrtümlich als "Leitfaden" interpretiert, möglicherweise analog dem Ariadnefaden. In Wirklichkeit handelt es sich bei einem Sutra jedoch um ein Sammelwerk. Sutra bedeutet nichts anderes als "zusammengefügte Fäden", das heisst, Materialien aus verschiedenen Quellen wurden zusammengefügt
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