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Tilaka
aus Wikipedia
Tilaka (Sanskrit: तिलक, m. = Zeichen, Markierung) oder umgangssprachlich Tika (Hindi: m., टीका, ṭīkā) nennt man die verschiedenen Segenszeichen, die Hindus oft auf der Stirn tragen. Man tupft etwa mit roter Pulverfarbe einen Segenspunkt auf oder bekommt ihn als Abschluss nach einer hinduistischen Zeremonie oder zu anderen besonders feierlichen Anlässen. In tantrischen Richtungen des Hinduismus steht diese Variante für Kraft, markiert das an dieser Stelle vermutete Energiezentrum, das „dritte Auge“, und schützt es.
Ein Tilaka oder Tika kann rot sein und von Pulverfarbe, rund oder länglich als waagerechter oder senkrechter Strich. Oft ist er aber auch schwarz aus einem Ruß-Buttergemisch, hell aus Asche oder Sandelpaste oder in einer der unzählige anderen Variationen. Frauen, Männern und Kinder werden damit gesegnet.
Einige Tilakas weisen auf die Religionszugehörigkeit hin: Während etwa die Anhänger Shivas drei waagrechte Striche in verschiedenen Variationen tragen, oft aus Asche, malen Vishnu-Verehrer ein U-ähnliches Zeichen - also senkrechte Linien, beispielsweise aus Sandelholzpaste - auf die Stirn, das bis auf die Nasenwurzel reicht. Jene, die Gottes weibliche Form, Shakti, verehren, bevorzugen den roten Stirnpunkt. Mischformen dieser Zeichen findet man häufig. Alle Tilakas können auch an anderen Teilen des Körpers aufgemalt werden.
Der Übergang vom Tilaka oder Tika als Segenszeichen zur speziell weiblichen Variante, dem dekorativen Bindi, ist fließend.
Bindi (hindi: बिंदी, bindī, Punkt) nennt man den mitten auf der Stirn oder zwischen den Augenbrauen aufgemalten Punkt bei Frauen oder den an dieser Stelle aufgeklebten Schmuck. Zunächst ist dieser traditionell rote Punkt das Zeichen der verheirateten Frau und soll nicht nur sie, sondern auch ihren Gatten schützen. Herkömmliche Punkte werden mit roter Pulverfarbe aufgetragen, Sindhur oder Kumkum. Heute sind wieder verwendbare, aufklebbare Schmuckbindis bei jüngeren Frauen am weitesten verbreitet. Diese gibt es in allen Farben und in einer Vielzahl von ornamentalen Formen, zum Beispiel golden oder mit winzigen Kunstperlen oder -steinen besetzt. Während das Bindi früher anzeigte, ob eine Frau verheiratet ist oder nicht, ist das heute nicht mehr ausschließlich der Fall. Der Unterschied: Für verheiratete Hindufrauen ist ein Stirnpunkt, obligatorisch, in Indien gehen sie niemals ohne ihn. Dabei ist es gleich, ob sie ihn klassisch rot und rund tragen, oder farbig ornamental als Sticker. Erst wenn sie Witwe werden, verzichten sie auf diesen Schmuck. Unverheiratete Frauen und selbst Kinder können ein Bindi tragen, er ist dann reine Dekoration oder Segenszeichen, ein Tika. Selbst indische Musliminnen kleben sich heute oft diesen modischen Punkt auf, was noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
Trotz einer in Europa weit verbreiteten Vermutung ist keines dieser Stirnpunkte ein Kastenzeichen.
Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Tilaka aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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