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Die traurigen Ursachen des Krieges und die
Pflicht eines Jeden, sich um Frieden zu bemühen, Teil 1 von 2
Ich hoffe, daß ihr alle glücklich und wohlauf seid. Ich bin nicht glücklich,
sondern sehr betrübt. Die Nachricht von der Schlacht bei Benghazi bekümmert
mein Herz. Ich wundere mich über die menschliche Grausamkeit, die noch in
der Welt ist. Wie können Menschen von morgens bis abends kämpfen, einander
töten und das Blut ihrer Mitmenschen vergießen? Und wofür? Nur, um die
Herrschaft über ein Stück Erde zu gewinnen! Selbst die Tiere haben beim
Kampf einen unmittelbaren und vernünftigeren Anlaß für den Angriff! Wie
schrecklich ist es, daß sich Menschen, die dem höheren Reiche angehören, so
erniedrigen, daß sie ihre Mitgeschöpfe um den Besitz eines Landstriches
erschlagen und mit Elend überziehen!
Das höchste der erschaffenen Wesen kämpft um die niederste Form des Stoffes:
Erde. Das Land gehört nicht "einem Volke", sondern allen. Diese Erde ist
nicht des Menschen Heim, sondern sein Grab. Es ist um ihre Gräber, worum
diese Menschen kämpfen. Nichts in dieser Welt ist so schrecklich wie das
Grab, die Stätte der verwesenden Menschenleiber.
Wie groß auch der Eroberer sein mag, wie viele Länder er auch versklavt, er
kann von diesen verwüsteten Ländern nichts behalten, als ein winziges Stück:
sein Grab. Wenn zur Verbesserung der Zustände eines Volkes, zur Verbreitung
der Zivilisation (damit gerechte Gesetze an die Stelle unmenschlicher
Bräuche treten) mehr Land benötigt wird, so müßte es gewiß auch möglich
sein, die erforderliche Gebietserweiterung auf friedlichem Wege zu
erreichen.
Aber der Krieg wird gemacht, um den menschlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Um
des weltlichen Gewinnes einiger weniger willen wird schreckliches Elend über
ungezählte Heime gebracht und das Herz von Hunderten von Männern und Frauen
gebrochen!
Wie viele Witwen trauern um ihre Gatten, wie viele Berichte über wilde
Grausamkeiten werden laut! Wie viele verwaiste Kinderchen schreien nach
ihren toten Vätern, wie viele Frauen weinen um ihre erschlagenen Söhne!
Nichts ist so herzzerbrechend und schrecklich, wie ein Ausbruch der
menschlichen Wildheit.
Abdu'l Baha, Ansprachen in Paris, 21. Oktober 1911
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