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Archäologische Deutung
Der metapherartig dargestellte Komplex, der als unmittelbare Folge der Vertreibung aus dem Paradies die "Verurteilung zum Ackerbau" nach sich zieht, zeigt das gesammte Szenario als ein Konstrukt, das auf den auch metaphysisch zu verarbeitenden Übergang von der aneignenden Nahrungsbeschaffung (im Paradies) zur produzierenden Nahrungsbeschaffung hinweist. Die Stelle, an der der Ackerbau seine bisher ältesten Spuren hinterlassen hat, liegt tatsächlich am Oberlauf des Euphrats und seiner Nebenflüsse. Auch der Begriff der grünen Steppe trifft auf diese Gegend zeitgerecht zu. Dann folgt der Klimawechsel am Ende der Eiszeit mit einer starken Nordverlagerung der Vegetationszonen und damit der Fauna. Hinzu kommt, das festzustehen scheint, das die ersten genutzten Wildgetreidearten nur in der Osttürkei und in Nordsyrien beheimatet waren. Der "Sündenfall" an dieser Sache ist (eigentlich) die mit dem Ackerbau zugleich eingeleitete Zerstörung der Natur durch die nun unablässigen menschliche Eingriffe primär als Folge eines sprunghaften Anstiegs der Bevölkerung auf das 40-fache.
Psychologische Deutungen
Die Genesis 2, die christlich Sündenfallserzählung genannt wird, ist vielfach philosophisch und psychologisch gedeutet worden. Der deutsche Idealismus sah in ihr den Mythos vom Erwachen des Bewusstseins und ging so weit, den Menschen nach dem Sündenfall als nicht im Vollsinn "Mensch" zu beurteilen. Psychologische Deutungen erkennen eine verschlüsselte Darstellung des Adoleszenzkonflikts, in dem sich die "unschuldige" Elternbindung stufenweise löst und eine erwachsene Identität der Freiheit und Schuldfähigkeit entsteht. Dabei wird der Baum der Erkenntnis gern auch auf die Entdeckung der ität gedeutet. Diese Deutung ist sehr an die ualfeindliche christlich/partiarchale Denkweise angelehnt.
Psychedelische Deutung des Sündenfalls
Die Frucht der Erkenntnis wird von manchen sinnbildlich als Psychedelikum verstanden. Diese Deutung beinhaltet den Gedanken, dass der Mensch sich erst durch eine bewusstseinserweiternde Substanz vom Tier zum bewussten, zwischen Gut und Böse unterscheidenden Menschen weiterentwickelt habe.
Weshalb der allwissende Gott der Genesis eine Öffnung des menschlichen Geistes verhindern will, dies jedoch nicht verhindern kann, wirft die Frage nach der Deutung eines allmächtigen Gottes in der Genesis auf. Die christliche Lehrmeinung dagegen weist jedoch darauf hin, dass Gott dem Menschen Unsterblichkeit, freien Willen und das Recht über alles auf der Erde zu herrschen gab und das das Verbot vom Baum der Erkenntnis zu essen das einzige Verbot war, das Gott den Menschen auferlegt hatte. Das Befolgen dieses einen Verbotes aus freiem Willen war somit des Menschen Pfand.
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Deutungen in Kunst und Literatur
In der europäischen Kunst und Literatur ist die Sündenfallserzählung allgegenwärtig. In Goethes Faust schreibt Mephisto im Professorentalar dem wissbegierigem Studienanfänger ins Stammbuch, was die Schlange versprach und was als Überschrift offenbar über dem ganzen Drama des Erkenntnisdrangs und der Grenzüberschreitungen stehen soll: Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum - "Ihr werdet sein wie Gott und das Gute und Böse erkennen".
Profane Deutung
Es ist ein Gleichnis zur Beschreibung der damaligen paradiesischen Zustände als Jäger und Sammler und dem Wechsel zu Ackerbau und Viehzucht. Damals gab es noch Stämme die als Nomaden lebten, neben schon seßhaften Stämmen. Um diesen Wechsel zu erklären, wie man von einem Leben von der Hand in den Mund zum beschwerlichen Leben durch Feldarbeit kommt.
Kain und Abel stehen für den Ackerbauern und den Hirten. Es ist eine bildliche Beschreibung der Agrargeschichte der neolithischen Revolution durch die Erbsünde. Als Preis für die Erkenntnis folgen die Mühen der Arbeit.
Die Interpretation, dass nebenbei auch erklärt wird, warum der aufrechte Gang und unser großer Kopf die Geburt so riskant und schmerzreich machten, ist allerdings ein Konstrukt, da der aufrechte Gang bereits in vormenschlicher Zeit existierte und sich eine Erinnerung an den Zustand davor nicht belegen lässt. Aber auch hier wird wieder der Sündenfall als der Preis für die Erkenntnis eingesetzt.
Das Paradies
Paradies ist ein aus dem altiranischen (medisch) stammendes Wort für ein umgrenztes eingehegtes Gebiet wie einen herrschaftlichen Park, einen Tier-, - oder Zaubergarten; in der griechischen Übersetzung der Bibel wurde er zur Bezeichnung des "Garten Eden" verwendet. Der sumerische Name für Paradies ist Dilmun. Es ist am "unteren bitteren Meer, zur Morgenseite" gelegen und meint höchstwahrscheinlich die Inselgruppe Bahrain. In ihr wachsen die heiligen Bäume, auch gilt sie als Quelle der Flüsse. Da es sich jedoch um eine Insel handelt, ist diese Deutung eher ein Mißverständnis.
Das Paradies im Zarathustrismus
Im Zarathustrismus (auch: rismus), nach Zarathustra, gelangen die Seelen nach dem Tod an die Činvat-Brücke. Hier wird Gericht über Gute und Böse gehalten. Die Guten gelangen in die seligen Gefilde des Paradieses Garodemäna (später Garotman), des "Orts der Lobgesänge"; die Seele des Bösen aber gelangt an den "schlechtesten Ort", d. h. in die Hölle. Parallelen zur späteren christlichen Lehre vom jüngsten Gericht und zur Eschatologie im Islam sind unverkennbar.
Das Paradies im Judentum
Im Judentum spielen Paradiesvorstellungen keine so wichtige Rolle wie im Islam und im Christentum.
Das Judentum liest die Geschichte vom Garten in Eden differenziert und integriert sie nicht in ihr traditionelles Weltbild. Der Mensch ist weder sündig noch ist er gefallen und verdorben. Der Weg zu Gott ist ein Weg, offen für jeden Menschen, gleich welcher Religion bzw. welchen Glaubens, den er einschlagen kann und soll. Eine Rettergestalt wird die Menschen und die Welt nicht erretten, sondern die Errettung der Welt sollen die Menschen aus sich selber heraus und ihr Verhalten angehen, die Welt und das menschliche Miteinander verbessern! Die Tora lehrt, dass die Menschen dabei nicht allein sind.
Das Paradies im Christentum
Zunächst muss man im Christentum zwischen verschiedenen eschatologischen Vorstellungen unterscheiden, die in den einzelnen Traditionen teilweise als unterschiedlich und teilweise als getrennt gesehen werden.
Paradies
Himmelreich
Neues Jerusalem
Jüngstes Gericht
Auferstehung des Fleisches
Anders als im Koran schildert die Bibel das Paradies ("Ewiges Leben") eher abstrakt und vage. Die Erlösten befinden sich in der Nähe Gottes, leben in ewigem Frieden und erfreuen sich eines herrlichen Daseins. Sie sind "wie die Engel", heiraten nicht und preisen Gott mit Lobliedern.
Das Paradies im Islam
Der Islam kennt zwar sehr anschauliche Beschreibungen von einem Paradies voller Wonne, mit Früchten und kühlen Bächen, Paradiesjungfrauen (nach neuester Forschung umstritten), mit Kissen und weichen Teppichen usw., ein einheitliches Wort dafür gibt es aber nicht.
Meist gebraucht man Wörter die einen Garten bezeichnen, nur ist das klassische hocharabische Wort für Garten جن dschan meist durch das persische Lehnwort بستان bustaan ersetzt. Das dem klassischen Hocharabischen verwandte جنّة dschanna ist nicht so häufig. Auch gibt es das Wort Paradies als Lehnwort فردوس firdaws und Garten Eden ist auch nicht unbekannt جنّة عدن dschanna adn. Die Vorstellung von einem in verschiedene Stufen geteilten Paradies mit den "Siebten Himmel" als höchster Stufe ist recht populär. Cennet = Garten Eden auf Türkisch.
Insgesamt ist die Vorstellung eines Paradieses voller weltlicher Freuden im Islam profan sehr verbreitet, auch wenn islamische Theologen versuchen, die Vorstellung von sinnlichen Freuden mehr abstrakt zu deuten.
Spezielle Bezeichnungen in den abrahamitischen Religionen
Judentum - (Gan Eden, גן עדן) "Garten Eden"
Christentum - Paradies
Islam - adn
Bahai - Ridvan
Hinduismus und Buddhismus kennen neben dem Endzustand des Nirwana mehrere zeitlich begrenzte Paradiese, die unseren Paradiesvorstellungen ähnlicher sind. Nirvana und Paradies lassen sich nicht sinnvoll direkt, allgemeinernd vergleichen, ohne den Kontext des Betrachtenden und seiner kulturellen Prägungen einzubeziehen, dies jedoch sprengte den Rahmen eines lexikalischen Wikipedia-Artikels.
Die transzendierten Vorstellungen vom Paradies als Garten und dem Leben darin sind sehr vielfältig und geben einen interessanten Einblick in die Bedürfnisse und Sehnsüchte der jeweiligen Kultur:
die Kelten hatten Avalon, den Apfelgarten
die Griechen hatten den Garten der Hesperiden auf einer Insel im Westen mit seinen Goldenen Äpfeln
War es für die Christen in dem meist ländlichen Mittelalter die Stadt - das Himmlische Jerusalem (Offb. 21) -, rückte später der Garten Eden (Gen. 2) in den Vordergrund.
Die Klostergärten, geben uns bis heute das Bild wieder von einer (geometrisch) geordneten, in sich geschlossenen Welt.
Höhepunkt dieser Vorstellung war der französische Garten im Barock.
Seit der Aufklärung wird der Paradiesgarten jedoch immer mehr einer Urlandschaft gleichgesetzt, einer Welt noch vor der Zivilisation, also auch vor dem Sündenfall.
Für den ökologisch bewussten Menschen der heutigen Zeit ist das Paradies meist eine Wildnis, ein Urwald oder Biotop, in dem die durch Kultur und Technik hervorgerufene Entfremdung überwunden wäre.
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