|
|
|
Mohammed-Karikaturen von Jyllands-Posten
aus Wikipedia
Das Gesicht Mohammeds (dän.: Muhammeds ansigt), in den deutschen Medien fälschlicherweise als Die Gesichter Mohammeds übersetzt, ist eine Serie mit zwölf Karikaturen verschiedener Künstler, die den islamischen Religionsstifter Mohammed zum Thema haben und diesen zum Teil auch darstellen. Ihre Veröffentlichung am 30. September 2005 in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten löste weltweite Proteste muslimischer Organisationen bis hin zu Boykottaufrufen und Anschlagsdrohungen aus und führte in der westlichen Gesellschaft zu einer Diskussion über die Presse- und Meinungsfreiheit. In den Zeichnungen wurde beispielsweise Mohammed mit einer e auf dem Kopf oder als Himmelshüter, der Männern den Zutritt mit den Worten: „Halt! Uns sind die Jungfrauen ausgegangen“ verwehrt, dargestellt. Unter den 12 Karikaturen gibt es allerdings auch einige, die den Propheten nicht explizit bildlich darstellen oder eher abstrakt sind.
Der Karikaturist Lars Refn brachte sogar eine versteckte Botschaft auf seiner Zeichnung unter. Die Karikatur zeigt einen südländisch aussehenden Schüler mit der Unterschrift "Mohammed Valbyskole 7A". Er steht vor einer Tafel, auf der in Persisch geschrieben steht: "Die Redaktion von Jyllands-Posten ist eine Bande reaktionärer Provokateure". Die Redaktion war sich der Bedeutung der Botschaft nicht bewusst, als sie diese Zeichnung abdruckte.
Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Mohammed-Karikaturen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
|
|
|
|
Hintergrund
Ursprünglich war nach Angaben der Redaktion von Jyllands-Posten diese Aktion dazu gedacht, um zu prüfen, wie viel Selbstzensur sich dänische Künstler mit Blick auf den Islam auferlegen würden, nachdem der dänische Kinderbuchautor Kåre Bluitgen keinen Zeichner für sein Buch «Der Koran und das Leben von Prophet Mohammed» (Koranen og profeten Muhammeds liv, Januar 2006) fand, der mit seinem Namen dafür stehen wollte.
Erst auf Anfragen von Journalisten und einer Reise von dänischen Imamen durch islamische Staaten im November und Dezember 2005 und nachdem die christliche norwegische Zeitung Magazinet die Karikaturen erneut nachdruckte, kam es zu weltweiten Protesten empörter Muslime, die diese Karikaturen als Blasphemie empfanden. Im islamischen Kulturkreis sind Abbildungen von Allah, Mohammed und anderer Propheten verboten. In einem angefertigten Dossier der Imame waren jedoch zusätzliche nicht von der Zeitung veröffentlichte Karikaturen aufgeführt, die ungleich heftiger waren. So wurde unter anderem der Prophet als Pädophiler und Schwein dargestellt und ein Betender skizziert, der von einem Hund vergewaltigt wird.
Es entstand ein Konflikt zwischen dem Wertesystem einer Religionsgemeinschaft und dem demokratischen Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung, so wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt ist.
|
|
|
|
Internationaler Konflikt
Bereits am 19. Oktober 2005 baten elf Botschafter islamischer Staaten den dänischen Premier Anders Fogh Rasmussen um ein Treffen, welches dieser ablehnte. Die Veröffentlichungen führten seit dem 26. Januar 2006 zum Boykott dänischer und norwegischer Waren in einigen arabischen Staaten. Libyen schloss am 29. Januar 2006 seine Botschaft in Kopenhagen, Saudi-Arabien zog seinen Botschafter ab. Die EU ihrerseits drohte mit der Anrufung der WTO, sollten arabische Regierungen den Boykott unterstützen. In Tunis verabschiedeten die Innenminister von 17 arabischen Staaten am 31. Januar 2006 eine Resolution, der zufolge die dänische Regierung die Urheber der Karikaturen "streng bestrafen" müsse.
Eine Entschuldigung des Chefredakteurs wurde von verschiedenen islamischen Vereinigungen Dänemarks als nicht weitgehend genug zurückgewiesen.
Radikale Islamisten im Irak veröffentlichten einen Aufruf, dänische Soldaten anzugreifen. Am 31. Januar 2006 kam es zu einer Stürmung eines EU-Büros in Gaza sowie zu endrohungen und anschließender Räumung von Redaktionsgebäuden in Århus und Kopenhagen.
Am 2. Februar 2006 schloss die EU ihr Büro in Gaza, nach der Belagerung von palästinensischen Extremisten. Unterdessen drohten Al-Aksa-Brigaden und der Islamische Dschihad mit der Entführung von Europäern aus fünf Staaten (darunter Frankreich, Norwegen, Dänemark und Deutschland) im Westjordanland.
Die rechtspopulistischen Sverigedemokraterna in Schweden riefen am 2. Februar ihre Anhänger auf, Muhammed-Zeichnungen anzufertigen, die in der Märzausgabe des Parteiorgans SD-Kuriren veröffentlicht werden sollen.
|
|
|
|
Reaktionen der Presse
Am 1. Februar druckten einige europäische Zeitungen einige oder mehrere der umstrittenen Karikaturen. Der Nachrichtensender n-tv zitierte einen Redakteur der Welt mit den Worten "Das ist ein politischer Vorgang". Neben der Welt veröffentlichten in Deutschland die taz die Karikaturen vollständig, FAZ und Berliner Zeitung Auszüge, während Bildzeitung und Der Spiegel einen Abdruck ablehnten. Der französische France Soir titelte "Ja, wir haben das Recht, Gott zu karikieren!". Ein Vertreter der französischer Muslime sprach daraufhin von einem "abscheulichen Vorgang". Am folgenden Tag wurde der France-Soir-Chefredakteur Jacques Lefranc vom Besitzer der Zeitung, dem Franko-Ägypter Raymond Lakah, entlassen, der jedoch nicht verhindern konnte, dass die Zeitung mit der Schlagzeile "Voltaire hilf, sie sind verrückt geworden!" erschien.
Der Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) kritisierte den Nachdruck der Karikaturen in einigen Zeitungen. Hendrik Zörner sagte nach Ziffer 10 des Pressecodex seien „Veröffentlichungen in Wort und Bild, die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren“, der Vorsitzende Michael Konken widersprach und verteidigte den Nachdruck als "notwendigen Beitrag zur Meinungsbildung".
|
|
|