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Naqschbandi












Naqschbandi
aus Wikipedia

Die Naqschbandi-Tariqa ist eine der zahlreichen Tariqas (Sufi-Orden) des Islam, der im 14. Jahrhundert in Zentralasien entstand und sich in den darauffolgenden Jahrhunderten weiter verbreitete. Ihr Gründer ist Bahauddin Naqschband (1318–1389) aus Buchara (heute in Usbekistan). Von ihm leitet der Orden seine „spirituelle Kette“ über Amir Kulal (gestorben 1379), Abdul Khaliq Ghujduwani (gestorben 1120), Yusuf Hamadhani (gestorben 1140) und einen der vier „rechtgeleiten“ Kalifen, Abu Bakr (gestorben 634), bis zum Religionsstifter Muhammad (gestorben 632) ab.

Als Bahauddin Naqschband nach seinem Studium in Samarkand in die Stadt Nasaf geht, begegnet er Amir Kulal und wird dessen Schüler. Laut eigener Aussage ist aber der Sufi-Sheikh, der ihn am meisten beeinflusst nicht Amir Kulal, sondern der lange verstorbene Abdul Khaliq Ghujduwani, der Bahauddin in Visionen erscheint.

Lehre
Ghujduwanis Lehre ist bekannt unter dem Namen tariq-i khwajagan (Der Weg der Lehrer), in denen er die folgenden acht Prinzipien aufstellt, die Bahauddin später als Bestandteil der Naqschbandi-Lehre übernimmt:

hush dar dam: Aufmerksamkeit beim Atmen
nazar bar qadam: seine Schritte überwachen
safar dar watan: innere mystische Reise
khalwat dar anjuman: Einsamkeit in der Menge
yad kard: Sammlung, Gedenken
baz gard: seine Gedanken kontrollieren
nigah dasht: seine Gedanken überwachen
yad dasht: Konzentration auf Gott
Der "Weg der Lehrer", der tadschikische und turkmenische Muslime anzog, bildete ein wichtiges Element sozialer Integration im zentralasiatischen Islam, besonders unter der Herrschaft Timurs und seiner Nachkommen (von ca. 1370 bis 1507) in Samarkand, Buchara und Herat. In diese Zeit fällt auch der Aufstieg der Nachfolger Naqschbands, deren Gemeinschaft , die Naqschbandi, die übrigen Gemeinschaften, die sich durch die Gründung der Naqschbandi gebildet hatten, in den darauffolgenden Jahrhunderten teilweise verdrängte oder teilweise in sich aufnahm.

Die Naqschbandi zeigten sich mit ihrer Tendenz zur religiösen Durchdringung des Alltags und zur kontrollierten Lebensführung als weltzugewandte Gemeinschaft, die in vielen Gebieten großen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss gewann.

Nach dem Tod von Amir Kulal wird Bahauddin Naqschband zu seinem Nachfolger. Die damaligen Derwische bilden den Kern der Gruppe, die später zur Naqschbandi-Tariqa wird.

Auch wenn die Naqschbandi-Tariqa eher nüchtern und orthodox ist und somit künstlerische Tätigkeiten (vor allem Musik und Sema, den „Tanz“ der Derwische; siehe auch Mevlevi) ablehnt, so gehören trotzdem die führenden Künstler am Herater Hof zu diesem Orden. Bekannte Naqschbandi-Derwische sind beispielsweise die Poeten Dschami (- 1492) und Mir Dard (- 1785)

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Naqschbandi aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Praktiken
Ein markanter Bestandteil der Naqschbandi-Tariqa ist das schweigende Dhikr (Gedenken an Gott). Dieses ist dem lauten Dhikr entgegengesetzt, wie es bei den anderen Tariqas praktiziert wird und durch seine verschiedenartigen Gesänge und instrumentelle Begleitung auf viele Menschen attraktiv wirkt. Das schweigende Dhikr geht zurück auf eine Begebenheit des Propheten Muhammad, als dieser auf der Flucht vor seinen mekkanischen Verfolgern in einer Höhle Zuflucht sucht. Um sich nicht durch laute Stimmen zu verraten, weist der Prophet seinen einzigen Begleiter Abu Bakr in die Praktik des stillen Dhikr ein.

Eine weitere wichtige Eigenheit der Naqschbandi-Tariqa ist Suhbat (türk. Sohbet]]. Dies ist eine intime Unterhaltung zwischen dem Sheikh und seinem Derwisch, die auf höchster geistiger Ebene geführt wird. Die Naqschbandis sind selber davon überzeugt, dass ihr Weg mit der exakten Einhaltung der religiösen Pflichten sie zur „Vollkommenheit des Prophetentums“ führen würde.

Geschichte
Schon sehr früh mischen sich Mitglieder des Ordens in die zentralasiatische Politik ein, und als im 15. Jahrhundert Ubaidullah Ahrar († 1490) die Leitung übernimmt, wird Zentralasien sozusagen von der Tariqa beherrscht. Er pflegt starke Beziehungen zu dem Timuriden-Fürsten Abu Said und zu den shaibanitischen Usbeken, was für die politische Entwicklung in der Mitte des 15. Jahrhunderts entscheidend ist. Sogar im Reich der Mongolen gibt es Mitglieder des Ordens, weil dort Yunus Khan Moghul ein Naqschbandi-Derwisch ist.

Kurz vor 1600 gewinnt der Orden auch eine feste Stellung in Indien. Neben dem schon erwähnten Dichter Mir Dard ist eine weitere Persönlichkeit aus der Stadt Delhi der bekannte Shah Waliullah († 1762), der zusätzlich der Qadiri-Tariqa angehört. Dieser übersetzt den Koran, das heilige Buch der Muslime, ins Persische, damit auch eine große Zahl nicht arabisch-sprechende Muslime dieses Buch verstehen und seinen Geboten folgen kann.

Bis heute spielen die Naqschbandi eine bedeutende Rolle im religiösen Leben im Nahen Osten. Nach Anatolien wurde die Tariqa durch Molla Ilahi († 1409) gebracht, wo sie noch in der heutigen Türkei trotz des im Jahr 1925 erlassenen Verbots durch dessen Staatsgründer Atatürk, Derwisch-Zentren zu unterhalten, Anhänger hat. Dort unterhielten prominente Politiker wie Turgut Özal und Necmettin Erbakan enge Beziehungen zu dem Naqschbandi-Scheich Mehmet Zahid Kotku (gestorben 1980). Auch die Bildungsbewegungen der Nurcu Cemaati und der Süleimanci haben ihre Wurzeln in der Naqschbandi. In Syrien steht der Großmufti des Landes, Ahmad Kaftaru (*1912), an der Spitze eines eigenen Zweiges dieser Bruderschaft, mit einem großen internationalen Bildungszentrum in Damaskus.

In Deutschland und in den USA sind besonders die Anhänger des zypriotischen Scheichs Muhammad m al-Haqqani (*1922) aktiv. Er verfügt über einen größeren Zirkel deutscher Konvertiten zum Islam, die einen eigenen Verlag unterhalten und seine Schriften in deutscher Übersetzung herausbrachten. In den USA ist er mit einer eigenen Stiftung , der „Haqqani Foundation“, vertreten, die verschiedene Niederlassungen, einen Verlag und ein eigenes Studienzentrum in Michigan unterhält. In Usbekistan hat das historische Erbe der Naqschbandi nach dem Ende der Sowjetunion eine bedeutende Aufwertung erfahren. Ihre Ethik wird von offizieller Seite als zentrales Element der nationalen Kultur und als einheimisches Gegengewicht zu internationalen islamistischen Strömungen herausgestellt und propagiert. Das Grab von Bahauddin Naqschband bei Buchara ist zum Nationaldenkmal geworden. Es dient zugleich als internationales Pilgerzentrum für Naqschbandis aus aller Welt.
Geistige Abstammung von Bahauddin Naqshbandi
Prophet Muhammad († 11AH) - Medina
Abu Bakr († 13AH) - Medina
Salman der Perser († 35AH) - Madain
Qasim bin Muhammad bin Abu Bakr († 107AH) - Medina
Dscha'far al-Sadiq († 148AH) - Medina
Bayazid Bistami († 261AH) - Bastam
Abul Hassan Khurqaani († 425AH) - Khurqan
Abul Qasim Gorgani († ?) - Jarjan
Abu Ali Farmadi († 477AH) - Mashad
Yusuf Hamdani († 535AH) - Turkistan
Abdul Khaliq Gajadwani († 575AH) - Bukhara
Muhammad Arif Riogri († 616AH) - Tajikistan
Mehmood Injir Faghnavi († 715AH) - Bukhara
Azizane Ali Raamitni († 715AH) - Bukhara
Muhammad Baba Samasi († 755AH) - Bukhara
Sayyed Amir Kalal († 772AH) - Bukhara
Hadhrat Syed Bahauddin Naqshband († 2 Rajab al-Murajjab, 791AH) - Qasr-e-Aarifan (Bukhara)
Hadhrat Alaa'uddin Attaar († 20 Rajab) - Jafaaniyan (Mawralnahar)
Hadhrat Ya'qoob Charkhi († 5 Safar, 851AH) - Charkh (Bukhara)
Hadhrat Ebeydullah Ahraar († 20 Rabi al-Awwal, 895AH) - Samarqand (Mawralnahar)
Hadhrat Muhammad Zaahid († 1 Rabi al-Awwal, 936AH) - Wakhsh (Malk Hasaar)
Hadhrat Darwesh Muhammad († 19 Muharram, 970AH) - Samarqand (Mawralnahar)
Hadhrat Muhammad Waaqif Akangi († 21 Sha'baan, 1008AH) - Akang (Bukhara)
Hadhrat Baaqi Billaah († 25 Jumaad al-Aakhar, 1012AH) - Delhi (India)
Imam Rabbani,Mujaddid Alf Thani, Hadhrat Shaykh Ahmad Farooqui Sarhandi († 28 Safar, 1034AH) - Sarhand (India)
Hadhrat Muhammad Ma'soom Farooqui († 9 Rabi al-Awwal, 1079AH) - Sarhand (India)
Hadhrat Sayfuddeen († 19 Jumad al-Oola, 1096AH) - Sarhand (India)
Hadhrat Muhsin Dehlawi († ?) - India
Hadhrat Noor Muhammad Badyooni († 11 Dhul Qa'dah, 1135AH) - Dehli (India)
Hadhrat Mirza Mazhar Jaan-I-Jaanan († 10 Muharram, 1195AH) - Khanqah Mazharia (India)
Hadhrat Abdullah Shah († 22 Safar, 1240AH) - Khanqah Mazharia (India)
Hadhrat Abu Sa'eed Ahmad († 1 Shawwal, 1250AH) - Taunq (India)
Hadhrat Ahmad Sa'eed († 20 Rabi al-Awwal, 1277) - Madinah Munawwarah
Hadhrat Dawst Muhammad Qandhaari († 22 Shawwaal, 1284AH) - Moosa Zai (Dera Ismail Khan, Pakistan)
Hadhrat Muhammad Uthmaan Daamaani († 22 Sha'baan, 1314AH) - Moosa Zai (Dera Ismail Khan, Pakistan)
Hadhrat Siraaj-ud-deen († 26 Rabi al-Awwal, 1333AH) - Moosa Zai (Dera Ismail Khan, Pakistan)
Khwajah Ghareeb Nawaz Hadhrat Fazal Ali Shah Qureshi († 1 Ramadhan al-Mubarak, 1354AH) - Miskeenpur (Pakistan)
Hadhrat Abdul Ghaffar († 8 Shaban, 1384 AH) - Larkana, (Pakistan)
Hadhrat Allah Bakhsh († 6 Rabi-al-awwal 1404 AH) - Allah Abad Sharif, Kandiaro, Sindh (Pakistan)
Hadhrat Muhammad Tahir Bakhshi Naqshbandi (gegenwärtig) - Allah Abad Sharif, Kandiaro, Sindh (Pakistan)
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