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Nurculuk












Nurculuk
aus Wikipedia

Nurculuk ist die Bezeichnung für die auf den islamischen Denker kurdischer Abstammung Said Nursi zurückgehende religiöse Strömung in der Türkei. Der Begriff Nurcu (in etwa "Anhänger des göttlichen Lichts") wird von vielen Anhängern als verächtlich abgelehnt, da er häufig in kemalistischer Pro da verwendet wird, er lässt sich jedoch in den Werken Said Nursis nachweisen.

Untergruppen der Nur Cemaati
Die erste Abspaltung ereignete sich bereits zu Lebzeiten Said Nursis. Als 1956 der Druck der Werke Said Nursis erlaubt wurde, entschied dieser, dass die in Lateinschrift publiziert werden sollten. Eine kleine Gruppe in Isparta, dem Zentrum und Hochburg der Nurcus, bestand jedoch darauf, die Schriften weiterhin in arabischer Schrift von Hand abzuschreiben. Daher rührt die türkische Bezeichnung Yazıcılar (= Schreiber) dieser mittlerweile sehr kleinen Gruppierung.

Die Mehrheit der Anhänger Said Nursis sammelte sich nach dessen Tod 1960 hinter dem Rat der ağabeys, seiner engsten Mitstreiter zu Lebzeiten. Ihre wichtigsten Vertreter waren Zübeyir Gündüzalp, Mustafa Sungur und Bayram Yüksel. Vor allem mitte der 1960er Jahren und erneut nach dem Putsch von 1971 verfolgten staatliche Stellen die Nurcus wegen vermeintlicher staatsfeindlicher Aktivitäten. Der Rechtsanwalt Bekir Berk, der1957 aus dem nationalistischen Lager zu den Nurcus gestoßen war konnte jedoch in den meisten Fällen Freisprüche erwirken. Diese Gruppierung gab ab 1971 die Tageszeitung "Yeni Asya" heraus (deswegen Yeni Asyacılar), und ab 1977 die Montaszeitschrift "Köprü". In den siebziger Jahren bekämpften sie den Einfluss des Marxismus in der türkischen Gesellschaft. Sie unterstützten jedoch nicht die Islamisten um Necmettin Erbakan, da sie dessen Politkonzept als undemokratische politische Instrumentalisierung der Religion verwerfen. Stattdessen tendierten sie zur "rechten Mitte" - zu den "Demokraten", wie sie es selbst darstellen - d.h. der Gerechtigkeitspartei von Süleyman Demirel und deren Nachfolgerin die Partei des Rechten Weges. Nach dem Militärputsch von 1980 wurden ihre Zeitschriften mehrfach verboten, weil sie gegen die vom Militär erlassene Verfassung polemisierten. Die Parteinahme gegen das Militärregime und die Mutterlandspartei von Turgut Özal war jedoch nicht unumstritten. 1990 spaltete sich schließlich die Gruppe der Yeni Nesil (= Neue Generation) um Mehmed Fırıncı von der Yeni Asya-Gruppe ab, weil jene ihrer Ansicht nach, zu einem religiösen Unterstützungsverein für Süleyman Demirel geworden waren. Die Nesilciler betreiben einen Verlag und den Radiosender "Moral FM" und sind heute die stärkste Gruppierung der Nurcus. Ihr Verlage publiziert zahlreiche Romane, Sachbücher und Ratgeber.

Bereits 1980 hatte sich eine Gruppe von Nurcus um den in Erzurum lebenden Mehmed Kırkıncı abgespalten, weil sie den Putsch von Kenan Evren befürworteten. Später unterstützten sie die Mutterlandspartei von Turgut Özal. Generell sind die politischen Vorstllungen dieser Fraktion autoritärer. Ihr steht die Zeitschrift "Zafer" nahe.

Eine große Gruppe von Nurcus um Mustafa Sungur formierte sich zur Gruppe der Okuyucular (= Leser), welche sich selbst als die "klassische Form" der Nurculuk-Bewegung betrachtet. Sie legen das Schwergewicht auf die Lektüre der Schriften von Said Nursi.

Für eine stärker intellektuelle Ausrichtung steht dagegen die Zeitschrift "Karakalem".

Viel Aufsehen in der Öffentlichkeit und Missfallen bei anderen Nurcus erregte um 1990 die Strömung der Aczmendiler, die verlangte, dass man sich wie Said Nursi kleiden müsse.

Es besteht außerdem eine Gruppe kurdischer Nurcus, die Said Nursi als Vorkämpfer der kurdischen Nation betrachtet.

Eine Sonderrolle spielt Fethullah Gülen, dessen Aufstieg in den siebziger Jahren in Nurcu-Zirkeln in İzmir und Umgebung begann. Er wird von vielen Außenstehenden als bedeutendster Vertreter der Nurcus betrachtet. Doch traditionelle Nurcus wie auch er selbst betrachten ihn und seine Bewegung jedoch als eigenständige religiöse Gemeinschaft. Eng mit den Anhängern von Gülen arbeitet der populäre Autor Hekimoğlu İsmail zusammen, der in seinem Bestseller "Minyeli Abdullah" von 1967 und anderen Werken, die Ideen der Nur Cemaati in Romanform verbreitet.

Religiöse Praktiken und das Gemeinschaftsleben der Nurcus
Im Mittelpunkt der religiösen Praxis der Nurcus steht die sohbet, eine Zusammenkunft nach dem Abendgebet, bei dem aus den Werken Said Nursis rezitiert wird. Da für heutige Türken das Osmanische nicht mehr unmittelbar zugänglich ist, werden die Texte in modernes Türkisch übersetzt und ausgelegt.

Die Nurcus unterhalten zahlreiche Studentenwohnheime, die nach religiösen prinzipien geleitet werden.

Viele Nurcus, die wichtige Gemeinschaftsaufgaben übernehmen, verpflichten sich wie ihr Begründer zu einem Leben in der sonst im Islam gering geachteten Ehelosigkeit

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Nurculuk aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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