Warum hassen wir? Aus Wut? Aus Trauer?


linde hat folgendes geschrieben:

Ich konnte mir niemals vorstellen, dass Christus gemeint haben könnte, dass wir unsere Eltern hassen sollen.
Ich sah es auch immer in der Richtung wie Du es oben beschrieben hast.
Vielen Dank!

Natürlich hat er meiner Meinung nach auch nur gemeint, dass ich meine Eltern nicht im abgöttischen Sinn verherrlichen soll.
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
linde hat folgendes geschrieben:
Und vor einiger Zeit habe ich von einem jungen Mann eine Aussage über seine Oma gehört, die im letzten Weltkrieg ja schlimmste Dinge erlebt und mitbekommen hatte.

Sie hat wohl damals gesagt: "Das Schlimmste was UNS passieren kann ist, dass wir sie hassen."

Hat mich sehr beeindruckt.


Mich auch. Denn da steckt tiefe Weisheit und ein Höchstmaß an Erkenntnis von Gut und Böse drinnen.
Genauso arbeitet nämlich das letztlich immer auf den Tod abzielende Böse - es provoziert (lat. provocare - hervorrufen) immer neues Böses, um es in der Welt zu vermehren.
Aber warum kann es das tun? Doch nur deshalb, weil in unserer Seele überhaupt Böses steckt, das an die Oberfläche treten kann. Wäre da nur Gutes könnte das Böse "Tänze aufführen" und provozieren bis zum Umfallen und Schwarzwerden - es brächte ihm nichts. Und diese Grunderfahrung, dass in ausnahmslos jedem Menschen auch Böses drinnen steckt nennt man im Christentum "Erbsünde".

Der andere Aspekt - wenn das Böse auf die Vergrößerung des Bösen durch Hervorrufen von neuem Bösen abzielt, dann ist daraus eine wesentliche Erkenntnis für die Art wie es zu besiegen ist gewonnen - durch das "zu Tode lieben". Christus hat das Böse besiegt, weil Er das Einzige getan hat, dem es nichts entgegenzusetzen hat: Er widerstand jeder Provokation, freundet sich nicht einen Sekundenbruchteil mit Gedanken der Rache, der Verachtung und des Hasses an, liebt die, die ihm das Fleisch am Rücken mit Geiseln bis auf die Knochen zerfetzen, schaut mit Augen der Liebe und des Mitleids auf die, die ihn bespucken, hat milde Worte des Trostes für die, die ihn ausspotten und ihm auch das letzte Bisschen menschlicher Würde nehmen.
Christus hat durch sein vollkommenes Leben und seine vollkommene Liebe bis zum letzten Atemzug das Böse am Kreuz "zu Tode umarmt" - und so durch diese Geburtswehen seiner Passion hindurch den neuen Menschen zur Welt gebracht.

linde hat folgendes geschrieben:

Möge Gott mir beistehen und mich weiterhin davor bewahren zu hassen.


Darum bete ich auch. Und ich glaube, dass Er es auch durch Christus - das absolut makellose und reine Lamm Gottes, den König der Wahrheit, die menschgewordene Liebe - gewähren wird, wenn ich ihm nur ganz vertraue.
Dieses Vertrauen in den durch seine Auferstehung besiegelten Sieg Seiner göttlichen Liebe über den Hass der Welt möge Er, der König des Weltalls, auf die Fürsprache seiner allerseligsten Mutter Maria mir schenken. Darum bete ich am heutigen Christkönigssonntag ganz besonders.
Guten Tag,

weil wir Menschen mit Gefühlen sind und Gefühle oft über den Verstand siegen. Gefühltes Unrecht wird stärker empfunden als es eigentlich in den gültigen Wertekonzepten beurteilt wird. Und weil wir uns in einer Gemeinschaft, ob sie sich nun in "Liebe" zusammenfindet oder im "Haß" immer stärker fühlen als alleine.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Ich hasse niemanden. Mit den Menschen, die ich nicht verstehe oder die mich enttäuscht haben, versuche ich einfach, so wenig wie möglich zu tun zu haben.
Ein interessantes Thema,
meiner Meinung entsteht Hass aus einem Mangel an Verständnis. Den Mangel sich in die Lage eines anderen zu versetzen.
Also aus einem sehr starken Ego heraus, ... ICH und MEIN. Ich bin das Zentrum der Welt, Meine Sicht ist die Wirklichkeit.
Schlussfolgerung daraus ist, ein Mangel an echter Spiritualität. Die Dinge aus einem spirituellen Blickwinkel zu betrachten und nicht aus einem materiellen, wird uns vor Hass schützen.

Materiell betrachtet sind wir alle verschieden. Verschiedene Rassen, verschiedene Kulturen, verschiedene Sprachen, verschiedene Nationen, verschiedene Religionen, verschiedene Geschlechter. Wenn die Identifikation nun zu gross ist mit diesen äusseren Faktoren weil wir keine innere, spirituelle Verwirklichung von uns haben, kann Hass zu allem was "anders" ist entstehen.

So hat das Ganze Thema ja auch mit innerem Frieden zu tun.
Shri Krishna sagt in der Bhagavad-Gita:
Zitat:
"Derjenige, der sich vollkommen über Mich bewusst ist und weiss, dass Ich der letztliche Nutzniesser aller Opfer und Entsagungen, der Höchste Herr aller Planeten und Halbgötter und der Wohltäter und wohlmeinende Freund aller Lebewesen bin, erlangt Frieden von den Qualen des materiellen Daseins." BG 5.29


Die höchste Aussage der Bhagavad-Gita ist, das nicht die Religion das wichtigste ist, sondern das Entwickeln der Liebe zur Höchsten Person, zu Gott. Wenn jeder den Höchsten Herrn als Zentrum in seinem Leben sieht, kennt und danach lebt, herrscht Frieden.

Um jemanden lieben zu können müssen wir jedoch Wissen/Informationen über diese Person erlangen. Und genau dafür sind die heiligen Schriften gedacht. Informationen über Gott zu schenken.
Oft ist auch der Hochmut dieser negative "Gefühlsverstärker", vor Allem, wenn wir kritisiert werden.

"Man tadelt dich? - Werde nicht ärgerlich, wie dein Hochmut dir rät. - Denke: welche Liebe erweist man mir! Was wird man mir alles verschwiegen haben!"

Hl. Josémaria Escrivá, Der Weg Nr. 698
Hallo burkl, ja natürlich der Hochmut (Stolz) ist ein grosser Faktor des falschen Egos.
Mit dem "falschen Ego" wird in der Bhagavad-Gita das ICH und MEIN Denken verstanden.
Gefallen mir, die Kommentare der letzten Tage.
Schön, dass Du den Thread wieder hochgeholt hast, Mary-leen.



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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh