Warum hassen wir? Aus Wut? Aus Trauer?


Stimmt, glaube ich. Und die Evangelien sprechen eindeutig letztendlich gegen Hass und Verachtung.
linde hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Ich meine in dem Moment, in dem du anfängst zu hassen, kannst du eben genau diese freie Entscheidung nicht mehr treffen.

Deshalb fange ich erst garnicht damit an.

Wunderbar! Allerdings glaube ich nicht an die Endgültigkeit dieser Aussage.

linde hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Wenn z.B. jemand besoffen ein Kind tot fährt, dann überlege dir was in den Eltern vor geht.

Kein Zweifel, das ist schrecklich. Wenn ich mir vorstelle das wäre mit einem von meinen Kindern passiert oder würde einem meiner Enkel passieren. Einfach schlimm! Das wird wohl niemanden kalt lassen.
Doch der Hass macht das Kind nicht mehr lebendig.
Wie schon gesagt, ich bitte Gott, dass er mich in allen Situationen weiterhin davor bewahrt zu hassen.

Du hast recht. Das Kind würde nicht wieder lebendig. Wenn man sich dem Hass ergeben hat, blendet man diese Tatsache aus. Genau das meine ich, wenn ich sage, Hass ist einfach und differenziert nicht.

Wie man selber auf so eine Situation reagieren würde, kann man glaube ich nicht einschätzen.

linde hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Natürlich hast du auch Recht - man kann sich auch gegen Hass entscheiden. Aber die Entscheidung ist dann nicht frei. Man muss die Kraft dafür haben.


Ich denke eher wenn man hasst ist diese Entscheidung nicht frei, man hat sie unbewusst getroffen.
Ich kann mich aber ganz bewusst dazu entscheiden nicht zu hassen.
Ja, und dass so eine bewusste Entscheidung Kraft kostes ist klar.

Das die Entscheidung zu hassen auch nicht frei ist denke ich auch. Niemand entscheidet sich freiwillig zu hassen. Aber Hass ist einfacher zu ertragen als z.B. Trauer oder Verzweiflung. Trauer und Verzweiflung kommen mit dem Gefühl der Hilflosigkeit einher. Wenn man sich aber dem Hass ergibt und die Verzweiflung damit verdrängt, kann dies das Gefühl geben nicht Hilflos zu sein. Es entstehen zum Beispiel Gedanken an Rache. Ein Möglichkeit die sich bietet um aktiv zu werden, um die Dinge in die Hand zu nehmen. Dass das kaum funktionieren kann ist klar, doch Hass differenziert nicht.

linde hat folgendes geschrieben:
Viele meiner Bahai-Freunde im Iran sind furchtbaren Ungerechtigkeiten ausgesetzt. Sie kommen ins Gefangnis, viele wurden hingerichtet oder bestialisch ermordet und vieles, vieles mehr.
Würden sich die Bahai im Iran nicht ganz bewußt dazu entscheiden nicht zu hassen, dann würden sie aus dem Hassen garnicht mehr herauskommen.
Dass dies alles nicht einfach ist, ist auch klar, wie schon gesagt.

Ich denke erst einmal, dass wir die Situation dort nur sehr wage einschätzen können. Es stellt sich dar, als würden die Aggressoren gegen die Bahai viel mehr hassen. Die Bahai zeigen als Opfer keinen Hass. Mann sollte aber bedenken: Hass ist eine Emotion. Hass selbst tötet nicht. Man kann aus Hass zu einem Mord getrieben werden. Man kann Hass aber in sich hineinfressen oder gegen ihn bestehen und sich selbst aus der Hassspirale hinausziehen. Hier denke ich auch die von dir formulierte bewusste Entscheidung gegen den Hass.
Insgesamt meine ich, dort ist auf allen Seiten viel mehr Hass unterwegs als wir sehen können.

linde hat folgendes geschrieben:
Ich hab das in früheren Jahren ganz ähnlich gesehen wie Du, doch seit ich mich in diese Zitate hineinvertieft habe und bemüht bin sie zu verinnerlichen, hat da eine Wandlung in mir stattgefunden.
Jeder kann das genausogut wie ich, ich bin nichts Besonderes, und dass es nicht so einfach ist, ist auch klar.

Nun, ich lese hier ja viel mehr als das ich schreibe und das jetzt auch schon eine ganze Weile. Ich denke einschätzen zu können, dass du auch, wie viele hier im Forum, bewusst an deiner Persönlichkeit arbeitest.


linde hat folgendes geschrieben:
Wer dem Hass nachgibt, ist nicht mehr Herr seiner selbst.<
Buddhismus

Das sage ich doch die ganze Zeit

linde hat folgendes geschrieben:
Ein Tor nur gibt dem Hass nach.
Judentum

Ich nehme an mit Tor ist hier ein Mensch mit wenig Intelligenz und/oder Bildung gemeint, der Narr am Hofe der meines Wissens durchaus auch Tor bezeichnet wurde, musste ja in seiner Funktion eher gebildet sein.

Ich finde die Aussage an sich zu kurz gegriffen. Ich denke ein Tor neigt eher zum Hass. Intelligente und gebildete Menschen hassen, so meine Einschätzung, nicht so schnell dafür aber intensiver. Ich würde das aber bloß als Tendenz sehen. Aber man hasst nicht einfach nur aus Dummheit.


linde hat folgendes geschrieben:
>Hass stiftet Verwirrung. Klar denken und handeln kann nur, wessen Herz frei ist von Hass<
Hinduismus

Das kann ich unterschreiben. Aber auch Liebe und klares Denken beißen sich oft...


linde hat folgendes geschrieben:
Wer behauptet im Licht zu sein, und seinen Bruder hasst, der ist bis jetzt noch in der Finsternis.
Christentum

Ich würde es anders formulieren aber ich stimme zu.

linde hat folgendes geschrieben:
Liebe ist Licht, wo immer sie wohnt, und Hass ist Finsternis, wo immer er nistet.
Bahá'í-Religion

Ich würde es anders formulieren aber ich stimme zu.


linde hat folgendes geschrieben:
Früher hätte ich gesagt: "Ich hasse es, so spät ins Bett zu kommen wenn ich so früh wieder aufstehen muss".
Heute sage ich: "Ich mag es garnicht so spät ins Bett zu kommen....."

Ich bin davon überzeugt, auch unsere Sprache und Ausdrucksweise beinflusst unser Denken.

Wie oben schon gesagt, du arbeitest an dir.


Deine Zitate und deine Argumentation zielen darauf hin, dass Hass etwas negatives ist. Das Hass schlechte Auswirkungen hat. Dabei bin ich total auf deiner Seite. Allerdings braucht man auch nur die Nachrichten einzuschalten um zu sehen das sehr viel Hass auf der Welt real existiert. Die ursprüngliche Fragestellung wollte wissen aus welchem Grund dies so ist. Meiner Meinung nach erliegen diese Menschen dem Hass, weil sie mit ihren eigentlichen Emotionen nicht mehr fertig werden und kapitulieren, auf Hass ausweichen weil Hass leichter zu ertragen ist. Jemand der unter starkem emotionalem Stress steht kann sich nicht frei gegen Hass entscheiden. Man muss dem widerstehen und das ist eine Leistung, diese kann nicht jeder erbringen. Jemand der dem Mörder seines Kindes ohne Hass in die Augen schauen kann, ist eine starke Persönlichkeit, diesem Menschen würde ich hohen Respekt zollen. Man kommt auch nicht mit einer starken Persönlichkeit auf die Welt. Man entwickelt seine Persönlichkeit. Meistens geschieht dies unbewusst. Viele Menschen, wie du und ich und viele andere arbeiten auch bewusst an sich. Das sollte man auch tun, ist aber keinesfalls selbstverständlich. Und auch dies ist ein Leistung die man erbringt.


Liebe Grüße
Nadja
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Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz
Hallo Nadja, weiß nicht ob ich jetzt so auf alles eingehen kann was Du geschrieben hast. Meine Zeit ist grad etwas knapp.
Ich denke ganz generell verstehen wir beide wohl was der andere meint, auch wenn wir da und dort doch etwas verschiedene Standpunkte haben.

Du kamst wieder auf die Fragestellung des Threads zu sprechen. Ich glaube Du hast recht, das kam etwas zu kurz und darüber muss ich mir noch ein paar Gedanken machen.

Dann hast Du noch geschrieben:

Zitat:
Wie man selber auf so eine Situation reagieren würde, kann man glaube ich nicht einschätzen.


Ja, wie es ist wenn man ein Kind verliert das man durch einen betrunkenen Autofahrer verloren hat, kann ich in der Tat nicht einschätzen.

Doch ich habe durch so einen Unfall meine jüngere Schwester verloren (mit ihrem Mann) und ich kann nur sagen, dass ich so sehr damit beschäftigt war meinen eigenen Schmerz zu verarbeiten und vor allem meinen Eltern, die ja ein Kind verloren hatten, in ihrer großen Trauer beizustehn und zu helfen, ebenso mich um den Sohn meiner Schwester noch etwas zu kümmern, dass ich nicht eine Sekunde an Hass gedacht habe. Bei meinen Eltern bin ich mir sicher, dass auch sie nur gelitten haben und für Hassgedanken nichts mehr übrig blieb. Bei dem Sohn meiner Schwester, der ja beide Eltern verlor, weiß ich das nicht. Werde ihn gelegentlich mal dazu befragen. Mitbekommen habe ich aber in der Richtung damals nichts.

Alles Liebe erstmal
Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Ich denke, dass sind so Prüfungen, wo ich eine Lektion erteilt bekomme.
Zitat:

Aber vielleicht möchtest du ja ein wenig mit den Menschen hier über die Bibel sprechen? Wir diskutieren und philosophieren hier sehr oft über die heilige Schrift. Vielleicht möchtest du ja mitmachen und uns mit deinem Wissen bereichern? Vielleicht vertieft sich dadurch auch dein eigenes Verständnis um die Evangelien, durch die Erfahrungsberichte und Einsichten anderer User, was dir wiederum bei deiner Wortverkündung behilflich sein könnte.
Ehrlichgesagt bin ich nicht so auf das Diskutieren hier in diesem Forum aus, obwohl sicher gute Diskussionen zustande kommen würden. Ich meine damit auch nicht, dass ich schon alles wüsste und nichts mehr dazulernen müsste. Aber mir ist es vielmehr wichtig, dass Menschen ihre einzige Rettung, JESUS CHRISTUS kennenlernen dürfen und erkennen dürfen, dass ER der EINZIGE Weg zu GOTT ist.
Lg Barbara
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JESUS spricht zu ihm: "Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als nur durch mich". Die Bibel, Johannes 14,6
Ich denke auch, Jesus Christus hat den Weg zu Gott eindeutig gezeigt bzw. gelehrt.
@Peter Trim und Babsi!

Aber nur wenn ihr liebt und verzeiht so wie Jesus Christus es gelehrt hat, denn das Wichtigste das Jesus Christus uns mit auf den Weg gegeben hat ist neben der bedingungslosen Liebe das Verzeihen. Ohne Liebe und Verzeihen kommt niemand in den jenseitigen Himmel, sondern er ist weiterhin dem karmischen Rad ausgesetzt.

Für mich als Sahajayogi ist der einzige Weg sich mit der alles durchdringenden Kraft der göttlichen Liebe im Kronenchakra zu verbinden die Überwindung des schmalen Grates im dritten Auge Chakra durch das Verzeihen , da durch das Verzeihen erst der Weg, der das Ego und das Superego überwindet, gebahnt wird.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Hi Nadja, wie versprochen möchte ich nochmal auf die Fragestellung des Threads zu sprechen kommen:

"Warum hassen wir? Aus Wut? Aus Trauer?

Ganz sicher können Wut und Trauer Auslöser für Hass sein.

Doch warum ein Mensch hasst und der zweite in einer ähnlichen Situation eben nicht, hat meiner Meinung nach doch sehr viel damit zu tun, dass der erste nie Worte wie die nachfolgenden gehört und sie verinnerlicht hat oder aber sie einfach ignoriert. Zumindest wäre das eine der Ursachen. Eine weitere Ursache könnte noch die sein was uns vorgelebt wurde.


Wer dem Hass nachgibt, ist nicht mehr Herr seiner selbst.<
Buddhismus

Ein Tor nur gibt dem Hass nach.
Judentum

Ein Hassgedanke muss mit einem mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden.
Bahai-Religion

>Hass stiftet Verwirrung. Klar denken und handeln kann nur, wessen Herz frei ist von Hass<
Hinduismus

Wer behauptet im Licht zu sein, und seinen Bruder hasst, der ist bis jetzt noch in der Finsternis.
Christentum

Liebe ist Licht, wo immer sie wohnt, und Hass ist Finsternis, wo immer er nistet.
Bahá'í-Religion

Schöne Grüße Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Müssen wir hassen?

Unter diesem Titel beschrieb die Ärztin und Psychoanalytikerin Magarethe Mitscherlich in den 70er Jahren ihre Beobachtungen über unseren Umgang mit dem eigenen Hass. Bei der Behandlung von Patienten fand sie heraus, dass Hass durch den Entzug von Liebe entsteht. Am Beispiel der Eifersucht und auch am Neid ist das verständlich. In der Erziehung unserer eigenen Kinder achten wir darauf, dass sie möglichst unsere ganze Zuwendung erfahren und sich nicht zurückgesetzt fühlen.

Als Erwiderung auf diese Elternliebe können wir in den zehn Geboten lesen: "Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß Du lange lebest auf Erden.“ Doch wie ist das mit Luk. 14, Vers 26 in Einklang zu bringen "So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, der kann nicht mein Jünger sein"? Steht diese Stelle der Bibel nicht im Widerspruch mit dem obigen Gebot sowie der Aussage Jesus „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst ...“? Eine Antwort darauf können wir in den ursprünglichen Aufzeichnungen des Neuen Testaments finden. Diese Originale wurden in aramäischer Sprache geschrieben und uns später überliefert-

Dabei wurde das aramäische Wort „saney“ mit „Hass“ übersetzt. „Saney“ heißt im Aramäischen jedoch nicht nur „hassen“ sondern auch „zur Seite stellen, an die zweite Stelle setzen“. Übersetzen wir dieses Wort aus dem Aramäischen so, dann heißt es: Wer Vater oder Mutter nicht an die zweite Stelle setzt, der kann nicht mein Jünger sein.

Diese Übersetzung steht dann auch wieder im Einklang mit der Aussage Jesu:“ Liebe Gott über alles und Deinen Nächsten wie dich selbst.“ Was doch nichts anderes heißt als:“ Setze Gott an erster Stelle und alles andere an zweiter Stelle“.

Diese Aufforderung verlangt jedoch nicht, dass wir der Welt unsere Liebe entziehen sollen. Uns wird vielmehr nahegelegt, uns der Liebe Gottes zu öffnen, um so aus erster Hand die Welt zu erleben. Dann erst können wir die Schöpfung, also Menschen, Tiere, Pflanzen und das Mineralreich so wahrnehmen, wie sie sind und nicht, wie wir sie uns denken. Der heute abgelehnte und angefeindete Vers 28 des 1. Kapitels der Genesis: "Macht Euch die Erde untertan!" bekommt in der Zuwendung zur Liebe Gottes eine völlig neues Verständnis.

Damit verliert auch die Voraussetzung für Hass ihren Nährboden. Denn Hass gedeiht nur aufgrund des Gefühls, von anderen Menschen nicht geliebt zu werden. Doch die Liebe Gottes kann uns kein anderer Mensch entziehen. Das können nur wir selbst. Auch können wir uns nur allein dieser Liebe zuwenden, indem sich unser Herz dafür öffnet. Auf dem weiteren Lebensweg kann uns diese Liebe dann wieder begegnen. In ihren Impulsen schwächen sich Reaktionen wie z.B. der Hass langsam und stetig ab, um sich irgendwann aufzulösen.

meint

kohle
NadjaB hat folgendes geschrieben:
Aber Hass ist einfacher zu ertragen als z.B. Trauer oder Verzweiflung. Trauer und Verzweiflung kommen mit dem Gefühl der Hilflosigkeit einher. Wenn man sich aber dem Hass ergibt und die Verzweiflung damit verdrängt, kann dies das Gefühl geben nicht Hilflos zu sein. Es entstehen zum Beispiel Gedanken an Rache. Ein Möglichkeit die sich bietet um aktiv zu werden, um die Dinge in die Hand zu nehmen. Dass das kaum funktionieren kann ist klar, doch Hass differenziert nicht.

Wobei Verzweiflung durchaus nützlich sein kann, da man dann am eigenen Weltbild zumindest ein Stück weit zweifelt und das Ganze eventuell genauer hinterfragt. Trauer ist kein Zeichen von Hilflosigkeit, sondern ein natürliches Wehklagen über aktuelle Situationen. Hass hingegen ist so gesehen reine Dummheit, da es nichts bringt und für alle Beteiligten maximal zerstörerisch sein kann.
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!