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Sayyid Qutb












Interpretationen und Wirkungsgeschichte
Da Qutb 1966 hingerichtet wurde, war ihm selbst eine Ausformulierung und Überarbeitung seiner Gedanken nicht mehr möglich. Es blieb beispielsweise letztendlich unklar, ob er tatsächlich jeden einzelnen Menschen in Ägypten als Murtadd, als Abtrünnigen sah, wo er doch die Gesellschaft als Dschahiliyya bezeichnet hatte. Wollte er tatsächliche den bewaffneten Kampf und die Beseitigung der Herrscher? Kepel verneint dies, was aber nichts daran ändert, dass Teile der jungen Mitglieder der Muslimbruderschaft mit den Gedanken sympathisierten. Diejenigen, welche Qutbs Aussagen als Takfir der Herrscher betrachteten, waren die kommenden radikalen Gruppen der „Dschihadisten“. Sie praktizierten die Exkommunikation, den Takfir, wie einst die Charidschiten zur Zeit des vierten Kalifen Ali

Einige Kritiker meinten, Qutb sei mit seiner Kritik an den „Muslimen" über das Ziel hinausgeschossen, denn es gebe es keine dschahilitischen (nichtislamischen) Gesellschaften, sondern nur viele Muslime, die sich in einem Zustand des Dschahel (Unwissenheit), befänden und Aufklärung benötigten. Der Takfir (Exkommunikation) von Muslimen, welche die Schahada bezeugt hatten, sei nicht legitim.

Die kommenden Bewegungen griffen diesen Takfir (Exkommunikation) auf, inspiriert durch ihr Verständnis der Schriften Qutbs. Die Gelehrten (ʿUlama) der Al-Azhar-Universität lehnten die Schriften Qutbs ab. In ihren Urteilen erklärten sie ihn zu einem Munharif (Abweichler) und identifizierten seine Gedanken mit dem der bereits erwähnten Charidschiten. Die Azhar-Gelehrten „zerlegten“ Qutbs Wegzeichen als aufrührerischen, charidschitischen Text, die im Lichte der aufrührerischen Aktionen gegen das Nasser-Regime gesehen werden müssten. Er sei nur ein religiöser Eiferer der sich gegen die Revolution verschworen hätte. Das Ziel sei es die der Nation Schaden zuzufügen und sie ins Elend zurückzustoßen. Qutb selbst berief sich jedoch auf die islamische Tradition und lehnte eine Gleichsetzung mit den Chawaridsch ab.

Sein Bruder Muhammad Qutb erwiderte 1975 auf die Vorwürfe gegen seinen Bruder, dass er ihn mehr als einmal habe sagen hören: „Wir sind Prediger und keine Richter. Unser Ziel ist es nicht, den Menschen Regeln aufzuzwingen, sondern ihnen diese eine Wahrheit nahe zubringen, dass es keinen Gott außer Gott gibt. Tatsächlich wissen die Menschen nicht, welche Anforderungen diese Formel beinhaltet.“

Ein Teil der Muslimbruderschaft hatte sich trotz der Maßnahmen der Regierung mit ihr arrangiert.

Die in den 1950er Jahren wegen Kooperation mit dem Regime von den Muslimbrüdern verstoßenen, kehrten später zurück. Der revolutionäre Teil, der sich aus Studenten und Akademikern ohne Zukunftshoffnungen rekrutierte, wurde nicht nur in der Wortwahl, sondern auch in der Wahl der Mittel immer radikaler. So verkörperten schon Qutb und der Nachfolger al-Bannas, Hudaibi, zwei gegensätzliche Pole in der islamischen Bewegung. Dem folgten die radikalisierten Gruppen. Einer ihrer Mitbegründer (Aiman az-Zawahiri), kämpft heute mit Usama bin Ladin gegen die USA, Israel und alle, die sie als ihre Helfer ausmachen.

Werke
Mahammat asch-schaʿir fi-l-hayat wa schiʿr al-dschil al-hadir (Die Aufgabe des Poeten für das Leben und der Poesie für die heutige Generation), 1933
Asch-schati’ al-madschhul (الشاطئ المجهول) („Das unbekannte Ufer"), 1935
At-taswir al-fanni fi-l-qur'an (eine literaturwissenschaftliche Abhandlung über den Koran), 1944/45
Tifl min al-qarya (طفل من القرية) („Eine Kindheit auf dem Lande"), 1946
Al-ʿadala al-idschtimaʿiyya fi-l-islam (العدالة الاجتماعية في الإسلام) (Social Justice in Islam), 1949
Fi zilal al-qur'an (في ظلال القرآن) („Im Schatten des Korans"), 1954, Korankommentar in 30 Bänden
Maʿalim fi t-tariq (معالم في الطريق) („Wegzeichen"), 1964

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel Qutb aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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