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7Q5












7Q5
aus Wikipedia

7Q5 ist die Bezeichnung eines Papyrusfragmentes, das in der Höhle 7 von Qumran am Toten Meer gefunden wurde. Bedeutsamkeit erhielt das Fragment durch die These, in ihm sei ein Textabschnitt des Markusevangeliums (Markus 6,52-53) enthalten. Diese These wurde zuerst 1972 von José O’Callaghan in seinem Aufsatz ¿Papiros neotestamentarios en la cueva 7 de Qumrân? aufgestellt, später wurde sie von Carsten Peter Thiede in The Earliest Gospel Manuscript? (1982) wiederaufgegriffen, der sie bis zu seinem Tod 2004 vertreten hat. Die These wird aber von den meisten Forschern abgelehnt.

Inhalt
Auf dem einseitig beschriebenen Papyrusfragment sind Reste von 5 Zeilen mit griechischen Buchstaben im so genannten Zierstil erhalten. Davon sind höchstens 10 Buchstaben sicher zu lesen. Die Lesung der Buchstaben gemäß der Erstedition 1962 (editio princeps; nach R.P. Boismard):

].[

]. τωι α.[

]η και τω[

]ννησ[

]θηεσ[

Anmerkung: Als sichere Lesung eingestufte (vollständig erhaltene) Buchstaben sind fett gedruckt, alle anderen sind mehr oder weniger unsicher; ein Punkt markiert einen nicht zu identifizierenden Buchstaben.

Bedeutung
Die Bedeutung einer Identifizierung des Fragments 7Q5 mit Markus 6,52-53 wäre beträchtlich. Dies erklärt die engagierte Debatte, die darüber geführt wurde und z.T. noch wird. Dabei werden zwei verschiedene Bereiche berührt: zum einen die Frage nach der Beziehung der frühen Christen zur Gemeinschaft von Qumran und zum anderen die Frage der Datierung des Markusevangeliums.

Erstens müsste man nämlich annehmen, die Gemeinschaft von Qumran habe sowohl Zugang zu einer frühen Abschrift des Markusevangeliums als auch archivarisches Interesse an diesem Text gehabt, was durchaus problematisch ist. Die Essener, mit denen die Gemeinschaft von Qumran oft gleichgesetzt wird, waren nämlich eine ausgesprochen gesetzestreue Gruppierung, die sich auch von anderen jüdischen Sekten abgesondert hat. Die Schriften der frühen Kirche waren demgegenüber deutlich freizügiger, insbesondere stellt auch der auf Markus 6,52-53 folgende Abschnitt Markus 7 eine scharfe Absage Jesu an die legalistische Praxis der Pharisäer und Schriftgelehrten dar.

Die Gemeinschaft von Qumran löste sich spätestens 68 n. Chr. auf, was eine Datierung der dortigen Schriften auf ein früheres Datum notwendig macht. Im Falle einer Markus-Identifizierung von 7Q5 hätten wir hier das älteste Fragment eines neutestamentlichen Textes vor uns, einige Jahrzehnte älter als das Johannes-Fragment P52. Überdies müsste man die Abfassung des Markusevangeliums um einiges früher als üblich ansetzen, in die 50er oder sogar 40er Jahre des 1. Jahrhunderts. Dies wiederum hätte deutliche Auswirkungen auf die Bewertung der Historizität des Textes. Von konservativen Theologen wird ohnehin vielfach eine Frühdatierung vertreten, die der Authentizität des Evangeliums größeres Gewicht verleihen würde.

Argumentation
Die Argumentation beruht auf zwei Aspekten. Erstens signalisiert der deutliche Abstand vor dem Wort και <kai> ("und") einen Textabsatz, was zu dem üblichen Bild in frühen Markushandschriften passt (Bei Markus fangen sehr viele Sätze und auch Abschnitte mit diesem Wort an.). Zweitens ist die Buchstabenkombination ννησ <nnes> in Zeile 4 auffällig und könnte auf das Wort Γεννησαρετ <Gennesaret> hindeuten, das nur dreimal im Neuen Testament vorkommt. Alle Versuche, das Fragment einem anderen bekannten griechischen Text zuzuordnen, sind bisher fehlgeschlagen.

Um eine Identifizierung mit Markus 6,52-53 zu ermöglichen, müsste der Text etwa folgendermaßen rekonstruiert werden:

ου γαρ συνηκαν ]ε[πι τοισ αρ

τοισ αλλ ην α]υ των η[ καρδια

πεπωρωμεν]η και τι[απερασ

αντεσ ηλθον εισ γε]ννησ[αρετ

και προσωρμισ]θησα[ν

Dagegen sprechen eine Reihe von Argumenten:

Erstens ist das Fragment so klein und so schlecht erhalten, dass eine zuverlässige Identifizierung der Buchstaben großenteils schwierig oder unmöglich ist.
Zweitens gibt es keine Übereinstimmung darüber, dass ννησ die korrekte Lesart der 4. Zeile ist. Wichtiger ist jedoch, dass diese vier Buchstaben außer in Gennesaret auch in dem Wort εγεννησεν <egennesen> ("gebar, zeugte") vorkommen. In der Tat wurde bereits in der Erstedition diese Lesart konjiziert und vorgeschlagen, es handle sich bei dem Fragment um einen Ausschnitt aus einer Genealogie.
Drittens: Um das Fragment mit Markus 6,52-53 zu identifizieren, muss man in Zeile 3 eine Ersetzung von ursprünglichem δ <d> durch τ <t> annehmen, wofür es keine Parallele gibt.
Da viertens die Zeilen einer Kolumne stets in etwa gleich lang sind (Stichometrie), müsste man davon ausgehen, dass nach τιαπερασαντεσ <tiaperasantes> (eigentlich διαπερασαντεσ <diaperasantes> "hinübergefahren", Zeilen 3 und 4) die Worte επι την γην <epi ten gen> ("an Land") ausgelassen wurden, was als Textvariante allerdings nirgends belegt ist.
Schließlich ist die Identifizierung des auf Omega folgenden Buchstabens in Zeile 2 mit einem Ny stark angefochten worden, da es (unter Ergänzung des fehlenden Schrägstriches, für den allerdings Restspuren geltend gemacht werden) deutliche Abweichungen von dem Schreibmuster aufweist, wie es etwa in Zeile 4 deutlich zu erkennen ist. Stattdessen gibt es starke Argumente für die Lesart als Iota + Alpha (so schon in der Erstedition).

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel 7Q5 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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