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Brot und Wein
Die Eucharistie wird in der Regel mit Brot und Wein gefeiert. In der römisch-katholischen und der lutherischen Kirche verwendet man Hostien aus ungesäuertem Teig, (d.h. unfermentiertem Teig, also auch keine Hefen oder Backpulver), in den Ostkirchen dagegen normales Weizenbrot (Prosphoren) aus Hefeteig. Evangelische Kirchen und Freikirchen verwenden gewöhnlich normales (Weiß-)Brot, manchmal jedoch auch in Anlehnung an das jüdische Passahmahl die ungesäuerten Hostien. In vielen protestantischen Gemeinden wird seit dem 19. Jahrhundert aus Rücksicht auf Kinder und Alkoholiker kein Wein, sondern Traubensaft zum Abendmahl gereicht. Vor der Erfindung moderner Konservierungsmethoden wäre das natürlich in den meisten Jahreszeiten gar nicht möglich gewesen. Für diesen Usus gibt es allerdings nicht nur eine praktische Begründung, sondern auch eine biblische: In allen Texten, die die Abendmahlsthematik berühren, wird zwar vom Brot gesprochen, nicht aber vom Wein als alkoholisches Getränk. In den Abendmahlsberichten ist vom Kelch die Rede, an anderen Stellen vom "Gewächs des Weinstocks".
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Liturgie
Trotz aller Unterschiede gibt es in der Abendmahlsliturgie viele Elemente, die - in mehr oder weniger festgelegter Form und Reihenfolge - in den meisten Konfessionen vorkommen. Manche dieser Elemente sind schon aus Liturgien des zweiten und dritten Jahrhunderts überliefert.
Schuldbekenntnis und Absolution
Präfation (großes Dankgebet) Sursum Corda - Erhebt eure Herzen zum Herrn
Tersanctus (Dreimal Heilig - Heilig, heilig, heilig) mit Benedictus qui venit
Anamnese (Griechisch für Erinnerung)
Mysterion (Geheimnis des Glaubens): Priester: Geheimnis des Glaubens; Gemeinde: Deinen Tod oh Herr verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit.
Epiklese (die Konsekration)
Vaterunser
Fraktion (das zeremonielle Brechen des Brotes)
Kommunion Verteilen von Brot und Wein
Agnus dei Christe, Du Lamm Gottes
Friedensgruß
Gebet
Segen und Entlassung
Zulassung zum Abendmahl
Die Zulassung zum Abendmahl wird je nach Konfession unterschiedlich gehandhabt - bezüglich Kirchenmitgliedschaft und ebenso bezüglich Teilnahme von Kindern (Kinderabendmahl).
In der Orthodoxen Kirche können nur orthodoxe Christen die Kommunion empfangen (siehe unten)
In der Römisch-Katholischen Kirche sind insbesondere Gläubige dieser Kirche (nach der Erstkommunion), einschließlich Christen der mit Rom unierten Kirchen - diese bereits unmittelbar nach der Taufe - , zum Empfang der Kommunion zugelassen, sowie alle Getauften, die (kirchen-)rechtlich nicht daran gehindert sind (Can. 912 Codex Iuris Canonici). Der Zustand schwerer Sünde hindert am Kommunionempfang (Problematik z. B. der wiederverheirateten Geschiedenen, wobei hierbei noch das Problem eines öffentlichen Verharrens in diesem Zustand hinzugekommt - nur in solchen Fällen darf die Kommunion vom Spender verweigert werden).
In anderen katholischen Kirchen, zum Beispiel der Alt-Katholischen Kirche gilt die Einladung zur Eucharistie für alle Christen nach Erstkommunion oder Konfirmation
In den Lutherischen und Reformierten Kirchen sind alle getauften Christen zugelassen, die auch in ihrer eigenen Kirche zum Empfang der Eucharistie oder des Abendmahles zugelassen sind, in der Regel die Angehörigen der eigenen Konfession jedoch erst nach Katechese und Konfirmation. In manchen evangelischen Landeskirchen wird das Abendmahl auch Ungetauften gereicht, wenn sie hinzutreten.
In den lutherischen Freikirchen, die die uneingeschränkte Geltung der lutherischen Bekenntnisschriften (BSLK) vertreten, werden nur getaufte Christen mit gleichem Abendmahlsverständnis zugelassen. Diese Maßnahme verstehen sie als Wahrnehmung ihrer seelsorglichen Verantwortung gegenüber Andersgläubigen (unter Berufung auf 1.Kor 11,29: "Denn wer so isst und trinkt, daß er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.").
Ausdrücklich sind in den Reformierten Kirchen der Schweiz alle zum Abendmahl eingeladen, die sich zu Jesus Christus bekennen. Zudem kennt man in der Schweiz das Kinderabendmahl seit Jahrzehnten und es hat seinen Ort in der Praxis gefunden. Dieser Brauch wird auch von immer mehr Kirchen außerhalb der Schweiz übernommen.
In manchen Freikirchen sind alle wiedergeborenen Christen zugelassen, in anderen nur die, die aufgrund eines persönlichen Bekenntnisses ihres Glaubens an Jesus Christus getauft worden sind (Glaubenstaufe)
Die Evangelisch-methodistische Kirche kennt keine Einschränkungen in der Zulassung zum Abendmahl, jeder der es wünscht, kann teilnehmen. Sie argumentieren, dass der Gastgeber Jesus Christus selbst sei, und es deshalb keinem zustehe Einschränkungen vorzunehmen. Die meisten Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden verfahren heute ähnlich.
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Konfessionelle Ausprägungen
Hier werden an einigen Beispielen die Unterschiede bei Abendmahlsverständnis, Liturgie und Zulassungspraxis verschiedener Konfessionen gezeigt:
Römisch-katholische Kirche
Die katholische Kirche bezeichnet das Abendmahl meist als Eucharistie.
Wesen der Eucharistiefeier
In der Eucharistiefeier, die als zeremonielle Wiederholung des letzten Abendmahles verstanden wird, wird das ungesäuerte Brot (Hostie) und der Wein entsprechend der katholischen Theologie durch Jesus Christus selbst in sein wahres Fleisch und Blut verwandelt. Deshalb spricht der Priester an Christi statt (in persona Christi) die Einsetzungsworte "Das ist mein Leib" und "Das ist mein Blut".
Nach katholischem Verständnis vergegenwärtigt die Eucharistie (deshalb auch „Messopfer“ genannt) in unblutiger Weise das eine Kreuzesopfer, das Christus für die Menschen dargebracht hat, für die Vergebung der Sünden (siehe auch Geheimnis des Glaubens). Der Empfang der Eucharistie vermehrt die Liebe Gottes, bewahrt dadurch vor der Anhänglichkeit an die Sünde und bewirkt die Vergebung leichterer Sünden. Somit bleibt Christi Kreuzesopfer durch die Geschichte hindurch in seiner Gemeinde lebendig und wirksam, jeder Mensch kann seinem Opfer beiwohnen.
Von Beginn an trafen sich zur Feier der Eucharistie der armselige Sklave, der Zöllner oder der Aristokrat. Philosoph saß neben Analphabet, der Aristokrat neben der bekehrten Dirne oder dem Hafenarbeiter, der nach damaligem römischen Recht nicht einmal den Wert einer Sache hatte. So wie Jesus Christus sich öffentlich vor der Stadt kreuzigen ließ, die Hände auf Alle hin gerichtet, so ist die Eucharistiefeier bis heute der öffentliche Gottesdienst Aller und kein Treffen eines Clubs von Gleichgesinnten.
So lehrt das Konzil von Trient:
Dieses Opfer ist ein wirkliches Sühnopfer ..., Lehre vom Heiligsten Messopfer, 2. Kapitel
Daneben erfährt die Gemeinde in der Eucharistiefeier im Rahmen der Messe die ewig gewährte Gemeinschaft mit dem auferstandenen und verklärten Christus und sagt dafür Dank. Dieser Gedanke wird jedoch als zweitrangig angesehen, die präzise Lehre des Konzils von Trient sagt dazu:
Wer sagt, in der Messe werde Gott nicht ein wirkliches und eigentliches Opfer dargebracht, oder die Opferhandlung bestehe in nichts anderem, als dass uns Christus zur Speise gereicht werde: der sei (aus der Kirche) ausgeschlossen.
Indem das in der Kirche vereinte Volk Gottes beim Mahl des Herrn den Leib Christi empfängt, wird es selbst zum "Leib Christi".
Realpräsenz
Nach katholischer Lehre sind bei der Eucharistie "Leib und Blut Christi wahrhaft, wesentlich und wirklich gegenwärtig" (Realpräsenz). Durch das vom Priester gesprochene eucharistische Hochgebet, speziell durch die Epiklese (Anrufung des Heiligen Geistes) und die Konsekrationsworte, vollzieht sich die geheimnisvolle Wesensverwandlung von Brot und Wein zum Leib und Blut Christi. Da Jesu Auftrag, Brot und Wein zu seinem Gedächtnis zu teilen, an die Apostel erging, kann die Konsekration nach katholischer Auffassung nur von ordinierten Priestern gültig vollzogen werden, da nur diese durch ihre Weihe Stellvertreter der Bischöfe sind, welche wiederum Nachfolger der Apostel sind.
Ab dem 9. Jahrhundert wurde die Wandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut immer gegenständlicher aufgefasst, unter zunehmendem Einfluss der Philosophie des Aristoteles. Diese Transsubstantiation wurde im 4. Laterankonzil 1215 zum Dogma erhoben. Seitdem haben sich innerhalb der katholischen Kirche zahlreiche Andachtsformen entwickelt, die der Verehrung des Leibes und Blutes Christi dienen -- Aussetzung (Ausstellung) von Hostien in Monstranzen, Fronleichnamsprozession etc. Berichte von Hostienwundern, etwa blutenden Hostien oder gar der Verwandlung einer Hostie in den Schmerzensmann während der Messe, unterstreichen das Dogma.
Für die katholische Kirche ist also in der konsekrierten Hostie Jesus real gegenwärtig und bleibt es auch nach der eigentlichen Opferfeier, weshalb die Hostien im Tabernakel verschlossen und auch als Repräsentation Jesu angebetet werden -- nicht nur verehrt wie die bildlichen Darstellungen von Jesus. Für die katholische Theologie besteht kein Widerspruch zwischen der Tatsache, dass es sich beim Brot und Wein der Eucharistie der Gestalt nach weiter um Brot und Wein handelt, und dem Glauben, dass die letzte, eigentliche Wirklichkeit des eucharistischen Brots und Weins der wirklich gegenwärtige Christus ist.
Kommunion
Das Sakrament wirkt durch seinen korrekten, der Einsetzung gemäßen Vollzug, ex opere operato. Die katholische Kirche empfiehlt die häufige und sogar tägliche Kommunion - jedoch nur in seltenen Fällen mehr als einmal pro Tag. Allerdings darf nur kommunizieren, wer mehrere Voraussetzungen erfüllt. Zum einen ist zur Kommunion der Glaube an die Realpräsenz Christi nötig, weshalb kleine Kinder (außer in den katholischen Ostkirchen) nicht kommunizieren dürfen, da sie die Hostie noch nicht von normalem Brot unterscheiden können. Weiterhin muss der Kommunizierende auch frei von schweren Sünden sein - gegebenenfalls muss er sich vor der Kommunion in der Beichte mit Gott versöhnen.
Nach katholischem Glauben ist Jesus Christus unter der Gestalt des Brotes als auch unter der Gestalt des Weines ganz und lebendig mit Leib und Blut, Seele und Gottheit enthalten - im Gegensatz zu dem Glauben, Christi Leib sei nur unter der Gestalt des Brotes und sein Blut nur unter der Gestalt des Weines gegenwärtig. Somit ist die Kommunion unter beiden Gestalten theologisch betrachtet nicht notwendig. Aus diesem Glauben entwickelte sich seit dem Hochmittelalter die Eucharistiepraxis, dass der Kelch von den Laien mehr und mehr gemieden und ihnen schließlich entzogen wurde; nur der Priester trank den Wein, damit nichts verschüttet wurde (s. Laienkelch). Heute ist der Empfang der Kommunion unter beiderlei Gestalt wieder möglich (besonders empfohlen zu bestimmten Anlässen), wird aber nicht immer und überall praktiziert.
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Orthodoxe Kirchen
Auch die Orthodoxen Kirchen sind der Auffassung, dass Brot und Wein wirklich Leib und Blut Christi sind. Die Liturgie hat Parallelen zum jüdischen Tempelgottesdienst. Im Gegensatz zur römisch-katholischen Eucharistielehre gibt es für die orthodoxe Theologie jedoch keine konkrete Formel, durch die der Priester die Wandlung vollzieht -- das Mysterium des Abendmahls geschieht durch die Liturgie als Ganzes, wobei die Anrufung des Heiligen Geistes über den Gaben in der Epiklese eine zentrale Stellung einnimmt. Auf eine philosophische Klärung des "wie" der Wandlung wird verzichtet, der Ausdruck Transsubstantiation wird nicht verwendet, teilweise sogar explizit abgelehnt. Die Eucharistie, die bei den byzantinischen Kirchen auch als Göttliche Liturgie bezeichnet wird, gilt auch hier als Opfer, genauer als Vergegenwärtigung des einen Opfers Christi. Der Empfang der Eucharistie durch nicht-orthodoxe Christen gilt als unmöglich, da nach orthodoxem Glauben der Teilnehmerkreis der Eucharistie (und nichts anderes) per definitionem die Kirche ist, und nicht-orthodoxe somit quasi automatisch zur Orthodoxen Kirche überträten wenn sie teilnähmen. Wenn ein Gläubiger die Eucharistie empfangen möchte, meldet er sich üblicherweise am Vortag beim Priester an; dies gilt vor allem für Auswärtige, die der Priester nicht persönlich kennt. Voraussetzung für den Empfang der Eucharistie ist zudem die Beichte.
Die Anwesenheit von Gläubigen ist für die Feier der Eucharistie unabdingbar — eine eucharistische Liturgie ohne Gläubigen ist so wenig möglich wie ohne Priester. Ein Priester darf die Eucharistie höchstens einmal am Tag feiern, sie darf auch in jedem Kirchengebäude nur einmal am Tag stattfinden und ein Gläubiger ebenfalls höchstens einmal am Tag daran teilnehmen. Tägliche Eucharistiefeier ist jedoch in der Orthodoxie auch für Priester ziemlich unüblich, gewöhnlich ist eher der wöchentliche Rhythmus, vor allem die Feier am Sonntag. Alle getauften orthodoxen Christen dürfen die Eucharistie empfangen, auch Kleinkinder, da die orthodoxe Kirche "Glauben" vor allem im Sinne eines Vertrauens versteht, zu dem auch kleine Kinder schon fähig sind, weniger im Sinne eines "Für-wahr-Haltens", dass einen entwickelten Verstand erfordern würde. Allerdings verlangen einige Kirchen von erwachsenen Teilnehmern eine vollständige Beichte am Vorabend, was dazu geführt hat, dass in manchen orthodoxen Kirchen die Erwachsenen gewöhnlich nur einige Male im Jahr selbst die Eucharistie empfangen, während sie sonst nur als Mitbetende oder Sänger teilnehmen. Es gibt zur Zeit jedoch Bestrebungen, den wöchentlichen Empfang wieder zur Norm zu machen.
In den Orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus wird der Mittelteil eines runden, gesäuerten, beim Backen mit christlichen Symbolen gestempelten Brotlaibs (Prosphore) — Sauerteig gilt als Gleichnis des Reiches Gottes — verwendet, sowie durch Beigabe von ein wenig kochendem Wasser (Zeon) ungefähr auf Blutwärme erwärmter Rotwein. Der Mittelteil wird auch als Lamm bezeichnet. Allein dieses Lamm und der Wein werden konsekriert. Leib und Blut Christi werden vor der Ausgabe an die Gläubigen im Kelch vermischt und diese Mischung wird dann mit Hilfe eines goldenen Löffels an die Gläubigen ausgegeben. Die im Westen mittlerweile wieder übliche Handkommunion ist hier nicht bekannt, die Gläubigen empfangen die Kommunion in den Mund. Bleibt ein Rest, wird dieser nach der Kommunionspendung vom Diakon oder vom Priester verzehrt. Für die Krankenkommunion wird stets ein kleines Stück des konsekrierten Lammes, das mit einem Tropfen konsekriertem Wein getränkt wird, aufbewahrt im sogenannten, dem Tabernakel ähnlichen Artophorion. Eine Anbetung und Verehrung der Eucharistie außerhalb der Göttlichen Liturgie ist nicht üblich.
Wie das Lamm, das später konsekriert wird, so werden auch einige andere Teile während der Proskomidie aus der Prosphore mit Hilfe eines als Lanze bezeichneten Messers herausgeschnitten. Sie stellen während der Liturgie die Gottesmutter Maria, die Heiligen und die lebenden und verstorbenen Gläubigen dar, werden aber nicht konsekriert. Nach der Kommunionausteilung werden sie ebenfalls in den Kelch gegeben und verzehrt. Der restliche, äußere Teil des Brotlaibs und zusätzliche Brotstücke werden nach der Konsekration des Lammes und des Weines gesegnet, aber eben nicht konsekriert. Dieses sogenannte Antidoron wird nach der Liturgie an die Gläubigen verteilt und von diesen sofort gegessen oder - etwa für daheimgebliebene kranke oder ältere Menschen - mit nach Hause genommen. Dieses Antidoron wird auch an nicht-orthodoxe ausgeteilt.
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Lutherische Kirche
Martin Luther hat am römischen Verständnis des Sakramentes an entscheidenden Stellen Kritik geübt und es mit Berufung auf das Evangelium neu interpretiert. Seine Kritik betraf das römisch-katholische Verständnis der Messe als Opfer und die Transsubstantiationslehre, so dass es hier in den lutherischen Kirchen eine eigenständige Auffassung gibt.
Luthers Argumente gegen das Römisch-Katholische Messopfer
Bei Katholiken wird die Messe als Opfer verstanden, welches der Priester Gott darbringt (Opferpriestertum). Luther stellte neu den Gnadencharakter der Messe heraus, indem den Gläubigen im Abendmahl die durch Christi Tod erwirkte Gnade durch den Priester ausgeteilt wird (Gnadenpriestertum). Vor allem aus diesem Grund war für ihn die römische Messe "das größte und schrecklichste Greuel" von allen "päpstlichen Abgöttereien". Evangelische Christen betrachten Jesu Opfer am Kreuz als hinreichend ("Es ist vollbracht") und sehen in der erneuten Opferung eine den Aussagen der Bibel widersprechende Tradition.
Das Sakrament wurde nur in einer Gestalt (sub una) den Gläubigen gereicht. Stattdessen forderte Luther die stiftungsgemäße Austeilung des Kelchs auch an die Laien.
Luther wies die Wirkung des Sakraments ex opere operato zurück. Um vom Sakrament Nutzen zu ziehen, ist nach Luther der Glaube notwendig. Glaube und Sakrament gehören zusammen. Ansonsten wirkt es zwar, aber nicht zum Heil, sondern zum Jüngsten Gericht.
Die Wandlung schon allein zu sehen und dieser im Gottesdienst beizuwohnen, galt als segensvoll. Aus diesem Grund nahmen die mittelalterlichen Gläubigen zwar an der Messe teil, empfingen aber das Sakrament sehr selten. Oft ging man weniger als alle drei Jahre zur Kommunion. Luther dagegen betonte, dass es auf das Empfangen des Sakraments ankommt. Wer der Messe nur passiv beiwohnt, hat keinen Nutzen vom Sakrament.
Das viele Zeremoniell, das um das Sakrament veranstaltet wurde, ging zu Lasten der Predigt, für die kaum noch Zeit blieb. Die Predigt spielt in evangelischen Kirchen eine große Rolle.
Der Gebrauch der lateinischen Sprache in der Feier des Gottesdienstes machte diesen den Gläubigen unverständlich.
Kritik an der Transsubstantiationslehre und die Lehre von der Konsubstantiation
Luthers Kritik an der römischen Transsubstantiationslehre betraf nicht die Realpräsenz (wirkliche Gegenwart) Christi in den Elementen von Brot und Wein. Darin war er durchaus mit den römischen Theologen einig.
Mit Philipp Melanchton entwickelte Luther eine Ansicht, die später Konsubstantiationslehre genannt wurde (die Bezeichnung geht auf refomierte, anti-lutherische Polemik zurück). Die Kommunikanten nehmen den wirklichen Leib und das wirkliche Blut Jesu Christi in, mit und unter Brot und Wein entgegen. Brot und Leib Christi, sowie Wein und Blut Christi sind in "sakramentlicher Einheit" (Luther, Vom Abendmahl Christi) durch die Einsetzungsworte miteinander verbunden. Brot und Wein verschwinden ihrer Substanz nach nicht. Damit wird ein zentrales Problem der Transsubstantiationslehre beseitigt, nämlich die nach lutherischer, aber auch schon innerscholastischer, Kritik der Schöpfungslehre widersprechende Auffassung, dass die Substanzen von Brot und Wein vergehen, um Leib und Blut Christi als neuen Substanzen und den Akzidenzien von Brot und Wein Raum zu machen.
Luthers Kritik betraf auch den Rang als Dogma, den die Transsubstantiationslehre in der römischen Kirche hatte. Und die daraus resultierende Überordnung des Sakramentes über das Wort. Seiner Ansicht nach ist das Sakrament eine besondere Gestalt des Wortes Gottes, nämlich, wie er in Anlehnung an Augustinus formuliert, sichtbares Wort (verbum visibile).
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