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Apostolische Sukzession












Apostolische Sukzession
aus Wikipedia

Die apostolische Sukzession oder apostolische Nachfolge ist die ununterbrochene Weitergabe des Bischofsamtes ausgehend von den Aposteln über viele Bischöfe vergangener Tage bis hin zu den heutigen Bischöfen, mittels der Bischofsweihe. Diese "Kette der Handauflegungen", als Vollmachtsweitergabe verstanden, ist bereits im Neuen Testament beim Übergang zur zweiten christlichen Generation bezeugt (Apg. 14,23, Apg. 20, 28; 2Tim. 1,6). Zumindest theoretisch kann jeder Bischof seine Weihevorgänger bis zu einem der 12 Apostel und damit bis Jesus Christus zurückverfolgen. Von evangelischer Seite wird oft auch die Bezeichnung historischer Episkopat verwendet.

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Sinn und Ursprung der apostolischen Sukzession
Der Sinn der apostolischen Sukzession ist die unveränderte Weitergabe der Lehre, wie sie von den Aposteln gelehrt wurde, und der Vollmacht, vorgetragene Lehren auf ihre Rechtgläubigkeit hin zu beurteilen. Dies geht bereits aus dem ersten erhaltenen Dokument über die apostolische Sukzession hervor. Es stammt von Irenäus von Lyon aus dem 2. Jahrhundert. Geschrieben wurde es in der Auseinandersetzung mit Gnostikern, die sich auf geheime Unterweisungen durch Christus und geheime Apostel beriefen. Irenäus verneinte jede Geheimlehre, listete die allgemein bekannten Apostel der Bibel auf, den Hauptinhalt ihrer Lehre und die Identität der apostolischen Nachfolger bis zu seiner Zeit, um die lückenlose Überlieferung der christlichen Lehre nachzuweisen. Daraus folgerte er, dass jemand, der etwas lehrt, das im Gegensatz zu dieser Lehre steht, nicht in der Nachfolge dieser Apostel und in der Nachfolge Christi steht, und umgekehrt jemand, der nicht in der Nachfolge der Apostel steht, nicht in ihrem Namen lehren kann.

Irenäus schreibt: „Die von den Aposteln in der ganzen Welt verkündete Tradition kann in jeder Kirche jeder finden, der die Wahrheit sehen will, und wir können die von den Aposteln eingesetzten Bischöfe der einzelnen Kirchen aufzählen und ihre Nachfolger bis auf unsere Tage. Diese haben von den Wahngebilden jener nichts gelehrt und nichts gehört. Denn wenn die Apostel verborgene Geheimnisse gewusst hätten, die sie in besonderem, geheimem Unterricht nur die Vollkommenen lehrten, dann hätten sie die Geheimnisse am ehesten denen übergeben, denen sie sogar die Kirchen anvertrauten. Ganz vollkommen nämlich und in allem untadelig wünschten sie die, denen sie ihren Lehrstuhl übergaben, und die sie als ihre Nachfolger zurückließen, von deren gutem oder schlechtem Verhalten für das Wohl und Wehe der Ihrigen soviel abhing. Weil es aber zu weitläufig wäre, in einem Werke wie dem vorliegenden die apostolische Nachfolge aller Kirchen aufzuzählen, so werden wir nur die apostolische Tradition und Glaubenspredigt der größten und ältesten und allbekannten Kirche, die von den beiden ruhmreichen Aposteln Petrus und Paulus zu Rom gegründet und gebaut ist, darlegen, wie sie durch die Nachfolge ihrer Bischöfe bis auf unsere Tage gekommen ist. So widerlegen wir alle, die wie auch immer aus Eigenliebe oder Ruhmsucht oder Blindheit oder Mißverstand Konventikel gründen. Mit der römischen Kirche nämlich muss wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen, d. h. die Gläubigen von allerwärts, denn in ihr ist immer die apostolische Tradition bewahrt von denen, die von allen Seiten kommen. Nachdem also die seligen Apostel die Kirche gegründet and eingerichtet hatten, übertrugen sie dem Linus den Episkopat zur Verwaltung der Kirche. Diesen Linus erwähnt Paulus in seinem Briefe an Timotheus. Auf ihn folgt Anacletus. Nach ihm erhält an dritter Stelle den Episkopat Klemens, der die Apostel noch sah und mit ihnen verkehrte. Er vernahm also noch mit eignen Ohren ihre Predigt und Lehre, wie überhaupt damals noch viele lebten, die von den Aposteln unterrichtet waren. Als unter seiner Regierung ein nicht unbedeutender Zwist unter den Brüdern in Korinth ausbrach, da sandte die römische Kirche ein ganz nachdrückliches Schreiben an die Korinther, riet ihnen eindringlich zum Frieden und frischte ihren Glauben auf und verkündete die Tradition, die sie unlängst von den Aposteln empfangen hatte. Es gebe einen allmächtigen Gott, der Himmel und Erde erschaffen und den Menschen gebildet und die Sintflut geschickt und den Abraham berufen habe; der das Volk aus dem Lande Ägypten hinausgeführt, zum Moses gesprochen, das Gesetz gegeben, die Propheten gesandt, dem Teufel und seinen Engeln aber das ewige Feuer bereitet habe. Dass dieser als der Vater unseres Herrn Jesu Christi von den Kirchen verkündet wird und dies als apostolische Tradition aufzufassen ist, können alle, die da wollen, aus jenem Briefe entnehmen; denn der Brief ist älter als die neuen Falschlehrer, die sich über dem Weltenschöpfer und Demiurgen noch einen andern Gott zurechtlügen. Auf genannten Klemens folgte Evaristus, auf Evaristus Alexander, als sechster von den Aposteln wurde Sixtus aufgestellt, nach diesem kam Telesphoros, der glorreiche Märtyrer, dann Hyginus, dann Pius, dann Anicetus. Nachdem dann auf Anicetus Soter gefolgt war, hat jetzt als zwölfter von den Aposteln Eleutherius den Episkopat inne. In dieser Ordnung und Reihenfolge ist die kirchliche apostolische Überlieferung auf uns gekommen, und vollkommen schlüssig ist der Beweis, dass es derselbe Leben spendende Glaube sei, den die Kirche von den Aposteln empfangen, bis jetzt bewahrt und in Wahrheit uns überliefert hat. “ (Irenäus, Gegen die Häresien, Buch 3, Kap. 3, Nr. 1-3, Bibliothek der Kirchenväter, Kempten & München, 1912).
Betroffene Kirchen
Kirchen, die sich in der apostolischen Sukzession sehen, sind:

die römisch-katholische,
die östlich-orthodoxen,
die orientalisch-orthodoxen,
die Assyrische Kirche,
die östlich-unierten,
die anglikanische,
die Herrnhuter Brüdergemeine,
die altkatholische Kirche,
die schwedische lutherische Kirche (sowie weitere skandinavische Kirchen)
die baltischen lutherischen Kirchen
viele lutherische Kirchen in Übersee (z.B. USA, Afrika)
verschiedene evangelisch-hochkirchliche Bruderschaften.
Sie alle führen ihre Bischöfe in einer ununterbrochenen persönlichen Reihenfolge auf die Apostel zurück, erkennen jedoch die apostolische Sukzession anderer Kirchen nicht in allen Fällen an.
Wechselseitige Anerkennung und Auseinandersetzungen
Die apostolische Sukzession der Bischöfe der römisch-katholischen Kirche, der altkatholischen Kirche und der östlich-orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen wird gegenseitig anerkannt.

Die apostolische Sukzession der anglikanischen Kirche wird mittlerweile von vielen Kirchen anerkannt, allerdings nicht in der römisch-katholischen Kirche: Papst Leo XIII. erklärte in seiner Bulle Apostolicae Curae 1896 die anglikanische Ordination wegen formaler Änderungen am Ritus unter Edward VI. für ungültig. Dagegen erkennt die Utrechter Union der altkatholischen Kirchen seit 1925 die Apostolische Sukzession und Gültigkeit der Weihen in der Anglikanischen Kirche an.

Die östlich-orthodoxen Kirchen erkennen gewöhnlich die Ordination durch römisch-katholische und anglikanische Bischöfe zum Diakon oder Priester an, ebenso die eines zur Orthodoxie konvertierten Bischofs. Allerdings gibt es in diesen Kirchen auch Stimmen, für die die richtige Lehre als wichtigstes Element der Sukzession im Vordergrund steht, weshalb sie die mit einer ihrer Ansicht nach falschen Lehre verbundenen Ordinationen nichtorthodoxer Kirchen nicht anerkennen.

Die Armenische Apostolische Kirche, eine orientalisch-orthodoxe Kirche, erkennt die bischöfliche römisch-katholische Konsekration an (und umgekehrt).

Die östlich-orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen erkennen inzwischen im Allgemeinen die jeweils anderen kirchlichen Ämter an, mancherorts pflegen sie auch die gegenseitige Kommunion; Priester können einander vertreten.

Diejenigen lutherischen Kirchen, die die apostolische Sukzession haben erhalten oder wiedergewinnen können, haben in der Erklärung von Porvoo (1993) ihre Ämter gegenseitig anerkannt. Das deutschsprachige Luthertum hat sich dieser Entwicklung weitestgehend entzogen.
Theologische Interpretationen
In der nachkonziliaren katholischen Theologie wird dem Sukzessionsprinzip das Kollegialitätsprinzip zur Seite gestellt. Die Vollmacht des einzelnen Bischofs beruht nicht allein auf der historischen Rückbindung, sondern auch auf der aktuellen Einbindung in die Einheit des Episkopats.

Nach protestantischer Lehrmeinung ist der historische Episkopat nicht für die Kirche konstitutiv. Wichtigstes Merkmal der Apostel sei vielmehr, dass sie direkt von Jesus Christus in ihr Amt eingesetzt wurden. Das Wirken dieses Zwölferkreises bilde gemäß der Schrift gemeinsam mit den Propheten und den zwölf Stämmen Israels die Grundlage für die gesamte Kirche der Folgezeit. Mit den Aposteln den gleichen Glauben zu teilen, ihrem in der Schrift überlieferten Wort zu glauben, um den heiligen Geist zu empfangen, ist für sie die entscheidende Bedeutung der apostolischen Sukzession (eine Konsequenz der reformatorischen Lehre von sola fide und von sola scriptura). Zudem fehlt es den reformatorischen Kirchen an einer Unterscheidung der Gläubigen in Priester und Laien; maßgeblich ist die allen gemeinsame Taufe (Luther: "Allgemeines Priestertum aller Getauften"). Daraus folgt auch ein differierendes Kirchenrechtsverständnis.

Anfang des 20. Jahrhunderts entstand jedoch im deutschen evangelischen Raum die "Hochkirchliche Bewegung". Ihr besonderes Interesse gilt dem "kirchlichen Amt", der "Liturgie" und den "Sakramenten". Die Leiter der verschiedenen hochkirchlichen Bruderschaften haben in der Regel eine Bischofweihe in apostolischer Sukzession erhalten. Ihre "Weihelinie" wird für gewöhnlich über altkatholische Bischöfe auf die Apostel zurück geführt.

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (landläufig als "Mormonen" bekannt) wird angenommen, dass die Weitergabe der apostolischen Vollmacht durch den Tod der urkirchlichen Apostel nicht mehr möglich gewesen sei. Daher anerkennt sie auch keine Kirche als von Jesus Christus bevollmächtigt. Sie selbst beansprucht aber diese Vollmacht, die von den auferstandenen Aposteln und ursprünglichen Kirchenführern Petrus, Johannes und Jakobus auf ihren Gründer Joseph Smith im Jahr 1829 übertragen worden sei. Damit sei eine neue Linie von apostolischer Sukzession begonnen worden, die sich in der Ordinationslinie jedes Amtsträgers verfolgen lässt.
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