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Bibelstunde
aus Wikipedia
Die Bibelstunde ist eine dem gemeinschaftlichen Bibelstudium dienende Veranstaltung von Kirchen sowie Gemeinschaften freikirchlicher, pietistischer sowie erwecklicher Tradition oder auch von einzelnen Bibelkreisen. Andere Namen für Bibelstunde sind Bibelbesprechstunde und Bibelgesprächskreis.
Geschichte
Bereits die Reformatoren hatten für die Gemeinde eine intensive Beschäftigung mit der Bibel gefordert. So schlug Luther in seiner Schrift Von der Ordnung des Gottesdienstes in der Gemeinde 1523 tägliche Zusammenkünfte vor, in denen fortlaufend biblische Bücher ausgelegt werden sollten. Zwingli und Calvin boten in ihren Kirchen Bibelunterricht auf hohem theologischen Niveau an. Auch die Täuferbewegung betrieben in ihren Gemeinden die gemeinschaftliche Arbeit an der Bibel. Allerdings gelang es erst dem Pietismus, das gemeinsame Bibelstudium zu einem unverzichtbaren Bestandteil gemeindlichen Lebens zu machen. In Württemberg entstand die sogenannte Stunde, die sich schnell in der süddeutschen Region verbreitete und von dort als feste Einrichtung durch auswandernde Siedler nach Russland und auf den Balkan mitgenommen wurde. Hier wurde die Stunde beziehungsweise Bibelstunde zum besonderen Merkmal der Protestanten. Man bezeichnete sie nach ihrer Bibelstundenpraxis als Stundisten (russ. Stundisty).
In der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts wird die Bibelstunde zum Ausgangspunkt der geistlichen Erneuerung. Während viele pietistische Kreise im sonntäglichen Gottesdienst der kirchlichen Wort- und Sakramentsverwaltung unterstellten, waren die wöchentlich und oft auch täglich stattfindenden Bibelstunden Freiräume, in denen auch Laien zu Wort kamen. Stundenhalter und Bibelboten zogen von Ort zu Ort und verkündigten hier anhand der Bibel ihre erweckliche Botschaft. Anders als im Sonntaggottesdienst waren in der Bibelstunde Rückfragen erlaubt und das vertiefende Gespräch und die theologische Diskussion sogar gewünscht. Die offiziellen Kirchen bekämpften an vielen Orten die sich ausbreitende Bibelbewegung als Konventikelunwesen. Andere Kirchen nutzten diese Impulse des Pietismus und der Erweckungsbewegung und machten die Bibelstunde zum festen Programmpunkt ihrer Gemeindearbeit.
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Ablauf einer traditionellen Bibelstunde
Für die Bibelstunde gibt es keine festgelegte Struktur; in der Regel hat sich aber folgender Ablauf entwickkelt: Nach einer kurzen Begrüßung, einem gemeinsam gesungenen Lied und einem Eingangsgebet gibt der Versammlungsleiter eine Einleitung zu dem zu besprechenden Bibeltext. Danach wird ermutigt, Rückfragen zu stellen. In einem vierten Teil wird anschließend anhand von Fragen und ergänzenden Beiträgen das Verständnis des Bibelabschnitts vertieft. Freie Gebete - oft auch eine Gebetsgemeinschaft - schließen die Bibelstunde ab.
Entwicklungen
In neuerer Zeit liegt der Schwerpunkt der Bibelstunde eher beim gemeinsamen Erarbeiten des Textes. In vielen Gemeinden und Gemeinschaften lebt sie heute in der Form der überschaubaren Hauskreise weiter.
Andere Kirchen (speziell Freikirchen) haben in Anlehnung an das angelsächsisch-amerikanische Sonntagschulsystem ein spezielles Gemeindebibelschulprogramm entwickelt, in dem biblische Texte, Themen und Alltagsfragen anhand eines Lehrheftes in Kleingruppen behandelt werden.
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