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Unter Decius (249-251)
Mit diesem Herrscher begann die allgemeine Verfolgung des Christentums im gesamten Römischen Reich. Diese richtete sich nun prinzipiell gegen die Christen und wurde administrativ und systematisch durchgeführt. Vorausgegangen war Roms Tausendjahrfeier (247, gegründet 753 v. Chr.). Dabei wurde eine Staatsreform eingeleitet, die bewusst am Kaiserkult orientiert war, um die Reichseinheit zu festigen.
Kurz nachdem Decius den Thron bestieg, erließ er ein allgemeines Opfergebot:
Wer die Götter Roms nicht verehrt und dem allmächtigen Kaiser das Opfer verweigert, ist des Religionsfrevels [sacrilegium] und des Majestätsverbrechens [crimen laesae maiestatis] schuldig.
Jeder Bürger musste sich mit einem Papier (libelli) bescheinigen lassen, dass er den Göttern, zu denen die früheren Kaiser gehörten, geopfert habe. Andernfalls wurden schwere Strafen bis hin zur Todesstrafe angedroht.
Die Maßnahme reagierte auf die starke Ausbreitung des Christentums und sollte vor allem den Klerus - Bischöfe und Priester - zum „Offenbarungseid" zwingen und dezimieren. War dies noch unter Domitian eher ein Mittel zur Einschüchterung und Eindämmung des Zulaufs zu den Christen gewesen, so ging es nun um eine gezielte Vernichtungsaktion gegen die Organisation der Kirche als Ganzes. Diese hatte sich als „Staat im Staat" verdächtig gemacht, indem sie mit ihren Metropolitanbezirken die Reichsverfassung kopierte und eine Art Nebenverwaltung zu den römischen Behörden aufbaute. Ihre Bischöfe wurden damit ernstzunehmende Konkurrenten zu römischen Provinzialfürsten.
Hinzu kamen sozialökonomische und außenpolitische Gründe. Viele Berufsgruppen lebten vom römischen Götterkult: Priester, Götzenbildhersteller, Veranstalter von Spielen usw. sahen durch die Abwerbung ihrer Käufer, Zuschauer und Zulieferer ihre Existenz gefährdet. Von außen wurde das Reich zunehmend von den Parthern und Sassaniden im Osten, den Goten, Allemannen und Franken im Norden und Westen bedroht. Diese drangen immer weiter nach Süden vor und waren zum Teil leicht für den christlichen Glauben zu gewinnen, da die Kirche ein natürlicher Verbündeter gegen Roms Staatsmacht zu sein schien.
Wie viele Christen sich dem Opfer verweigerten und daraufhin gefoltert und grausam hingerichtet wurden, ist unbekannt. Viele, vor allem Neugetaufte und Laien, gaben dem Druck nach (lapsi, Abgefallene). Eine Minderheit aber trotzte jeder Drohung. Meist wurden sie dann verbrannt; römische Bürger, die sich zum Christentum bekannten, wurden enthauptet, in einigen Fällen gekreuzigt oder in der Arena von wilden Tieren zerrissen. Bei Bedarf sah man von der Todesstrafe ab und lieferte die Männer als Arbeitssklaven an Bergwerke, die Frauen und Mädchen an Freudenhäuser aus.
Die Märtyrer und Bekenner, die ihren Glauben unter der Folter standhaft festhielten, wurden zu hoch geachteten Vorbildern für die breite Masse; auch unter denen, die dem Christentum bisher eher fernstanden. Mit der jährlichen Feier ihres Todestages und der Verehrung ihrer Reliquien begann die spätere christliche Heiligenverehrung.
Als der Kaiser 251 nach nur zwei Regierungsjahren überraschend starb, endete die systematische Christenverfolgung. Dies ist ein Indiz für die schwindende Macht des Kaisertums; auch die Bevölkerungsmehrheit stand nun nicht mehr ohne weiteres hinter den Maßnahmen gegen die Kirche. Andernfalls hätte man sie leicht ausrotten können.
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Unter Valerian (253-260)
Nachdem der neue Kaiser die Reichsgrenzen im Osten zunächst erfolgreich verteidigt hatte, nahm er die Verfolgungspolitik seines Vorgängers 257 wieder auf und verschärfte sie mit einem generellen Versammlungsverbot für Christen. 258 ließ er darüberhinaus die christlichen Bischöfe verhaften und ohne Prozess hinrichten. Damit zerstörte er viele Gemeinden; aber anders als früher trat nun ein Wandel in der Haltung der Bevölkerung ein. Vielerorts wurden Christen vor den Behörden versteckt und nicht ausgeliefert.
260 tauchte für sie ein unvermuteter Silberstreif am Horizont auf: Valerians Sohn Gallienus, der mit einer Christin verheiratet war, hob die valerianischen Dekrete auf und ließ die Verfolgungen einstellen. Erneut gewannen die christlichen Gemeinden an Zulauf. So bewahrheitete sich ein Wort, das schon vom Anfang des 2. Jahrhunderts überliefert ist:
Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Kirche.
60 Jahre später spaltete der Umgang mit den ehemaligen Kirchenmitgliedern, die in der Zeit der Verfolgungen ihren Glauben aufgegeben hatten und danach wieder aufgenommen werden wollten, die Kirche jedoch: Die Mehrheit der Bischöfe akzeptierte ihre Wiederaufnahme mit einer Neutaufe, aber einige lehnten dies strikt ab. Diese Bewegung der Donatisten bildete eine eigene Kirche mit Schwerpunkt in Nordafrika. Sie bestand neben der römischen Kirche, bis die Vandalen sie ihrem Reich einverleibten.
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Unter Diokletian (284-305) und Galerius (303-311)
293 führte Diokletian eine umfassende Staatsreform durch, um den Zerfall des Reiches aufzuhalten: Er stärkte die Provinzverwaltungen und teilte seine Macht mit drei Mitherrschern (Tetrarchie). Er stützte sich vor allem auf die Bauern Nordafrikas, des Balkans und das mit Söldnern verstärkte Heer; in allen drei Bereichen machte der Mithraskult dem Christentum Konkurrenz. Um dessen Anhänger an sich zu binden, leitete Diokletian eine erneute allgemeine Christenverfolgung ein. Sie zielte auf die endgültige Zerschlagung der Kirche und Ausrottung ihrer Anhänger.
Sein erstes Edikt von 303 verbot die christlichen Gottesdienste und ordnete die Zerstörung von Kirchen, Verbrennung christlicher Schriften, ein Ämterverbot für Christen und die Inhaftierung von christlichen Staatsbeamten an. Damit verloren Christen alle Bürgerrechte. Das zweite Edikt verfügte die Einkerkerung, das dritte die Folterung aller Gemeindevorsteher, Bischöfe oder Presbyter, um sie auf jede Weise von ihrem Glauben abzubringen. Das vierte Edikt verhängte 304 die Todesstrafe gegen alle - auch die Laienchristen -, die das Kaiseropfer weiterhin verweigerten.
Die Edikte wurden in den Provinzen unterschiedlich streng umgesetzt; im Ostteil des Reiches, der Diokletians Sohn Galerius unterstand, waren die Verfolgungen sehr blutig und wurden noch intensiver, als Diokletian 305 abdankte und Galerius ihm folgte. Im Westen dagegen endeten danach die meisten Hinrichtungen; stattdessen wurden standhafte Christen bis 311 in die Bergwerke deportiert.
Eine Vermutung, Christen im Heer hätten eine Palastrevolte gegen den Kaiser geplant und damit seine Maßnahmen provoziert (so Jacob Burckhardt 1853 in Die Zeit Constantins des Großen), wird heute eher als Legende zur Legitimation der Verfolgung aus dem Umfeld des Galerius angesehen.
Diese grausamste der bisherigen Verfolgungswellen veränderte die Einstellung der Bevölkerung zu den Christen vollends zu deren Gunsten. Dies war neben seiner schweren Erkrankung der Hauptgrund, dass Galerius die Hinrichtungen 311 plötzlich einstellen ließ. Im Toleranzedikt von Nikomedia räumte er auf seinem Sterbebett das Scheitern seiner Ausrottungsversuche ein und versuchte, die Christen an Staat und Kaiser zu binden:
Und jetzt, da wir sahen, dass die meisten auf ihren Vorstellungen beständig verharrten … haben wir geglaubt, unsere sehr bereitwillige Nachsicht bis dahin ausdehnen zu müssen, dass sie wieder Christen sein und ihre Versammlungen wieder halten dürfen. … Weshalb sie nun auch verpflichtet sein werden, auf gleiche Weise für unser Wohl, für das des Staates und für das ihrige zu ihrem Gott zu beten.
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Konstantinische Wende
Nach dem Tod des Galerius brachen Kämpfe um seine Nachfolge aus. Nach einer von Euseb geschaffenen Legende habe Konstantin die entscheidende Schlacht an der Milvischen Brücke 312 gewonnen, nachdem er am Abendhimmel ein Flammenkreuz mit der Inschrift gesehen habe:
In diesem Zeichen wirst Du siegen.
Das Symbol des Kreuzes - für Römer die äußerste unehrenhafte Strafe für Sklaven, Aufständische und Verbrecher - wurde also von Kirchentheologen selbst zum Siegeszeichen des römischen Kaiserreichs umgedeutet. Dabei hatte es für die Urchristen die Herrschaft des Gottessohns über alle weltlichen Machthaber ausgedrückt (Off 17,14): Viele Nachfolger Jesu waren wie er für diesen Glauben gekreuzigt worden.
Konstantin setzte wohl von vornherein auf die Duldung der Kirche, damit diese seine Alleinherrschaft stützen würde. Anders als seine Vorgänger stützte er sich nicht auf die Bauern der Provinzen, sondern auf das Handelsbürgertum der Städte, in dem die Christen ihre meisten Anhänger hatten. 313 erlaubten er und Licinius im Mailänder Toleranzedikt jedem römischen Bürger die freie Wahl seiner Religion. Die berühmte Passage lautete:
Wir geben den Christen und anderen die politische Macht, derjenigen Religion zu folgen, die sie wollen.
Der Kaiserkult als Zwang wurde abgeschafft. Das Christentum wurde damit offiziell gleichberechtigt zu den römischen Staatsgöttern. Seine künftige Vorrangstellung deutete sich schon an. Ferner gab Konstantin der Kirche ihr Eigentum zurück und gewährte allen Bischöfen Rechte und Ehren, die bis dahin nur Senatoren zugestanden hatten.
Diese Konstantinische Wende erlebten die Christen als Durchbruch und große Befreiung. Von nun an war es vorteilhaft für den sozialen Aufstieg, Christ zu sein. In der Folgezeit wurden viele der höheren Staatsämter, von denen die Gestaltung des öffentlichen Lebens abhing, mit Christen besetzt.
321 machte Konstantin den Sonntag, an dem Christen ihren Gottesdienst feierten, zum gesetzlichen Ruhetag. Damit privilegierte er sie gegenüber anderen Religionen. 323 empfahl er Ostrom, das Christentum einzuführen. 324 wurde er unbeschränkter Alleinherrscher und versuchte nun, die gescheiterten Staatsreformen seiner Vorgänger durchzuführen: nicht gegen die Kirche, sondern mit ihrer Hilfe.
Nur wenn diese organisatorisch und theologisch geeint war, konnte sie die Staatseinheit stützen: Dazu griff der Kaiser nun auch aktiv in ihre inneren Angelegenheiten ein. 325 berief er das erste ökumenische Konzil von Nicäa ein. Die Bischöfe reisten auf Staatskosten an; der Kaiser selbst leitete die Sitzungen und setzte dort rein theologische Kompromissformeln wie das homoousios durch, um den innerkirchlichen Streit um die Gottessohnschaft Jesu zu lösen. Er behandelte das Konzil also wie ein kaiserliches Schiedsgericht. Dahinter standen primär politische Motive, aber wohl auch persönliche Überzeugung: Denn 337 auf dem Sterbebett ließ Konstantin sich noch taufen.
Noch mehr als das Römische Reich sich an die Christen anpasste, begann die Kirche, sich seinen politischen Interessen anzupassen. Das christliche Kreuzsymbol wurde nun auf Heeresstandarten und Staatsmünzen sichtbar. Bischöfe zogen mit in die Schlacht und segneten die gleichen Waffen, mit denen Christen früher ermordet wurden. Immer mehr Kirchen wurden gebaut; die Gottesdienste darin wurden zu prunkvollen Zeremonien. Die römischen Staatstempel dagegen zerfielen; dies war nun staatlich gewollt.
Konstantin hatte bereits einzelne Maßnahmen gegen „heidnische" Kulte verfügt; schon unter seinem Sohn Constantius II. (337-361) kam es zu Stürmen auf heidnische Tempel. Aus den Verfolgten wurden Verfolger. Auch machte der Kaiser den Arianismus für die Kirche verbindlich, griff also weiter in ihren inneren Klärungsprozess ein.
Unter Julian Apostata (361-363) kam es kurzzeitig zu einem Versuch der Wiederbelebung nichtchristlicher Kulte. Doch Theodosius I. machte 380 der Religionsfreiheit ein Ende und verbot andere Götter außer dem Christentum. Ferner erließ er 383 nach einem gescheiterten Religionsgespräch ein Häretikergesetz, das Arianer, Donatisten und Manichäer mit Verbannung bedrohte. Damit war das Christentum in seiner orthodoxen Gestalt alleingültige Staatsreligion geworden und die spätantike Reichskirche nahm endgültig Gestalt an. Allerdings wurden viele scharfe Verlautbarungen des Theodosius, der selbst kein religiöser Eiferer war, in der Praxis eher milde umgesetzt. Das Heidentum konnte sich noch bis ins 6. Jahrhundert im oströmischen Reich halten. Es geriet freilich immer mehr in die Defensive, verlor Anhänger und büßte zunehmend an innerer Kraft ein.
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Verfolgungen durch die jüdischen Könige im Jemen
Im Gebiet des heutigen Jemen und Oman waren die herrschenden Himjariten Anfang des 6. Jahrhunderts zum Judentum übergetreten, um nicht in den Kriegen zwischen dem christlichen Byzanz und dem rischen Sassanidenreich aufgerieben zu werden. Besonders der neunte jüdische König Du Nuwas verfolgte die Christen - Nestorianer, besonders aber Monophysiten - seines Landes blutig. Er wollte sie zum Übertritt zum Judentum zwingen und befürchtete Sympathien für das feindliche Byzanz unterbinden.
Eine von den Lachiminiden einberufene Konferenz, über die Prokopios von Caesarea berichtet, sollte die Kriege zwischen Byzanz und dem Sassanidenreich beenden (525). Dort forderte Du Nuwas den Sassanidenherrscher auf, die Christen seines Landes ebenfalls zu verfolgen. Daraufhin veranlasste Byzanz das befreundete christliche Reich von Aksum, den Jemen zu erobern. Da Du Nuwas wiederholt christliche Händler aus Aksum ausweisen und töten ließ, folgte Aksum der Aufforderung und beendete mit seiner Eroberung die jüdische Königsreihe im Jemen.
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