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Christliche Mystik












Christliche Mystik
aus Wikipedia

Die christliche Mystik ist eine Bewegung innerhalb der christlichen Religion, in der die unmittelbare Einswerdung mit Gott (Unio a) angestrebt wird. Zu diesem Zweck verwendet sie unterschiedliche Mittel, vor allem die Kontemplation, aber auch Askese und Bussübungen, Gebete und Gesänge u.a. Das Ich wird - im Gegensatz zu fernöstlichen Philosophien - in der Einswerdung mit Gott nicht aufgegeben, sondern gerade in dieser geheimnisvollen Einung besteht eine ureigene Individualität, man könnte geradezu sagen, es kommt in dieser Vereinigung gerade besonders zu einer echten und tiefen Selbstfindung des wahren Ich, wie es von Gott her gedacht und geschaffen ist. Entscheidend ist allein die persönliche Erfahrung und Praxis, weniger theoretische Studien oder Werke der Nächstenliebe. Der Kirchenvater Origenes spricht von der Geburt Gottes in des Menschen Seele.

Die christliche Mystik basiert auf dem Neuplatonismus in seiner christlichen Umprägung. Die wichtigsten Philosophen, die den spätantiken christlichen Neuplatonismus ins Mittelalter weitergaben, waren hl. Augustinus und Dionysius Areopagita. In der orthodoxen Kirche hat die Mystik eine lange Tradition. In der Mönchsbewegung Hesychasmus (von griechisch "hesychia": Ruhe, Stille) wird die Mystik praktiziert durch das Jesusgebet (auch Herzensgebet genannt) und die Nabelschau. Im Westen waren ebenfalls die Klöster die Zentren der Mystik. Nonnen und Mönche verschiedener Orden widmeten sich der Kontemplation und schrieben Texte über ihre Erfahrungen. Ihre Hochblüte hatte die christliche Mystik im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. Obwohl die Reformation mit der Tradition der katholischen Kirche brach, kam es bald auch in den protestantischen Gebieten zu mystischen Bewegungen. In der modernen Theologie findet sich der Gedanke der Mystik in den Überlegungen zum Pantheismus (Gott und Welt sind eins) und zur negativen Theologie. Letztere weist darauf hin, dass Gott nur erfahren und nicht beschrieben werden kann.

Während der Weg zu diesem Zustand und auch dessen Ausdruck sich kulturell am Christentum ausrichtet, ist das Erleben desselben ähnlich den mystischen Zuständen in anderen Religionen: Sufismus (Islam), Zen (Buddhismus), Tantrismus (Hinduismus/Buddhismus) oder Kabbalistik (Judentum). Die moderne Mystik kann auch eine Mixtur von mystischen Elementen aus verschiedenen Religionen sein und wird dadurch von vielen als eine ersehnten Universal-Religion empfunden, gerade weil sie auf persönlichem Erleben beruht und deshalb keine einheitlichen Begriffe und Konzepte liefern kann. Ein Beispiel dafür ist die Lehre vom Enneagramm.

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Mystikerinnen und Mystiker
Die deutsche Frauenmystik des Mittelalters ist geprägt von hl. Hildegard von Bingen, hl. Gertrud von Helfta, Mechthild von Magdeburg und Mechthild von Hackeborn. Die letzteren drei lebten alle im Zisterzienserkloster Helfta. Bekannte katholische Exponenten der christlichen Mystik im 16. Jh. sind hl. Theresa von Ávila und hl. Johannes vom Kreuz, welche den Frauen- und Männerorden der barfüssigen Karmeliten gegründet haben und von der katholischen Kirche als Kirchenlehrer den Ehrentitel Doctor us (Lehrer der Mystik) erhalten haben. Bei den Männern finden wir hl. Bernhard von Clairvaux (Kirchenlehrer), hl. Franz von Sales (Kirchenlehrer), sel. Heinrich Seuse, Meister Eckhart, Angelus Silesius, Johannes Tauler und im 16. Jh. hl. Ignatius von Loyola mit seinen Exerzitien.

Wichtige protestantische Mystiker sind Valentin Weigel, Sebastian Franck und Jakob Böhme. Johann Valentin Andreae war der Begründer der heute mehr esoterischen als christlichen Rosenkreuzer. Emanuel Swedenborg formulierte ein eigenes Lehrsystem, welches später zur Gründung der Neuen Kirche (Kirche des neuen Jerusalem) führte.

Bekannte moderne christliche Denkerinnen und Denker, die von der Mystik stark beeinflusst wurden, sind beispielsweise Pierre Teilhard de Chardin, Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, Anselm Grün, Dag Hammarskjöld, Willigis Jäger, Dorothee Sölle, David Steindl-Rast oder Jörg Zink.

Kennzeichen eines Mystikers ist die Ergebenheit in den Willen Gottes: "Nicht mein, sondern dein Wille geschehe" (Lk 22,42), wodurch im Christentum gleichzeitig die Anerkennung von Christus als Erlöser der Welt deutlich wird.

Mystische Musik
Musik ist ein verbreitetes Medium, um Mystik erfahrbar zu machen. In den gregorianischen Gesängen, der Gregorianik, findet die christliche Mystik des Mittelalters einen Höhepunkt. Inspiriert wurden aber auch zeitgenössische klassische Komponisten, etwa Arvo Pärt oder Olivier Messiaen.

Zitat
„Der Fromme von Morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ (Karl Rahner, Schriften, VII 22)
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