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JHWH












JHWH
aus Wikipedia

JHWH (auch YHWH, ausgeschrieben meist Jahwe oder Jehova) ist der Eigenname Gottes in der Hebräischen Bibel, dem Tanach. Er bezeichnet für gläubige Juden und Christen den einzigen Gott der ganzen Welt, ihren Schöpfer, Retter, Richter und Erlöser. Dieser Gott ist für sie der gnädige Befreier und gerechte Bundespartner des erwählten Volkes Israel, wie ihn das 1. Gebot vorstellt (Ex 20,2):

Ich bin JHWH, dein Gott, der ich Dich aus der Knechtschaft in Ägyptenland herausgeführt habe. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
Für Christen ist JHWH als der exklusive Gott Israels zugleich der Vater Jesu Christi, der alle Völker durch das Sterben und Auferstehen seines Sohnes in seinen ewigen Bund einbeziehen will (Phil 2,9-11).

Text und Bilder dieses Beitrages basieren auf dem Artikel JHWH aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Das Tetragramm

Der Eigenname Gottes wird im Tanach stets als Tetragramm (Vierfachzeichen) aus den hebräischen Konsonanten Jod (י), He (ה), Waw (ו), He (ה) dargestellt. Diese ergeben von rechts nach links das Wort יהוה („JHWH“). Dieses Wort erscheint dort nach der jüdischen Bibelenzyklopädie 6.823 mal, in der Biblia Hebraica Stuttgartensia 6.828 mal. Es ist darin der häufigste Eigenname.

Außerbiblisches Vorkommen
Im Tanach ist JHWH der exklusive Name des Gottes Israels. Das Wort findet sich aber auch in der altorientalischen Umwelt als Gottesname und Bestandteil von Personennamen.

Eine ägyptische Ortsnamensliste im Amontempel von Soleb aus der Zeit von Amenhotep III. (1402-1363 v. Chr.) nennt "das Land der Schasu-jhw. Auch in der Zeit Ramses III. (1198-1166) taucht dieser Ausdruck auf. Er bezeichnete sowohl ein Gebirge im südlichen Ostjordanland als auch den Gott des dort lebenden Beduinenstammes.

Die Mesa-Stele aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. gilt als ältester Beleg dafür: Und ich nahm die Gefäße des JHWH und trug sie vor Kemos. Erst kürzlich wurde ein Tablett mit den phönizischen Zeichen YOD, HE, W, HE gefunden, das ebenfalls einen Gottesnamen wiedergibt, obwohl das Zeichen W damals eigentlich noch ein S (sin) bedeutete.

Aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. stammen erste Belege aus dem Raum Palästinas: Ein Priestersiegel trägt die Inschrift Dem Miqnejaw, dem Knecht JHWHs gehörig. Auf einer Grabinschrift bei Lachisch steht Gesegnet sei Urijahu von JHWH. Beide Personennamen enthalten eine Kurzform des Gottesnamens.

Fragmente aus der frühen israelitischen Königszeit in Kuntillat Ajrud (Sinaihalbinsel) notieren JHWH neben dem Gott Ba'al in phönizischer Schrift und verweisen eventuell auf einen damals noch üblichen Synkretismus. Auch mit dem - im Tanach streng als Götzendienst bekämpften - Kult der Fruchtbarkeitsgöttin Aschera wurde JHWH kombiniert.

In Grußformeln der Lachischbriefe aus dem 6. Jahrhundert heißt es z.B.: Möge JHWH meinen Herrn bald gute Nachricht hören/in Gesundheit leben lassen. Auch die biblische Schwurformel so wahr JHWH lebt findet sich hier. Die Verwendung als Gruß bestätigen Tontafeln (Ostraka) aus Arad, z.B. Möge JHWH deinen Frieden suchen.

Neben der Langform finden sich seit dem Exil (586-520 v. Chr.) vermehrt kürzere Formen wie JHW oder JHH auf Aramäisch. In der jüdischen Militärkolonie von Elephantine in Ägypten existierte bis 410 v. Chr. ein JHWH-Tempel. In diesem Umfeld wurden beide Kurzformen parallel in Briefen, Schwüren und Kulttexten genannt, z.B.: Ich segne dich durch JHH und CHNM. Diese synkretistische Formel kombinierte den jüdischen Gott mit dem ägyptischen Lokalgott.
Schreibweise

In hebräischen Papyrusrollen, z.B. aus Qumran, und griechischen Codices bis zum dritten nachchristlichen Jahrhundert wurde das Tetragramm im Unterschied zum sonstigen Text stets in althebräischer Schrift wiedergegeben. Dies gilt als Zeichen der besonderen Ehrfurcht vor dem Namen Gottes.

Das rabbinische Judentum setzte diese Tradition fort, indem es erst den Konsonantentext des Tanach (100-135 n. Chr.), dann seine Vokalisierung (bis 1000) verbindlich festlegte. Dabei vokalisierten die Masoreten das Tetragramm mit den Vokalen von Adonaj ("mein Herr"), wobei sie auch den langen A-Laut der Anfangssilbe vermieden und durch den unbetonten E-Laut ersetzten. Dort, wo Adonaj im Konsonantentext neben JHWH stand, vokalisierten sie den Gottesnamen mit den Vokalen von Elohim ("Götter", "Gott"). Samaritanische Handschriften setzten nur das Vokalzeichen für A über die zweite Silbe von JHWH und wiesen so darauf hin, dass hier das Wort Schema (aramäisch "der Name") zu lesen sei.

Dem Kenner der hebräischen Schrift sagten die Vokalzeichen zum Tetragramm, dass an dieser Stelle etwas anderes zu lesen sei (qere) als geschrieben steht (ketib) und der Leser demnach die Worte Adonai, Elohim oder Schema auszusprechen habe. Dies sollte das Aussprechen des Gottesnamens verhindern und bekräftigte so zugleich seine Einzigartigkeit. Doch diese Absicht der masoretischen Punktuation wurde im Mittelalter - auch im Judentum selber - weithin vergessen.

Die Biblia Hebraica Stuttgartensia folgt dem Masoretentext und vokalisiert den Namen daher verschieden.

Die dritte Lesart kombiniert die Konsonanten JHWH mit den Vokalen, die eigentlich die Aussprache von Adonaj verlangen. Das führte zu dem verbreiteten Missverständnis, Israels Gott heiße „JeHoWaH“, latinisiert „Jehova“. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war diese Lesart allgemein üblich; von den Zeugen Jehovas wird sie nach wie vor verwendet.
Aussprache
Für das Judentum ist Gottes Name unaussprechlich und wird deshalb nicht ausgesprochen. Bei Bibellesungen im Synagogengottesdienst wird das Tetragramm wohl schon seit dem 1. Jahrhundert immer durch die Anrede Adonaj ("[mein] Herr") oder Adonaj Elohim ("Herr Gott") ersetzt. Kurzformen wie JW oder JH werden als HaShem (der Name) gelesen.

Mit dem Wiederaufbau des Tempels (539 v. Chr.) begann diese jüdische Tabuisierung: Obwohl Gottes Name im Tanach offenbart ist, um angerufen zu werden und dazu privat weiterhin gebraucht wurde (siehe Lachischbriefe), wurde er kultisch nun als unaussprechlich und darum im öffentlichen Vortrag nicht verwendbar betrachtet und verschieden umschrieben. Diese Heiligung des Gottesnamens (hebr. Kiddusch Haschem) durch seine Vermeidung war zur Zeit Jesu im hellenistisch und pharisäisch geprägten palästinischen Judentum üblich, um das zweite Gebot (nach anderer Zählung das dritte) nicht unabsichtlich zu verletzen (Ex 20,7):

Missbrauche nicht den Namen JHWHs, deines Gottes.
Nur der Hohepriester durfte den Gottesnamen am Jom Kippur (Versöhnungstag) aussprechen, wobei der laute Gesang der Leviten dies akustisch überdeckte. Mit der Tempelzerstörung im Jahr 70 endete auch diese Praxis. Spätestens seit 100 n. Chr. wurde der Gottesname im Judentum nicht mehr genannt. Daher ging das Wissen um seine ursprüngliche Aussprache verloren.

Erst im frühen 19. Jahrhundert versuchte die christlich geprägte historisch-kritische Bibelforschung die Aussprache des Tetragramms zu rekonstruieren und es dazu auf eine gemeinsame Urform zurückzuführen. Die seitdem aufgestellten Thesen sind jedoch ebenso vielfältig wie die überlieferten Schreibweisen des Wortes. Schon der lutherische Theologe Romanus Teller (1703-1750) stellte 1749 fest:

Sanchuniathon schreibet Jevo, Diodorus aus Sicilien, Macrobius, Clemens Alexandrinus, der heilige Hieronymus und Origenes, Jao; die Samaritaner, Epiphanius, Theodoretus, Jahe, oder Jave; Ludwig Cappel lieset Javoh; Drusius, Jahve; Hottinger, Jehva; Mercerus, Jehovah; Castellio, Jovah; und le Clerc, Jawoh, oder Javoh.
Die Lesart JaHo-WaH bzw. JeHu-WaH wurde nach 1900 öfter vertreten und berief sich auf die in Personennamen enthaltenen Kurzformen. Der Alttestamentler Sigmund Mowinckel (1884-1965) etwa meinte (Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft, Jg. 54, 1936, S. 269):

Hinweise [lassen] erkennen, ja sogar beweisen, daß Jahwéh nicht die richtige Aussprache des Tetragrammatons war...Der Name selbst lautete wahrscheinlich JAHÔH.
Auch die revidierte französische Bibelübersetzung nach Louis Segond kommentierte:

Die Aussprache Yahvé, die in einigen neueren Übersetzungen verwendet wird, stützt sich auf ein paar alte Zeugen, aber sie sind nicht schlüssig. Zieht man Eigennamen...in Betracht, wie zum Beispiel den hebräischen Namen des Propheten Elia (Eliyahou), dann könnte die Aussprache genausogut Jaho oder Jahou sein.
Andere hielten an der Dreisilbigkeit des Namens fest, wie er im Tanach auftrete. M. Reisel z.B. schrieb 1957 (The Mysterious Name of Y.H.W.H., S. 74):

Die Vokalisation des Tetragrammatons [ist] ursprünglich JeHuàH oder JaHuàH gewesen.
Ungeachtet dieser älteren Lehrmeinungen hält die Mehrheit der Hebraisten und Altorientalisten heute "Jahwe" für die wahrscheinlichste ursprüngliche Lesart. Argumente dafür finden sie

in der masoretischen Vermeidung des Langvokals auf der ersten Silbe,
in der Eigenart des Hebräischen, offene Schlusssilben eines Verbs mit langem Vokal zu unterlegen,
in griechischen Übertragungen des Gottesnamens aus dem 1. Jahrhundet n. Chr., z.B. iabe oder iaoue. Das griechische Beta oder Omega ersetzte das hebräische Wav, weil es ähnlich ausgesprochen wurde;
in neu gefundenen vor- und nachexilischen Inschriften aus Israels Umwelt, die den Namen des jüdischen Gottes mit “Jawe”, “Jabe” und “Jauwe” überliefern.
Etymologie
Die sprachliche Entstehung des Tetragramms ist bis heute ungeklärt. Es gilt als die eigentliche Form des Gottesnamens, da sie im Tanach nie mit anderen Namen oder Substantiven kombiniert ist. Dazu kennt dieser mehrere kürzere Nebenformen. Ihr Verhältnis zur Langform JHWH ist umstritten.

Als selbständige Form tritt JH vor allem in der liturgischen Formel halelu jah ("Preiset Jah!" = Gott) auf. Daneben gibt es die Formen JHW und JW: Diese treten im Tanach - anders als in außerbiblischen Belegen wie den Elephantine-Papyri - jedoch nie selbständig, sondern stets als theophores ("gott-tragendes") Element in Personennamen auf.

Von den drei Kurzformen wird JHW als urtümlichste vermutet, da sie in vorexilischer Zeit überwiegt. Sie tritt sowohl als vorangestelltes (z.B. Jeho-natan) wie auch angehängtes (z.B. Eli-jahu) Namenselement auf. Als Anhängsel wird JHW nach judäischer Schreibung zu JH verkürzt. Als Vorsilbe entwickelt sich JHW (jeho) zu JW (jo), z.B. von Jehoschua zu Josua. Vor allem im Nordreich findet sich aber auch im Auslaut die Schreibung JW, z.B. in .... Die Vokalisierung ist umstritten; meist nimmt man jaw an.

Immer wieder versuchten Hebraisten und Alttestamentler, die Langform aus diesen Kurzformen abzuleiten. Für G.R. Driver (Zeitschrift für Alttestamentliche Wissenschaft 1928) war JH als ekstatischer Ausruf "Jah!" der Ursprung, den er in Ex 15,2 ausgedrückt fand:

JHWH ist meine Stärke und mein Lobgesang und mein Heil. Das ist mein Gott, JAH, ich will ihn preisen...!
Mowinckel nahm Jahu als Urform an und übersetzte sie als Kultruf mit "Oh Er!" In altertümlichen poetischen Sprüchen fand er dafür Anhalt, z.B. Dtn 32,6:

Ist ER nicht dein Vater und dein Herr? Ist es nicht ER allein, der dich gemacht und bereitet hat?
Dagegen weist Antonius Gunneweg (Biblische Theologie des Alten Testaments S. 77) auf die frühen außerbiblischen Belege des Tetragramms hin. Dass JHWH offenbar auch von anderen Stämmen im Raum Palästinas verehrt wurde, spreche gegen die Entwicklung des Namens im frühisraelitischen Kult und für seine Übernahme an einem vorgefundenen Bergheiligtum.

Auch die Gesetze der hebräischen Sprache erklären die Kurzformen eher aus der Langform als umgekehrt: In Verben gehen geschlossene Silben oft in offene über, während sie an Namensendungen wegfallen können (Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament Sp. 544).

Die Langform wird meist von der Verbwurzel HWH abgeleitet. Im Altarabischen heißt dieses Verb "fallen"; Exegeten des 19. Jahrhunderts deuteten den Namen daher kausativ mit "der Fällende" und bezogen ihn auf eine Gewittergottheit (Ex 19,16). B. Eerdmans (1868-1948) deutete die zweisilbige Kurzform Ja-Hu! als lautmalerischen Ausruf, der Blitz und Donner nachahmen solle. Julius Wellhausen (1844-1918) brachte die Kurzform JHW mit dem arabischen Verb HWH für "wehen" in Verbindung, andere mit Arabisch HWA für "lieben" oder dem ugaritischen Verb HWH für "sprechen" oder "befehlen".

HWH lässt sich aber auch als aramäische Version des hebräischen Verbs HJH für "leben, existieren, dasein, wirksam werden" auffassen. Dies wird durch die verwandte Sprache des Amoritischen gestützt, die ein Verb HWJ mit derselben Bedeutung und Substantivierung kennt.

Demnach könnte JHWH als Hifil von HWH mit "der ins Leben, ins Dasein ruft" übersetzt werden. Als Imperfekt von HJH würde JHWH bedeuten: "Er ist" oder "Er erweist sich als wirksam". Als Kausativ von HWH würde es bedeuten: "Er veranlasst zu werden". Diese imperfekte Verbform der 3. Person ist mit vielen hebräischen und arabischen Personennamen vergleichbar, die mit "J" beginnen und eine Aussage über den Namensträger machen: z.B. hebräisch Jôsêph = arabisch Jazîd = "er (der) hinzufügt"; hebräisch Jihjeh = arabisch Jahjâ = "er (der) lebt".

Für Gunneweg setzt jede Deutung, die den Namen als Aussage über Gottes Dasein und Wesen auffasst, einen hohen Grad an theologischer Reflexion voraus, der für die sprachliche Herkunft noch nicht anzunehmen sei. Er hält eine Schöpfungsaussage ("der ins Dasein ruft", "der veranlasst zu werden") für unwahrscheinlich, da der Gottesname im Tanach ursprünglich nicht mit der Weltschöpfung, sondern mit dem Geschichtshandeln im Exodus Israels und der Toraoffenbarung am Sinai verbunden ist. Auch Rainer Albertz sieht die einmalige Deutung des Gottesnamens im Tanach als Hinweis darauf, dass in Israel dessen Ursprungsbedeutung nicht mehr bekannt war, und betont (Religionsgeschichte Israels S. 82):

Gottesnamen sind häufig sehr viel älter als die aktuellen Religionen, und die Gottesvorstellungen wandeln sich unter der Hülse des gleichen Namens.
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