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Messianische Bewegungen












In der Neuzeit

Quellen
Die Bewegungen des Messianismus bzw. des Milleniarismus kommen sowohl aus dem christliche als auch aus dem islamischen und buddhistischen Umfeld, wobei der Großteil aller messianischen Bewegungen dem christlichen Umfeld zuzuordnen ist. In der Regel werden alle messianischen Erwartungen aus den folgenden drei Quellen gespeist: Die erste Quelle spiegelt die weitverbreitete Sichtweise unter den Völkern wieder, dass mit der Ankunft eines göttlichen Führers etwaige Erlösung von Leid und Mangel einhergeht. Als zweite Quelle kann die jüdische Erwartung an einen Messias angeführt werden, der Israel von der Unterdrückung befreien und alle wahren Gläubigen erlösen wird. Die dritte Quelle muss im europäischen Kontext gesehen werden. Es sind zwei sich widersprechende Gemeinschaftsmodelle, die das christliche Verhältnis zur Welt in seiner Beziehung auf das göttliche Gebot definieren, und dennoch ist beiden das Ziel einer moralischen Vollkommenheit gemeinsam. Das urchristliche bzw. apostolische l basiert auf den Konsens-Entscheidungen unter Leitung des Heiligen Geistes, wohingegen das platonische l auf Autorität, Hierarchie und Zwang setzt.8 „Die lange Tradition des literarischen und praktischen Utopismus in Europa und Amerika tendiert dazu, in unterschiedlichen Kombinationen der le vor dem Hintergrund ihrer deutlich werdenden Schwächen zu der Vorstellung einer göttlich inspirierten oder charismatischen Führer- oder Erlösergestalt zurückzukehren und dort ihren Brennpunkt zu finden“.
Entstehungsmotive
Eine einheitliche Konsensfindung in Bezug auf die Entstehungsbedingungen einer messianischen Bewegung ist generell nicht auszumachen. Im allgemeinen ist es eher die Erfahrung des Leidens, der Not und der Ängste, die bei den Menschen das Verlangen und die damit verbundene Aussicht auf eine Befreiung und Erlösung wachruft. Tritt diese Befreiung nicht in Form einer politisch-geistigen Umwandlung ein, so wird dieses Verlangen in die Endzeit verlegt. Es sind sogenannte Krisensituationen „strukturelle Barrieren in sozialen Beziehungen“, die einhergehen mit dem „Verlangen nach befriedigenderen und sittlich akzeptableren sozialen Verhältnissen“, welche am ehesten als Entstehungsgrund in Betracht kommen. Hierzu zählen unter anderem jede Art von ökonomischer, politischer, ethischer, religiöser bzw. gesellschaftlicher Unterdrückung oder Bedrohung, der destruktive Einfluss der Geldwirtschaft als auch die Industrialisierung im allgemeinen. Gerade im 19. Jh. wird der immense Einfluss der Industrialisierung mit der dazugehörigen Lohnarbeit, Arbeitsplatzunsicherheit und das Anwachsen eines entfremdeten Proletariats auf die Entwicklung messianischer Bewegungen und Sekten sichtbar. Des Weiteren bedarf es des Auftretens „einer charismatischen Führungspersönlichkeit, welche das Krisenbewusstsein in sich verdichtet und sich mit dem Geschick der Gemeinschaft solidarisiert“, verbunden mit dem „Erlebnis einer visionären oder auditiven Berufung und Beauftragung zum sammelnden und rettenden Handeln“.
Verlauf und Wirkung
Diese Persönlichkeiten üben aufgrund ihres „heilsgeschichtlichen Sendungsbewusstseins“ magnetische Anziehung auf wachsende Anhängerscharen aus, und dies führte auf mehreren Kontinenten und in den verschiedenen Kulturen und Religionen zu diversen messianischen Bewegungen. Den Anfang einer Bewegung bildet demnach eine anfängliche ekstatische Begeisterung, mit einer gewissen Rückbesinnung zur apostolischen Einfachheit; dieser Umstand führt dann zu einem raschen Wachstum der Anhängerschaft. Den Höhepunkt erreicht eine messianische Bewegung mit der Proklamation ihres Heilsanspruchs, und erst ab diesem Zeitpunkt entscheidet sich der weitere Verlauf. Obwohl die Zielsetzung von einigen Bewegungen oft unrealistisch und als zweifelhafte Phantasien erscheinen, werden einige in die Tat umgesetzt und es kommt zur Institutionalisierung einer Kirchenorganisation, während andere scheitern und zerfallen.
Grundkategorien
Die erste Kategorie wird gebildet durch die „innerkirchlichen Erweckungsbewegungen“. Diese haben im allgemeinen relativ biblisch-rechtsgläubige Grundüberzeugungen und sind in besonderen Maße von der Parusie Jesu Christi gekennzeichnet. Die Führer handeln in prophetischer Begeisterung. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang apokalyptische Sekten wie die „Zeugen Jehovas“ oder die jesusgläubigen „messianischen Juden“.12 Eine weitere Kategorie bilden die „chiliastischen Bewegungen“, welche aufgrund der Apotheose oder des übersteigerten Selbstbewußtseins des Anführers in einen offenen Messianismus umschlagen können. Dieser Umstand kann zu einem Konflikt mit dem Staat oder der Kirche führen und in einer Katastrophe enden. In der Gegenwart lassen sich entsprechende Gruppierungen wie Quäker, Methodisten und Mormonen auffinden. Die dritte Kategorie ist unter dem Begriff der „nichtchristlichen Religionen“ einzuordnen, hier wird die von der christlichen Mission übernommene Parusieerwartung auf den einheimischen Mythos projiziert. Darunter fallen die Taiping-Rebellion in China, der Tong-Hak-Aufstand in Korea, die Mahdi-Erwartung im Schiitismus. Marxismus, Nationalismus und Faschismus sind unter der Kategorie „quasireligiöse Bewegungen“ zu subsumieren, welche unter dem Einfluß neuzeitlicher Ideologien entstanden sind. In diesen Bewegungen wird die „biblische Soteriologie radikal säkularisiert und die Person Jesu Christi durch die einer politischen Befreiergestalt mit entsprechendem Persönlichkeitskult ersetzt“.13 Solche Befreiergestalten waren unter anderem , Lenin, Mao Zedong und Ernesto „Che“ Guevara. Die letzte Kategorie fällt unter den Begriff „nationaler Messianismus“. Wenn „wie damals angenommen - jede Nation am Wohle der Menschheit mitwirken soll, steht der Beitrag der Slawen noch aus“. Für Dostoevksij steht fest, „der Westen solle von den Russen, die von den Griechen geerbte, ganzheitliche Betrachtungsweise lernen“, und Polen proklamiert die messianische Bestimmung des eigenen Volkes. Aufgrund des Christus ähnlichen Leidens des Volkes, ist es die Bestimmung der Polen den anderen europäischen Völkern, das wahre religiöse Leben zu offenbaren.
Zusammenfassung
Resümierend kann man konstatieren, dass von einer sich entwickelnden Messianologie im Alten Testament bis zu einer jüdischen Messiaserwartung im Frühjudentum, von Jesus bis zu einem apostolischen und platonischen Gesellschaftsmodell, über die verschiedenen Säkularisierungen und quasireligiösen Bewegungen, bis hin zu den diversen Sektenbewegungen und „Fernsehevangelisten“, die Thematik und Problematik des Messianismus immer sowohl ablehnende als auch faszinierende Elemente aufweist. Obwohl die politischen und göttlichen Vorstellungen solcher Bewegungen oft außergewöhnlich und mitunter utopisch erscheinen und es auch immerwieder einige betrügerische Bewegungen geben hat, in denen sich die Führer auf Kosten der Naiven und Leichtgläubigen bereicherten, darf nicht in Vergessenheit geraten, wieviel Gutes durch die messianischen Bewegungen im Laufe der Zeit vollbracht worden ist. Der Einfluss auf das soziale Gewissen und die Moral der Menschen, sowie die Erweiterung des menschlichen Horizonts, in den unterschiedlichen Bereichen, sind von unschätzbaren Wert für alle Völker und Religionen auf der Erde.
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