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Weihnachten












Die Weihnachtszeit im Kirchenjahr
Die Weihnachtszeit unterteilt sich eine vorweihnachtliche Buß- und Fastenzeit (Adventszeit) sowie eine weihnachtliche Freudenzeit. Die Adventszeit beginnt mit dem 1. Advent, der in der Regel am vierten Sonntag vor Weihnachten gefeiert wird. Die Weihnachtszeit endet am Sonntag nach Epiphanias (Fest der Heiligen Drei Könige); dieser Sonntag ist liturgisch durch das Gedächtnis an Jesu Taufe geprägt.

Abweichend von diesem in allen westlichen Kirchen geltenden Brauch hat das Bistum Mailand trotz römisch-katholischer Liturgiereformen seine ambrosianischen Regelungen beibehalten dürfen; dort beginnt die Adventszeit, mit dem 11. November, einem Quatember, wodurch sich sechs statt vier Adventssonntage ergeben, und die Weihnachtszeit endet am 2. Februar mit dem „Fest der Darstellung des Herrn im Tempel“ (Lichtmess). Damit hat sich dort die Tradition bewahrt, dass Buß- und Fastenzeit wie Freudenzeit um Weihnachten wie um Ostern in Anlehnung an Jesu Rückzug in die Wüste (40 Tage; Mt 4,2), die Sintflut (40 Tage; Gen 7,4.12), Noahs Warten in der Arche auf dem Ararat (40 Tage; Gen 8,6), Israels Exodus (40 Jahre; Ex 16,35) und anderes jeweils 40 Tage dauern.

An Lichtmess klingt die Weihnachtszeit nach. Der Grund dafür liegt unter anderem in den gottesdienstlichen Perikopen des Tages, die in den westlichen Kirchen gleich sind. In der alttestamentlichen Lesung Maleachi 3,1-4 klingt die Adventszeit nach, die Epistel Hebräer 2,14-18 blickt bereits auf Karfreitag, das Evangelium Lukas-Evangelium2,22-24 schließt unmittelbar an das Weihnachtsevangelium an.
Liturgie

Katholisch
Bereits Gregor d. Gr. kannte die drei Messen des Weihnachtsfestes. Die Titelkirchen Roms kannten dagegen anfangs nur zwei Messen, die Vigil und den Festgottesdienst am folgenden Tag. Bereits das Capitulare lectionum aus der Mitte des 6. Jh. enthält bei allen drei Weihnachtsmessen die klassische Abfolge der Lesungen aus dem AT (Jesaja), aus den Paulusbriefen und das Evangelium. Diese Ordnung war bis weit ins Mittelalter üblich, örtlich bis ins 18. Jh.

Die älteste ist die Festmesse des Tages (in die), die bereits von Ambrosius und von Papst Coelestin Anfang des 5. Jahrhunderts erwähnt wird. Stationskirche war St. Peter im Vatikan.
Die zweite Messe war eine wohl aus Jerusalem übernommene Mitternachtsmesse (in nocte, volkstümlich „Christmette“ genannt, da sie mit der Mette zusammenfiel), deren Stationskirche die Marienbasilika auf dem Esquilin war (S. Maria Maggiore). Dorthin wurde im 11. Jh. auch die Tagesmesse verlegt; denn sie beherbergte in der Krypta eine Nachbildung der Geburtsgrotte.
Als dritte selbständige Messe kam im Morgengrauen (mane in aurora, volkstümlich auf Grund des Evangeliums von der Anbetung der Hirten „Hirtenamt“ genannt) in der byzantinischen Hofkirche Santa Anastasia auf dem Palatin hinzu. Dort wurde am 25. Dezember das Fest ihrer Titelheiligen Anastasia von Sirmia gefeiert.

Diese päpstliche Stationsliturgie führte zu der einmaligen und einmalig bleibenden Situation, dass drei verschiedene Messen mit unterschiedlichen Messformularen am gleichen Tag gefeiert wurden. Die Textausstattung stammt von Papst Gregor d. Gr. So kam die Weihnachtsliturgie als Ganzes in den gallisch-fränkischen Norden. Karl d. Gr. hat sie dann für verbindlich erklärt. Im 11. Jh. tauchen in Frankreich erstmalig szenische Darstellungen im Gottesdienst auf, sogenannte Weihnachtsspiele. Franz von Assisi stellte Greccio in Umbrien eine Krippe mit einem lebenden Ochsen und Esel auf, verlas in der Messe das Evangelium und hielt eine Predigt. Kaiser Joseph II. verbot die Krippenspiele im Gottesdienst, die deshalb in den häuslichen Bereich wechselten und zum Brauchtum wurden.

An dieser Messliturgie hat die Liturgiereform Pauls VI. im wesentlichen festgehalten. So steht noch heute die etwas unromantische klare dogmatische Aussage zur Gottheit Christi aus der Entstehungszeit im Vordergrund. Die Weihnachtszeit beginnt heute mit der ersten Vesper von Christi Geburt am späten Nachmittag des 24. Dezembers bis zum Fest der Taufe Christi am ersten Sonntag nach Epiphanie (Lit.: Sekretariat der Bischofskonferenz 1996, S. 122 ff.). Es gibt auch immer noch die drei Messformulare, wenn auch heute erlaubt ist, die Texte auszutauschen.

Die Lesungstexte schreiten in den Messen fort. In der Vorabendmesse am 24. Dezember steht noch die Erwartung im Vordergrund (Jes 62, 1-5; Apg 13, 16-26 und Mt1, 1-25). In der Christmette wird die Freude ausgedrückt (Jes 9, 1-6; Tit 2,11-14 und Lk 2, 1-14). Die Hirtenmesse am Morgen handelt von der Hoffnung auf Erlösung durch die Inkarnation (Jes 62, 11-12, Tit 3, 4-7 und Lk 2,15-20). Das Hochamt bzw. die Tagesmesse hat Gottes Heilsplan zum Gegenstand, wie er im Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1, 1-1 zum Ausdruck kommt; vorausgehende Lesungen sind Jes 52,7-10 und Heb 1, 1-6. Innerhalb der Weihnachtsoktav dürfen keine anderen Heiligenfeste gefeiert werden mit Ausnahme der drei comites Christi, nämlich Stephanus, Johannes des Evangelisten und der Unschuldigen Kinder.
Evangelisch
In den deutschen evangelischen Kirchen beginnt Weihnachten am 24. Dezember mit der Christvesper. Die liturgischen Texte bestehen aus den Weissagungen des Alten Testaments (Micha 5, 1 - 3; Jesaia 9, 5 - 6a und Jesaia 11, 1 - 2) und der Kindheitsgeschichte des Lukasevangeliums. Dazwischen singt die Gemeinde Weihnachtslieder.

Um „nächtlichen Unfug" zu unterbinden, verlegte man die Christmette, die weithin im Zentrum von Weihnachten steht, in den frühesten Morgen des Festtages (oft um 4:00 Uhr) oder ersetzte sie durch die vorabendliche Vesper. Die behördlichen Reserven gegen den Gottesdienst um Mitternacht führte bis ins 18. Jahrhundert zu Konflikten. Die Gemeinden, in denen heute der Nachtgottesdienst abgehalten wird, nehmen wieder zu. Das evangelische Gottesdienstbuch von 1999 hat dafür ein eigenes Formular aufgenommen. Eine Besonderheit des evangelischen Weihnachtsfestes, die bis in die Reformationszeit zurückreicht, ist es, das Weihnachtsfest auch auf den zweiten (früher gar den dritten) Weihnachtstag auszudehnen. Viele Kirchenordnungen regelten, dass auch am zweiten Feiertag über die Geburt Jesu zu predigen sei. Das evangelische Gottesdienstbuch bietet dafür zwei Formulare, „Christfest I" und „Christfest II", die aber austauschbar sind. Das Fest des Erzmärtyrers Stefanus kann in einem Abendgottesdienst berücksichtigt werden.

Die Reformierten Kirchen lehnten das Weihnachtsfest durchweg ab. Deshalb gibt es keine liturgischen Besonderheiten. Die Entwicklung des Weihnachtsfestes wird in dieser Beziehung daher unter dem Titel „Brauchtum" behandelt.

Amerikanische Lutheraner, Episkopalisten und Methodisten benutzen das Common Lectionary, welches von der Consultation on Common Texts erstellt worden ist. Danach werden folgende Texte verwendet: Jesaias 9, Brief an Titus 2, Lukasevangelium 2, 1 - 20 oder: Jesaias 52, Brief an die Hebräer 1 und Johannesevangelium 1, 1 - 14 oder: Jesaias 62, Brief an Titus 3 und aus dem Lukasevangelium 2, 1 - 20.

Bei den aktiven Gemeindemitgliedern der Anglikaner bildet die Kommunion in der mitternächtlichen Eucharistiefeier den Höhepunkt. Während das frühere Book of Common Prayer am Heiligen Abend nur in einigen Gebeten auf das Weihnachtsfest hinwies, wird in den heute gebräuchlichen Agenden, wie dem Common Worship aus dem Jahre 2000, das Weihnachtsereignis ins Zentrum der Schriftlesung und der Gebete gerückt.
Orthodox

Die östlichen Kirchen stellten seit jeher die Theophanie (heute Epiphanias) am 6. Januar in den Mittelpunkt. Sie ist älter als das Weihnachtsfest. Die Predigten von Gregor von anz aus den Jahren 380 und 381 markieren den Übergang vom Gesamtfest Epiphanie zu den beiden Festen Weihnachten mit dem Schwerpunkt der Geburt und Epiphanie, das auf die Taufe Jesu im Jordan bezogen wird. Antiochien übernahm kurze Zeit später das Weihnachtsfest, wie ein Predigt des Johannes Chrysostomos aus dem Jahre 386 belegt. Die Jerusalemer Kirche lehnte das Weihnachtsfest bis ins 6. Jh. ab. Die armenische Kirche hat es bis heute nicht übernommen, sondern hält am umfassenden Festtermin vom 6. Januar fest.

Heute haben alle Orthodoxen Kirchen mit Ausnahme der Kirchen von Jerusalem, Russland und Serbien den Gregorianischen Kalender übernommen - mit Ausnahme der Berechnung des Osterdatums. Sie halten Weihnachten am 25. Dezember. Die Kirchen, die am julianischen Kalender festhalten, verzeichnen es am 7. Januar gregorianischer Rechnung.

Das vorweihnachtliche Fasten, das weniger streng ist, als das Fasten vor Ostern, beginnt bei den Orthodoxen bereits 40 Tage vor Weihnachten. Ab dem 13. Dezember wird es strenger und erreicht seinen Höhepunkt am 24. Dezember. Es handelt sich dabei aber nicht um eine liturgische Adventszeit. Während dieser Zeit wird die Liturgie Schritt für Schritt mit weihnachtlichen Motiven angereichert. Die beiden letzten Sonntage vor Weihnachten sind den Ahnen Christi gewidmet.

Am 24. Dezember wird eine Vesper mit 8 Schriftlesungen gehalten, die alle auf Jesus als Erfüllung der Prophezeiungen hinweisen. Auf die Vesper folgt die Taufliturgie des Basilius, ein Hinweis auf den Satz: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Die Lesungen bestehen aus dem Brief an die Hebräer 1, 1 - 12 und dem Lukasevangelium 2, 1 - 20. Die große Komplet geht in den Frühgottesdienst über. Beide zusammen gelten als "Nachtwache" (ἀγρυπνία), in der die Geburt Christi nach Matthäus 1, 18 - 25 verkündet wird. Zur Matutin wird der gesamte Kanon Christus ist geboren gesungen, und die Gläubigen beten vor der Ikone der Geburt Jesu.

Die Liturgie des Weihnachtstages befasst sich mit dem Besuch der Magier und hebt die Herrschaft Christi hervor. Dafür wird die Chrysostomus-Anaphora verwendet. Das Matthäusevangelium 2, 1 - 12 widmet sich dem Besuch der Magier.

Mit dem zweiten Weihnachtsfeiertag beginnt die sechstägige Nachfeier mit der Synaxis der Theotokos (Zusammenschau der Gottesgebärerin), ein Fest der Marienverehrung. (Lit.: Onasch 1958)
Brauchtum
In nördlichen Breiten schloss sich das Brauchtum des Winters an das Weihnachtsfest an. Dies beginnt schon bei den Totenbräuchen zu Beginn des Advents und reicht bis zu Mariä Lichtmeß. Das Brauchtum wurde in den Weihnachtsspielen als besondere geistliche Schauspiele verchristlicht und seit dem 16. Jh. in den Weihnachtskrippen dargestellt. Die szenischen Darstellungen sind erstmalig im 11. Jh. in Frankreich fassbar.


Die Geschichte der Weihnachtskrippe, die heute selbstverständlicher Bestandteil des Weihnachtsfestes ist, begann aber wohl schon im 13. Jahrhundert und die Krippe ist im Gottesdienst lokal wohl schon im 11. Jh. verwendet worden. In der Burgkapelle Hocheppan bei Bozen wurde um das Jahr 1200 die Geburt Jesu Christi erstmalig im deutschsprachigen Raum dargestellt. Die Darstellung gipfelte dann in der Weihnachtsbescherung vor Krippe und Weihnachtsbaum. In anderen Gegenden, besonders weiter im Norden, war die Bescherung am Nikolaustag. Zwei kerzengeschmückte Tannenbäume stehen seit 1621 in bei den Augustinern in Neustift rechts und links von der Krippe. Ursprung des Tannenbaums dürfte der immergrüne Tannenschmuck alpenländischer Paradiesspiele und mittelalterlicher Mysterienspiele gewesen sein. Seit etwa 1800 war er in den gehobenen Bürgerhäusern von Zürich, München, Wien und Siebenbürgen zu finden. Henriette Alexandrine von Nassau-Weilburg führte ihn 1816 in Wien ein. Der Krieg 1870/71 hat den Adventskranz und den Weihnachtsbaum popularisiert. 1912 stand der erste „öffentliche" Baum in New York. Aber ein geschmückter Baum zur Weihnachtszeit ist noch kein „Weihnachtsbaum" (siehe unten).

Luther hat die vorher auch in seinem Hause übliche Bescherung mit Geschenken am Nikolaustag (es gibt Haushaltsrechnungen aus dem Hause Luther über Geschenke für das Gesinde zu St. Nikolaus aus dem Jahre 1535 und 1536) auf den Weihnachtstag verschoben (10 Jahre später sind die Ausgaben nicht mehr zu St. Nikolaus, sondern an Weihnachten vermerkt). Schenker war nun nicht mehr St. Nikolaus, sondern ein nicht näher definierter „Heiliger Christ". Aus dieser anonymen Abstraktion wurde alsbald schon in Thüringen das weiblich vorgestellte Christkind. Im 19. Jahrhundert wurden die inzwischen immer familiärer gewordenen Weihnachtsbräuche mit Krippe und Weihnachtsbaum auf Luther rückprojiziert. Zu dieser Zeit wurde aus Knecht Ruprecht, der den Nikolaus begleitete, allmählich der Weihnachtsmann.
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