Foren-Übersicht
Login | Registrieren | Forum | Suche | Impressum

Weihnachten












Die reformierten Kirchen glaubten, das Weihnachtsfest entspringe heidnischem Brauch und sei mit der römischen Kirche verbunden und lehnten es daher grundsätzlich ab. 1550 wurden in Genf alle nichtbiblischen Feiern verboten, worüber es zu schweren Konflikten kam. Calvin war da weniger streng. John Knox verbot 1560 alle kirchlichen Feste, so auch das Weihnachtsfest in Schottland. Daran hielten sich die schottischen Presbyterianer bis in das 20. Jahrhundert hinein. Auch die Quäker und die Puritaner des 17. Jahrhunderts lehnten Weihnachten als Feiertag ab und gingen wie auch sonst ihren Geschäften nach. Das englische Weihnachtsfest umfasste in jener Zeit nicht nur den Gottesdienst, sondern auch Gelage, Besäufnis, Tanz und Glückspiel. 1647 erließ das Parlament ein Verbot derartiger Feste. Das führte zu Straßenkrawallen zwischen Befürwortern und Gegnern des Weihnachtsfestes (Lit.: Durston/Eales 1996 S. 210 ff.). Nach 1660 wurde das Festverbot nicht mehr angewendet. Erst in neuester Zeit haben sie sich den Verhaltensmustern ihres kulturellen Umfeldes angepasst. Aber erst im 19. Jahrhundert nahm das Weihnachtsfest in England einen bedeutenden Aufschwung, möglicherweise unter dem Einfluss des Prinzen Albert aus Deutschland, den Königin Viktoria geheiratet hatte. Auch in Amerika verlief die Entwicklung ähnlich. In Gegenden, in denen überwiegend Presbyterianer, Mennoniten, Quäker und Puritaner leben (Neuengland, Pennsylvanien), gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein kein Weihnachtsfest. Weiter im Süden behielten die englischen Siedler seit dem 17. Jh. ihre anglikanischen Bräuche bei, und in New York hatten auch die niederländischen Siedler eine Weihnachtsfeier.

Das heute in Deutschland übliche Weihnachtsfest in der Familie mit Weihnachtsbaum, Krippe, Geschenken und einem Gottesdienstbesuch ist eine kulturelle Ausformung der Bürgerfamilie des 19. Jahrhunderts (Lit.: Weber-Kellermann 1975 S. 223). Die volkskundliche und germanistische Forschung hingegen meinte im Anschluss an die Gebrüder Grimm, eine gute Tradition müsse auch sehr alt sein, und versuchte, eine Kontinuität bis in das germanische Altertum zurückzuverfolgen. So wurden die Weltenesche des germanischen Mythos oder der Mittwinterbaum zum unmittelbaren Vorläufer des Weihnachtsbaumes. Dies lag auch auf der Linie des National-Sozialismus, der das Weihnachtsfest zum germanischen Julfest umzufunktionieren versuchte. Das gilt auch für die im Weihnachtsbrauchtum beteiligten Personen. So wurde Knecht Ruprecht vom Göttervater Oðinn abgeleitet (Lit.: Riemerschmidt 1962, S. 27). Der mit Kerzen geschmückte Lichterbaum ist heute zentrales Element der familiären Weihnachtsfeier, Anfang des 19. Jahrhunderts war er nur an Fürstenhöfen zu finden, dann in der bürgerlichen Oberschicht. Im unteren Bürgertum wurde er erst populär, als der der preußische König im Kriege 1870/71 gegen Frankreich Weihnachtsbäume in den Unterständen und Lazaretten aufstellen ließ. Danach verbreitete sich der Weihnachtsbaum rasch in der Bevölkerung und erhielt die heute als selbstverständlich empfundene zentrale Rolle im Zeremoniell der abgeschlossenen Familienfeier (Kinder stehen vor der verschlossenen Tür, Baum wird entzündet, die Tür wird geöffnet, gemeinsames Singen, gemeinsames Öffnen der Geschenke, gemeinsames Mahl). Diese zentrale Funktion des Weihnachtsbaumes hebt ihn prinzipiell von den früheren immergrünen Zweigen und Buchsbäumchen ab, die ein dekoratives Element unter vielen waren. 1930 noch brachten durchweg der Weihnachtsmann (vorwiegend im Norden und Nordosten) und das Christkind (vorwiegend im Westen und Süden und in Schlesien) die Geschenke. Die Grenze verlief an der Grenze zwischen Westfalen und Friesland, Hessen und Niedersachsen und Thüringen und zwischen Bayern und Thüringen, ging durch Südthüringen, südliches Sachsen bis nach Schlesien. Im 19. Jh. war es noch umgekehrt gewesen: der (männliche) Nikolaus hatte vorher in katholischen Gebieten die Geschenke gebracht, das weiblich gedachte Christkind in evangelischen Gebieten. Mit dem Aufschwung des Weihnachtsfestes wurde der Geschenktermin auch in den katholischen Gebieten vom Nikolaustag auf Weihnachten verschoben. Die bereits im Altertum bekannten Geschenke zu Neujahr lebten bis weit in 20. Jh. hinein, lokal sogar bis heute, als die Geldgratifikationen an Postboten, Zeitungsfrau, Müllabfuhr usw. fort. Das weihnachtliche Geschenk an die Kinder ist dagegen anders strukturiert, indem die schenkende Person „Christkind" oder „Weihnachtsmann" prinzipiell anonym und unerreichbar bleibt. Seine Wurzel liegt in der Sozialgeschichte des Bürgertums. Als "Lüttenweihnachten" bezeichnet man das Schmücken eines Weihnachtsbaumes für Tiere im Wald mit Futter.
Das gabenbringende Christkind war nie identisch mit dem Jesuskind. Vielmehr scheint es den weihnachtlichen Umzugsbräuchen, in denen Maria, Joseph und das Jesuskind durch die Straßen zogen (wie heute vielerorts die Sternsinger), begleitet von weißgekleideten Mädchen in offenem Haar als engelartige Herolde, angeführt von einem verschleierten „Christkind" (Lit.: Weber-Kellermann 1975, S. 229). Diese Tradition begann im 16. Jahrhundert, nachdem Luther gegen die beherrschende Funktion des Nikolaus als Gabenbringer vorgegangen war.

Der Weihnachtsmann ist eine synkretistische Gestalt, die aus Nikolaus und Knecht Ruprecht und dem rauhen Percht in einer entdämonisierten Form zusammengesetzt wurde. Populär wurde er durch eine Zeichnung von Moritz von Schwind im Münchner Bilderbogen Nr. 5 von 1848 unter dem Titel „Herr Winter". Die Kleidung übernahm er von Knecht Ruprecht (die rote Farbe seines Mantels geht auf Coca-Cola-Werbung in den sechziger Jahren zurück), den wallenden Bart den gängigen Gott-Vater-Vorstellungen.

Beim Brauchtum darf nicht übersehen werden, dass das meiste davon in einer klimatisch von kaltem, dunklem Winter gekennzeichneten Zone entstanden ist. Die Sehnsucht nach der Sonne, die im Zeitpunkt gewählten der Sonnenwende zum Ausdruck kommt, ist für Menschen in den Wüstengürteln der Erde kaum nachvollziehbar. Auf der Südhalbkugel fällt Weihnachten gar in den Sommer. Das muss zwangsläufig zu anderen Bräuchen führen. Der immergrüne Tannenbaum hat dort keine einschlägige Symbolkraft.
Feiertagsregelungen
Die Weihnachtsfeiertage sind gesetzliche Feiertage im Dezember oder Januar. Je nach Land ist die Festlegung der Anzahl der Feiertage unterschiedlich. Die deutsche Festlegung auf die beiden Feiertage am 25. und 26. Dezember geht historisch auf Martin Luther zurück. Als dritter Weihnachtsfeiertag kann Epiphanias bzw. das Heilig-Drei-König-Fest am 6. Januar dazu gelten; auch dieser ist in einigen deutschen Bundesländern gesetzlicher Feiertag.
Kritik
In der pastoralen Literatur wird auch Kritik an dem Weihnachtsfest in heutiger Gestalt geübt. Sie lässt sich im wesentlichen auf drei Schlagworte konzentrieren: 1. Profanisierung, 2. Kommerzialisierung 3. Hektik und Stress (Lit.: Roll S. 463 ff.; Weber-Kellermann 1975 S. 223)

Unter dem Schlagwort Profanisierung wird vor allem vorgetragen, dass das Weihnachtsfest entchristlicht und zu einem Familienfest für jedermann geworden sei. Der theologische Gehalt gehe dabei über weite Strecken verloren. Stattdessen nähmen Kitsch und Sentimentalität zu. Demgegenüber ist zu betonen, dass das Weihnachtsfest seit jeher zweigleisig gewesen ist, einmal kirchlich-sakral, zum anderen als Volksfest mit Gelagen und Besäufnissen, was immer wieder zum Einschreiten der Obrigkeit geführt hat. Die Ausbildung als Familienfest, im Wesentlichen seit dem 19. Jahrhundert verstärkt zu beobachten, zeigt, dass es jedenfalls in den nördlichen Breiten ein Bedürfnis gibt, ein Fest zur Belebung und Stärkung von Binnenbeziehungen, besonders in der Familie, zu feiern. Dass sich ein solches Fest an ein kirchliches Fest anschließt, profaniert das kirchliche Fest selbst nicht zwangsläufig. Allerdings geht mit der Reduzierung auf Familie auch eine Ausgrenzung randständiger Gruppen einher. Deshalb betreiben viele Organisatonen eine Ergänzung durch Weihnachtsfeiern für Alleinstehende und Nichtsesshafte.


Unter dem Schlagwort Kommerzialisierung wird die weit in die Adventszeit zurückreichende Ankurbelung des Umsatzes mit Weihnachtsmotiven in den Kaufhäusern und der Werbung beklagt. Weihnachten ist in vielen Ländern das Konsumereignis des Jahres und viele Branchen erwirtschaften im November und Dezember über ein Fünftel des Jahresumsatzes:

Spielwaren: 32,1%.
Uhren und Schmuck: 28,7%
Bücher, Zeitschriften und Zeitungen: 23%
Warenhäuser: 22,3%
Antiquitäten: 22,2%
Textilien: 21,5%
Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte: 21,2%
Nur wird dabei der wesentliche Unterschied zur Werbung im übrigen Jahr übersehen: Normalerweise zielt die Werbung darauf ab, dass der Beworbene sich eigene Wünsche erfüllt. Im Weihnachtsgeschäft geht es darum, Geschenke für die nahestehenden Mitmenschen zu kaufen. Das Geschenk, die Gabe ist seit ältester Zeit der Menschheit ein wesentliches Mittel zur Stabilisierung von Beziehungen. Überall auf der Welt gibt es irgendwelche Feste, die einen Gabenaustausch zum Inhalt haben.

Unter dem Schlagwort Hektik wird kritisiert, dass der Mensch in der Adventszeit nicht zur Ruhe komme, weil er vollständig mit den Festvorbereitungen und dem Suchen nach dem passenden Geschenk ausgelastet sei. Auch hier wird nicht wahrgenommen, dass es ein Fest ohne Vorbereitung nicht gibt - es sei denn, man hat genügend Dienstpersonal, das die Arbeit abnimmt. Das Problem liegt eher darin, dass die hiesige Gesellschaft das Feiern verlernt hat, so dass die Menschen nicht mehr im Stande sind, gelassen, zügig und rationell ein Fest vorzubereiten.

Das kirchliche Weihnachtsfest wird dadurch nicht berührt, und es bleibt jedem kirchlich und religiös-spirituell gesinnten Menschen möglich, dieses gemäß seinen Bedürfnissen zu feiern. Dass andere Menschen das Fest zu anderem benutzen, braucht ihn nicht zu stören.
Kunst

Musik
Eine besondere Weihnachtsmusik lässt sich bereits im Mittelalter nachweisen. Sie hat ihren Ursprung in der musikalischen Gestaltung der drei Festmessen und dem Gloria der Engel bei den Hirten auf dem Felde, von dem das Lukasevangelium 2, 14 berichtet. Luther hat den Liederschatz wesentlich bereichert. Von ihm stammen:

Gelobet seist du Jesus Christ (Strophe 2 bis 7)
Vom Himmel hoch, da komm ich her (Text und Melodie)
Vom Himmel kam der Engel Schar (Text und Melodie)
Nun komm der Heiden Heiland (Adventslied; Text; Melodie übernommen und verändert von Ambrosius von Mailand)
Hervorzuheben sind auch das Choralwerk J. S. Bachs Weihnachtsoratorium und die auf Weihnachten bezogenen Teile des Messias von Händel. Auch Carl Heinrich Graun, J. G. Reinberger, Engelbert Humperdinck, L. H. Berlioz, C. Saint-Saëns, E. Martin und Giselher Klebe haben in verschiedenen Jahrhunderten Weihnachtsmusik verfasst. Weltweit haben sich diese und auch O du Fröhliche ausgebreitet. Für den englischsprachigen Raum sind Jingle bells und We wish you a merry christmas hervorzuheben. Der Liederschatz wurde immer weiter ausgebreitet und hat seinen Platz im kirchlichen und innerfamiliären Raum längst verlassen und ist im Radio, bei Straßenmusikanten und in Kaufhäusern zu hören. Spezielle Instrumente gibt es nicht. In manchen Orgeln gibt es das spezielle Register „Zimbelstern". Auch in der modernen Zeit gibt es noch immer wieder neue Weihnachtslieder, wie zum Beispiel "Let it snow" von Frank Sinatra oder das jährlich beliebte Lied von Wham! "Last Christmas".
Forum -> Forums-Lexikon

Zurück  
1, 2, 3, 4  Weiter
Ähnliche Themen
Weihnachten auch für Muslime?
Frohe Weihnachten!
Weihnachten ist der Orgasmus des Kapitalismus
Weihnachten ?
Weihnachten 2006
Frohe Weihnachten!
Weihnachten, Geburtstag und feiern im Kindergarten
Weihnachten
Ostern, Weihnachten
Weihnachten in Australien