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Aus den Schriften von Baha'u'llah und Abdu'l Baha:
"Die Menschenwelt hat zwei Flügel: Den einen bilden die Frauen, den anderen die Männer. Erst wenn beide Flügel gleichmäßig entwickelt sind, kann der Vogel fliegen. Bleibt ein Flügel schwächlich, so ist kein Flug möglich. Erst wenn die Frauenwelt der Männerwelt im Erwerb von Tugenden und Vollkommenheiten gleichkommt, sind Erfolg und Gedeihen so erreichbar, wie es sein soll."
"Die Frauen sind mit den Männern auf Erden gleichberechtigt. ... Solange den Frauen die höchsten Möglichkeiten verschlossen bleiben, werden sie außerstande sein, die Bedeutung zu erlangen, zu der sie fähig wären."
"In der Vergangenheit wurde die Welt durch Gewalt regiert, und der Mann herrschte aufgrund seiner stärkeren und mehr zum Angriff neigenden körperlichen und verstandesmäßigen Eigenschaften über die Frau. Aber schon neigt sich die Waage, Gewalt verliert ihr Gewicht, und geistige Regsamkeit, Intuition und die geistigen Eigenschaften der Liebe und des Dienens, in welchen die Frau stark ist, gewinnen an Einfluß. Folglich wird das neue Zeitalter weniger männlich und mehr von den weiblichen Leitbildern durchdrungen sein, oder genauer gesagt, es wird ein Zeitalter sein, in dem die männlichen und weiblichen Elemente der Kultur besser ausgeglichen sein werden."
"Um es noch einmal bewußt zu machen: Bevor Frau und Mann nicht die Gleichberechtigung anerkennen und verwirklichen, ist gesellschaftlicher und politischer Fortschritt weder hier noch irgendwo sonst möglich. Denn die Menschenwelt besteht aus zwei Teilen oder Gliedern: das eine ist die Frau, das andere der Mann. Solange diese Glieder an Stärke nicht gleich sind, kann die Einheit der Menschheit nicht verwirklicht werden, und Glück und Wohl der Menschheit werden nicht verwirklicht werden."
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Nachfolgend ein Auszug aus "Baha'u'llah und das Neue Zeitalter", John E. Esslemont, erschienen im Baha'i Verlag.
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Einer der sozialen Grundsätze, dem Baha'u'llah große Bedeutung zumißt, ist, daß die Frau dem Manne gleich geachtet werde. Die Frau soll sich gleicher Rechte, gleicher Erziehung und gleicher Förderung erfreuen.
Das Hauptmittel, auf das sich Baha'u'llah bei der Gleichstellung der Frauen stützt, ist die umfassende Erziehung. Die Mädchen sollen die gleiche gute Erziehung genießen wie die Knaben. In der Tat ist die Erziehung der Mädchen noch wichtiger als die der Knaben, denn die Mädchen werden später Mütter, und als Mütter sind sie die ersten Lehrer des kommenden Geschlechtes. Kinder gleichen grünen und zarten Zweigen; wenn ihre erste Erziehung richtig ist, wachsen sie gerade, wenn diese schlecht ist, wachsen sie krumm. Bis zum Ende ihres Lebens sind sie von der Erziehung ihrer ersten Jahre beeinflußt. Wie wichtig ist es daher, daß die Mädchen gut und weise erzogen werden.
Abdu’l Baha hatte bei seinen Reisen durch die westlichen Länder häufig Gelegenheit, die Baha'i-Lehren bezüglich dieses Themas zu erläutern. In einer Versammlung der Frauenliga für Frieden und Freiheit in London im Jahre 1913 sagte Er:
„Die Menschheit gleicht einem Vogel mit seinen zwei Schwingen: die eine ist das männliche, die andere das weibliche Geschlecht. Sofern nicht beide Schwingen stark sind und durch eine gemeinsame Kraft bewegt werden, kann sich der Vogel nicht himmelwärts schwingen. Dem Geiste dieses Zeitalters entsprechend müssen die Frauen Fortschritte machen und ihre Aufgaben in allen Zweigen des Lebens erfüllen, um den Männern gleichzukommen. Sie müssen auf die gleiche Höhe gelangen wie die Männer und sich gleicher Rechte erfreuen. Dies ist meine inständige Bitte und einer der Hauptgrundsätze von Baha'u'llah.“
„Manche Wissenschaftler haben erklärt, das Gehirn des Mannes wiege schwerer als das des Weibes, und sie beanspruchten dies als Beweis für die Überlegenheit des Mannes. Wenn wir jedoch um uns blicken, so sehen wir Leute mit kleinem Kopf, deren Gehirn leicht sein muß, die jedoch größte Intelligenz und große Verstandeskraft aufweisen, und andere mit großem Kopf, deren Gehirn schwer sein muß, die aber doch einfältig sind. Deshalb ist das Gewicht des Gehirns kein zuverlässiger Maßstab für Intelligenz oder Überlegenheit.“
„Wenn die Männer als einen zweiten Beweis ihrer Überlegenheit die Behauptung aufstellen, die Frauen hätten nicht so viel geleistet wie die Männer, so führen sie armselige Argumente an, wobei die Geschichte außer Betracht gelassen wird. Wenn sie sich geschichtlich besser unterrichtet hätten, dann würden sie wissen, daß große Frauen gelebt und Großes in der Vergangenheit vollbracht haben, und daß auch heute viele leben, die Großes vollbringen.“
Hier erzählte Abdu’l Baha die Taten der Zenobia und anderer großer Frauen der Vergangenheit und schloß mit beredtem Lob der mutigen Maria Magdalena, deren Glaube fest blieb, als die Apostel ins Wanken geraten waren. Er fuhr fort:
„Unter den Frauen unserer Zeit ragt Qurratu'l-'Ayn hervor, die Tochter eines muhammadanischen Priesters. Zur Zeit des Auftretens des Bab (Anm. zwischen 1844-1850) zeigte sie so überwältigenden Mut und Kraft, daß alle, die sie hörten, erstaunt waren. Sie warf ihren Schleier beiseite, den uralten Gebräuchen der Perser zum Trotz, und obschon es als ungehörig galt, mit Männern zu sprechen, unternahm es diese heldenhafte Frau, sich mit den gelehrtesten Männern auseinanderzusetzen, und trug auch in jeder derartigen Zusammenkunft den Sieg davon. Die persische Regierung nahm sie gefangen. Sie wurde in den Straßen mit Steinen beworfen, aus dem Islam ausgestoßen, von einer Stadt zur anderen verbannt, mit dem Tode bedroht, aber nie wich sie von ihrem Entschluß ab, für die Freiheit ihrer Schwestern einzutreten. Sie ertrug Verfolgung und Leiden mit größtem Heldenmut. Selbst im Gefängnis gewann sie noch Menschen. Zu einem persischen Minister, in dessen Haus sie gefangen war, sagte sie: ‘Du kannst mich töten, sobald es dir beliebt; aber du kannst die Befreiung der Frauen nicht aufhalten.’ Schließlich nahte das Ende ihres tragischen Lebens; man brachte sie in einen Garten und erdrosselte sie. Sie aber hatte ihr schönstes Kleid angezogen und sich geschmückt, als ob sie eine Brautfahrt machen wollte. Mit solcher Seelengröße und solchem Mut gab sie ihr Leben dahin, daß alle, die sie sahen ergriffen und erschüttert waren. Sie war wahrlich eine große Heldin. Auch heute gibt es unter den Baha'i in Persien Frauen, die unentwegten Mut zeigen und dichterisch hoch begabt sind. Sie sind sehr beredt und sprechen vor großen Versammlungen.“
„Die Frauen müssen fortschrittlich gesinnt sein und zur Vervollkommnung der Menschheit ihre Kenntnisse über Wissenschaft, Literatur und Geschichte erweitern. Binnen kurzem werden sie zu ihrem Rechte kommen. Die Männer werden sehen, wie die Frauen ernsthaft und würdig an der Besserung des bürgerlichen und politischen Lebens arbeiten, wie sie sich dem Krieg widersetzen und Stimmrecht und gleiche Möglichkeiten fordern. Ich hoffe, daß ihr Frauen in allen Phasen des Lebens Fortschritte macht; dann werden eure Stirnen mit dem Diadem unvergänglichen Ruhmes gekrönt sein.“
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