Geistiger und Materieller Fortschritt


Geistiger und Materieller Fortschritt

I - Impulstext

Bekanntlich herrschen im Menschen zwei Naturen, eine Geistige und eine Materielle. Auf beiden Seiten können Fortschritte gemacht werden. Man kann also sowohl geistig, als auch materiell Fortschritte machen. Wenn ein Mensch zum Beispiel in seinem Geschäft, in der Kunst oder sonst im Beruf Erfolg hat, so wird er dadurch in die Lage versetzt, sein physisches Wohlergehen zu heben und seinem Körper ein Maß von Annehmlichkeit und Wohlbehagen zu geben, bei dem er sich wohlfühlt. Das ist materieller Fortschritt. Wir sehen heute rings um uns, wie sich der Mensch mit aller neuzeitlichen Bequemlichkeit und Pracht umgibt und seiner physischen, materiellen Seite nichts versagt. Doch sollte man vielleicht auf der Hut sein, daß man über der allzustarken Beachtung der körperlichen Angelegenheiten nicht die Bedürfnisse der Seele hintenan stellt, denn der materielle Gewinn vermag den Geist des Menschen nicht zu heben. Vervollkommnung in weltlichen Dingen bringt dem menschlichen Körper Freude, verherrlicht aber keineswegs die Seele.

Es mag geschehen, daß jemand, dem alle materiellen Vorteile zur Verfügung stehen und der in der größtmöglichen Behaglichkeit moderner Zivilisation lebt, doch aller wichtigen Gaben des Geistes bar ist.

Nur dadurch, daß wir im Geistigen sowohl als auch im Materiellen wachsen, können wir wirklich vorwärts kommen und vollkommene Wesen werden. Um der Übermittlung dieses geistigen Lebens und Lichtes willen sind alle großen Lehrer in der Welt erschienen. Sie kamen, damit die Sonne der Wahrheit offenbar sei und in den Menschenherzen leuchte, auf daß die Menschen durch ihre wundersame Macht zu ewigem Licht gelangen.

Als Christus kam, goß Er das Licht des Heiligen Geistes über alle aus, die um Ihn waren, und Seine Jünger und alle, die sein Licht empfingen, wurden erleuchtete, geistige Wesen.

Heute mißachtet der Mensch dieses geistige Licht! Er schreitet noch immer auf seinem Weg der Finsternis weiter, und noch immer sehen wir Uneinigkeit, Zank und wilde Kriege.

Er benutzt den materiellen Fortschritt, um seine Kriegslust zu befriedigen und schafft Zerstörungswerkzeuge und -mittel, um seinen Brudermenschen zu vernichten.

II - Fragen

Warum konzentrieren wir uns alle so sehr auf materielle Bedürfnisse? Ist es leichter materiell vorwärts zu kommen als geistig?
Wie könnte man geistigen Fortschritt überhaupt definieren? Und welchen Einfluß haben Menschen aufeinander, wenn sie geistig bzw. materiell "gerichtet" sind?
Ist die Gesellschaft, in der wir leben, eine rein materialistische Gesellschaft? In welchen Bereichen hat der Materialismus größten Beifall?
Ist es uns bewußt in unserem täglichen Leben, wo wir Fortschritte machen wollen oder können?

III - Bahá'í-Standpunkt

Gott hat uns gewisse Beweise für den Unterschied gegeben, der zwischen dem Körper, der Seele und dem Geist besteht.

Wir sehen, daß Kälte, Hitze, Leiden und so weiter nur den Körper betreffen. Der Geist wird nicht davon berührt.

Wie oft sehen wir Menschen, die arm, krank, elend angezogen, ohne Unterhalt und dennoch geistig stark sind. Was auch der Körper leiden mag, ihr Geist ist frei und wohl. Und wiederum, wie oft sehen wir Reiche, physisch kräftig und gesund, und doch mit einer Seele, die todkrank ist.

Für den schauenden Sinn ist es ganz klar, daß der Geist des Menschen etwas ist, das sich sehr von seinem physischen Körper unterscheidet.

Der Geist ist unveränderlich, unzerstörbar. Der Fortschritt und die Entfaltung der Seele, ihre Freude und Sorge, sind vom physischen Körper unabhängig.

Wenn ein Freund uns Freude oder Leid bereitet, wenn sich eine Liebe als echt oder falsch erweist, immer ist es die Seele, die berührt wird. Wenn unsere Lieben fern von uns .sind - die Seele ist es, die sich grämt, und der Gram oder der seelische Kummer mag eine Auswirkung im Körper haben.

Wird daher der Geist mit heiligen Tugenden genährt, so ist der Körper freudig, fällt die Seele in Sünden, so liegt der Körper in Qualen.

Wenn wir Wahrheit, Beständigkeit, Treue und Liebe finden, sind wir glücklich, doch wenn wir auf Lüge, Treulosigkeit und Falschheit treffen, sind wir unglücklich.

Dies alles ist der Seele eigen und keine körperliche Krankheit. Daraus ergibt sich, daß die Seele gleich dem Körper ihre besondere Eigenart besitzt. Wenn nun der Körper einen Wandel durchmacht, so braucht dadurch nicht auch der Geist berührt zu werden. Wenn ihr ein Spiegelglas zerbrecht, auf das die Sonne schien, so ist das Glas zerbrochen, die Sonne aber scheint noch immer. Wenn ein Käfig, in dem ein Vogel ist, zerstört wird, bleibt der Vogel unverletzt. Wenn ein Lampenzylinder springt, kann doch die Flamme noch hell weiterbrennen.

Das gleiche gilt für den Geist des Menschen. Wenn auch der Tod seinen Körper zerstört, so hat er doch keine Macht über seinen Geist, der ewig, dauernd und frei von Geburt und Tod ist.

Was die Seele des Menschen nach dem Tod betrifft, so bewahrt sie den Grad der Reinheit, zu dem sie sich während des Lebens im physischen Körper entfaltet hat, und nach ihrer Befreiung vom Körper bleibt sie vom Meer der Gnade Gottes überflutet.

Von dem Augenblick an, da die Seele den Körper verläßt und in die himmlische Welt gelangt, ist ihre Entwicklung geistig, und diese Entwicklung ist die `Annäherung zu Gott`. In der physischen Schöpfung erfolgt die Entwicklung von einer Stufe der Vervollkommnung zur anderen. Das Mineral geht mit seinen mineralischen Vollkommenheiten ins Pflanzliche über, die Pflanze geht mit ihren Vervollkommnungen in die Tierwelt und weiter in die Welt des Menschen ein. Diese Welt ist voll von scheinbaren Widersprüchen: in jedem dieser Reiche (dem mineralischen, dem pflanzlichen und dem tierischen) besteht das Leben auf seiner Stufe, und obgleich die Erde im Vergleich zum Leben des Menschen tot erscheint, lebt doch auch sie und hat sie ein Leben, das ihrer Art entspricht. In dieser Welt hier leben und sterben die Dinge und leben sie aufs neue in anderen Formen des Lebens, aber in der Welt des Geistes ist es völlig anders.

Die Seele entwickelt sich nicht gesetzmäßig von Stufe zu Stufe, sie entfaltet sich durch Gottes Gnade und Freigebigkeit nur näher zu Gott hin.
_________________
"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha
[quote=]II - Fragen

Zitat:
Warum konzentrieren wir uns alle so sehr auf materielle Bedürfnisse? Ist es leichter materiell vorwärts zu kommen als geistig?


Meines Erachtens konzentrieren wir uns - oder zumindest ein sehr großer Teil von uns - überwiegend auf materielle Bedürfnisse, um "dazuzugehören", um ins Schema des Wohlergehens, des Wohlstands zu passen. Es ist einfacher, sich auf Materielles zu konzentrieren, Vergängliches anzustreben, zu horten, als das Geistige. Wo Konsum tagtäglich gelebt und erlebt, ja regelrecht (z.B. in den Medien) "gepredigt" wird, gerät Geistiges in den Hintergrund. Wenn ein Mensch ausschließlich in all seinem Denken, Handeln, Empfinden materiell ausgerichtet ist, dann verliert er eines Tages die Fähigkeit, sich an anderen, geistigen Dingen zu erfreuen.

Es ist für die leichter, materiell vorwärts zu kommen als geistig, die sich unseren Gesellschaftsnormen anpassen bzw. unterwerfen, sich manipulieren und in die falsche Richtung lenken lassen. Wenn ich jedoch allem skeptisch gegenüberstehe, Manipulation nicht zulasse, und mich mehr auf geistiges als materielles konzentriere, dann wird es leichter, viel leichter, geistigen Fortschritt zu erlangen. Viele Dinge, die man vorher anders sah, wenn überhaupt, erkennt man plötzlich in einem ganz anderen Licht, erfreut sich an etwas, was keinen Reichtum erfordert, jedoch zu Reichtum verhilft.

Zitat:
Wie könnte man geistigen Fortschritt überhaupt definieren? Und welchen Einfluß haben Menschen aufeinander, wenn sie geistig bzw. materiell "gerichtet" sind?


Finde ich Halt und Trost um Glauben, so ist dies geistiger Fortschritt. Kann ich mich an der von Gott erschaffenen Natur erfreuen, an ihrer unbeschreiblichen Vielfalt und Schönheit, dann ist dies geistiger Fortschritt. Wenn mir ein gutes Wort eines Menschen oder eine nette Geste überhaupt noch auffallen und ich dieses zu schätzen weiß, mich daran erfreue und dieses irgendwann an anderer Stelle weitergebe, dann ist dies geistiger Fortschritt. Und geistiger Fortschritt kann irgendwann zu geistigem Wohlstand werden. Diesen Wohlstand nehme ich, wenn ich die materielle Welt verlasse mit und kann darauf aufbauen. Materielles lasse ich zurück. Es ist vergänglich. Nichts mehr wert dort, wohin man geht.

Zwischen materiell orientierten/ausgerichteten Menschen wird es irgendwann zu Neid und Missgunst kommen. Der eine will das, was der andere hat. Wenn er es sich nicht leisten kann, wird er neidisch, missgönnt dem anderen sein Haus, sein Auto, seinen Luxusurlaub. Neid ist die Vorstufe zu Hass. Und Hass lässt die Seele erkalten.

Zwischen geistig orientierten Menschen besteht kein Wettbewerb, mehr besitzen zu wollen, mehr zu haben, um es vorzuzeigen. Es mag durchaus und selbstverständlich Meinungsverschiedenheiten geben. Aber diese bilden die Grundlage zur Diskussion, ja zur Kommunikation. Man tauscht sich aus. Über Religion, Kultur, Gedanken, Empfindungen. Kann voneinander lernen, sich gegenseitig zum (nach)denken anregen. Dieses erleichtert wiederum, andere Menschen zu verstehen, zu akzeptieren und zu tolerieren, sich in andere hineinzuversetzen. Ich denke, es ist ein ganz anderer Umgang miteinander. Und hier liegt die Betonung auf MITeinander...


Zitat:
Ist die Gesellschaft, in der wir leben, eine rein materialistische Gesellschaft? In welchen Bereichen hat der Materialismus größten Beifall?
Ist es uns bewußt in unserem täglichen Leben, wo wir Fortschritte machen wollen oder können?


Zum Großteil ist unsere Gesellschaft, in der wir leben, leider rein materialistisch, oder zumindest überwiegend. Ich denke, Materialismus hat in den Bereichen den größten Beifall, in denen er nach außen sichtbar wird und somit u.a. zu Anerkennung verhilft. Wenn ich mich toll kleiden kann, dann mache ich Eindruck. Fahre ich mit einem teuren Auto vor, wird mit die Tür geöffnet. Habe ich ein großes Haus, welches mit allem möglichen Luxus ausgestattet ist, wird man mich bewundern. Man wird mich für all das, was ich habe, bewundern, anerkennen. Aber es erkennt niemand, dass dieses alles reine Fassade ist.

Was nutzt mir denn ein Buch mit dem teuersten Einband, einer äußerlichen Beschriftung in Gold, wenn seine Seiten nicht beschriftet sind? Was sollte ich daraus denn (er)lesen können?

Es ist denen bewusst, wo sie Fortschritte machen können und wollen, die es zulassen, sich dieses bewusst werden zu lassen.

Alles Wohl, was wir unserem Körper zukommen lassen, ist vergänglich. Der Körper ist nur die Verpackung der Seele. Diese Verpackung wird verwesen. Die Seele jedoch lebt weiter. Und sie nimmt den auf geistiger Basis erworbenen Reichtum mit. Alles Irdische/Materielle jedoch wird nicht mehr sein, hat keinen Fortbestand.

Jesus sagte auch: "Eher passt ein Kamel durch's Nadelör, als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt."
Sehr schöne Aspekte, Suchende!

Zitat:
geistiger Fortschritt


Ja, materieller Fortschritt ist wirklich leicht zu messen. Wenn ich mehr Geld habe, habe ich Fortschritte gemacht. Wenn ich mehr Macht habe, wenn ich in meinem Bekanntenkreis mehr Freunde und mehr gesellschaftliches Ansehen habe und beliebter bin, dann ist das alles ein Zeichen von materiellem Fortschritt - das ist ja auch nichts Schlechtes, sondern gehört zu den schönen, wenn auch vergänglichen, Dingen des Lebens, die man auskosten soll! Das Problem ist das Abhängigsein davon; wenn man also unglücklich wird, weil einem die materiellen Bequemlichkeiten nicht mehr zur Verfügung stehn.

Ich wollte auch immer wissen, wie man geistigen Fortschritt messen kann, und Du hast ja einige Zeichen aufgelistet, die für mich auch so aussehn. Ein Freund hatte auch mal einen interessanten Gedanken dazu: Er hat gesagt, man ist geistig gewachsen, wenn man auf bestimmte Situationen anders reagiert als man vorher reagiert hätte. Wenn man also auf Situationen "besser" oder vielleicht "geistiger" reagiert.

Abdu'l Baha sagt zB auch:

Zitat:
Man kann glücklich sein im Zustand des Wohllebens, der Behaglichkeit, der Gesundheit, des Erfolgs, des Vergnügens und der Freude; wenn aber jemand glücklich und zufrieden sein kann in unruhigen und harten Zeiten und in Krankheitstagen, so ist dies der Beweis von Seelenadel.


friend
_________________
"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha
Wir sind sicher nicht auf dieser Welt um zu leiden und um uns tot zu arbeiten. Vielmehr stellt uns das Universum allen Reichtum zur Verfügung. Wir sollen das Leben in vollen Zügen geniesen. Um dies zu können, müssen wir einige tiefverwurzelte Glaubenssätze die in uns schlummern auslöschen und "umprogramieren", damit der "Kanal" frei wird und wir empfangen können". Louise Hay beschreibt auf himmlische Weise, wie wir uns selbst befreien können und wie man mit täglichen Affirmationen ungewollte, tiefverankerte Glaubenssätze ausradiert.

"Wer so sorglos stirbt wie er geboren wurde, hat den Sinn des Lebens verstanden."
"Unsere Gedanken sind die Farbpinsel mit denen wir die Leinwand unseres Lebens bemalen." - Louise Hay
Hi there,
"Den Seinen gibts der Herr im Schlaf".
Der Spruch ist wahr: Anstatt von einer materiellen Wunscherfüllung zur anderen zu hetzen, warte ich lieber, was Gott mir gibt - und das hat noch immer gereicht.
Zitat:
Den Seinen gibts der Herr im Schlaf".
Der Spruch ist wahr: Anstatt von einer materiellen Wunscherfüllung zur anderen zu hetzen, warte ich lieber, was Gott mir gibt - und das hat noch immer gereicht.




Zufriedenheit ist der Stein der Weisen. Zufriedenheit wandelt in Gold, was immer sie berührt. Benjamin Franklin
_________________
"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha