Allumfassende Liebe


Allumfassende Liebe

I - Impulstext

Der Verstand ist machtlos angesichts der Liebe. Liebe allein ist fähig, die Wahrheit der Liebe zu enthüllen und Liebende zu sein. Der Weg unserer Propheten ist ein Weg der Wahrheit. Wollt ihr leben, so sterbt in Liebe. Sterbt in Liebe, wenn ihr am Leben bleiben wollt. Mevlana Jalaluddin Rumi

Das Thema lautet: Liebe. Jeder weiß, was Liebe bedeutet. Wir kennen Liebe als Gernhaben eines Menschen, als Leidenschaft, als Mitleid; wir kennen sie in Zärtlichkeit, in Freundlichkeit, in Verehrung, in Freundschaft und in vielen anderen Manifestationen und Ausdrucksformen. Die meisten oder nahezu alle Religionen der Welt deuten Liebe als "Urprinzip" ihrer Lehre, manche sagen, sie sei der "Urgrund" der Schöpfung Gottes gewesen. Die Baha'i Religion lehrt, daß Liebe der Grund war, warum Gott den Menschen erschaffen hat. So heißt es : "Verhüllt in Meinem unvordenklichen Sein und in der
Urewigkeit Meines Wesens, wußte Ich um Meine Liebe zu dir. Darum erschuf Ich dich, prägte dir Mein Ebenbild ein und offenbarte dir Meine Schönheit."

Bekanntlich gibt es mehrere Arten der Liebe; die Liebe des Menschen für Gott, die Liebe Gottes für den Menschen, oder auch die Liebe zwischen den Menschen. Manche von uns, die richtig geliebt haben oder lieben – in welcher Form auch immer - wissen, daß sie fähig ist, große Taten zu vollbringen. Vielleicht liegt der Grund dafür, daß Liebe keine Grenzen hat, ungebunden und unendlich ist. In den Baha'i Schriften wird auch von Allumfassender Liebe gesprochen, eine Art Liebe, die ihren Ursprung in Gott hat. Sie entsteht aus Dank und Lobpreis für Gott, wie es auch heißt: "Die beste Art Gott zu danken, ist einander zu lieben."
Diese Liebe ist vollkommen, weil sie nicht selbstsüchtig ist, weil sie ohne Bedingung entsteht und wächst. Sie begründet sich auf der Grundlage, daß es einen Gott gibt und daß dieser Gott eine Menschheit erschaffen hat, die aus dem selben Stoff gemacht wurde. Frühere Religionen, die für das Individuum gemacht wurden, finden ihre Erfüllung in der Baha'i Religion, die auf das Individuum UND auf die Gesellschaft ausgerichtet ist. Somit ist die Grundlage der Einheit der Menschheit - das erklärte Ziel der Baha'i- die Allumfassende Liebe, die Liebe für alle Menschen der Welt, ob sie des Ostens oder des Westens angehören mögen. Wenn wir uns dieser Liebe hingeben wollen, ist es vielleicht nötig, daß wir unsere Interessen dem Nächsten unterordnen – aus Liebe zur Menschheit eben. Baha'u'llah lehrt, daß die Probleme der Welt, die vielen Kriege und Konflikte nicht durch Verträge oder Grenzlinien gelöst werden können, da diese zeitbedingte Abmachungen sind. Einheit und Liebe allein können für sich beanspruchen, diese Kraft zu besitzen. Baha'u'llah sagt: "Was der Herr als höchstes Mittel und mächtigstes Werkzeug für die Heilung der ganzen Welt verordnet hat, ist die Vereinigung aller ihrer Völker in einer allumfassenden Sache, einem gemeinsamen Glauben." Somit ist es klar, daß Allumfassende Liebe aus dem Wissen heraus entsteht, daß Gott sich in der Form einer neuen Manifestation dem Menschen offenbart hat.

Einige Zitate:

"Liebe ist die größte Macht im Universum und die Ursache aller Schöpfung. Wir sind hier auf diesem Planeten, um die Liebe kennenzulernen, um Wissende der Liebe zu werden. Und wir sind hier, um die Liebe in unserem Alltagsleben zum Ausdruck zu bringen. Wir müssen die Bedeutung der Liebe in unserem Leben und die Notwendigkeit erkennen, uns als bewußt Liebende in der Liebe Gottes zu bewähren. ... Liebe soll erkannt und manifestiert werden." Reshad Feild

Die Welt verliert sich im Lesen der Schriften, doch zum Wissen kommt sie nie. Dem aber, der nur ein Jota der Liebe kennt, wird alles offenbart. Kabir

Das Wissen ist nur ein Kind der Schriften. Ihre Mutter ist die Liebe. Persischer Spruch

Menschen und menschliche Dinge muß man kennen, um sie zu lieben. Gott und göttliche Dinge muß man lieben, um sie zu kennen. Blaire Pascal

Wer von Gottes Liebe betäubt wurde, kann nie mehr von der Ohnmacht des Verstandes gestört werden. Nurbakhsh

Wer keine Liebe hat, kann keine Religion haben. Mashriqi

II - Fragen

Was bedeutet Liebe für Dich?
Kann man Gott lieben?
Wie kann der Mensch Gott lieben, wenn er unbegreifbar und unsichtbar ist?
Ist Liebe vergänglich? Ist sie nur ein vorübergehender Schleier?

III - Baha'i- Standpunkt

„Wenn ihr ein Glied eurer Familie oder einen Landsmann liebt, so tut es mit einem Strahl der unendlichen Liebe! Tut es mit Gott und für Gott! Wo immer ihr die Eigenschaften Gottes findet, liebt jenen Menschen, gleichviel, ob er zu eurer Familie oder zu einer anderen zählt.
Ihr werdet die Diener Gottes sein, die in Seiner Nähe wohnen, seine göttlichen Gehilfen im Dienste an der ganzen Menschheit. Der g a n z e n Menschheit! Jedes menschlichen Wesens! Vergesst dies nie!
Sagt nicht, daß jemand Italiener, Franzose oder Engländer ist, denkt nur daran, daß er ein Sohn Gottes, ein Diener des Allerhöchsten ist, ein Mensch! Alle sind M e n s c h e n! Vergesst die Landeszugehörigkeiten - alle sind gleich im Angesicht Gottes.
Denkt nicht an eure eigene Begrenztheit, denn Gottes Hilfe wird mit euch sein. Vergesst euch selbst, denn Gottes Hilfe wird gewisslich zu euch kommen.
Wenn ihr die Barmherzigkeit Gottes anruft und auf ihren Beistand wartet, wird eure Kraft verzehnfacht werden.“1

„Entzündet, wann immer ihr könnt, eine Kerze der Liebe und erfreut und ermutigt mitfühlend jedes Herz. Sorgt euch um jeden Fremden wie um einen der euren und zeigt der fremden Seele die gleiche Liebe und Güte, die ihr euren treuen Freuden, schenkt.“2

„Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen.“3

„Gewähre mir, o mein Gott, das volle Maß Deiner Liebe und Deines Wohlgefallens und entzücke unsere Herzen durch die Anziehungskraft Deines strahlenden Lichtes, o Du, der Du der Höchste Beweis und der Allherrliche bist. Laß zum Zeichen Deiner Gunst Tag und Nacht Deine belebenden Winde über mich wehen, o Herr der Großmut.
Keine Tat habe ich vollbracht, o mein Gott, daß ich verdiente, Dein Angesicht zu erblicken, und ich weiß gewiß, auch wenn ich so lange lebte, wie die Welt besteht, könnte ich doch nichts vollbringen, was diese Gunst verdient, zumal die Stufe eines Dieners niemals den Zugang zu Deinen heiligen Bereichen ermöglicht, es sei denn, Deine Gunst erreicht mich, Dein zärtliches Erbarmen durchdringt mich und Deine Gnade umfängt mich.
Aller Preis sei Dir, o Du, neben dem es keinen Gott gibt. Laß mich gnädig zu Dir aufsteigen, gewähre mir die Ehre, in Deiner Nähe zu weilen und mit Dir allein Gemeinschaft zu haben. Es gibt keinen Gott außer Dir.“4

„Verkehrt mit allen Religionen in herzlicher Verbundenheit und Eintracht, auf daß sie Gottes süße Düfte von euch einatmen. Hütet euch, daß euch im Umgang mit den Menschen nicht die Flamme törichter Unwissenheit überwältige. Alles kommt von Gott und alles kehrt zu Ihm zurück. Er ist aller Dinge Ursprung, und in Ihm haben alle Dinge ihr Ende.“5

Die Baha'i glauben, daß Baha'u'llah der Bote für die heutige Menschheit ist, der die frohen Botschaften überbringt, daß heute das Reifezeitalter der Bürger des Planeten ist. Baha'u'llahs Glaube und Sein Versprechen, dass letztendlich Liebe diese dunkle Welt regieren wird, ist vielleicht Hauptmotiv, warum Baha'i verschiedenster Herkunft auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten, um diese Erde durch das "Licht der Einheit und Liebe zu erleuchten"; vielleicht ist allein diese Zusammenarbeit der Baha'i Weltgemeinde ein Beweis dafür, dass Weltfriede und weltumfassende Brüderliebe möglich sind - nicht ohne Grundlage verhieß Baha'u'llah, daß der Tag gekommen ist, wo kein Mensch, der um Sein kommen weiß, ruhig sitzen wird können, wenn er weiß, daß es auch nur einen Menschen auf der Welt gibt, der bedrückt oder niedergeschlagen ist.


1 Abdu'l-Baha, Ansprachen in Paris, Seite 23
2 Abdu'l-Baha, Rosen der Liebe 34
3 Abdu'l-Baha, Rosen der Liebe 37
4 Bab, Gebete 18
5 Baha'u'llah, Aqdas 17
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"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha

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