Glaube an Gott vs. freier Wille


Hi Friends,

Ich möchte hier ein Thema aufwerfen, das mich momentan sehr beschäftigt. Möglicherweise ist es schon einmal diskutiert worden und ich bitte euch, falls ihr von ähnlichen Threads wisst, mich darauf zu verweisen.

Dennoch möchte ich in diesem Beitrag versuchen, eine Annäherung zwischen den beiden Standpunkten zu finden, da ich prinzipiell der Auffassung bin, dass der Glaube an Gott und ein freier Wille miteinander in Einklang zu bringen sind.

Die Vorgeschichte: Ich hatte ein Gespräch mit einem Freund, in dem wir schließlich auf Glaubens- bzw. Weltfragen zu sprechen kamen. Im Verlauf des Gesprächs sagte er mir, dass er nicht an Gott zu glauben brauche, da es a.) für alle Dinge eine wissenschaftliche Erklärung gibt und b.) er an dem freien Willen festhalte, der es ihm ermögliche, zu jeder Zeit selbstständig und unabhängig von einem Schöpfer Herr über sein eigenes Leben zu sein. Er glaubt also nicht an so etwas wie den Willen Gottes, sondern lediglich an seinen eigenen.

Die Frage, die mich nun beschäftigt, ist, ob diese Positionen (Glaube an Gott und freier Wille) tatsächlich so konträr sind, wie sie erscheinen, oder ob sie nicht miteinander zu vereinbaren sind.

Bitte um eure Beiträge.
LG,
bloffim
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"The earth is but one country and mankind its citiziens." (Bahá'u'lláh)
"Gott" und "freier Wille" sind Eins.

Es ist Gottes Wille, dass wir den "freien Willen" haben und wir werden auch niemals bestraft, denn der "freie Wille" imlipiziert, dass er frei ist, sonst wäre es kein freier Wille. Für mich gibt es keinen bestrafenden Gott, das habe ich in einem anderen Thread (Gott und Bestrafung) erörtert. Es ist ein, bitte entschuldigt, Zensur Gedanke, einerseits einen freien Willen zu bekommen und dann dafür bestraft zu werden, wenn man Gebrauch davon macht. Das müsste doch jedem einleuchten, oder? Hat Gott so etwas überhaupt nötig?


Grüsse
Christian
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Die Quelle von Leben, Liebe und Weisheit liegt in jedem Einzelnen von uns.

www.seelenfluegel.net
Hallo Christian!

Es geht mir auch nicht um den Zusammenhang eines freien Willens und eines strafenden Gottes. So hab ich das nicht gemeint, falls es so rübergekommen ist.

Es geht mir nur um den Zusammenhang von Glaube an einen Gott und Glaube an den freien Willen. Als Bahá'i glaube ich ja an Gott und auch daran, dass Gottes Wille über meinem eigenen steht. Diesen Ansatz findet man in anderen Religionen auch. Dabei denke ich, dass das Bewusstsein um einen Willen Gottes meinen eigenen Willen praktisch gesehen nicht einschränkt. Ich bin ja nach wie vor frei, zu tun, was ich möchte und kann in jeder Sekunde entscheiden, wie ich mich verhalte. Was die Anerkennung eines Willens Gottes wohl eher beinhaltet, ist, dass ich mein Leben einer Reihe von geistigen Prinzipien unterordne, weil ich daran glaube, dass meine Seele so Fortschritte machen kann und weil ich auch daran glaube, dass diese Prinzipien dem Wohl der Menschheit dienen. Diese freiwillige Unterwerfung unter jene Prinzipien kommt für mich der Unterwerfung unter den Willen Gottes gleich.

Eine Unterwerfung unter den Willen Gottes bedeutet, dass man seinen eigenen Willen zugunsten dieser höheren Prinzipien unterordnet, weil man daran glaubt, dass es ein Prinzip gibt, nennen wir es Gott, das mich besser kennt, als ich mich selbst und besser weiß, was für mich gut ist.

Also könnte ein Außenstehender, Nicht-Gläubiger Mensch argumentieren, dass der freie Wille des Menschen durch diese Unterordnung unter den Willen Gottes eingeschränkt sei. Damit mag er auch recht haben, aber aus der Sicht eines gläubigen Menschen dient diese Unterwerfung dem eigenen Seelenfortschritt und auch dem Fortschritt der Menschheit als Ganzes.

Dennoch ist es auch Aufgabe eines Gläubigen, geistige Prinzipien nicht blind zu befolgen, sondern sie mit seiner Vernunft zu prüfen, ehe man sich bewusst dazu bekennt.

Diese Darstellung ist unvollständig, aber ich hoffe, dass jetzt etwas klarer ist, worum es geht.

LG,
bloffim
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"The earth is but one country and mankind its citiziens." (Bahá'u'lláh)
ja, ich verstehe was Du meinst. Liegt wohl an meiner persönlichen Ansicht über Gott. Für mich ist es so, dass Gott sagt "Dein Wille ist auch mein Wille"; so ergibt sich da bei mir kein Konflikt.

Grüsse
Christian
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Hallo zusammen,

nun, prinzipiell denke ich, dass sich Glauben und freier Wille an sich schon sehr gut miteinander vereinbaren lassen.
Sehr gut sogar.

Es gibt einen sehr schönen Spruch, der da sagt:
"Das Gewissen ist das Auge Gottes".
Leider weiss ich nicht mehr, von wem das war.

Allerdings denke ich, das sich die Auffassungen davon, was freier Wille und dann dazu der Wille Gottes ist, durchaus konträr zueinander verhalten können, denn was mein Gewissen mir sagt, kann sich z.B. von dem Unterscheiden, was ich in einem Buch lese (sei es Thora, Bibel oder Koran).

Und in Hinblick darauf, was die Dogmen mancher Religionen sagen, denke ich, dass der freie Wille dann in den Religionen eine Illusion ist.

Bitte nicht missverstehen, ich will niemanden hier angreifen, ob seines Glaubens, das ist mir fern.
Aber nach meiner Erfahrung und vielen Gesprächen, sehe ich das so.


Liebe Grüße
Feuerblitz
GOTT und FREIER WILLE ... wir kennen doch hier das Fest PFINGSTEN als FEST des HEILIGEN GEISTES, was uns doch erkennen lässt, dass es was HÖHERES gibt das uns auch LENKT und LEITET. Wir kennen hier Begriffe wie - Schicksal und Kismet - oder sagen auch - Der Mensch denkt und GOTT lenkt - oder - Insallah - So GOTT will ...

Ciao - Micha - Im GEISTE GOTTES
biogral hat folgendes geschrieben:
GOTT und FREIER WILLE ... wir kennen doch hier das Fest PFINGSTEN als FEST des HEILIGEN GEISTES, was uns doch erkennen lässt, dass es was HÖHERES gibt das uns auch LENKT und LEITET. Wir kennen hier Begriffe wie - Schicksal und Kismet - oder sagen auch - Der Mensch denkt und GOTT lenkt - oder - Insallah - So GOTT will ...

Ciao - Micha - Im GEISTE GOTTES



Nun, die Ansicht, das da etwa lenkt und leitet, steht meiner Ansicht nach kontrahär zum freien Willen. Freier Wille bedeutet frei, ohne Lenkung, ohne Bedingung, ohne Leitung. Der Mensch denkt und lenkt somit selbst.

Ein Gott, der lenkt und leitet, der manipuliert. Aber Liebe manipuliert nicht, sie lässt. Ohne Bedingung. Also kann Lenkung und Leitung nicht Gottes`s sein. Desweiteren impliziert Lenkung und Leitung, dass das, was erschaffen ist, nicht vollkommen ist, sonst bedürfte es keiner Lenkung und Leitung; aber was Gott erschafft, ist vollkommen.


Grüsse
Christian
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Hallo bloffim,

also ich finde der Glaube an Gott und ein eigener freier Wille sich absolut nicht ausschließen.
Gott hat uns ja unseren freien Willen gegeben, und wenn du dich Gott "unterwirfst" tust du das ja auch aus freiem Willen. Wobei ich unterwerfen vielleicht nicht das richtige Wort finde. Wenn dein Freund sagt, er sei unabhängig Herr über sein eigens Leben, dann stimmt das ja so nicht. Das eigene Leben ist ja auch (gesellschaftlichen; gesetzlichen) Zwängen unterworfen und er macht bestimmt auch Dinge, die er vielleicht nicht unbedingt will oder hinter denen er nicht vollständig steht. Im Zusammenleben mit andren Menschen, im Arbeitsleben, unter welchen Lebensumständen Lebe ich, wo bin ich hineingeboren.... - man muss ja immer auch Kompromisse machen. Und Herr sein über sein Leben würde ja auch bedeuten, dass ich entscheiden kann, wo und wann ich sterbe. Das unterliegt aber nicht uns.
Auch im Glauben bin ich ja frei meine eigenen Entscheidungen zu treffen, mir auch immer wieder eigene Gedanken zu machen. Und wenn ich versuche nach den Gesetzen Gottes zu leben, ist das auch nichts anderes, als wenn ich nach unseren juristischen Gesetzen leben muss. Ich kann ja auch in der Gesellschaft nicht tun und lassen was ich will. Ich kann eben, wie im Glauben auch, meine eigenen Entscheidungen treffen - mit allen Konsequenzen.

Also, für mich passt Glaube und freier Wille schon zusammen.

Liebe Grüße
Kerstin
Nja - wenn überhaupt freier Wille möglich ist [darüber wird ja neuerdings wieder diskutiert], dann kann ich mich ja für oder gegen Glauben frei entscheiden - oder auch dafür, Teile eines Glaubens und Teile eines anderen vorläufig als Arbeitshypothese anzunehmen. Insofern widersprechen einander Glaube und freier Wille nicht.

@ Christian:
was Gott erschafft, ist vollkommen.
Gott hat Alles erschaffen.
ergo: Alles ist vollkommen.

Wenn ich mit der Conclusio nicht einverstanden bin,
muss ich mindestens eine Prämisse anzweifeln...
Hi Friends,

Danke für eure Gedanken.

Also dass wir im täglichen Leben von Normen eingeschränkt werden, und damit auch unser freier Wille nicht ganz frei ist, ist ein gutes Argument.
Das ist notwendig, damit das Zusammenleben der Menschen eingermaßen friedlich abläuft. Also ist der freie Wille (im gesellschaftlichen Kontext) im Grunde nur begrenzt frei und das ist auch gut so, denn nur so wird fortschreitende Kultur und Zivilisation möglich.

Für mich ein plausibles Argument.
Danke, Kerstin.

LG,
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