Gibt es einen Gott?


Gibt es einen Gott?

I - Impulstext

Die Frage nach der Existenz Gottes wird heutzutage oft nur dem Bedürfnis des Menschen nach einem Sinn im Leben oder eines Trostes in seiner Bedrängnis zugeschrieben. Gott als Bedürfnis, Gott als Ware. So entwickeln sich auch viele Trends zu sogenannten „Modereligionen“, die sich vom gesättigten Markt der Weltreligionen darin unterscheiden, daß nicht mehr Gott im Mittelpunkt, sondern der Mensch und sein Wohlbefinden steht. Religion als Rechtfertigung für Wohlstand, als spirituelle Tankstelle für die Innere Stimme, die immer noch das Vorhandensein einer Seele verteidigt. Die Kirche wird mit immer mehr Austritten konfrontiert, obskure Sekten tauchen plötzlich auf, der Buddhismus findet seinen zweiten Frühling, maßgeschneidert und stilisiert für Hollywood und Wallstreet. Das Angebot ist groß, und oft wird der Kern einer Religion verfälscht. Die einzigen Alternativen: An die Existenz des vielzitierten ‚Höheren Wesens‘ (=Gott) unabhängig von Religion zu glauben, oder gar den Glauben zu verlieren. Zweiteres geht oft Hand in Hand mit dem Argument der Ungreifbarkeit, der Unwissenschaftlichkeit Gottes.

Die Natur weiß nichts von der Vergangenheit und sieht die Zukunft nicht voraus, der Mensch aber erkennt dank seines Verstandes, was war oder was eventuell kommen wird. Wenn wir annehmen würden, der Mensch sei nur ein Teil der natürlichen Welt, also daß die ‚Vollkommenheiten‘ (=Verstand) die er besitzt, nur Erscheinungen der Natur seien und die Natur sei die Urheberin dieser Vollkommenheiten, deren sie folglich nicht ermangele, so müssen wir bald erkennen, daß dies unmöglich ist. Ein Teil hängt vom Ganzen ab und kann unmöglich die Vollkommenheit besitzen, die das Ganze nicht hat. Während also alles den Gesetzen der Natur unterliegt, stehen wir gewissermaßen über diesen Gesetzen, denn obwohl wir körperlich von ihnen abhängen, besiegen wir sie geistig, überwinden die Schwerkraft und benutzen physische Gesetze zu unseren Gunsten.

So wie das Pflanzenreich das Menschenreich nicht erahnen kann, so wissen auch wir nicht um die nächste Stufe. Unser Nichtwissen ist jedoch kein Beweis für ihr Nichtsein. Außerdem gilt auch hier, wie in der Wissenschaft, Gott an seinen Zeichen zu erkennen; Seine Offenbarungen zu prüfen, seine Schöpfung zu betrachten.

Wer ist dieser Gott?
Entweder entstand die Welt durch Zufall oder sie war gewollt. Sie kann aber nicht zufällig sein, denn jede Wirkung setzt eine Ursache voraus. Wie kann denn auch das Universum mit all seinen Gesetzen und seiner gewaltigen Ordnung ein Zufall sein? (Man denke an das Beispiel der Papierfabrik die in der nähe einiger Tintenfässer explodiert, und „zufällig“ dabei eine 40-Bändige Enzyklopädie entsteht). Was bleibt ist ein Wille. Wenn wir also annehmen daß alles gewollt ist, wenn wir die erschaffenen Dinge und ihre höchst organisierte Ordnung und Vollendung sehen, folgern wir, daß jene Macht, von der das Sein dieser Lebewesen abhängt, nicht unwissend sein kann. Sie muß allmächtig sein. Von den Gottesoffenbarern erfahren wir von Gott. Sie sind lebende Zeichen und Beweise Seiner Allmacht.

Der Mensch ist wie eine winzige Mikrobe in einer Frucht. Diese Frucht hat sich aus der Blüte entwickelt, die Blüte ist aus dem Baum gewachsen, der Baum ernährt sich aus dem Pflanzensaft, und der Pflanzensaft ist aus der Erde und Wasser gebildet. Wie kann nun diese kleine Mikrobe das Wesen des Gartens begreifen, sich den Gärtner vorstellen und dessen Sein verstehen?

II - Fragen

Können wir Gott jemals begreifen?
Was ist dein Bezug zu Gott?
Warum gibt es "Böses" in dieser Welt?
Wie können wir Gott näherkommen?

III - Bahá'í Standpunkt

Der Gedanke an einen Gott steht nach Bahá'í Ansicht durchaus nicht im Konflikt mit der Wissenschaft (siehe Wissenschaft versus Religion), im Gegenteil; Die Wissenschaft ist auch ein Weg der zur Erkenntnis führt, daß es einen Gott gibt. Der Verstand steht in keinem Widerspruch zur Seele:

Der Bahá'í Glaube lehrt, daß der Verstand Eigenschaft der Seele ist. So wie die Leuchtkraft eine Grundeigenschaft der Sonne. Der Verstand begreift das Abstrakte mit Hilfe des Konkreten; also mit Gehör, Sicht, Geschmack, Geruch und Gefühl. Die Seele hingegen hat unbegrenzte eigenständige Wahrnehmungen. Der Verstand ist umgrenzt durch physische Grenzen, die Seele jedoch unbegrenzt.

Auf allen vorangehenden Stufen (Mineral-, Pflanzen- und Tierreich) fehlt die Macht des Verstandes, aber die Seele ist da und offenbart sich. Die Fähigkeit der Empfindung begreift die Seele nicht, aber die Macht des Verstandes beweist ihr Vorhandensein. Ebenso beweist der Verstand das Vorhandensein einer unsichtbaren Wirklichkeit (=Gott), die alle Lebewesen umfaßt, auf allen Stufen da ist und sich offenbart. Ihr Wesen aber liegt über dem Begriffsvermögen des Verstandes. Auch das Mineralreich kann ja das Wesen und die Vollkommenheit der Pflanzenwelt nicht verstehen; die Pflanzenwelt begreift nicht das Wesen der Tierwelt, und dies wiederum kann die wesenhafte Wirklichkeit des Menschen, die alle Dinge entdeckt und umfaßt, nicht verstehen.

- Zitate und Literaturhinweise:

- -„...jene dem Menschen innewohnende, unsichtbare Geisteskraft reißt der Natur das Schwert aus der Hand und versetzt ihr einen schweren Schlag. Alle anderen Wesen, wie groß sie auch seien, sind dieser Vollkommenheit beraubt. Der Mensch besitzt die Kräfte des Willens und des Verstehens, aber die Natur nicht, die Natur ist gebunden, der Mensch frei. „

- „Die Vollendung dieses grenzenlosen Weltalls in seiner ganzen Größe und Herrlichkeit ist der Mensch, der sich in dieser Welt eine Zeitlang müht und von verschiedensten Leiden und Schmerzen quälen läßt; dann zerfällt er, ohne Spuren und Früchte zu hinterlassen. Wäre dem so, würde dieses unendliche Weltall zweifellos zu nichts anderem führen als zu Wahn und Trug, ohne Ergebnis, ohne Frucht, ohne Beständigkeit, ohne Wirkung.“

Beides aus:
- 'Abdu'l Bahá, Brief an August Forel
weiters SEHR empfehlenswert:
-Brain Aull, „The faith of science and the method of religion“ aus `The
Journal of Bahá'í Studies, vol 1, no.2, 1988
-John S. Hatcher, ‚Ther Purpose of Physical Reality, Bahá'í Publishing Trust
1994
-W.S. Hatcher, Logos and Metaphysics, Baha'i Publishing Trust, 1995
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"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha

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