Wissenschaft versus Religion


Wissenschaft versus Religion

I - Impulstext

Immer wieder gerät Religion in einen scheinbaren Konflikt mit der Wissenschaft. Wie oft hört man von der Kirche, die im Mittelalter jeglichen Fortschritt zu verhindern versuchte, von Eltern, die aus Glaubensgründen ihre Kinder sterben lassen, weil sie keine Bluttransfusionen zulassen. Aber gehen wir mit den Termini richtig um? Wissen wir überhaupt wovon wir reden, wenn wir „Wissenschaft“ sagen, von „Glaube“ statt „Wissen“, oder gar von „Religion“ reden?

Die Wissenschaft ist wie eine Landkarte, die versucht, eine komplexe, gigantische, für uns in ihrer Ganzheit verborgenen Wahrheit (oder Landschaft) darzustellen. Wissenschaft versucht Wahrheiten erkennbar zu machen, sie zu ‚lokalisieren‘. Wissenschaftler versuchen dieser Wahrheit näher zu kommen, aber kann man anhand eines Stadtplanes jemals das Wesen einer Stadt erfassen? Der Fortschritt deckt immer wieder neue Flüsse, Seen, Straßen und Brücken auf, die in die Karte eingezeichnet werden und so ein vollständigeres Bild erzeugen.

Somit hört man nicht selten den Ausspruch „zum jetzigen Stand der Wissenschaft...“, denn was heute Tatsache ist, ist Morgen schon ein überholtes Modell der Wirklichkeit. Solange ein Modell standhält, solange wird es als Wahrheit akzeptiert. Wird es falsifiziert, werden neue Modelle gesucht. So hat noch kein Wissenschaftler jemals ein Proton gesehen; nur anhand der Reaktionen im Atom, kann die Existenz eines Protons (didaktisch) vermutet werden.

Könnte nicht auch so, wie in der Wissenschaft, anhand Seiner Zeichen die Existenz eines Gottes bewiesen werden? Wissenschaft ist also nur eine Methode, eine Methode die der Wahrheit einer Zelle, eines Menschen, oder eines Universums näher kommt, sie erforscht. Auch bietet sie Antworten auf Fragen, Heilung auf Krankheiten. Aber jede Heilung ist nur so gut wie die Diagnose. Je mehr man über eine Krankheit weiß, desto exakter wird die Medizin dafür. Patentrezepte sind ein Mythos.

Die Wissenschaft fragt nach dem WAS. Ziel ist es immer VORHERZUSAGEN. Wenn bis heute alle Atome so reagiert haben, kann ich annehmen, daß sie unter allen Umständen immer so reagieren werden? Stellt man andere Fragen, erhält man andere Antworten; Die Religion fragt nach dem WIESO? Also wie können dann Religion und Wissenschaft nicht komplementär sein, wenn sie sowieso grundverschiedene Ansprüche erheben? Mehr als das, man kann sogar vom Glauben in der Wissenschaft und von der Wissenschaft des Glaubens reden.

Der „Glaube“ ist in der Wissenschaft, das empirisch entwickelte Vertrauen in das Modell (in die Theorie) das man erstellt hat. Man glaubt es, bis man es besser weiß. Auch Wissenschaftler glauben an ihr Ziel. Wenn sie nicht überzeugt wären, dann käme kein Fortschritt zustande. Aber auch der Glaube muß geprüft werden, methodisch, um auch kognitiv standzuhalten.

II - Fragen

Was ist der Sinn der Religion ?
Welchen Stellenwert hat die Wissenschaft in unserer Gesellschaft und welchen
hat im Vergleich dazu die Religion ?
Wahrheit ist absolut. Können Wissenschaft und Religion im Widerspruch stehen ?
Warum gibt es religiöse Gesetze, die man nicht verstehen kann, aber sie aus Liebe zu Gott und aus vertrauen in den Glauben, einhält?

III - Bahá'í-Standpunkt

Der Bahá'í Glaube lehrt die ergänzende Natur von Wissenschaft und Religion; was zunächst paradox klingt, wird dadurch zu zwei verschiedenen, gleichwertigen Seiten einer einzigen Medaille. Es findet ein Paradigmenwechsel statt: Es heißt nicht mehr <entweder Religion oder Wissenschaft>, sondern <Religion und Wissenschaft>. Kein Flügel dieses Vogels kann den Anspruch erheben vollkommen zu sein, denn ihre Ziele und Funktionen sind grund verschieden.

Die Bahá'í Religion lehrt, daß es nur eine Religion gibt, daß nicht von Religionen gesprochen werden kann, denn diese waren nur verschiedene Stadien einer einzigen von Gott kommenden Religion. So wie Wissenschaft, durchlebte auch die Religion verschiedenste Phasen der Entwicklung. Wenn wir also annehmen, daß die Gesetze des Islam bezüglich des Fleischverzehrs grundlos und unwissenschaftlich sind, so ist das weil sie veraltet sind. Zu der Zeit als diese Religion ihre Blüte erfuhr, waren die hygienischen Zustände eben nicht ausreichend und Schweinefleisch eben ungesund. Die Wissenschaft war nicht so weit um dies zu ‚erklären‘ oder gar Kühlschränke zu bauen. Genauso, wie man heute in der Medizin keine Diagnosen anhand von jahrhunderte alten Gesetzen der Wissenschaft erstellen kann, so kann man auch die Religion nicht anhand eines ihrer früheren Stadien messen. Sonst ist ein Flügel unterentwickelt und ein anderer weit voraus im Wachstum. Der Vogel verliert ganz einfach das Gleichgewicht!

Als Bahá'í glauben wir, daß Religion und Wissenschaft harmonieren müssen. Dies ist nur ein Punkt, der methodisch beweist, daß dieser Glaube der zeitgerechteste und fortschrittlichste unseres Zeitalters ist. Aber es gibt noch unendlich viele Schätze und Beweise in diesem Glauben, die es gilt zu forschen und zu prüfen.

(Es ist interessant zu sehen, daß Einsteins Relativitätstheorie und Bahá'u'lláhs Konzept der fortschreitenden Gottesoffenbarung sehr deutliche Parallelen haben: Einstein gewahr uns ein neues Verständnis der Universalität des physischen Gesetzes, der Einheit der Physik und der Relativität verschiedener Beobachtungen, die von verschiedenen Standpunkten aus gemacht werden. Bahá'u'lláh offenbarte einen geistigen Zusammenhang zwischen Gott und dem Menschen und der Relativität ihres Ausdrucks zu den verschiedenen Zeiten in der Menschheitsgeschichte.)

Jede große Religion verursachte gewaltige Fortschritte, die auch besonders in der Wissenschaft zu sehen sind (zB: Der Islam vollbrachte Wunder in der Geometrie, der Mathematik, der Physik und der Architektur)

Schriften und Zitate:

„Denn die Menschen wandern auf dem Pfade des Irrtums, der Einsicht beraubt, Gott mit ihren eigenen Augen zu schauen, oder Seine Weise mit ihren eigenen Ohren zu hören. So haben Wir sie befunden, wie auch Du es bestätigst. So ist ihr Aberglaube zum Schleier zwischen ihnen und ihren eigenen Herzen geworden, und hat sie fern gehalten vom Pfade Gottes, des Erhabenen, des Großen“ (Tablet an Ahmad, Bahá'u'lláh)

„Die Menschheit hat viele Tugenden entwickelt, die Wissenschaft ist die erhabenste aller. Dieser zentralen Tugend ist es zu verdanken, daß sich der Mensch vom Tier unterscheidet. Sie ist eine Gabe Gottes; Diese Tugend ist nicht materiell, sondern göttlich. Wissenschaft ist ein Lichtstrahl der Sonne der Wahrheit, die Macht des Forschens und des Entdeckens der Wirklichkeiten des Universums. Durch Sie gelangt der Mensch auf einen Pfad, der zu Gott führt...“ ( [frei übersetzt] 'Abdu'l Bahá, Promulgation )

„Wissen verleiht dem Menschen Flügel und ist eine Leiter die ihn aufsteigen läßt. Das Erlangen von Wissen ist für jeden bindend aber sollte praktisch, zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden, nicht mit Worten beginnen und mit Worten enden.“ (Bahá'u'lláh)

weitere Bahá'í primär und sekundär Literatur:
- Bahá'u'lláh: Ährenlese
- G.A Bartholomew: The Harmony of Science and Religion
William S. Hatcher: The Science of Religion, Bahá'í Studies 2(1980)
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"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha
archiv-suche: wissenschaft und religion

Ich habe diesbezüglich gerade in zwei Fäden eines Forums geschaut, wo über die Erde und die Entwicklung diskutiert wird.

Wissenschaft und Religion oder Wissenschaft contra Religion ?

http://www.ahlu-sunnah.com/threads/.....oran-moderne-Wissenschaft

Zitat:
Der Koran ist kein Buch der Wissenschaft (science) sondern der Zeichen (signs), d.h. der Ayaats. Es gibt mehr als 6000 Ayaats im Koran, von denen mehr als tausend mit Wissenschaft zu tun haben. Wir wissen, dass Wissenschaft oft eine Kehrtwendung macht. In diesem Buch habe ich nur etablierte wissenschaftliche Fakten betrachtet und keine reinen Hypothesen und Theorien, die auf Annahmen beruhen und nicht auf Beweisen gründen.


http://www.ahlu-sunnah.com/threads/.....ritik?p=500430#post500430

Inwiefern stimmt was und wie inhaltlich überein ?

http://www.welt-spirale.com/downloads/Lektion_25.pdf

Zitat:
Vorwort:
Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass viele uralte Gottesvorstellungen auf festen Fundamenten stehen. Die Quantenmechanik beschreibt das Verhalten von Quantenobjekten unter
dem Einfluss von Feldern und widerlegt die allgemeine Relativitätstheorie, da die Vorhersagen mit den
Ergebnissen von Experimenten übereinstimmen und der Relativitätstheorie widersprechen. Raumkrümmungen und Zeitreisen wurden dadurch vom Bereich der Theorie in den Bereich der Phantasie
verwiesen. Es ist heute eine gesicherte Erkenntnis, dass jede existierende Form durch ein Energiefeld
zusammengehalten wird. Komplexe Formen bestehen aus hierarchisch geordneten Systemen von
Energiefeldern. Jedes Lebewesen wird zudem durch ein übergeordnetes Energiefeld repräsentiert,
welches beim Tod die Form verlässt, aber nach dem Satz der Erhaltung der Energie nicht aufgelöst
werden kann. Mikrokosmen und Makrokosmen haben eine höchst vernünftige, aufeinander abgestimmte
Konstruktion. Höchste und feinste Energie ist in allem – allgegenwärtig und garantiert die Naturgesetze.


Klar ist, daß die Wissenschaft nur von materiellen Beweisen ausgeht.

Alles, was im All besteht, ist ein Teil dieses einzigen Weltenalls. Die Milliarden Welten, die wir beobachten, und
viele weitere Milliarden, die von uns noch nicht oder nicht mehr beobachtet werden können,
bilden das geeinte und unbegrenzte Weltenall, das weder einen absoluten Anfang noch ein
absolutes Ende haben kann.


Neue Erkenntnisse werden hinzugefügt und vielleicht löst sich irgendwann einmal die Urknalltheorie einfach so auf und es kommen neue Theorien.

Kann man sich an alten Aussagen so festmachen lassen ?

http://www.sein.de/news/2009/april/.....ms-doch-kein-urknall.html

Zitat:
Nun gibt es eine neue Theorie, die vielleicht eine einfache und überprüfbare Erklärung bietet, keine mathematischen Taschenspielertricks benötigt und ein völlig neues Verständnis des Urknalls vermittelt: Die "Schleifen-Quantengravitation".

Erdacht wurde die Theorie schon vor zehn knapp Jahren von Martin Bojowald (heute 36), Dozent für theoretische Physik an der Pennsylvania State University. Doch erst jetzt gelang es Bojowald sich mit Hilfe der Formeln nicht nur bis zum Urknall, sondern auch in die Zeit davor zu rechnen - erstmals in der Geschichte der Physik.

Die Theorie lenkt ihren Blick weg von der Materie und hin zum Raum: Wenn schon die Materie aus kleinsten Teilchen besteht, so ihre Argumentation, könnte es dann nicht sein, dass der Raum, in dem sich diese Materie bewegt, ebenfalls aus einer Art kleinsten, nicht weiter teilbaren Raumatomen zusammengesetzt ist? Ausgehend von dieser These errechneten die Forscher eine Art Granulat aus Raum und aus Zeit, ein eng verwobenes Raum-Zeit-Geflecht, das wogt und wallt, wenn es von der Wirkung einer Masse in Bewegung versetzt wird.


Wie richtig sind die alten Theorien aus den 2000 Jahren davor, egal, in welcher Religion vorhanden ?

google: neue erkenntnisser der urknalltheorie

http://www.mahag.com/allg/urknall.php

http://jmnau.files.wordpress.com/20.....siounen-ara-2000-2007.pdf english speaks

Und aus theosophischer Sicht:
http://www.relinfo.ch/theosophie-allgemein/info.html
Zitat:
Evolution
Mit diesem Ebenen- und Hierarchie-Modell verbindet die Theosophie den Entwicklungs- oder Evolutionsgedanken, der dreissig Jahre zuvor von Charles Darwin formuliert wurde. Dass sich das Leben auf der Erde entwickelt hat, von einfacheren zu komplexeren Formen, ist auch für die Theosophie nicht fraglich. Allerdings wird dieser Entwicklungsgedanke dem theosophischen Weltbild angepasst: Entwicklung findet auf der materiellen Ebene nicht ihr Ende, sie geht weiter in den geistigen Bereich. Auch Geistwesen entwickeln sich und steigen Stufe um Stufe höher.


google: Theosophie erkenntnisse der urknalltheorie

http://www.allmystery.de/themen/rs30616

Wir haben also ganz normal verschiedene Formen von Wissenschaft und Glauben aus unterschiedlicher Perspektive bzw. Sichtweise.

Hier einen ganz einheitlichen Weg zu finden, wird schwierig werden.
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Das, was sich im Menschen reinkarniert, ist das spirituelle Ego, die göttliche Individualität.
http://www.theosophie.de/index.php?.....en&Itemid=88&limitstart=2
"Wenn aber das Vollkommene kommt, wird das Stückwerk aufhören"
1.Kor. 13.10

Seien wir wie die fünf "klugen Jungfrauen".
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"Die Wahrheit richtet nicht nach meinem Glauben, ich muss mich nach der Wahrheit richten"!
"Was immer wir auch tun, tun wir es aus Liebe"
"Was ich schreibe kann potentiell falsch, aber auch richtig sein."