Das Testament von Baha'u'llah


Das Testament von Baha'u'llah - Das Buch des Bundes

Wenngleich das Reich der Herrlichkeit über die Nichtigkeiten der Welt erhaben ist, hinterlassen Wir in der Schatzkammer der Treue und der Entsagung Unseren Erben ein vortreffliches, ein kostbares Vermächtnis. Irdische Schätze vererben Wir nicht, noch mehren Wir die Sorgen, die solche Schätze mit sich bringen. Bei Gott! In irdischen Gütern liegt Furcht verborgen und Gefahr versteckt. Denket darüber nach und erinnert euch dessen, was der Allerbarmer im Koran offenbart: „Wehe dem lästernden Verleumder, der Reichtum rafft und zählt von Mal zu Mal.“ Flüchtig sind die Güter dieser Welt. Was vergeht und sich verändert, ist seit je nur in festgesetztem Maße der Beachtung wert.

Das Ziel dieses Unterdrückten bei allen Leiden und Trübsalen, die Er ertragen, bei allen Versen, die Er offenbart, und bei den Beweisen, die Er dargebracht hat, war einzig und allein, die Flamme des Hasses und der Feindschaft zu löschen, damit der Horizont der Menschenherzen vom Lichte der Eintracht erleuchtet werde, daß er wahren Frieden und wirkliche Ruhe finde. Vom Morgen der göttlichen Tafel strahlt hell die Sonne des folgenden Wortes, und es geziemt jedem, darauf den Blick zu heften: Wir gemahnen euch, o Völker der Welt, alles zu befolgen, was eure Stufe erhöht. Klammert euch an die Gottesfurcht und haltet euch fest an das Recht. Wahrlich, Ich sage: Die Zunge ist dazu da, vom Guten zu sprechen; befleckt sie nicht mit übler Rede. Gott hat vergeben, was vergangen ist. Von nun an äußere jeder, was sich schickt; jeder enthalte sich der üblen Nachrede, der Schmähung und all dessen, was andere Menschen traurig macht. Erhaben ist die Stufe des Menschen! Vor kurzem strömten diese hehren Worte aus dem Schatzberg Unserer Feder der Herrlichkeit: Groß und segensreich ist dieser Tag - der Tag, da alles, was im Menschen verborgen war, offengelegt ist und weiter offengelegt wird. Erhaben ist die Stufe des Menschen, wenn er sich, fest in der Sache Gottes gegründet, an Recht und Wahrheit hält. Vor dem Antlitz des Allerbarmers ist der wahre Mensch dem Himmelszelte gleich: Sein Sehen und Hören sind wie Sonne und Mond, hell strahlen seine Tugenden wie die Sterne. Ihm ist die erhabenste Stufe eigen, und sein Einfluß erzieht die Welt des Seins.

Jede aufnahmefähige Seele, welche an diesem Tage den Duft des göttlichen Gewandes atmet und reinen Herzens den Blick zum allherrlichen Horizont erhebt, wird in dem Roten Buche zum Volke Bahás gezählt. Ergreifet in Meinem Namen den Kelch Meiner Gnade und trinket euch satt zu Meinem allherrlichen, wundersamen Gedenken.

O ihr Erdenbewohner! Die Religion Gottes ist für Liebe und Einheit da; macht sie nicht zum Grund für Streit und Feindschaft. In den Augen der Einsichtigen und derer, welche der höchsten Schau teilhaftig sind, hat die Feder der Herrlichkeit alles enthüllt, was Glück und Wohlfahrt der Menschenkinder wirksam schützt und fördert. Aber die Toren auf Erden, in Lastern und Begierden groß geworden, achten nicht der vollendeten Weisheit Dessen, Der fürwahr der Allweise ist; eitler Wahn und leerer Trug geben ihnen ein, was sie sagen und tun.

O ihr Geliebten und vertrauten Gottes! Könige sind die Offenbarungen der Macht Gottes, die Morgenröten Seiner Gewalt und Seines Reichtums. Betet für sie. Gott hat ihnen die Herrschaft auf Erden übertragen; nur die Menschenherzen hat Er sich als Seinen eigenen Machtbereich auserwählt.

Kampf und Streit sind ein für allemal verboten in Seinem Buche. So lautet der Ratschluß Gottes in dieser Größten Offenbarung. Er ist von Gott davor bewahrt, jemals aufgehoben zu werden, und ist von Ihm mit dem Glanze Seiner Bestätigung umkränzt worden. Wahrlich, Er ist der Allwissende, der Allweise.

Alle haben die Pflicht, diejenigen Morgenröten der Amtsgewalt und Quellen des Befehls zu unterstützen, die mit der Zier rechten Sinns und rechten Tuns geschmückt sind. Selig sind die Herrschenden und die Gelehrten im Volke Bahás. Sie sind Meine Vertrauten unter Meinen Dienern, die Offenbarungen Meiner Befehle inmitten Meines Volkes. Auf ihnen ruhen Meine Herrlichkeit, Mein Segen und Meine Gnade, welche die Welt des Seins durchdringen. In diesem Zusammenhang sind die im Kitáb-i-Aqdas offenbarten Verse dergestalt, daß vom Horizont ihrer Worte hell das Licht göttlicher Gnade strahlt.

O Meine Zweige! Eine mächtige Kraft, eine vollendete Macht liegt in der Welt des Seins verborgen. Heftet euren Blick auf sie und auf ihre einigende Wirkung, nicht auf die Unterschiede, die an ihr erscheinen.

Dies ist der Letzte Wille des göttlichen Erblassers: Es ist den Aghsán, den Afnán und Meiner Verwandtschaft zur Pflicht gemacht, daß sie allesamt ihr Antlitz dem Mächtigsten Zweige zuwenden. Beachtet, was Wir in Unserem Heiligsten Buche offenbart haben: »Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist, so wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel kam.« Mit diesem heiligen Vers ist kein anderer gemeint als der Mächtigste Zweig (\'Abdu\'l-Bahá). So haben Wir euch gnädig Unseren machtvollen Willen offenbart, und wahrlich, Ich bin der Gnadenvolle, der Allmächtige. Wahrlich, Gott hat verordnet, daß die Stufe des Größeren Zweiges (Muhammad-Alí) unter derjenigen des Größten Zweiges (\'Abdu\'l-Bahá) ist. Er ist fürwahr der Verordner, der Allweise. Wir haben »den Größeren« nach »dem Größten« erwählt, wie es der Allwissende, der Allkennende befiehlt.

Alle haben die Pflicht, den Aghsán Liebe zu erweisen, aber Gott hat diesen kein Anrecht auf das Eigentum anderer gewährt.

O Meine Aghsán, Meine Afnán und Meine Verwandten! Wir ermahnen euch, Gott zu fürchten, edle Taten zu vollbringen und euch so zu verhalten, wie es euch ansteht und zur Erhöhung eurer Stufe beiträgt. Wahrlich, Ich sage: Die Gottesfurcht ist der mächtigste Gebieter, der die Sache Gottes zum Siege führt, und die dieses Gebieters würdige Heeresmacht sind zu allen Zeiten ein aufrechter Charakter und reine, edle Taten.

Sprich: O Diener! Laßt es nicht zu, daß das Mittel der Ordnung zur Quelle der Unordnung gemacht wird, das Werkzeug der Einheit zum Anlaß für Zwietracht. Wir hegen die Hoffnung, daß das Volk Bahás sich von den seligen Worten führen läßt: »Sprich: Alle Dinge sind von Gott.« Dieser erhabene Vers ist wie Wasser, das Feuer des Hasses und der Feindseligkeit zu löschen, welches in der Menschen Herz und Brust schwelt. Durch diesen einen Vers werden streitende Völker und Geschlechter zum Lichte wahrer Einheit gelangen. Wahrlich, Er spricht die Wahrheit und führt den Weg. Er ist der Allmächtige, der Erhabene, der Gnädige.

Alle haben die Pflicht, zu den Aghsán höflich zu sein und Rücksicht auf sie zu nehmen, damit dergestalt die Sache Gottes verherrlicht und Sein Wort erhöht werde. Dieses Gebot ist immer wieder in den Heiligen Schriften erwähnt und verzeichnet worden. Wohl dem, der zu erlangen vermag, was der Verordner, der Altehrwürdige der Tage, ihm vorschreibt. Des weiteren ist euch geboten, die Angehörigen des Heiligen Haushalts, die Afnán und die Verwandten zu achten. Und schließlich ermahnen Wir euch, allen Völkern zu dienen und euch um die Verbesserung der Welt zu mühen.

Was die Welt neu belebt, was die Völker und Geschlechter der Erde erlöst, ist aus dem Himmel Dessen, Der die Sehnsucht der Welt ist, herniedergesandt worden. Höret auf die Feder der Herrlichkeit und ihren Rat. Dies ist besser für euch als alles auf Erden. Solches bezeugt Mein allherrliches, Mein wundersames Buch.


Baha'u'llah, Botschaften aus Akka, Baha'i Verlag