Gott in der Natur finden


Das Licht des aufgehenden Mondes zauberte einen schillernden, silbrigen Pfad auf die sanfte Dünung des warmen Meeres, und eine nie gekannte Sternenpracht ließ mich eine winzige Spur der Unbegreiflichkeit des Kosmos erahnen.

Ich schritt hinaus, soweit der feinkörnige Sand meine Füße trug, und kein Menschenwerk trennte meinen Leib vom sanft mich umschmiegenden Wasser. Ein Gedanke, der größer war als alles, was ich bisher erfuhr, durchströmte meinen Geist und meine Seele.

Ich konnte nicht anders, als innbrünstig zu Dir zu beten: Lieber Gott, Deine Welt ist so schön ! Bitte, bitte, laß sie niemals untergehen, und bewahre den einfältigen menschlichen Geist davor, Dein göttliches Werk zu verunreinigen !




Das Licht der aufgehenden Sonne brach sich in zahllosen, funkelnden Kristallen, und gab dem Zauber der Winterlandschaft ein fröhliches, erwartendes, aber auch geheimnisvolles Gesicht. Am wolkenlosen Himmel malte jemand mit Farben herum, wie ich sie nie zuvor gesehen hatte; den Grauschleier und die Lichtverschmutzung der Massenmenschenhaltung gab es hier nicht.

Die letzten Sterne schienen sich nicht vom der Sonne verdrängt zu fühlen, nein, sie fügten sich kurz in das Gemälde, gaben ihm von ihrem Glanz ab, und legten sich dann zum rechtschaffenen Schlaf nieder, machten langsam und bedächtig ihr Licht aus.

Kein von Menschen geschaffenes Geräusch zerstörte den Klang der trotz der Kälte erstaunlich lebhaften Natur. Dieser farbenprächtige Winterhimmel, aus purer Wärme geboren, mit einer Pinselführung, wie sie nur ein liebendes, einfühlsames Wesen vermochte, und dazu die unaufdringliche, besänftigende Melodie der verschneiten Landschaft, ließen mich nicht mehr los.

Lieber Gott, Du bist ja ein Künstler, größer und besser, als alle, die jemals waren, sind und sein werden, entfuhr es mir. Bitte, höre nie auf damit ! Laß Deine unverfälschten Werke jedem Deiner Kinder zugute kommen! Und bitte, öffne auch die verkrusteten Augen und Ohren derer, die sich nicht aus eigener Kraft vom zerstörerischen Materialismus befreien können !




Das Licht, das durch die verspielten Blätter des Baumes hin und her huschte, zielte immer wieder auf meine nackten Füße, die amüsiert die Kitzelungsversuche von Laub, Gras und kleinen Zweigen genossen. Die sonnenwarme Erde schien nur darauf gewartet zu haben, ihr überschwängliches Wohlgefühl durch meine nackten Sohlen bis tief in meine Seele strömen zu lassen.

Welch wunderbares Fleckchen Erde!
Ich mußte schließlich diesen Baum umarmen, und seine warme Rinde schmiegte sich sanft an meine Haut, während mich zärtlich der Sommerwind umfächelte. In der Verschwiegenheit des Waldes hatte ich mich jeglicher Verpackung entledigt, ein unglaublich befreiendes Gefühl!

Plötzlich schmolz auch das Eis im tiefsten Winkel meiner Seele, und ein heilendes Pflaster bedeckte die Wunden, die eine unmenschlich gewordene Arbeitswelt täglich von neuem aufriß. Der Gedanke daran reizte mich wie so oft zu Tränen, aber diesmal war dieser Baum bei mir.

Ich fühlte die Kraft, die tief in seinen Wurzeln ihren Anfang nahm, um sich in seiner Krone mit der Energie des Himmels zu vereinigen. Etwas flüsterte mir zu, daß die eine ohne die andere Kraft niemals den Stamm hätte hervorbingen können, an den ich mich jetzt klammerte. Meine bloßen Zehen berührten die mächtigen Wurzeln, die am Fuße des Baumes entsprangen, und für nicht enden wollende Augenblicke war ich eins mit ihm und Gottes Natur.

Von diesen Eindrücken werde ich noch lange zehren, gestärkt bin ich, auch wenn mich nun wieder der Moloch der doch so zerbrechlichen Zivilisation verschlingt. Gelobt sei Deine Schöpfung, oh Herr, bis in alle Ewigkeit ! Es gibt soviel Schönes, was Du uns bereitest, Lieber Gott, wir müssen nur unser Herz und unsere Sinne öffnen und gebrauchen lernen, um würdig zu werden, diese Wunder zu entdecken. Bitte schenke uns allen diese Erleuchtung !

Diese wunderbaren Einblicke in Deine Werke kann nichts mehr meiner geschundenen Seele entreißen. Lieber Gott, ich danke Dir von ganzem Herzen für dieses unvergängliche Geschenk !

Greifen auch die kalten Klauen des menschenfeindlichen Alltags nach mir, zittere ich vor den Dämonen, die die unersättlichen Anbeter des falschen Gottes Mammon täglich heraufbeschwören, erschrecken mich die Seelenabgründe von Mördern, Schändern, Folterern und scheinheiligen, korrupten Staatsleuten, weine ich über den zutiefst sadistischen und satanischen Wahnsinn des Krieges, so weiß ich doch, daß Du die Welt zum Guten ändern wirst, wenn auch wir Menschen bereit sind, uns zu ändern.

Ich glaube, Lieber Gott, Du willst mir sagen, daß dieser Weg dort anfängt, wo wir anfangen, all Deine Wunder in Demut und Dankbarkeit zu begreifen.

Kyrie eleison !

AMEN
Hallo Ralf!

Also erst mal herzlich willkommen im Forum.

Sehr schön dein Text. Du hast mir voll aus der Seele gesprochen. Mir geht es auch meist so, wenn ich in der Natur bin. Manchmal ist es dann einfach so schön, dass ich auch einfach anfange zu Gott zu sprechen und ihm zu danken. Dann kann ich gar nicht anders. Es überkommt mich einfach.

Liebe Grüße
Kiki
Hallo, Kiki,

danke für Deine nette Antwort.

Ich mußte mir das mal von der Seele schreiben, wußte nur nicht wo und wie, bis ich diese Seite gefunden habe, die mir sehr gut gefällt.


Auch liebe Grüße