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Masturbation oder der ewige Teufelskreis...












Hallo!

Ich schreibe hier anonym, weil es sich um ein Thema handelt, dass mir ein bisschen peinlich ist. Bisher konnte ich mit niemandem über dieses Thema sprechen, also versuche ich, über dieses Forum mein Problem darzustellen und erhoffe mir natürlich ein paar Meinungen und Hilfestellungen von euch, da ich ein bisschen verzweifelt bin und nicht weiter weis.

Ich bin Bahá'i, zwischen 20 und 25, männlich und bin auch als Bahá'i aufgewachsen, liebe meinen Glauben und versuche, wie viele andere auch, ein gutes Leben nach den Prinzipien und Maßstäben der Bahá'i Religion zu leben.

Doch da gibt es eine Sache, die mir sehr schwer zu schaffen macht und mit der ich schon seit Jahren kämpfe. Es ist das gewisse Etwas, dass über laut statistischen Angaben 90% aller Männer tun, über das sie aber kaum sprechen: Masturbation.

Als pubertierender Junge im Alter von 13 Jahren entdeckte ich dieses interessante Phänomen und erfreute mich seiner stark stimulierenden, erregenden und wohltuenden Wirkung auf meinen Körper, sodass ich begann, häufig und regelmäßig zu masturbieren. Anfangs machte es mir auch sehr viel Spaß, doch mit den Jahren wurde diese geheime Sache, über die ich nie mit jemandem sprach, immer mehr zu einer Belastung.
Ich hatte Schuldgefühle, unmittelbar, nachdem ich es getan hatte, doch nach ein paar Tagen erwachte der Drang nach Selbstbefriedigung wieder in mir und ich gab diesem Gefühl nach. Doch die Schuldgefühle kamen immer wieder und es machte mich unglücklich.

Ich las viele Artikel und Internetpostings über Masturbation und erfuhr, dass es heutzutage als ganz normale Sache anerkannt sei und dem Abbau von Stress und Spannung diene, ja, dass es sogar gesundheitsfördernd sei, da hierbei Endorphine ausgeschüttet würden.
Also von gesellschaftlicher und auch von wissenschaftlicher Sicht gab es hierzu keine Bedenken. "Also warum nicht?" dachte ich mir. Mit diesem Argumenten im Gepäck masturbierte ich fröhlich weiter. Doch die Schuldgefühle wurde trotzdem nicht weniger.

Dann las ich zum ersten Mal eine Textstelle in "Lights of Guidance", in der mir dieses Gefühl bestätigt wurde und die mir zu denken gab.
Hier die Textstelle:

"Masturbation is clearly not a proper use of the sex instinct, as this is understood in the Faith. Moreover it involves, as you habe pointed out, mental fantasies, while Bahá'u'lláh, in the Kitab-i-Aqdas, has exhorted us not to indulge our passions and in one of His well-known Tablets 'Abdu'l-Bahá encourages us to keep our "secret thoughts pure" Of course many wayward thoughts come involuntarily to the mind and these are merely a result of weakness and are not blameworthy, unless they become fixed or even worse, are expressed in improper acts. (...)
"Your problem, therefore, is one against which you should continue to struggle, with determination and with the aid of prayer. You should rememberm however, that it is only one of the many temptations and faults that a human being must strive to overcome during his lifetime, and you should not increase the difficulty you have by over-emphasising its importance. We suggest you try to see it within the whole spectrum of the qualities that a Bahá'i must develop in his character. Be vigilant against temptation, but do not allow it to claim too great a share of your attention. You should concentrate, rather, on the virtues that you should develop, the services you should strive to render, and above all, on God and His attributes, and devote your energies to living a full Bahá'i Life in all its many aspects."


(aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen, zitiert in Lights of Guidance, S.365)

Ich habe die Textstelle bis heute viele Male gelesen und war danach immer entschlossen, endlich damit aufzuhören und mich auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren.

Doch es ist mir bis zum heutigen Tag nicht gelungen, völlig damit aufzuhören, obwohl ich es nicht mehr so häufig tue, wie früher.

Mein Ziel ist es, dass ich vollkommen damit aufhöre, weil ich für mich verstanden habe, dass es nicht zu dem Bild passt, dass in den Bahá'i Schriften von einem wahren Gläubigen gefordert wird.

Schon allein das erste verborgene Wort von Bahá'u'lláh zeigt dies für mich ganz klar:

O Sohn des Geistes!

Dies ist mein erster Rat: Besitze ein reines, gütiges und strahlendes
Herz, damit du eine unvergängliche Herrlichkeit erlangest, während von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Bitte schreibt mir dazu eure Meinungen, persönlichen Erfahrungen, wie ihr damit umgeht, welche Lösungsansätze ihr gefunden habt.

LG
Zitat:
O Sohn des Geistes!

Dies ist mein erster Rat: Besitze ein reines, gütiges und strahlendes
Herz, damit du eine unvergängliche Herrlichkeit erlangest, während von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Du beziehst dich sicher auf "O Sohn des Geistes"

wenn ich von der genannten Textstelle ausgehe steht es keineswegs gegen Masturbation denn du sagst selbst dass es zum Abbau von Stress usw. usf. Hilfreich sein kann

besonders im katholisch geprägten Europa haben wir mit der Verdrängung des Sexualtriebes schlechte Erfahrungen gemacht

um 1900 musste das streng konservative Europa mit vielen geistigen Erkrankungen kämpfen die nach Meinung einiger Psychologen und Psychoanalytiker eben von einem schlechten verhältnis zur Sexualität herrühren

ich schließe daraus dass Masturbation nichts shlechtes ist solange der Trieb nicht von dir Besitz ergreift "du deine geistigen Aufgaben vernachlässigst um zu masturbieren"

muss dazu sagen dass mir die Bahai-Religion völlig unbekannt ist von daher ist es nur meine persönliche unfundierte Meinung
Hallo Gast!

Das würde ich ebenso sehen wie Phan, und wenn ich den Text ansehe, dann sagt er ja nicht viel anderes...
Zitat:
Du solltest aber daran denken, dass es nur eine der viele Versuchungen und Schwächen ist, die der Mensch in seinem Leben zu überwinden bestrebt sein muss, und du solltest die Schwierigkeit nicht noch vergrößern, indem du ihre Wichtigkeit überbetonst. Wir empfehlen dir, sie im Rahmen des ganzen Spektrums der Eigenschaften zu sehen, die ein Baha'i in seinem Charakter entwickeln muss. Sei wachsam der Versuchung gegenüber, aber erlaube dem nicht, einen allzu großen Bereich deiner Aufmerksamkeit zu beanspruchen.

Soviel ich weiß hat der Islam in diesem Punkt eine recht vernünftige Auffassung - 'das ist nicht unbedingt eine wünschenswerte Sache, aber bei jungen unverheirateten Männern auch nicht besonders tragisch'. Wie Du ganz richtig schreibst, ist es bei jungen Männern sehr verbreitet (und wie ich vor Kurzem gelesen habe, auch bei älteren, die nicht in einer funktionierenden Beziehung leben). Daraus ein großes Problem zu machen ist sicher wenig hilfreich...
An Masturbation oder Selbstbefriedigung allgemein sehe ich nichts schlimmes und wenn man dieses natürlichste Bedürfniss unterdrückt, dann würde man eventuell Gefahr laufen ein gestörtes Verhältnis zu seiner Sexualität zu bekommen.

Ich würde mir an deiner Stelle professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. (Psychologe oder sowas)
Lieber Gast
Dass Du das Thema in dieser erfrischenden Offenheit beschrieben hast finde ich echt gut. Da ich aus katholischer Erziehung kommen und da das Thema Sexualität bis vor wenigen Jahrzehnten noch ziemlich tabu war, kann ich Deine Gefühle und Gewissensregungen sehr gut verstehen. Ich erinnere mich noch, in der achten Klasse konnten wir in Biologie auf anonymen Zetteln unsere Fragen (Tischweise) zur Sexualität loswerden. Mein Sitznachbar und ich einigten uns auf den Wunsch an die Lehrerin uns doch bitte etwas über Masturbation zu erzählen. Alle Zettel wurden beantwortet, nur bei einem meinte die Lehrerin, dass das eigentlich nicht zum Thema gehören würde, so erführen wir eben nichts darüber.

Diese kleine Begebenheit zeigt mir wie tabu und unsicher der Zugang dazu gewesen ist. Das schlechte Gewissen kann schon allein dadurch entstehen, weil man was streng geheimes tut, über das kaum ein Mensch offen spricht und das von Leuten die bereits in einer festen Beziehung oder Ehe leben womöglich noch belächelt wird. Nach dem Motto „das hab ich ja nicht mehr nötig“.

Es scheint mir wichtig auch vor sich selbst zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen. Und warum sollte etwas „schlecht“ sein das Niemandem in irgendeiner Form schadet? Vor einigen Jahren bin ich auch Bahai geworden und der Wunsch mein Leben in möglichst vielen Dingen nach den Lehren Baha’u’llahs auszurichten breitete sich in mir aus. Ich hatte aber immer das Gefühl genügend Freiraum gerade in den intimen Beziehungen (also auch zu mir selbst) zu haben. Eigenverantwortlichkeit also und nicht Fremdbestimmung. Aus dem „Verborgenen Wort“ kann ich persönlich auch keinen Zusammenhang zum Thema erkennen. Warum sollte sich eine „erfüllte Körperlichkeit“ (ehelich oder allein stehend) negativ auf ein reines gütiges und strahlendes Herz auswirken. Du bist bei Dingen, die nur Dich selbst betreffen m. E. keinem anderen Menschen Rechenschaft schuldig. Du kannst ja auch aus goldenen Tellern essen, solange Du ihnen den Stellenwert einräumst, der ihnen zukommt.

So möchte ich mich auch den Meinungen meiner Vorredner anschließen.

Liebe Grüße
Forum -> Gesundheit und Wohlbefinden


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