Meliton und der Großgrundbesitzer


Diese Begebenheit erzählte mir Meliton Saavedra, Indianer vom Volke der Inka. Einer der ersten in Bolivien, die Bahá'u'lláh erkannt hatten.

"ich hatte mich davon mehr denn je überzeugt, daß eine der Quellen der Unterdrückung meines Volkes die fehlende Bildung darstellte. Ich wanderte also umher und warb bei den meinen um Verständnis für Bildung, überzeugte die Familien von der Notwendigkeit, daß Kinder lesen und schreiben lernen. Ich selbst kann nicht lesen und schreiben, ich bin zu alt, und damals war ich nur unterwegs, aber ich wußte wie wichtig es war. Die Menschen verstanden mich, und schickten sich an, es zu lernen.
Eines Tages wurde ich zu einem der "Patrones" (Großgrundbesitzer) gerufen. Ich ging dorthin, in der Hoffnung dessen Unterstützun für mein Vorhaben zu gewinnen. Aber anstatt mich zu unterstützen wurde ich beschimpft, und er behauptete es sei nicht rechtens daß wir lesen und schreiben lernten. Am Schluß wurde ich verprügelt, so daß ich nichts mehr spüren konnte, und wurde dann draußen vor der Hacienda neben die Straße gelegt. Mein Herz weinte, meine Seele weiten, es war nur noch weinen in mir. Ich war so erschöpft und traurig, daß ich einschlief. Kaum war ich eingeschlafen, erbebte die gesamte Erde, und ich sah die gesamte Erde und die gesamte Menschheit. Und ich sah diese gewaltige Hand, und von dieser Hand aus liefen Fäden zu den Menschen. Alle, jeder einzelne Mensch war über so einen Faden mit der Hand verbunden, und wurde von der Hand geführt. Und dann sprach eine gewaltige Stimme, die die Grundfesten der Schöpfung erbeben ließ: "Mein lieber Sohn, ich habe dich lieb. Mache dir keine Sorgen, denn sieh nur, ich habe a l l e in Meiner Hand" Und ich sah, daß manche Fäden weiß, und andere schwarz waren.
Da konnte mein Herz wieder lachen, und ich wanderte weiter."

Alles Liebe von Yojo
_________________
"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Lieber Yojo,

die Geschichte gefällt mir sehr gut. Ich glaube, die meisten (auch hier) mussten schon die Erfahrung von seelischer Gewalt/Demütigung machen. Und wenn man spürt auf irgend eine Art und Weise, dass jemand da ist, der zu einem steht, dann tut dieses gut.

Es gibt in der Bibel eine Stelle, die ähnliches ausdrückt.

"Wenn Gott für mich ist, wer mag wider mich sein"

In bestimmten Situationen sage ich das zu mir selbst, und es hilft sehr oft.