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Oh lieber Wu,
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Wir haben es einfach nicht in der Hand,
eines Tages sagen zu können "Jetzt haben wir die universale Liebe verwirklicht, und von
nun an gibt's keine Probleme mehr..." wink |
Ich bin mir sicher, das dies ebenso in unserer Hand liegt wie der aufgebaute Egoismus und ewiges Machtgehabe. Sei es das Machtgehabe der einzelnen Regierungen oder das jedes einzelnen Menschens. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, das es genau diesen Menschen an jeder Menge 'wahrer Liebe' fehlt und sie, weil sie es nicht anders kennengelernt haben, auch nicht fähig sind anders zu wirken. Wenn sich ein Mensch ändern will, bedarf es Anreize von aussen - vom Umfeld; so erlangte die Macht ihre Macht und genauso kann die Liebe die Liebe erreichen!
Ich gebe Dir Recht - mit einem Staat, der sich selbst die Macht durch Macht, nämlich Gesetze, schafft; ist dieses nur am Rande der Gesellschaft durchführbar - im geheim, verstecktem. Was aber, wenn der Staat auch lernt...?
Mir eröffnen sich Ähnlichkeiten zum Mythos des Phoenix aus der Asche, der in mehr oder weniger regelmässigen Abständen sich erneuert und sein Leben von vorn beginnt. Warum sollte das nur in der Mythologie möglich sein? Ich erlebe das Tag täglich!
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Liebe Freunde
Zur Anerkennung der Religion habe ich so meine Erlebnisse.
Erzogen wurde ich als katholischer Christ. Von der Lehr Christi war ich überzeugt und bin es heute noch. Nach einigen Jahren des Suchens, begegnete mir die Bahai-Religion. Das wirkliche Miteinander aller Rassen und Religionen und sich daraus logisch ergebende Weltfriede (mittelfristig, denn kurzfristig ist die Menschheit ja noch ein wenig zu dämlich dazu und muss wahrscheinlich erst noch tüchtig auf die Finger kriegen) ließen mich nicht mehr los und so wurde ich Bahai.
Mit Freude erfuhr ich, dass die Bahai-Religion 1997 zur staatlich anerkannten religiösen Bekenntnisgemeinschaft wurde. Als nun unsere Tochter 1999 zur Welt kam und ich am Standesamt, Angaben zur Geburtsurkunde zu machen hatte, war ich natürlich der Meinung, dass ich das Recht hätte als Bahai eingetragen zu werden. Meine Enttäuschung war sehr groß als ich erfuhr, dass nur anerkannte Religionsgemeinschaften angegeben werden dürfen. So muss ich damit leben, dass in der Geburtsurkunde meiner Tochter…….Ohne Bekenntnis……..steht. Das ist natürlich gegen meinen Willen und entspricht auch nicht der Wahrheit, aber es ist leider so.
Nun ist es in Österreich so, dass man als Schüler zwar die Möglichkeit hat als Bahai geführt zu werden, als Erwachsener aber nicht (oder noch nicht). Ich meine, wenn man schon nicht die Wahrheit eintragen kann, dann sollte man die Einstufung zur Religionszugehörigkeit ganz streichen, denn sie ist ja dann wertlos.
Alles Liebe
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Hallo Robinson!
Da gebe ich Dir recht - wenn eine Religionsbemeinschaft schon mal staatlich anerkannt
ist und man sich nicht als Angehöriger eintragen darf, dann ist das ein Widerspruch.
Die Eintragung der Religionszugehörigkeit überhaupt zu streichen wäre durchaus
überlegenswert. Bei der letzten Volkszählung gab es einen Aufruf, das entsprechende
Kästchen nicht auszufüllen und sich dabei auf die Wahrung der Privatsphäre zu berufen -
eine Initiative die ich für gut halte, obwohl ich selbst mit Überzeugung o.B. 'reinschreibe.
Was ich aber nicht ganz verstehe - es wird doch immer argumentiert, man müsse sich
zum Baha'i-Glauben selbst entscheiden, wenn man die nötige Reife erreicht hat -
ja die Eltern müssten über alle Religionen [unvoreingenommen?] informieren -
wie kann dann Deine Tochter von Geburt an Baha'i sein
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Hallo Robinson, hallo Wu,
das ist was ich Anfangs hier angerissen hatte - das hier ganz offensichtlich vom Gesetz her Unterschiede gemacht werden. Diese Unterschiede betreffen leider nicht nur Glaubensrichtungen die überhaupt keine Anerkennung bekommen, sondern auch und eben die Klassifizierungen von Bekenntnisgemeinschaft, Religionsgemeinschaft oder Glaubensgemeinschaft.
Eine staatlich anerkannte Bekenntnisgemeinschaft, wie vorliegendes Beispiel, hat meines Wissens her 10 Jahre Zeit dem Staat zu zeigen, das sie bestimmte Verhaltensregeln einhalten um dann zu einer staatlich anerkannten 'Religionsgemeinschaft' zu werden. In diesen 10 Jahren sind sie teilweise sehr eingeschränkt. Ich zitiere hier mal einen kleinen Ausschnitt, der das Thema evtl. etwas verdeutlichen kann:
| Zitat: |
| Dazu heißt es im Erkenntnis des VfGH: "Die Einführung einer zehnjährigen Beobachtungsphase, innerhalb der eine rechtlich existente Bekenntnisgemeinschaft von der Kultusbehörde im Hinblick auf die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln, die unstrittig im öffentlichen Interesse liegen, einer Rechtsaufsicht unterliegt, erscheint dem VfGH nicht bedenklich, insbesondere auch vor dem Hintergrund der unbestrittenen Tatsache der Existenz von religiösen Gemeinschaften, bei denen Zweifel daran bestehen können, ob sie den genannten Anforderungen auch tatsächlich entsprechen." |
| Zitat: |
| Die Anerkennung als Religionsgemeinschaft bewirkt unter anderem, dass diese ihre inneren Angelegenheiten ohne staatliche Eingriffe und Aufsicht regeln dürfen. |
| Zitat: |
| Nach dem Gesetz können religiöse Gemeinschaften Rechtspersönlichkeit erlangen, erhalten damit eine nicht unerhebliche Autonomie, können aber dahingehend beobachtet werden, ob sie sich im Hinblick auf die Lehre und deren Anwendung in die bestehende Rechtsordnung einzugliedern bereit sind: Unter bestimmten Umständen, etwa wenn sie durch ihre Lehre oder im Gottesdienst die psychische Integrität von Menschen verletzen, die psychische Entwicklung Heranwachsender behindern oder zu strafbarem Verhalten auffordern, ist ihnen die Rechtspersönlichkeit zu versagen oder abzuerkennen. |
Ich denke, diese kleinen Auszüge dürften für dieses weitgreifende 'Anerkennungsgebiet' ausreichen, wobei die Bahai vermutlich noch viel mehr darüber berrichten könnten soviel ich weiss...
- ansonsten, ohne Worte -
liebe Grüsse
Gaby
edit:
Auf die Schnelle finde ich leider keine konkrete Texte, die das noch weiter abwiegen. Dieses scheint aber schon sehr Aufschlussreich:
http://sammelpunkt.philo.at:8080/ar.....01/se0102arbschmitten.pdf
Darin ein Satz, den ich pers. zum "nachdenken" empfehlen kann:
"Sind Privilegien wirklich notwendig um Glauben auszuüben?"
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Lieber Wu
Du hast schon Recht, dass sich die Kinder erst mit 15 zu eingetragenen Bahai erklären dürfen.
Bei unserer Familie ist die Lage ein wenig verwoben. Wir sind zunächst alle getaufte Katholiken. Auch unsere Jüngste ließen wir taufen. Das ging, weil meine Frau zwar eingetragene Bahai ist, aber auch noch immer katholisch ist. Sie ist also noch nicht ausgetreten. Als ich nun vor einigen Jahren Bahai wurde, bin ich auch nicht gleich ausgetreten. Ich sah es erstens nicht wirklich als Widerspruch und zweitens wollte allein ich darüber entscheiden, ob und wann ich aus der römisch katholischen Kirche austrete. Wir haben auch viele Freunde, die überzeugte Katholiken sind. Zwei unserer Kinder besuchen die Volksschule und nehmen auch mit Freude am Religionsunterricht teil. Sie werden also in der Schule als römisch katholisch geführt. Der älteste kommt im Herbst in eine andere Schule. Nun wissen wir von Bahai-Freunden, dass seit 1997 für Schulkinder auch die Möglichkeit besteht als Bahai geführt zu werden.
So haben wir unseren Sohn mehrmals gefragt ob er das möchte und er will es. Seit mehreren Jahren bemühen wir uns eine möglichst gute Bahai-Familie zu werden und das auch an unsere Kinder weiter zu geben. Den Kindern die freie Wahl zu lassen bedeutet m. E. ja nicht ihnen kein klares Vorbild zu geben und ihnen das weiterzugeben, was man selbst für das Allerbeste hält. Obwohl wir unserer Christengemeinde wohlwollend gegenüberstehen, so praktizieren wir doch in keiner Weise die katholischen Rieten. Unsere Kinder gehen auch nicht zur Erstkommunion oder zur Firmung. Wir haben uns eindeutig dafür entschieden den katholischen Weg mit der Taufe unserer letzten Tochter zu verlassen und eine in sich einige Bahai-Familie zu sein. Das bedeutet für uns Erwachsene eine gewisse Abspaltung und Neuausrichtung und wenn man seinen Glauben ernst nimmt, so macht man das nicht im Handumdrehen.
Für die Kinder war es das kaum, weil sie praktisch in einer Bahai-Familie aufgewachsen sind. Für ihre eigene Identitätsfindung ist es aber sicher sehr wichtig zu wissen, wo sie und die ganze Familie stehen. Da die christlichen Bräuche den Kindern schon vom Kindergarten an mehr oder weniger aufgepflanzt werden, (Nikolaus... Christkind.......Oaterhase......Advent u.s.w.) finde ich es noch wichtiger die eigene Linie deutlich anzuzeigen und auch zu leben. Die Kinder sollen sich ja herzlich und sicher angenommen, und nicht ausgegrenzt fühlen, oder sich zwischen der Familie und dem Umfeld zerrissen finden.
An der Möglichkeit sich erst frühestens mit 15 als Bahai zu erklären (und zwar mit Unterschrift) ändert das nichts. Auch müssen wir Eltern ihnen diese Entscheidung völlig selbst überlassen. Aber es vorgelebt zu bekommen und integriert zu sein, finde ich gut und hilfreich.
Alles Liebe
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