Buddhismus


Vor einiger Zeit hat mich ein muslimischer Freund gebeten, einen kurzen Grundriss
des Buddhismus zusammenzuschreiben, den er in seine Homepage stellen könnte.
Da er offenbar hier besser passt, stelle ich den link dazu hier auch 'rein


Hallo Wu,

mit großem Interesse habe ich mir Deinen Link angesehen mit einem guten grundsätzlichen Überblick über den Buddhismus.

Ich gehe seit einigen Wochen mehr oder weniger regelmäßig in die Braunschweiger "Buddha"-Fabrik. Das ist das buddhistische Zentrum des Diamantweg-Buddhismus der Karma Kagyü-Linie. Es wird deshalb "Buddha-Fabrik" genannt, weil es in die Gebäude einer ehemaligen Fabrik eingezogen ist.

www.buddha-fabrik.de
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Einen lieben Gruß wünscht Euch


Michael
Was mir nicht ganz klar ist beim Buddhismus, wie genau wird dort die Reinkarnation verstanden. Immerhin hat Siddhartha bei seiner 3-tägigen Meditation ziemlich konkret erkannt, dass er schon viele Male gelebt hat und er es auch wieder tun wird. Auch sagt er, dass alle Lebewesen sterben und wiedergeboren werden.

Es macht meiner Meinung nach nicht wirklich Sinn von Wiedergeburt zu sprechen und gleichzeitig zu behaupten, ein höheres Individuelles Bewusstsein würde fehlen.
Hallo Michael!

Habe mir gerade die Seite angesehen - auch wenn ich nicht auf den Pfaden von Lama Ole wandle - eine tolle Sache, die dort aufgebaut wird...
Hallo Nebulös,

wie Wiedergeburt i.A. im Buddhismus verstanden wird, habe ich nach meinem Wissensstand dargelegt. M.E. hat der Buddha, wie ich auch schon geschrieben habe, sich bei seinen Lehrreden der Vorstellungen seiner hinduistischen Zeitgenossen bedient, ohne sie letztlich zu übernehmen. Das war auch zu seine Lebzeiten schon klar, sonst wäre er wohl kaum als anattavadin, als 'Vertreter des Nicht-Ich-Weges' bezeichnet worden. Genaueres findest Du in den Kapiteln über die Wiedergeburt im Milinda-Panha. Die einzige Schule, die von dieser Lehre abgewichen ist, war die der puggalavadins, die von ca. 260 v.u.Z. bis zur Zeitwende existierte - bis sie um 1900 von Georg Grimm mit der 'Altbuddhistischen Gemeinde' wiederbelebt wurde. Die hat sich erst vor wenigen Jahren selbst aufgelöst.
Die Frage, wie man wiedergeboren wird, ohne sich an das vorige Leben zu erinnern, bzw. was dann eigentlich wiedergeboren wird, wenn nicht die Person, die aus ihren Erinnerungen geprägt wurde, wurde mal von einem "Hans Wolfgang Schumann" folgendermaßen beantwortet.
"Die Frage nach einem Subjekt der Wiedergeburt ist falsch, denn sie entspringt einem Denken in Begriffen der Substanz. Tatsächlich vollzieht sich die Wiedergeburt ohne transmigrierende Seele. Die kontinuität der Wiedergeburtenkette wird nicht hergestellt durch ein beharrendes Etwas, sondern liegt im Konditionismus der Daseinsformen: Jede Wiedergeburt bedingt eine weitere.
Obwohl das Beispiel hinkt, läßt sich der Vorgang an Billiardkugeln veranschaulichen. Das Anstossen einer Kugel genügt, um sie ein Stück weit rollen zu lassen und eine weitere anzustoßen, die ebenfalls ein Stück weit rollt. Diese gibt den Bewegungsimpuls an eine dritte. Materiell geht nichts von Kugel zu Kugel über, aber jede bedingt durch ihren Anstoß das Rollen der folgenden und gibt dieser eine bestimmte, keineswegs zufällige Richtung."

Wenn ich das verstehe, schafft ihr das auch.
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Go ahead punk, make my day.
Guter Vergleich - Hans W. Schumann ist ein bekannter Vertreter des
deutschen Buddhismus ('Buddhismus. Stifter, Schulen und Systeme').
Buddhismus - Stifter, Schulen und Systeme...
Das ist ein Buch, welches ich grade Lese, daher stammt auch das Zitat.
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Go ahead punk, make my day.
In dem Fall von Wiedergeburt zu reden, ist dann aber etwas weit hergeholt.
Denn wenn es kein individuelles Bewusstsein gibt, dass in irgendeiner Form unberührt von Tod und Wiedergeburt ist, dann ist es nicht viel anders, als würde die Person ganz normal sterben und bloß durch eine andere ersetzt und dabei in irgendeiner Form vom vergangenen Leben seines "Vorgängers" leicht beeinflusst werden.

Die Konsequenz von so einer Annahme ist doch, dass das Jenseits und auch Gott gar nicht existieren, weil völlig unnötig. Denn das Anstoßen der Kugeln (um das Beispiel mit den Billard-Kugeln aufzugreifen) würde ja auch sehr gut funktionieren, ohne irgendeinen jenseitigen bzw. überirdischen Einfluss.

Ist diese Form von Wiedergeburt nicht einfach bloß die Weitergabe von genetischen Erbinformationen und das hinterlassen von Einflüssen/Spuren in der materiellen Welt?
Man kann es vermutlich auch so sehen...

Tatsächlich spricht der Buddhismus nicht nur nicht von Gott und Jenseits, er lehnt auch den Begriff der Seele - des Ich - als Illusion ab.
'Himmel' und 'Höllen' sind hier kein 'Jenseits', sondern 'Parallelwelten', die einander beeinflussen, wo 'man' aber nicht von einer zur anderen 'übergeht'.