Dreieinigkeit


Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo ziraki,



Zitat:
3. Es käme mir wenig intelligent vor. Das Ziel soll ja sein die Gesellschaft zu schützen. Nun würde man aber nur eine Dermatologin oder einen fähigen Kosmetiker benötigen, um diese Funktion außer Kraft zu setzen.
Dagegen haben wir heute schon Mittel, wie das Führungszeugnis, die weitaus weniger anfällig für Manipulation sind.


gg, das ist eine "an den Haaren herbei" gezogene Begründung.
Zur Zeit der Entstehung des Textes gab es wohl kaum Dermatologinnen und Sinn und Zweck des Vorgangs war, jemand in der Öffentlichkeit als Dieb unveränderlich für alle Zeiten zu kennzeichnen.
In welchen Fällen, ob und wie es überhaupt angewandt wurde, muß die Geschichtsschreibung klären. Ich würde mich auf keinen Fall auf Aussagen der Bahai verlassen.

Diese Gesetze wurden nie angewandt.
Die Zeit der Entstehung des Textes spielt insofern eine Rolle, dass der Text vorausschauend für eine zukünftige Gesellschaftsordnung offenbart wurde.
Bahaullah hat eine Globalisierung vorausgesehen.
Logischerweise hat eine Globalisierung auch eine ebensolche Entwicklung in der Kriminalität zur Folge, in der nur angepasste Maßnahmen greifen können.
Genau das wird nach meiner Auffassung im Aqdas angesprochen.

Hier noch ein Zitat, das ich nur auf Englisch gefunden habe:

71. ON THE THIRD OFFENCE, PLACE YE A MARK UPON HIS BROW SO THAT, THUS IDENTIFIED, HE MAY NOT BE ACCEPTED IN THE CITIES OF GOD AND HIS COUNTRIES # 45


The mark to be placed on the thief’s forehead serves the purpose of warning people of his proclivities. All details concerning the nature of the mark, how the mark is to be applied, how long it must be worn, on what conditions it may be removed, as well as the seriousness of various degrees of theft have been left by Bahá’u’lláh for the Universal House of Justice to determine when the law is applied.
http://reference.bahai.org/en/t/b/KA/ka-88.html
Burkl hat folgendes geschrieben:
Es soll zwar niemand verhungern müssen, schon gar nicht kranke und hilflose Menschen (die Bibel ist voll von Aufforderungen Armen, Fremden, Witwen und Waisen zu helfen) - aber reich werden zu können mit Nichtstun ist eine große Ungerechtigkeit und muss ein Sozialsystem irgendwann zum Zusammenbruch bringen.

Ich denke, so richtig materiell reich werden ohne offiziellen finanziellen Verdienst ist ja doch nicht so einfach.
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
Hallo ziraki,

Zitat:
Diese Gesetze wurden nie angewandt.
Die Zeit der Entstehung des Textes spielt insofern eine Rolle, dass der Text vorausschauend für eine zukünftige Gesellschaftsordnung offenbart wurde.
Bahaullah hat eine Globalisierung vorausgesehen.
Logischerweise hat eine Globalisierung auch eine ebensolche Entwicklung in der Kriminalität zur Folge, in der nur angepasste Maßnahmen greifen können.
Genau das wird nach meiner Auffassung im Aqdas angesprochen.


Woher willst du das denn so ganz genau wissen? Selbst wenn sie nicht angewendet wurden, ist allein schon der Gedanke daran unerträglich. Und stell dir mal eine Stigmatisierung globalisiert vor. Das widerspricht jeder sozialen Wiedereingliederung. Bei unbelehrbaren Wiederholungstätern hilft auch wohl kaum eine Stigmatisierung (die ja eine zusätzliche Bestrafung bedeutet) sondern nur eine Fernhaltung aus der Gesellschaft.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

Woher willst du das denn so ganz genau wissen?


Ich zitiere mal den Text über den wir diskutieren:
Verbannung und Gefängnis sind verfügt für den Dieb¹, und nach der dritten Tat bringt ihm ein Mal auf seiner Stirn an, damit er, so gezeichnet, in den Städten Gottes und in Seinen Ländern keine Aufnahme finde.² Habt acht, daß Mitleid euch nicht davon abhalte, das Gesetz der Religion Gottes anzuwenden.
Verbannung und Gefängnis lagen noch nie im Entscheidungsbereich der Bahai, und wurden nicht von ihnen ausgeführt, deshalb ist es logisch davon auszugehen, dass auch eine darauffolgende Maßnahme nicht von den Bahai angewandt wurde.
Zitat:
Selbst wenn sie nicht angewendet wurden, ist allein schon der Gedanke daran unerträglich.

An was denkst du denn da? Ich habe meine Gedanken dazu ausgeführt. Hast du sie gelesen?
Zitat:
Und stell dir mal eine Stigmatisierung globalisiert vor. Das widerspricht jeder sozialen Wiedereingliederung. Bei unbelehrbaren Wiederholungstätern hilft auch wohl kaum eine Stigmatisierung (die ja eine zusätzliche Bestrafung bedeutet) sondern nur eine Fernhaltung aus der Gesellschaft.

Wie stellst du dir eine Fernhaltung und eine Einschränkung der Wirksamkeit der Täter von/in der Gesellschaft vor? Das muss schon mit einer Erkennbarkeit der strafrechtlich relevanten Absichten zusammenfallen. Ob das jetzt an einem körperlich zugefügten Merkmal zu erkennen ist, genau das habe ich doch in Frage gestellt. Und eine andere Interpretation für sinnvoller befunden.
Ich denke, irgendwelche sichtbaren bleibenden Dinge zufügen einer anderen Person gegen den Willen ist nicht wirklich zielführend.
Hallo ziraki,

Zitat:
Verbannung und Gefängnis sind verfügt für den Dieb¹, und nach der dritten Tat bringt ihm ein Mal auf seiner Stirn an, damit er, so gezeichnet, in den Städten Gottes und in Seinen Ländern keine Aufnahme finde.² Habt acht, daß Mitleid euch nicht davon abhalte, das Gesetz der Religion Gottes anzuwenden.


Ich lege diese Sätze anders aus als du!
Verbannung und Gefängnis sind rechtsstaatliche Mittel um einen Dieb zu bestrafen. Sie können aber auch durch die Bahai-Religion angewendet werden. Dies wird noch einmal ausdrücklich bestätigt durch den Satz "Habt acht, daß Mitleid euch nicht davon abhalte, das Gesetz der Religion Gottes anzuwenden".
Die von dem Bahai-Offenbarer angedachte Stigmatisierung widerspricht jeder modernen Resozialisierungstherapie und ist daher obsolet und eines Offenbarers nicht würdig.
Genau so wenig, wie es die Möglichkeit der Todesstrafe ist. Jeder Mensch, der die Möglichkeit der Todesstrafe offen hält, darf sich getrost jeden unschuldig hingerichteten Menschen als schwarzen Fleck auf sein Gewissen schreiben.
Bevor nun unser "Betonchrist" wieder mit der Abtreibung kommt: Eine Abtreibung ist das Töten eines unfertigen Kindes in möglichst frühem Stadium der Entwicklung, wobei berücksichtigt werden muß, daß die Natur selbst oft im frühen Stadium die Einnistung des Eis in die Gebärmutter verhindert. (Ich weiß es nicht mehr genau, aber da war irgendwas mit ca jedem 10. Ei, das sich fest in die Gebärmutter verankern kann).
Ab wann eine befruchtete Eizelle nicht mehr abgetrieben werden darf, ist schon innerhalb verschiedener Religionen unterschiedlich und ist immer eine Abwägung zwischen den Rechten des Kindes und den Rechten der Mutter und nur marginal den Rechten des Vaters.

Zitat:
Wie stellst du dir eine Fernhaltung und eine Einschränkung der Wirksamkeit der Täter von/in der Gesellschaft vor? Das muss schon mit einer Erkennbarkeit der strafrechtlich relevanten Absichten zusammenfallen. Ob das jetzt an einem körperlich zugefügten Merkmal zu erkennen ist, genau das habe ich doch in Frage gestellt. Und eine andere Interpretation für sinnvoller befunden.


Nur hat es der Offenbarer so beschrieben. Und es gibt immer wieder 200%ige Religionsfanatiker, die sich genau an den Wortlaus einer "heiligen Schrift" halten wollen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich denke, irgendwelche sichtbaren bleibenden Dinge zufügen einer anderen Person gegen den Willen ist nicht wirklich zielführend.


Es ist ja nichtmal eindeutig festgelegt, dass es ein "bleibendes Ding" ist, geschweige denn wäre da von einer Verstümmelung die Rede.

Davon abgesehen interessiert mich, wenn ich einen Verbrecher seiner Freiheit beraube, auch nicht, wie er es findet, eingesperrt zu sein. Die Gesetze sind eindeutig und wer sie überritt, muss damit rechnen, dass festgelegte Strafen auch angewandt werden.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Hallo ziraki,

Zitat:
Verbannung und Gefängnis sind verfügt für den Dieb¹, und nach der dritten Tat bringt ihm ein Mal auf seiner Stirn an, damit er, so gezeichnet, in den Städten Gottes und in Seinen Ländern keine Aufnahme finde.² Habt acht, daß Mitleid euch nicht davon abhalte, das Gesetz der Religion Gottes anzuwenden.


Ich lege diese Sätze anders aus als du!
Verbannung und Gefängnis sind rechtsstaatliche Mittel um einen Dieb zu bestrafen. Sie können aber auch durch die Bahai-Religion angewendet werden. Dies wird noch einmal ausdrücklich bestätigt durch den Satz "Habt acht, daß Mitleid euch nicht davon abhalte, das Gesetz der Religion Gottes anzuwenden".
Die von dem Bahai-Offenbarer angedachte Stigmatisierung widerspricht jeder modernen Resozialisierungstherapie und ist daher obsolet und eines Offenbarers nicht würdig.


Wie du diese Sätze auslegst, ist aber für die Gesetzesauslegung der Bahá'í-Gemeinde nicht relevant. Die liegt einzig und allein im Kompetenzbereich des Hauses der Gerechtigkeit. Und wenn das Haus davon ausgeht, dass diese Gesetze in unserer heutigen Zeit nicht sinnvoll anwendbar sind, sie aber die einzigen wären, die sie theoretisch anwenden dürften, werden sie nicht angewandt. Punkt.

Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Genau so wenig, wie es die Möglichkeit der Todesstrafe ist. Jeder Mensch, der die Möglichkeit der Todesstrafe offen hält, darf sich getrost jeden unschuldig hingerichteten Menschen als schwarzen Fleck auf sein Gewissen schreiben.


Die Möglichkeit der Todesstrafe offen zu halten und sie anzuwenden sind zwei Paar Schuhe. Es gibt zwei mögliche Höchststrafen im Rahmen der Bahá'í-Gesetze, von denen die Todesstrafe eine ist, lebenslange Haft die andere. Für welche Arten (bzw. Grade) von Verbrechen diese zur Anwendung kommen könnten, ist ebenfalls noch ungeregelt. Ich persönlich lehne die Todesstrafe auch ab, weil man niemals 100%ig sicher sein kann, nicht doch den Falschen bestraft zu haben, aber das sind Überlegungen, die bei der Ausformulierung solcher juristischen Feinheiten ebenso mit beachtet werden müssen, wie die Argumente der Gegenseite.

Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Nur hat es der Offenbarer so beschrieben. Und es gibt immer wieder 200%ige Religionsfanatiker, die sich genau an den Wortlaus einer "heiligen Schrift" halten wollen.


Selbstjustiz ist in den Bahá'í-Schriften ausdrücklich verboten. Wer versucht, auf eigene Faust vermeintliche Gesetzesverstöße zu bestrafen, macht sich selbst strafbar. So einfach ist das. Niemand außer den Häusern der Gerechtigkeit (wenn irgendwann auf mehreren Ebenen eingerichtet) hat das Recht, Gesetzesverstöße zu saktionieren.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
Wie du diese Sätze auslegst, ist aber für die Gesetzesauslegung der Bahá'í-Gemeinde nicht relevant. Die liegt einzig und allein im Kompetenzbereich des Hauses der Gerechtigkeit. Und wenn das Haus davon ausgeht, dass diese Gesetze in unserer heutigen Zeit nicht sinnvoll anwendbar sind, sie aber die einzigen wären, die sie theoretisch anwenden dürften, werden sie nicht angewandt. Punkt.

Das klingt aber weder nach eigenverantwortlicher selbständiger Wahrheitssuche der Gläubigen noch nach Trennung von Staat und Religion...
Hallo Sören,

Zitat:
Wie du diese Sätze auslegst, ist aber für die Gesetzesauslegung der Bahá'í-Gemeinde nicht relevant. Die liegt einzig und allein im Kompetenzbereich des Hauses der Gerechtigkeit. Und wenn das Haus davon ausgeht, dass diese Gesetze in unserer heutigen Zeit nicht sinnvoll anwendbar sind, sie aber die einzigen wären, die sie theoretisch anwenden dürften, werden sie nicht angewandt. Punkt.


gg, dann kommst du aber mit der Unfehlbarkeit deines Offenbarers in Konflikt. Schließlich ist jede heilige Schrift nicht beliebig auslegbar. Doppelpunkt!

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!