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Einst sah der Prophet Musa aleyhis- selam einen Armen, dessen Not so gross war, dass er nicht einmal mehr Kleider besaß, um damit seine Blösse zu bedecken.
Aus Scham und Verzweiflung hatte er sich deshalb bis zum Halse im Sand begraben, und als nun der Prophet an ihm vorüberschritt, rief er ihn an und flehte:
"Ach, Musa, bitte du Allah den Allmächtigen, dass er sich meiner erbarme, denn das Elend bringt mich um!"
Musa aleyhis- selam tat, was der Unglückliche von ihm verlangte und darauf ging er weiter.
Allah (te`ala) jedoch erhörte das Gebet seines Propheten und jener Habenichts gelangte binnen kurzem zu Wohlstand.
So weit, so gut!
Als aber wieder eines Tages Musa aleyhis- selam aus der Einsamkeit seiner Andacht unter die Menschen zurückkehrte- wen und was erblickte er da?
Er sah eine Volksmenge, die mit Geschrei und in Aufregung einen Gefesselten umringte;
Und dieser Gefangene war niemand anders als der Mann, den damals jenes Gebet aus der Not errettet und mir irdischen Gütern gesegnet hatte.
Überrascht fragte Musa aleyhis- selam:
"Was ist denn mit ihm? Was hat er getan?"
"Er hat sich betrunken", erwiderten ihm die Leute, "und dann hat er zu grölen und zu toben begonnen. Schliesslich hat er Streit gesucht, hat ins einem Rausch ohne Grund einen anderen überfallen und erschlagen. Jetzt soll er seinen Frevel büssen!"
Was hätte darauf Musa aleyhis- selam noch sagen können?
Ein erlesener Geist hat einmal gedichtet:
Es gab der Weltenschöpfer jedem,
was ihm frommt,
und was in diesem Dasein ihm zukommt.
Gäbe er der Katze Vogelschwingen,
würde jeden Sperling sie verschlingen.
Kaum hat der Schwache über Schwache Macht,
hat er auch schon die Schwächern umgebracht....
Fortsetzung folgt....
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Auch der edle Kuran verkündet:
"Gäbe Allah seinen Sklaven Überfluss, so würde auf dieser Erde die Gewalttat überborden...."
Nun, jedenfalls erkannt Musa aleyhis- selam, dass er damals mit seinem Gebet seine Grenzen überschritten hatte, und er bat den Schöpfer, dessen Weissheit ihm einmal mehr offenabr geworden war, für diesen Missgriff um Verzeihung; denn:
Wer fliegen will,
muss auch zu fliegen wissen!
Die Ameise bereute zu spät;
als ihr schon die Flügel zerrissen.
Hast du nicht gehört,
dass Plato einstmals sprach:
"Ameisen, wenn sie fliegen,
werden schwach"?
Der dir in diesem Leben keine Macht verlieh,
kennt dich besser als du selbst
und irrt sich nie!
Quelle:
Sa`di
Hundertundeine Geschichte aus dem Rosengarten
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