Das Goldene Zeitalter


In jener Zeit, da das naturgewollte Wirken in höchster Form noch auf der Erde herrschte, schätzte man nicht Weisheit hoch und fragte nicht nach Fähigkeit. -- Der Herrscher glich einem Baume, der mit seinen Zweigen alles schirmt, das Volk war wie die Rehe, die sich unter seine Krone schmiegen. -- Die Menschen waren rechtschaffen und gerade, ohne zu wissen, was Pflicht ist. -- Sie liebten ihren Nächsten, ohne zu wissen, was Liebe ist. -- Sie waren treu, ohne zu wissen, was Treue ist. -- Sie waren wahrhaft, ohne zu wissen, was Wahrhaftigkeit ist. -- In aller Selbstverständlichkeit halfen sie einander, ohne das als besondere Güte zu empfinden. -- Darum hinterließen ihre Taten keine Spuren, und ihre Werke wurden nicht der Nachwelt überliefert.
 
Dschuang-Dsi
Hi - dachte mir doch, dass mir der Text bekannt vorkommt...
...aber er hat eigentlich mit 'Judentum, Christentum, Islam' nichts zu tun -
deshalb habe ich ihn mal hierher verschoben...

Aber grundsätzlich ist hier ein Diskussionsforum - also kommentarlos irgendwelche
Texte hier 'reinzustreuen ist eigentlich nicht der Zweck der Übung. Wenn Du etwas
beitragen möchtest, bist Du herzlich eingeladen das zu tun - aber mit den Zitaten
beschränke Dich bitte auf 'Geschichten und Weisheiten', 'Tagesgedanken' u.ä...

mit freundlichem Gruß
Dieser Geschichte kann ich immerhin doch noch etwas Diskussionswürdiges abgewinnen, nämlich: In jener alten Zeit hatten die Menschen offenbar noch kein sonderlich ausgeprägtes Bewusstsein. Und vollautomatisch gut zu sein, ist ja keine Kunst. Erst wenn man die Wahl hat, wird's problematisch. Wir sind heute teils gut, teils böse - mehr oder weniger, aber wir müssen uns eben Gedanken über das machen, was wir tun und wie wir handeln. Unser Zustand ist daher höher zu bewerten, als die Menschen aus dem "goldenen Zeitalter". Oder was meint die Gemeinde?
nenne mir Kriterien für das "Goldene Zeitalter" und die Zeit, wann es sein soll ?
Es war "In jener Zeit, da das naturgewollte Wirken in höchster Form noch auf der Erde herrschte". Ich schätze also, etwa um die Zeit des Homo erectus, der noch nicht so arg viel Hirn hatte, also grob vor ca. einer Million Jahren. Ich fürchte sogar, dass es in einem Paralleluniversum gewesen sein muss, von dem sich unsere Raumzeit abspaltete. Dort lebt der Homo erectus auch heute noch und sammelt und jagt. Bei uns hingegen muss damals wohl einer, der schlau sein wollte und seinem Nachbarn heimlich ein paar Nüsse klaute, die erste listige Tat begangen haben, die eine immer breitere Spur des Bösen nach sich zog. "Das ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend Böses muss gebären!" (Schiller).
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"Frommsein heißt, an etwas zu glauben, von dem man weiß, dass es nicht stimmt." (Barbara Vine)


Auf gespenstische Weise wurde mir ein Bild aus jener Parallelwelt zugespielt, in der Homo erectus immer noch im Goldenen Zeitalter lebt.

Wie überhaupt immer wieder mal was zu uns durchsickert. Z.B. beschreibt Ovid auf Latein, wie es sich mit dem Goldenen Zeitalter verhält und wie es kam, dass es vorbeiging. Hat etwas mit Machtkämpfen auf der Ebene der Götter zu tun.
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"Frommsein heißt, an etwas zu glauben, von dem man weiß, dass es nicht stimmt." (Barbara Vine)
Guten Morgen!

Ich denke mir, das Goldene Zeitalter, die Vorstellung vom Paradies oder die paradiesischen Zustände der Atlantis finden als geschichtliche Tatsachen keinen tatsächlichen Rückhalt. Es sind eher Träume, Fiktionen von einer schönen Welt des Ursprungs.

Ich sage: Viel wichtiger als dem verlorenen Paradies nachzutrauern sind tatkräftige Weichenstellungen für die Zukunft, sowohl in Gedanken oder Wünschen als auch im materiellen Bereich, wie Friede, Liebe, Verständnis und Hilfe zur Selbsthilfe. Das bringt der Entwicklung der Seele und der Welt mehr.

Liebe Grüße, reinwiel
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Bedenke dass du die Erde nur besuchst.
www.reinwielt.at
Ganz richtig. Meine Bemerkungen über Homo erectus und parallele Universen waren als ironischer Scherz gedacht. Der Mythos vom Goldenen Zeitalter ist schon uralt. Er ist wohl die ins Mythologische überhöhte Feststellung älterer Menschen, die ja zu allen Zeiten festgestellt zu haben glauben: Früher war alles besser.