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Entwicklung zur Volksreligion
Schon die daoistischen Philosophen verwendeten bildhafte Geschichten und alte Volkssagen, um ihre Ideen zu erläutern. Während der Han-Zeit verband sich der Daoismus mit älteren kosmologischen, theologischen und anthropologischen Vorstellungen, deren Spuren sich schon in der Shang-Zeit finden lassen. Diese älteren Vorstellungen stammen wahrscheinlich aus Unsterblichkeitskulten und der schamanistischen Tradition. Auch mehr und mehr volkstümliche Bräuche, Riten und buddhistische Elemente hielten Einzug in die daoistischen Praktiken. Es entstand ein reichhaltiger Götterhimmel, dessen genaue Ausformung sich von Schule zu Schule unterscheiden konnte, sich aber drei oberste Gottheiten, die Drei Reinen, herauskristallisierten: Yuanshi tianzun, der Himmeslehrwürdige des Uranfangs, Daojun oder Lingbao tianzun, der Herr des Dao bzw. Himmelsehrwürdige des magischen Juwels und Daode tianzun oder Taishang Laojun, der Himmelsehrwürdige des Dao und des De bzw. der höchste Herr Lao, welcher der vergöttlichte Laozi ist.
Durch die Himmelsmeister-Kirche Zhang Daolings vollzog sich eine gewisse Vereinigung der verschiedenen daoistischen Gemeinschaften. Diese starke und breitenwirksame Organisation wurde während der Sui- und T'ang-Dynastie zu einer echten Volksreligion und religiösen Macht. Die Dynastie der Tang behauptete, von Laozi abzustammen und machte seine Verehrung zu einem offiziellen Kult. Der daoistische Kaiser Xuanzong gründete landesweit daoistsiche Tempel und hatte eine große Vorliebe für daoistsiche Rituale. Aus der Ming- und Tangdynastie gibt es auch die meisten daoistischen Schriften. Es handelt sich um die Blütezeit des Daoismus.
Unter der Song-Dymastie (960-1279) wurde der Daoismus dann vollständig in die Volkskultur integriert, u.a. dadurch, dass die lokalen und regionalen Organisationen durch Kaiser Zhenzong zu eienm Netzwerk offiziell geförderter Tempel zusammenschloss, die auch sakuläre Aufgaben wie die Organisation von Märkten und das Eintreiben der Handelssteuer übernahmen.
Der volkstümliche religiöse Daoismus wurde jedoch nicht von allen Daoisten anerkannt. Besonders Einsiedler und Angehörige daoistischer Klöster pflegten weiterhin eine philosophische Richtung der Lehre.
Als Chinas letzte Dynastie, die Qing im Jahre 1644 gegründet wurde, wurde der Daoismus mit Restriktionen und Verboten belegt, da die Qing den orthodoxen Konfuzianern nahestanden und die Mandschu Angst vor chinesischem Nationalismus hatten und so lokale Organisationen unterdrückten. Im Taiping-Aufstand 1849 wurden dann sämtliche Tempel, sowohl buddhistische als auch daoistische zerstört und im Verlauf des 20Jh. verstärkte sich die Tendenz immer mehr, die ursprüngliche chinesische Religion zu zerstören.
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Daoistische Praktiken
Im Laufe der Jahrtausende entstanden in China eine Vielzahl daoistischer Schulen mit unterschiedlichen Lehrinhalten und Praktiken. Der daoistische Kanon (Daozang) der in seiner letztgültigen Fassung 1442 zusammengestellt wurde, gibt hiervon einen Eindruck. Er enthält tausende von Werken, und die Texte handeln u.a. von Philosophie, Ritualistik, Magie, Medizin, Imagination und mythischen Welten, Hagiographien, dem Yijing (I Ging), Alchemie, Moral, Meditationstechniken und Hymnen.
Die ersten Texte, die eine detaillierte Beschreibung der nach innen gewendeten Meditation gaben, waren die der Maoshan-Schule, bzw. das Shangqingjing (Buch der großen Reinheit), welche ab dem 4 Jh. n. Chr. entstanden. Die Maoshan Meditationen enthalten unterschiedliche Elemente: Der Adept verkehrt rituell und imaginativ mit Göttern, rezitiert heilige Texte und visualisiert und durchläuft komplex strukturierte Elemente und Prozesse der Kosmologie, Mythologie und Symbolik des Daoismus. Die Visualisationen dieser Schule stellen Reisen in geistige Welten dar, wie sie schon von den Schamanen der Shang-Zeit ausgeführt wurden. Sie führen in Reiche der irdischen Paradiese, der Götter, der stellaren Welten, der Bewegungen von Yin und Yang und der verschiedenen Formen von Qi (Energie). Das Ziel der komplexen Techniken ist es, durch die Harmonisierung von Geist und Körper zur ursprünglichen Einheit zurückzukehren.
Im Streben nach Unsterblichkeit entwickelten Daoisten einige alchemistische Techniken. Etwa seit dem 4. Jahrhundert n.Chr. wurde versucht, Elixire oder Pillen herzustellen, die das Leben verlängern. Dabei spielten Zinnober (Dan), Quecksilber (Gong) und Gold (Jin) eine besondere Rolle. Durch die Eigenschaften, die sie in chemischen Reaktionen zeigen, galten sie als Elemente, die die Unwandelbarkeit in äußerlicher Veränderung (zentrales Merkmal des Dao) verkörpern. Viele, die sich von den Pillen Langlebigkeit versprachen, starben an Quecksilbervergiftung, was wohl einer der Gründe dafür war, dass die Alchemiezum bis zum Ende der Tang-Zeit immer unpopulärer wurden und verstärkt eien Hinwendung zu inneren Alchemie stattfand. Durch die alchemistiscehn Forschungen wurden jedoch auch andere Gebiete befruchtet, beispielsweise entstanden dadurch das Schießpulver und halluzinogene Drogen und die Medizin wurde beeinflusst.
Die Maoshan-Meditationen zeigen bereits eine Hinwendung von der äußeren zur inneren Alchemie, die sich im 9 Jh. dann vollends ausbildete. Anstatt Substanzen im Labor zu mischen, wurden der eigene Körper und Geist als "inneres Labor" verstanden. Es galt nun, durch meditative Techniken das uranfänglichen Chaos zu strukturieren und durch Kultivierung von Vitalität, Energie und belebendem Geist die Leere und Einheit zu verwirklichen.
Voraussetzung für diese Praktiken ist die Vorstellung, dass Analogien zwischen allen Ebenen bestehen, das heißt, dass Kosmos, Erde und Mensch analog strukturiert sind und sich in allen Details entsprechen.
Ein weiterer Abkömmling des Daoismus ist das Feng Shui, welches ursprünglich Geomantie war, später sich aber darauf bezog, die Umgebung des Menschen nach bestimmten Prinzipien zu ordnen, um Glück, Erfolg und Harmonie zu erzeugen.
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Der Daoismus in der Volksrepublik China
Unter der sozialistischen Diktatur wurden die Religionen Chinas unterdrückt und verfolgt, während der Kulturrevolution wurden viele Klöster und Tempel zerstört, Schriften vernichtet und die Mönche und Nonnen umerzogen. Mittlerweile besinnt man sich auch in der Volksrepublik wieder auf das religiöse Erbe und viele Klöster und Tempel wurden wieder aufgebaut, Ausbildungsstellen für Möche und Nonnen geschaffen und sogar einige universitäre Forschungsstellen für Daoismus eingerichtet. Es gibt um die Jahrtausendwende in der VR China ungefähr dreitausend daoistische Heiligtümer.
Der Staat hat in der Volksrepublik eine offizielle Version des Daoismus durchgesetzt, die Wohlwollen, Patriotismus und den Dienst an der Öffentlichkeit betont. Die Ausbildung eines Daoisten in der Volksrepublik umfasst daoistische Doktrin, Rituale, Musik, Kalligraphie, Philosophie, Kampfkunst und Englische Sprache. Viele daoistische Priester sind jedoch nicht gemeldet und gehören nicht den Regierungsorganisationen an, so dass die Statistiken widersprüchlich sind. Die wieder aufgebauten Tempel sind gut besucht, zu einigen Anlässen wie dem Laternenfest kommen tausende von Pilgern, woraus man schließen kann, dass der Daoismus auch in der Volksrepublik noch eine Rolle spielt.
Viele Daoisten flohen nach Taiwan, wo der daoistische Kultus nach wie vor blüht. Im heutigen China existieren noch zwei Hauptlinien der religiösen daoistischen Tradition, der Quanzhen-Daoismus (Schule der vollständigen Wahrheit), auch als neidan, innere Alchemie, bezeichnet, und der Zhengyi-Daoismus (Schule der orthodoxen Einheit), welcher direkt auf die Tradition der Himmelsmeister zurückgeht.
Die Quanzhen-Daoisten leben monastisch und zolibatär und legen die Hauptpraxis auf Meditation, während die Zhengyi-Daoisten heiraten dürfen und auch in priesterlichen und magischen Funktionen, beispielsweise als Ritualpriester bei Tempeln, Familien und Einzelpersonen, d.h. auch bei Begräbnis- und Hochzeitsriten oder Exorzismen und Heilungen arbeiten. Der Zhengyi-Daoismus besitzt im Gegensatz zum Quanzhen, der stark buddhistisch beeinflußt ist, eine ausgeprägte Ritualistik und magische Praktiken. Die Tempel, in die die Zhengyi-Priester eingeladen werden, verehren meistens Lokalgötter.
Es werden Rituale zu vielen Anlässen durchgeführt: Dem Geburtstag des Lokalgottes, der Restauration eines Tempels oder um eine neue Götterstatue einzuweihen. Ein Ritual kann bis zu neun Tage dauern, und ist oft verbunden mit Theateraufführungen, Prozessionen und Opfern. Viele Rituale sind ausgeprägt liturgisch. Das Hauptritual ist eines der kosmischen Erneuerung und Rückverbindung. Die monastische Quanzhen-Schule unterscheidet sich vom Zhengyi durch das zurückgezogene Leben der Meditation und inneren Alchemie, ohne der Allgemeinheit die Arbeit in einem Ritualservice anzubieten und durchzuführen. Innere Alchemie strebt nicht nach Herstellung eines Stoffes oder physischer Unsterblichkeit, sondern stellt eine Erleuchtungstechnik dar, eine Methode der Ordnung von Selbst und Welt. Sie ist eine operative Disziplin, die durch einen schöpferischen Akt zur Geburt eines neuen Menschen führen soll und die Erhöhung des Geistes über die Welt ansterbt. Da die Quanzhen-Schule viele Elemente des Buddhismus übernommen hat, besitzt sie einen stark spekulativen Charakter und die Texte dieser Schule sind durch bestimmte Merkmale charakterisiert:
Geistige und physische Schulung
die Praxis unterschiedlicher Techniken wie Atemübungen, Visualisationen und innerer Alchemie
die Übernahme bestimmter Spekulationen des Buddhismus, z.B. über Wu (Leere) und You (Dasein) und die Methode der Gong'ans (jap. Koan)
die Übernahme konfuzianischer Werte
Eine systematische Verwendung des Yijing, sowie alchemistischer Techniken in einer metaphorischen, geistigen Form.
Techniken der Maoshan-Schule werden nach wie vor von Zhengyi und Quanzhen praktiziert.
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Unterschiedliche Transskriptionen
Chin. Pinyin deutsch/ Wilhelm? Wade-Giles
道 Dao Tao Tao Dau
道教 Daoismus Taoismus Taoismus Dauismus
老子 Laozi Laotse Lao-tzu Lao-Tse
道德经 Daodejing Tao-te-king Tao Te Ching Daudedsching
Zhuangzi Dschuang Dsi Chuang-tzu
Literatur
Daodejing
Günter Debon (übers.): Tao-te-king. Das heilige Buch vom Weg und von der Tugend, Stuttgart 1961.
Viktor Kalinke (übers.): Studien zu Laozi - Eine zweisprachige (deutsch/chin.) Ausgabe des Daodejing, Edition Erata, ISBN 3-934015-15-8.
Ernst Schwarz (übers.): Laudse, Daudedsching. Reclam 1970 oder dtv 1985.
Richard Wilhelm (übers.): Laotse. Tao Te King. Das Buch vom Sinn und Leben, München (Diederichs Gelbe Reihe 19) 1978. ISBN 3-424-01411-7 (Orig. 1910).
Nan hua zhen jing (Das wahre Buch vom südlichen Blütenland)
Victor H. Mair (übers.): Zhuangzi. Das klassische Buch daoistischer Weisheit, Frankfurt/M. 1998.
Richard Wilhelm (übers.): Dschuang Dsi. Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, München (Diederichs Gelbe Reihe 172) 1969. ISBN 3-89631-421-1 (Orig. 1912).
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