Sikhismus


Die Sikh-Religion (auch Sikhismus oder Sikhi genannt)

Der Sikh-Religion liegt eine einheitsstiftende und zugleich die Pluralität wahrende Vision des Gründers Guru Nanak zugrunde. Die Lehren Guru Nanaks sowie seiner neuen Nachfolger haben zum Ziel, Menschen von sozialen Vorurteilen, Egoismus, Aberglauben und Unwissen zu befreien sowie einen Weg aufzuzeigen, wie ein religiöses Leben innerhalb sozialer Gemeinschaft zu meistern ist.

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Geschichte

Die Sikh-Religion (Sikhi oder auch Sikhismus) wurde von Guru Nanak, der 1469 in Talwandi (heute Pakistan) geboren wurde, gegründet und hat derzeit über 20 Millionen Gläubige weltweit. Guru Nanak sah sich weder als Hindu noch als Muslim, sondern als Diener Gottes. Guru Nanak betonte die Wichtigkeit der religiösen und sozialen Hingabe und die Gleichheit aller Menschen. Die Anhänger dieser monotheistischen Religion nennen sich Sikh (Schüler). Sie erkennen Guru Nanak und seine neun Nachfolger als Gottesoffenbarer an. Die Sikh-Religion ist dem Selbstverständnis ihrer Gründer und Anhänger nach weder eine hinduistische Abspaltung bzw. Reformbewegung noch ein Synkretismus aus Hinduismus und Islam. Sie ist vielmehr eine eigenständige Universalreligion.

Ich faste nicht, noch begehre ich den Monat Ramadan. Ich diene nur dem Einen, der mich am Ende schützen wird. […] Er erteilt Gerechtigkeit - an Hindus und an Muslimen. Pause. Ich mache keine Wallfahrt nach Mekka, noch bete ich in den heiligen Schreinen der Hindus. […] Ich vollziehe keine Anbetungsrituale der Hindus, noch rezitiere ich die Gebete der Muslime. Ich habe den einen formlosen Schöpfer in meinem Herzen aufgenommen, dort verehre ich ihn voller Demut. Weder bin ich ein Hindu noch ein Muslim. Mein Körper und mein Lebensatem gehören Allah (Bezeichnung Gottes bei Muslimen), Ram (Bezeichnung Gottes bei Hindus) – dem Gott aller. Guru Arjan (Guru Granth Sahib, S. 1136)
Verbreitung

Sikhs kommen aus den unterschiedlichsten nationalen und kulturellen Hintergründen. Die Mehrheit der ca. 20 Millionen Sikhs lebt nach wie vor in der Ursprungsregion im Bundesstaat Panjab in Nordindien. In Großbritannien und in Nordamerika leben über 1 Million Sikhs, in Deutschland mehrere Tausend. In der Bundesrepublik haben sich Sikhs vor allem in Ballungszentren wie Frankfurt, Köln und Stuttgart niedergelassen.
Lehren – Gotteshingabe und soziales Leben

Die Lehren der Gurus zielen, wie andere Religionen auch, darauf ab, aufzuzeigen, auf welche Weise der Mensch im Einklang mit dem Schöpfer und seiner Schöpfung leben kann. Die Gründer betonen in ihren Lehren folgende Grundhaltungen:

Gotteshingabe sowie Dienst am Menschen
Die Menschheit als Einheit anzuerkennen
Wichtigkeit von Wissen (Gian), offener Diskussion sowie kritischer Reflexion (Wichar)
Streben nach geistiger Entwicklung
Gleichberechtigung von Frau und Mann
Gerechtigkeitsdenken und demokratischer Konsens, der auf Qualität beruht
Bedeutsamkeit ehrlicher Arbeit
Wichtigkeit von Bildung (Gian), offener Diskussion sowie kritischer Reflexion (Wichar)
Harmonie von Wissen und Religion
Ablehnung sozial konstruierter Vorurteile (Rassismus, Ethnozentrismus)
Konzentration auf innerer und äußerer Stimmigkeit
Regelmäßiges Gebet mit dem Ziel, die rezitierten Inhalte zu verstehen und im Alltag umzusetzen
Haltung und Tat sind maßgeblich, nicht fromme Worte
Wertschätzung von Gastfreundschaft, Heirat und Familie
Jeder Mensch soll seinen jeweiligen Glauben wahrhaftig leben

Guru Nanak, der in einer Zeit aufwuchs, die von Intoleranz, religiöser Heuchelei und Unterdrückung durch tyrannische Herrscher wie Babar geprägt war, kritisierte die Gottverlassenheit und Ichbezogenheit der Menschen. Guru Nanak, Ehemann und Vater, lehnte das Kastensystem und die Unterdrückung von Frauen strikt ab und beanstandete darüber hinaus die damals vorherrschen Formen der Religionsausübung wie Götzenanbetung und heilige Waschungen. Von der Grundprämisse des einen Schöpfers leitete Guru Nanak Haltungen wie Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit, Respekt, Würde und Freiheit ohne Unterscheidung zwischen Herkunft, Glaube, Hautfarbe, Geschlecht oder dem sozialen Status ab.

Von der Frau wird man geboren, in der Frau wächst man heran, mit einer Frau verlobt und vermählt man sich. Von der Frau erfahren wir Freundschaft, durch die Frau setzt sich der Gang der Welt fort. [...] Wie kann man sie als minderwertig bezeichnen, wo sie doch Königen das Leben schenkt? Aus einer Frau entsteht eine Frau, niemand wäre ohne die Frau. Nanak sagt, ganz ohne Frau existiert nur der eine Schöpfer. Guru Nanak (Guru Granth Sahib, S. 473)

Das menschliche Leben ist für Sikhs eine kostbare Chance der Gotteshingabe. Ein wahrhaftes menschliches Leben besteht für sie in der Verinnerlichung des Schöpfers und der Nächstenliebe. Ein Leben nach den Vorstellungen des Schöpfers zu leben ist daher ein wichtiger Bestandteil des Sikh-Seins. Dies beinhaltet Respekt für die Schöpfung, Mitmenschen, alle anderen Lebewesen sowie der Umwelt. Der Gottesverbundenheit dient Sikhs das tägliche Gebet.
Guru Granth Sahib – Der Guru der Sikhs

Woher erfahren Sikhs, wie man eins mit dem Schöpfer wird? Sie finden die Antwort bei ihrem Guru. Die Botschaft der Gurus ist in ihren schriftlichen Niederlegungen festgehalten und somit zeitlos für alle Menschen einsehbar: So wie sich das Wort des barmherzigen Schöpfers mir offenbart, so verkünde ich es, O Lalo. Guru Nanak (Guru Granth Sahib, S. 722)

Guru Nanak und seine Nachfolger schrieben in einer außergewöhnlich poetischen und bildlichen Sprache zahlreiche Verse (Gurbani). Diese wurden von Guru Arjan, dem fünften Guru, zusammen getragen und in dem Werk (Aad) Guru Granth Sahib vereint. Einzigartig an dieser Komposition, die auf musikalischen Melodiefolgen (Rag) beruht, ist die Einbeziehung diverser Sprachen sowie Verse nordindischer Heiliger unterschiedlichster Glaubensrichtungen wie Sheikh Farid, Namdew oder Kabir.

Zu Anbeginn schuf Allah, der Schöpfer, das Licht. Dann alle sterblichen Wesen. Aus dem einen göttlichen Lichte, der Weltseele, entwickelte sich alles. Wen sollen wir da gut und schlecht nennen? Kabir (Guru Granth Sahib, S. 1349)
Khalsa-Bruderschaft

Der zehnte und letzte menschliche Guru, Guru Gobind Singh, gründete 1699 beim Baisakhi, einem populären Fest, den Khalsa. Dieser stellt die Gemeinschaft der Reinen dar. Amrit, ein freiwilliger Taufakt, markiert seither die Aufnahme in den Khalsa. Diese Gemeinschaft soll im demokratischen Konsens Entscheidungen für das Wohl der Menschen treffen (Sarbatt Khalsa). Repräsentiert wird sie durch den Rat der Fünf Geliebten (Panj Piare). Die spirituelle Guru-Autorität weilt seit dem Hinscheiden des zehnten Gurus ausschließlich im (Aad) Guru Granth Sahib. Guru Gobind Singh, Poet und Gelehrter, betonte die Notwendigkeit der spirituellen und körperlichen Einheit als getaufter Sikh. Jeder Getaufte soll seinem Wunsch gemäß fünf symbolträchtige äußere Merkmale (Kakar) tragen.

Grundsätzlich gelten alle Sikh-Gebote für Frauen und Männer. Die Gleichheit und Zusammengehörigkeit wird zusätzlich durch die für alle verbindlichen Nachnamen symbolisiert. Sikh-Frauen tragen den Nachnamen Kaur (Prinzessin), die Männer Singh (Löwe).

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Wichtige Gebote für Sikhs

Verinnerlichung des Schöpfers
Erkennung des göttlichen Willens (Hukam)
Ehrlicher Verdienst des Lebensunterhaltes (Kirt)
Teilen des Verdienstes (Daswand) sowie soziales Engagement (Sewa)
Bewahrung ungeschnittener Haare
Partnerschaftliche Treue
Meidung von Drogen (inklusive Alkohol und Tabak) und geschächtetem Fleisch

Die Gurus wenden sich mit ihrer Botschaft nicht an bestimmte Menschen oder ein spezifisches Land. Sie sprechen in ihren Versen vielmehr über eine grundsätzliche menschliche Haltung dem Leben gegenüber, die durchdrungen ist von Liebe, Hingabe und Aufrichtigkeit. Die Lehren legen daher großen Wert auf gegenseitigen Respekt und Achtung. Im Abschlussgebet der Sikhs wird täglich für das Wohl aller Lebewesen gebetet. Dieser Gedanke drückt sich auch in den Gebetsstätten (Gurdwara) der Sikhs aus: Jeder Mensch, ungeachtet seiner Herkunft und Religion ist eingeladen, den religiösen Gesängen beizuwohnen und die Speisen der Freiküchen zu sich zu nehmen.

Ohne die Verrichtung guter Taten wird man nicht ein Heiliger. Guru Nanak (Guru Granth Sahib, S. 1349)