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Bahá'í-Winterforum 2005 unter dem Motto "Einheit der Religionen"
Die österreichische Bahá’í-Gemeinde hatte traditionell zum Bahá’í-Winterforum nach Spital am Pyhrn geladen. Angeregt durch den Nationalen Geistigen Rat war im Vergleich zu den Vorjahren die Bezeichnung der Veranstaltung geändert worden, aus Winterschule wurde Winterforum. Schon bei der letzten Sommerveranstaltung war diese neue Terminologie verwendet worden.
Einige der Teilnehmer des Winterforums
Das Hotel „Freunde Natur“ in Spital am Pyhrn bot, wie schon seit vielen Jahren, die notwendigen räumlichen Möglichkeiten, sodass ein außerordentlich umfangreiches Programmangebot umgesetzt werden konnte. Bürgermeister und Hausherr Ägidius Exenberger begrüßte die Bahá’i-Familie herzlich und war mit seinem Team stets bemüht, die Rahmenbedingungen für diese Veranstaltung so angenehm wie möglich zu gestalten.
Die Sekretärin des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í Österreichs, Otti Käfer, hieß die Gäste und Freunde aus Nah und Fern herzlich willkommen. Für die Veranstaltung hatten sich mehr als 250 Freunde angemeldet. Dazu kamen noch Tagesgäste, deren Zahl an manchem Tag die Hundertermarke erreichte. Es war ein buntes Gemisch aus zahlreichen Nationen, das wunderschön die Einheit in der Vielfalt dokumentierte.
Unter Vorsitz von Dr. Harald Pesl hatte der Schulenausschuss im Vorfeld alle Hände voll zu tun, um einen ineinander greifenden Programmablauf zu organisieren. Das begann bei der Belegung der Zimmer und hörte bei dem Besorgen eines süßen „Merci“ als Dank für die Referentinnen und Referenten auf.
Der Erziehungsausschuss hatte ein Kinderklassenprogramm für vier Altersstufen, das sich auf Vor- und Nachmittag erstreckte, sowie ein Abendprogramm mit Tänzen und abschließender Gutenachtgeschichte für die Kleinen zusammengestellt.
Den über 12jährigen wurde ein Seminar zum Thema „Mut“ angeboten, das sich über alle Veranstaltungstage erstreckte. Rhetorikseminar, Multimediaworkshop und „Eheseminar“ ergänzten das Angebot für diese Altersgruppe. Zu Beginn der Veranstaltung leitete Iris Wenninger eine Diskussionsrunde mit den Jugendlichen über die Notwendigkeit der Einhaltung von Regeln im Zusammenleben so vieler Menschen auf engem Raum. So verlief das Winterforum sehr diszipliniert und ohne Zwischenfälle.
Wie in den Vorjahren begann jeder Tag mit einer Andacht im Hauptvortragssaal. Almuth Wenninger sei herzlich gedankt für die Auswahl der Texte und die musikalische Umrahmung der Andachten.
Hochkarätige Referenten trugen das Hauptprogramm dieser Woche in Spital am Pyhrn. Den Anfang machte dabei Prof. Bijan Khadem-Missagh. Er ist neben seiner Tätigkeit als Leiter des Festivals „Austria Allegro Vivo“ und Präsident von „GlobArt“ bekannt als Solist und Dirigent der Academia Vivo und als Erster Konzertmeister des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich. Sein Vortrag „Das Prinzip der Einheit der Religionen“ erstreckte sich über zwei Tage. In beredter, kurzweiliger Form belegte Prof. Khadem-Missagh die Schlüssigkeit der auf einander aufbauenden Weltreligionen und die daraus resultierende Einheit, die das Leitthema dieses Winterforums war.
Ebenfalls über zwei Tage erstreckten sich die Referate von Univ. Prof. Dr. Manfred Hutter und Univ. Prof. Dr. Karl Prenner.
Prof. Dr. Hutter arbeitet nach dem Studium der Kathologie, der Theologie, sowie der vergleichenden Sprachwissenschaften seit dem Jahr 2000 an der Universität Bonn als Professor für vergleichende Religionswissenschaften mit den Forschungsschwerpunkten Hinduismus und Buddhismus in Südostasien. Mit der Bahá’i-Religion hat sich Prof. Dr. Hutter insofern beschäftigt, als er den religionsgeschichtlichen Verbindungen der Bahá’i-Religion mit den Religionen iranischer und biblischer Tradition nachging.
Die Themen seiner Referate waren zuerst „Die autoritative Nachfolgeschaft vom Tod Gautama Buddhas zu den verschiedenen buddhistischen Schulen“, sowie am zweiten Tag „Fundamentalismus im Buddhismus“.
Prof. Dr. Prenner studierte an der Universität Graz Fachtheologie, und hat dort seit 1997 eine Professur für Islamwissenschaft mit dem Schwerpunkt Koranforschung.
Seine Themen waren „Die autoritative Nachfolgeschaft vom Tod Muhammads zu den verschieden islamischen Richtungen“ und am zweiten Tag der in den Medien seit langem präsente „Fundamentalismus im Islam“.
Die Referate wurden nacheinander jeweils im Hauptvortragssaal gehalten. Neben der Thematik an sich faszinierten die schier unglaublichen Detailkenntnisse der beiden Vortragenden, die mit ihren Ausführungen die Zuhörer in ihren Bann zogen. An den beiden Nachmittagen gab es mit den Referenten zum jeweiligen Thema einen Workshop, in dessen Anschluss dann zu einer Podiumsdiskussion eingeladen wurde. Hier waren mit Alex Käfer und Peter Scheffel neben den Hauptrednern weitere profunde Kenner der Materie vertreten.
Ein sich über alle Tage erstreckendes Seminar war das von Dr. Dariush Maani, der sich zusammen mit seinen Teilnehmern mit großer Intensität und Wärme „Der Kultur des Gebets und seinen Auswirkungen“ widmete. Dr. Maani studierte Architektur und Städtebau. Seit langem schreibt er Essays und hält Vorträge zu den Themen Mystik und Offenbarungsreligionen. So waren es für die teilnehmenden Freunde Tage des Eintauchens in die Welt der Gebete, deren Aufbau, deren Anwendung und Wirkung.
Frau Mag. Ghazaleh Karasek, Psychologin mit dem Schwerpunkt „Transkulturelle Therapie“, hielt ein Seminar mit dem Titel „Das autonome Menschenbild in verschiedenen Religionen“.
Frau Prof. Fereshte Schweter bot einen Vortrag „Die Rolle der Frau nach dem Vorbild von Táhirih“ an. Frau Prof. Schweter studierte in Wien Musik und Darstellende Kunst. Nach internationaler Konzerttätigkeit mit ihrem Bruder Bijan Khadem-Missagh arbeitet sie derzeit als Musikpädagogin im Konzertfach Klavier.
Wie bereits im letzten Sommerforum wurden auch für dieses Winterforum Projektgruppenarbeiten angeboten.
Zwei Themen sollten erarbeitet werden. Zum einen „Wie beginne ich einen interreligiösen Dialog in meiner unmittelbaren Umgebung?“, zum anderen Die interreligiöse Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“.
Dieses Angebot konnte leider nicht umgesetzt werden. In der hierfür zur Verfügung stehenden Zeit zwischen Vor- und Nachmittagsprogramm waren keine Interessenten zu finden. Das mag ursächlich auch an der Intensität der jeweiligen Hauptvorträge gelegen haben, deren Fortführung jeweils an den Nachmittagen stattfand.
Der letzte Tag stand ganz im Zeichen des Vortrags „Ein gemeinsamer Glaube“ von Dr. Uwe-Carsten Wiebers. Als promovierter Agrarökonom war Dr. Wiebers u. a. für die Weltbank und das amerikanische Umweltministerium tätig, ab 1993 arbeitete er für die deutsche KfW-Entwicklungsbank in den zentralasiatischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion und in Pakistan. Seit 1998 leitet er die Abteilung für Schiffsfinanzierung bei der KfW-Entwicklungsbank.
Dr. Wiebers stellte das bisher nur in englischer Sprache erschienene, vom Bahá’í-Weltzentrum herausgegebene Buch „One Common Faith“ vor. Der in Frankfurt am Main lebende gebürtige Berliner Dr. Wiebers beschrieb in konzentrierter Form den Inhalt dieses Buches, das sich mit dem befasst, was das Universale Haus der Gerechtigkeit als „globale Integration“ bezeichnet. Obwohl dieser Vortrag den ganzen Tag einnahm, schaffte es Dr. Wiebers, einen sich vom Beginn bis zum Ende des Vortrags reichenden Spannungsbogen zu erhalten.
Als geneigte Leserinnen und Leser können Sie aus dem bisher berichteten erkennen, wie umfangreich das Angebot diese Winterforums war, wobei der Chronist noch nicht am Ende seiner Berichterstattung angelangt ist. Es gab noch viele wichtige und für die einzelnen Teilnehmer interessante Angeboten wie „Tai Chi“, „Chi Gong“, „Singen von Versen Gottes“ mit Shirin Khadem-Missagh, „Filmworkshop“ mit Victor, Raha und Daniela, Werken für Kinder unter dem Motto „Ein Garten des Herzens“ mit Franz Warnung, musikalische Darbietungen von Omid und Adel sowie informative Firesides am Abend.
Es waren so viele Freunde mit der Vorbereitung und dem Ablauf des Winterforums beschäftigt und hin und wieder auch gestresst, dass die namentliche Aufzählung aller Freunde den hier zur Verfügung stehenden Raum sprengen würde. Ein herzlicher Dank an alle!
Ich möchte aber noch auf zwei Veranstaltungen eingehen, die aus dem Engagement und auf Initiative der Jugend entstanden und die Teilnehmer sehr berührten. Die Jugend hatte für den ersten Abend eine Andacht vorbereitet. Es war dies der 26. Dezember, der Jahrestag der Tsunami-Katastrophe im indo-pazifischen Raum. Zu ausgewählten Gebeten und Musik wurden Bilder von dieser Katastrophe präsentiert, die so viele Menschenleben gefordert hatte.
Die aus Indien angereisten Eltern von Shirin Khadem-Missagh haben seit langem Kontakte zu den Nikobahr-Inseln. Auch dort waren viele Opfer zu beklagen. So nutzte Herr Nooreyezdan die Gelegenheit, im Rahmen der Andacht von den Sorgen und Nöten der Betroffenen zu berichten. Er erzählte, dass 30 Waisenkinder von den Nikobahr-Inseln nach Sikkin/Indien geholt wurden, wo ihnen eine Ausbildung finanziert wird. Angeregt durch diesen Bericht organisierten die Jugendlichen spontan eine Spendenaktion, an deren Ende sie Herrn Nooreyezdan 2410 € übergeben konnten. Dieser Betrag reicht aus, um die Ausbildung für ein Kind etwa vierzig Monate lang zu finanzieren.
Ein weiterer von der Jugend gestalteter Abend hatte eine szenische Darstellung der Ereignisse um die Märtyrer Badi und Mona zum Inhalt. In würdiger und berührender Form stellten die Jugendlichen mit Texten, Musik und Spiel die Geschehnisse dar.
Emilia Dowlatshahi verfasste ein Grußwort der Veranstaltung, das per E-Mail an das Universale Haus der Gerechtigkeit gesandt wurde.
Dieses Winterforum war, wie schon so oft, eine Möglichkeit der Begegnung, der Pflege und Entwicklung von Freundschaften. Bei allem Ernst der einzelnen erörterten Themen herrschte eine Atmosphäre der Freude, der gegenseitigen Wertschätzung und des auf einander Zugehens. Diese Lebensfreude kam auch am abschließenden bunten Abend zum Ausdruck.
Ein besonders herzlicher Dank geht an die Mitglieder des Schulenausschusses Dr. Harald Pesl, Iris Wenninger, Norbert Waigl, Sarvenas Enayati und Uschi Ghavami für die viele geleistete Arbeit und die dadurch gelungene Veranstaltung.
Bericht von Wolfgang Grammel
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