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Weihnachten in Australien












Eine Freundin, die vor einigen Monaten nach Australien geheiratet hat, hat mir
die folgende Beschreibung geliefert - ist vielleicht ganz interessant...
Zitat:
Es fällt mir schwer, Euch Weihnachten wie es hier ist, richtig zu vermitteln. Weihnachten, das Fest des ersten Lichtfunkens in der längsten Winternacht, das die christliche Kirche von der vorher existierenden Religion übernommen hat, um den Funken des christlichen Glaubens in einer heidnischen Welt zu verkünden. Es ist sozusagen von je her ein Fest, das die Menschen über das Dunkle und Kalte in der Welt (im wörtlichen und im übertragenen Sinn) tröstet und ihnen sagt: es wird wieder hell und schön werden! Der Wachstumsfunken ist schon da, wenn man es auch kaum erkennen kann.
Hier ist am 22. Dezember Mitsommernacht. Die kürzeste Nacht des Jahres und damit die unpassendste Zeit um dieses Fest zu feiern. Deshalb habe ich größte Probleme, irgendwelche Weihnachtsgefühle zu entwickeln. Es stimmt einfach nicht und passt nicht auf diesen Boden, auf diesen Kontinent. Im August, ja.
Und so wird dann hier auch eher ein rauschendes Lebensfest gefeiert, als Weihnachten, wie es bei uns ist. Alles ist neonfarben und grell und laut. Ich habe hier in keinem Haus, keinem Geschäft, und auch nicht öffentlich draußen einen richtigen Weihnachtsbaum gesehen: es werden auch nirgendwo welche verkauft. Plastik ist angesagt. Mit Plastikschmuck, der sehr faschingsartig bunt aussieht.
...
Australien ist nicht Europa. Hier leben sehr viele Menschen mit sehr vielen „richtigen“ Religionen zusammen. Es gibt hier z.B. eine presbyterianische Kirche, zwei katholische, eine evangelische, eine anglikanische und die „United Church“, die christlich ist, aber alle Christen „erlaubt“ und auch Frauen Priester sein läßt, und eine von den Zeugen Jehovas und eine orthodoxe. Das sind nur die Christlichen, die ich hier aufzähle und sie sind alle nicht sehr groß und mangels zwangsweise eingezogenen Kirchensteuern auch nicht sehr pompös ausgestattet.
Hier ein Foto von der katholischen Kirche in der ich war. Ich habe sie mit dem Handy fotografiert. Es ist wie eine Turnhalle mit Altar, Stühlen, Toiletten und allem Luxus. (auch Teppichboden unter den Stühlen) Glockenläuten ist nicht erlaubt wegen der Ruhestörung. Auch der Muezzin muß 5 mal am Tag ruhig sein. Messe ist Sonntagmorgens zwei Mal und wie in Deutschland war die Kirche am 1. Weihnachtsfeiertag um 10:00 proppenvoll... und ist ansonsten eher leer. Weihnachtslieder und Predigt sind die selben... aber in Englisch.

Vielleicht noch zum Atmosphärischen: die Geschäfte sind 7 Tage in der Woche auf. Die großen 24 Stunden lang. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben kleinere Läden zugemacht. Am zweiten Weihnachtsfeiertag (Boxing Day) ist Kaufrausch angesagt: die großen Kaufhausketten machen sowas wie Schlussverkauf und setzen an diesem Tag traditionell Alles 30 – 50% runter. Nix stille Weihnacht...
Hallo Wu,
interessanter Brief und ich kann deine Freundin auch in Vielem gut verstehen. Bei mir würden in dieser Atmosphäre warscheinlich auch keine Weihnachtsgefühle aufkommen. Wir sind halt von klein gewöhnt, dass es an Weihnachten Winter ist, mit den entsprechenden Temperaturen und wenn man ganz viel Glück hat, noch mit Schnee. In Australien ist da eben Sommer und so kennen es die Australier eben auch nur so. Mehr Probleme hätte ich dann noch mit dem ganzen Drumrum, also Läden alle auf 24 Std. lang, partymäßige Weihnachtsfeiern etc. Für mich ist eben Weihnachten ein Fest der Stille und der Besinnung, was aber in Wintermonaten mit kurzen Tagen und langen Nächten leichter fällt als in Sommermonaten.
Dass es so viele unterschiedliche Kirchen gibt, finde ich nicht so schlimm. Australien war und ist eben ein Einwanderungsland, voll mit den verschiedensten Menschen. Auch muss für mich eine Kirche nicht "pompös"ausgestattet sein. Mir gefallen die einfachen kleinen am besten. Da kann man am besten zu sich kommen, man ist nicht so abgelenkt. Dass die Kirchenglocken nicht läuten dürfen, wegen Ruhestörung, finde ich auch schlimm. Ich finde das Glockengeläut gehört einfach zu einer Kirche. Wenn das Geläut fehlt, fehlt einem irgendwas. Mir geht es jedenfalls so.
Ich denke Weihnachten hat auch etwas mit Heimat und Tradition zu tun. So, wie man es in seiner Kindheit kennengelernt hat. Wenn es nun ganz anders gefeiert wird, als man es kennt, fühlt man sich vielleicht auch fremd. Es fehlt einem was. Vor allem, wenn dann der Sinn von Weihnachten noch ganz verloren geht. Aber das ist ja bei uns leider auch meistenteils schon der Fall. Es wird immer kommerzieller, leider!!

Liebe Grüße
Kiki60
Forum -> Plauderecke


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