Auch ich habe Angst..


Hallo zusammen,

Auch ich (30) habe Angst. Vor einem Jahr ist mein Vater gestorben, seither habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt.
Aber seit ein paar Wochen habe ich regelrechte Panikanfälle, ich habe sehr grosse Angst zu sterben und dass dann alles zu Ende ist.
Ich frage mich auch manchmal, was der Sinn ist, dass ich lebe.. wenn ich sowieso wieder sterben muss?
Wie habt Ihr gelernt damit umzugehen? Verdrängen ist ja nicht die Lösung.
Und diese Panikattacken möchte ich auch nicht mehr haben, schliesslich möchte ich LEBEN!

Grüsse
Juhu
Hallo Juhu,

Deine Panik kann ich verstehen, die kam bei mir auch oft, auch nachdem mein Vater gestorben war...Zweifel und Fragen, die Frage: für was....?

Es war ein langer Prozess, bis ich soweit war, oder dahin kam, wo ich heute stehe. Durch intensive Beschäftigung mit dem Leben und dem Tod. Durch Foren und Bücher.

Ich sehe den Tod heute längst nicht mehr als eine "Bedrohung", denn ich glaube fest daran, dass ich die, die vor mir gerufen wurden, wieder sehen werde ! Das heißt aber nicht, dass ich auf Grund dieser Einstellung nicht weniger trauere, wenn ein Mensch gerufen wird...die Hoffnung und mein Glaube, bleiben aber.

Tod ist ein Abschied, aber auch ein Wiedersehen...ich glaube daran, bin davon überzeugt!

Ich wünsche Dir, vor allem, dass Du die Panik wieder in den Griff bekommst, es gibt Momente, die kann man weder in Panik durchleben, noch aufhalten, noch verschieben, sie kommen und wenn sie kommen, sollten wir sie auch annehmen können.

LG
Luna
Hallo -

ich denke, die ganze panische Angst vor dem Tod ist bei uns zum großen Teil darin
begründet, dass man ihn schon seit Generationen verdrängt, versteckt, verleugnet...
In früheren Zeiten war der Tod auch für Kinder eine ganz natürliche und alltägliche
Sache - alte Menschen starben eben, und das erlebte man auch mit - und junge
starben auch manchmal - das war auch kleinen Kindern schon völlig vertraut...

Vielleicht sollten wir ein wenig mehr hinschauen, ein wenig mehr daran denken
anstatt weniger...
In einem buddhistischen Forum hat jemand die Frage aufgeworfen
'Wie bereitet ihr euch auf das Sterben vor?' - und ein anderer hat geantwortet:
Zitat:
vielleicht keine direkte Vorbereitung fürs Sterben, aber eine regelmäßige
Erinnerung an die Vergänglichkeit allen biologischen Lebens:
Ich habe mir schon vor Jahren eine schöne Urne bei einem lokalen
Bestattungsunternehmen ausgesucht. Die steht in meinem Wohnzimmer auf
einer Lautsprecherbox meiner Stereoanlage und ist schon ein guter Freund
für die Mahnung an die Vergänglichkeit allen irdischen Daseins geworden.
Darüber hinaus habe ich meinem Sohn und meinem Bruder Anweisungen
gegeben, wie mit meinem Leichnam nach meinem biologischen Tod zu
verfahren sei, an die ich beide bisweilen erinnere.
Ich weiß: eigentlich sollte man nicht an Bestattungsritualen hängen - soweit
bin ich noch nicht - aber gewisse Vorbereitungen sind doch recht hilfreich...

Auch wenn ich selbst es nicht so halte - mir scheint das ein gesunder Zugang -
gerade auch für die 'Zurückbleibenden' - in den USA gab es mal ein Buch:
'Teach your wife to be a widow' - Manche mögen das vielleicht makaber finden -
aber es ist sicher besser, als sich vor Angst die Fingernägel abzukauen...
Liebe/r Juhu

Du kannst nicht tiefer fallen, als in Gottes Hand.

Die Angst vor dem Tod kann uns auch helfen mit dem Leben bewusster und sorgsamer umzugehen. Auch Mitleid, Hilfsbereitschaft und Zuwendung nach Katastrophen wird durch Bilder des Todes bewirkt. Das Wissen um die eigene Endlichkeit kann uns auch anregen unser Leben möglichst sinnvoll zu gestalten. Nach dem Motto „Du kannst dir Nichts mitnehmen, schick Etwas voraus.“

Der nachstehende Ausspruch scheint mir auch sehr hilfreich.

„Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten, dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen denke nach über das Leben nach dem Tode. Studiere die heiligen Worte, lies deine Bibel, lies die heiligen Bücher und studiere besonders die heiligen Aussagen Bahà’u’llàhs. Gebet und Meditation, nimm dir für beides viel Zeit. Dann wirst du diesen großen Durst spüren, und nur dann kannst du anfangen, das Leben zu leben“
Abdu’l-Bahà


So wünsche ich Dir, dass Du Deine Angst überwinden kannst und Dich auch wieder den lebenswerten Dingen zuwendest.

Alles Liebe
_________________
"Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger"
Bahà'u'llàh
Hallo zusammen,

Vielen Dank für Eure Antworten. Ich bin übrigens eine Sie
@Wu: ich denke auch, dass wir heutzutage das Thema Tod tabuisieren. So ging's mir eben auch. In meiner Familie wird über das Thema geschwiegen, keiner redet darüber. Aber ich finde auch, es gehört zum Leben. Ohne Leben keinen Tod - ohne Tod kein Leben.. ohne Tod keine Erneuerung - alles ist vergänglich - und trotzdem währt alles ewig. Es muss etwas vergehen, damit etwas neues entstehen kann.
So in etwa
Ich habe auch viel nachgedacht. Ich vermute, ich bin auf der Suche nach meiner Aufgabe im Leben.. und habe quasi Panik bekommen, dass ich ohne meine Aufgabe erfüllt zu haben, sterbe.. eine Art Torschlusspanik.

Ich hatte auch ein sehr schönes Gespräch mit jemandem, der sich auch sehr intensiv mit der Thematik beschäftigt. Ich glaube, es tat auch nur schon mal gut, darüber zu reden (wobei wir wieder beim Thema Tabuthema Tod wären...).

Was mir manchmal auch Angst bereitet, ist, dass es nach dem Tod einfach nicht mehr weiter geht. Kein Leben nach dem Tod. Wenn man über Forschungen zu diesem Thema liest, liest man dies und das. Ich denke manchmal, es ist unlogisch, dass es einfach zu Ende ist, nachdem man stirbt. Dass das Bewusstsein, der Geist quasi auch ein Organ ist, dass stirbt wie alle anderen Organe auch. Woher kommt denn die Energie, die Seele? Es ist ja nicht so, dass etwas verpufft und nicht mehr da ist.. es ist ein Kreislauf, die ganze Natur, der ganze Kosmos ist ein Kreislauf....
hey juhu

bei mir in der familie verdrängen auch alle das thema tod.auch ich habe sehr grosse angst vorm sterben,aber äussehrlich merkt mann mich das nicht an.wir müssen es hinnehmen den tod.wie andere schon gesagt haben,es gibt viele die durch glaube und hoffnung ein bischen frieden oder viel mehr frieden finden.ich bin nicht zu frieden und trotzdem geht kein weg daran vorbei für uns am tod.aber hier im forum kannst du dich einbischen ablenken lassen.viele gute und nette menschen hier.und so viele verschiedene meinungen zum thema leben nach dem tod.ich lese viel büscher über so themen und andere unvorstellbaren phänomene.aber eins ist fakt,du must dein weg finden.du alleine,aber die unterstützungen von anderen menschen können dir helfen.ich glaube zur zeit an garnicht,ich lebe und lebe.was kommt weis ich noch nicht.in den letzten jahren sind soviele menschen gestorben die mir sehr nahe waren.ich glaubte die welt geht unter.bin ich der letzte der überbleibt?habe mich ohne hilfe wieder gefangen,aber es war eine grausame zeit für mich.und bis heute habe ich kein jenseits kontakt gehabt.obwohl ich viele ausprobiert habe(in verschiedenen richtungen).also juhu, hoffe das du dich findes.

gruss acan
Hallo acan,

Du hast es beinahe auf den Punkt gebracht u. dass gefällt mir. Es dreht sich bei uns Menschen verständlicher Weise sehr viel um den Tod u. dass Sterben.

Ich sehe das so:

Wir sollten ab irgendeinem Zeitpunkt in unserem Leben auf dieser Erde, (ich sehe mich hier als Gast auf diesem Planeten) unser Schicksal annehmen. Wie es schon vorher gesagt wurde, der Tod, das Sterben u. die Geburt, es gehört alles zu einem Ganzen, dass ist das Leben.

Jetzt gibt es aber das Phänomen, dass jeder zwar leben möchte, aber den Tod will niemand. Ok, ich bin auch nicht gerade begeistert, aber wir sollten es annehmen unser Schicksal u. somit auch das Sterben u. den Tod. Nur acan hat es schon etwas angedeutet, wir sind ja mit Verlaub gesagt Heute mit fast nicht mehr zufrieden u. einverstanden. Wir akzeptieren einfach sehr vieles nicht.

Ich sehe u. höre es tägl. wie über alles u. jedes geschimpft wird. Mir passt das Wetter nicht, der Nachbar nicht, die Kleidung nicht u. überhaupt. Liege ich da falsch wenn ich sage, sollten wir nicht vieles einfach annehmen wie es ist u. wie es uns gegeben wird?? Dass soll nicht bedeuten zu allem ja u. amen zu sagen. Aber geht das nicht, das ich einfach mal etwas annehme wie es ist ohne wenn u. aber, u. ich mal Achtung zeige u. Zurückhaltung bewahre bevor ich wieder mal loswettere.

Es kommt einmal im Leben eines jeden der Punkt wo er sich beugen "muss" wo demut gefordert wird. Warum wollen wir erst so spät damit anfangen, warum nicht schon mal etwas früher sich darin üben. Ich übe mich darin tägl., es ist nicht so dass ich nicht mal lache u. lustig aufgelegt bin.

Im Gegenteil, wißt Ihr was ich denke. Wenn ich mein Schicksal annehmen kann ohne wenn u. aber, ohne mich gegen was auch immer zu wehren u. zu streuben, dann erst bin ich frei um meine Sinne u. meine Energie auf die schönen wunderbaren Dinge die dass Leben zu bieten hat, vom Herrn geschenkt, zu konzentrieren u. zu sehen u. zu genießen.

Ein schönes banales Beispiel:
07:30, Arbeitsbeginn. Meine Kollegin Frau Zensur kommt tägl. in die Firma mit den Worten: So ein Mist, dass ist hier doch alles ein Quatsch, sowas blödes, usw. usw.
Dann sage ich Ihr, guten Morgen Frau Zensur, worauf Sie antwortét:
Mensch habe ich mich erschreckt, ich war so in Gedanken dass ich Sie garnicht bemerkt habe.
Wie soll Sie denn auch, wenn Ihr alles missfällt u. Sie aus dem Fluchen nicht mehr heraus kommt. Sie sieht nicht den Vogel der auf der Fensterbank sitzt u. singt, Sie sieht nicht den schönen Sonnenaufgang der einem so schöne Gedanken u. gute Laune machen kann. Sie nimmt ja nicht einmal den wahr der zur Tür rein kommt.

Erst wer seine Energie u. seine Sinne auf die wesentlichen Dinge konzentriert, vermag dass schöne des Lebens in seiner ganzen Vielfalt wahrzunehmen. Natürlich wird wohl niemand gerne den Tod wollen, doch die Angst u. Panik braucht man nicht haben. Dass Leben ist schön u. es lohnt es zu betrachten.
In diesem Sinne

Liebe Grüße,
Heinz.N
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Die Entdeckung des Wunderbaren im Alltäglichen bedarf der Fähigkeit, mit den Augen des Herzens sehen zu können.
Ernst Ferstl (*1955), österreichischer Lehrer u. Dichter
lieber heinz n.,

über deine obigen ausführungen habe ich auch gerade in letzter zeit viel nachgedacht und folgendes gedicht geschrieben:

So wie es ist, so ist es gut,
mein leben.

so wie es ist, so ist es gut, mein leben.

ich bin dafür, d a f ü r, das öffnet jede tür.



und wie ich deinen beitrag verstanden habe, weißt du diese haltung aber auch von phlegma zu unterscheiden.
lieben gruß
katharina
Liebe Juhu,

du hast es bereits selbst gesagt, es ist unlogisch, wenn es kein Weiter gibt.

Das Leben, ja das ganze Universum erfährt seinen Sinn erst in einer ewiger Existenz. Ohne Gott, ohne ein ständiges Existieren und Erleben, wäre alles sinnlos. Das ist selbst die Aussage der Naturwissenschaft. Diese spricht dem Universum jeden Sinn ab.

Vertraue darauf, dass du ewig existierst. Ich persönlich habe bereits meine eigenen Erfahrungen gemacht und kann dir sagen, es ist wirklich so!

Du kannst übrigens Kontakt zu deinem Vater aufnehmen, ohne irgendwelche albernen Rituale oder obskuren Methoden. In einem stark entspannten Zustand, ähnlich einer Trance, kann das mit etwas Übung jeder. Mach dich mal Schlau, wenn dir das wichtig sein sollte.

Bis bald
WieDu



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Liebe deinen Nächsten, wie (auch) dich selbst!
So wie du, ist auch er von Gott.
Hallo WieDu!

Kannst Du mir da mal Tipps geben, wonach ich da genau suchen muss? Ich meditiere selbst öfters, aber "nur" einfache Entspannungsmeditationen.

Im Traum bin ich meinem Vater schon öfters begegnet (und das waren keine Träume, da bin ich mir ziemlich sicher), habe auch mit ihm geredet.

Hallo an den Rest!
Danke für Eure Antworten. Sie sind sehr interessant!

Ich habe übrigens eine Antwort auf meine Angst gefunden (denke ich).. ich habe (oder hatte) einfach den Sinn in meinem Leben verloren. Ich hatte irgendwie keine Perspektive mehr und kein Ziel.
Als mir das klar wurde, ging die Angst auch wieder weg.

Ich denke mittlerweile auch, dass ich hier auf der Erde in diesem Leben etwas lernen soll, damit mein Geist reifen kann.

Carpe Diem!
Juhu