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Die Welt als Gestaltung-Zum Verständnis des Briefs an Forel












V

Hier liegt, über Forel und sein lehrreiches Leben hinaus, die Herausforderung an uns Heutigen und die Kommenden. Es geht nicht nur um die wissenschaftliche Weltanschauung, schon gar nicht um den logischen Gottesbeweis, und wenn es Menschen gibt, die das zu wichtig nehmen, sind sie in neun von zehn Fällen Produkte einer falschen Erziehung. Der Mensch ist mehr als die Funktion seines Großhirns, und die menschliche Kultur ist mehr als die ständige Fortentwicklung ihres Keimplasmas. Es geht auch nicht um unermüdliche Pflichterfüllung, ungeachtet der Tatsache, daß die heutige Menschheit gerade in puncto Pflichterfüllung Vorbilder wie Forel dringender als sonst etwas braucht.

Worum es geht, das ist die Einheit des unteilbaren Menschen, des In-dividuums, die sich völlig parallel mit der geistigen und politischen Einheit der Menschheit entwickeln muß, weil das eine ohne das andere nicht sein kann. Und nicht nur die von Forel verachtete Tiefenpsychologie, sondern die gesamte Erfahrung der kalten und der heißen Kriege, die auf Forels Tod weiter folgten, lehrt uns, daß es Dinge geben muß, von denen unsere Schulweisheit, auch die biologisch-genetische, sich immer noch nicht genügend träumen läßt. Es geht um die Grundfrage, die auch Abdu’l Baha Forel entgegenhält (Seite 20), ob "dieses unendliche Weltall mit all seinen Vollkommenheiten zu nichts anderem führt als zu Wahn und Trug" und "völlig sinnlos" ist. Wenn wir nicht wollen, daß dem so ist, müssen wir etwas tun, und zwar über das hinaus, was uns die Wissenschaft bieten kann.

Wir müssen auf diejenigen hören, die es besser, als wir je können, verstanden haben, auf die Stimme des Unendlichen zu lauschen und daraus Sinn abzuleiten. Allen voran sind es die "Manifestationen Gottes", die Begründer der großen Offenbarungsreligionen, die nach einem göttlichen Heilsplan die ganze Welt des Seins befruchten. Wir müssen, weit über die Ehrfurcht vor dem Leben und vor dem Keimplasma hinaus, Ehrfurcht gewinnen vor der Macht, der Weisheit, der Sinnesfülle und der Willensklarheit, die aus diesen Manifestationen Gottes spricht. Wir müssen antworten auf ihren Ruf, uns fügen unter ihren Befehl, uns herausfordern lassen von ihrer Liebe. Baha'u'llah, der den höchsten Anspruch erhebt, der je auf unserem Planeten erhoben worden ist, drückt diesen Anruf des Göttlichen, diese Herausforderung zur Gestaltung der Welt, so aus:

"O Sohn des Menschen! Verhüllt in Meinem unausdenkbaren Wesen und in der Ewigkeit Meines Seins erkannte Ich Meine Liebe zu dir; darum erschuf Ich dich, prägte dir Mein Ebenbild ein und offenbarte dir Meine Schönheit." (VW ar.3)

"O Sohn des Seins! Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen. Erkenne dies, o Diener!" (VW ar.5)

In diesem ewig neuen Geist sollten wir Forels Frage und Abdu’l Bahas Antwort überdenken und unsere ganz persönliche Entscheidung treffen.

Peter Mühlschlegel
Forum -> Baha'i-Religion

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