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Sexualität und Partnerschaft












Ich denke, die Unterscheidung zwischen außerehelichem Geschlechtsverkehr und vorehelichem, auf die Wu hingewiesen hat, ist sehr wichtig, auch wenn in der Baha'i-Religion beides zusammengefasst wird.

Darüber, dass außerehelicher Sex destruktiv ist, scheint in fast allen Kulturen, Religionen und Wertsystemen ein Konsens zu bestehen. Eine Ehe ist schließlich eine große Verantwortung, gerade wenn Kinder da sind. Man ist dann eben eine Familie und muss einen Teil seiner "Freiheit" aufgeben, genauso, wie es in der Gesellschaft Regeln gibt, die die "Freiheit" des Einzelnen beschränken, aber erst ein Zusammenleben möglich machen.

Freiheit habe ich hier in Anführungszeichen gesetzt, weil ich denke, dass das Konzept von Freiheit von vielen Leuten gerade heutzutage falsch verstanden und mit Egoismus gleichgesetzt wird. Echte Freiheit kann ohne Regeln und (freiwilligen) Verzicht des Einzelnen auf bestimmte Handlungen gar nicht existieren. So leben wir heute in einer freien Gesellschaft, nicht trotz, sondern wegen des Rechtsstaates und seiner Regeln.

Vorehelicher Sex ist aber heutzutage aufgrund der vorhandenen Verhütungsmethoden ein anderes Thema. Die Ablehnung vorehelichen Geschlechtsverkehrs kommt aus einer Zeit, als es kaum Verhütungsmethoden gab. Die Aufforderung zur sexuellen Enthaltsamkeit vor der Eheschließung hatte den Sinn, zu verhindern, dass unversorgte - uneheliche - Kinder zur Welt kamen, die schließlich sozial stark benachteiligt sein würden. Mit der Eheschließung war dann die Versorgung sichergestellt und eine Familie gegründet, in der die Kinder wohlversorgt aufwachsen konnten.

Ich finde daher, dass es wichtig ist, zwischen außerehelichem und vorehelichem Sex einen Unterschied zu machen. Außereheliche Affären sind für mich moralisch auf jeden Fall verwerflich, besonders dann, wenn man bereits Kinder hat. Vorehelichen Sex in einer festen Beziehung - die später höchstwahrscheinlich zu einer Ehe werden wird - halte ich aber für in Ordnung. Allerdings finde ich, dass vor einer Ehe keine Kinder gezeugt werden sollten (dazu gibt es Verhütungsmethoden) und eine Ehe erst geschlossen werden sollte, wenn ein oder beide Ehepartner ihre Ausbildung beendet und zu arbeiten begonnen haben; denn um Kinder zu versorgen, muss auch eine finanzielle Basis da sein.

In Diskussionen mit Leuten meines Alters (Anfang/Mitte 20) habe ich allerdings zu meiner Überraschung festgestellt, dass meine Ansichten zu diesem Thema offenbar aus heutiger Sicht bereits sehr konservativ sind!
Wu hat folgendes geschrieben:
...
Herzlich hat folgendes geschrieben:
Was mich persönlich betrifft, finde ich es schwer, das Gebot einzuhalten, muß allerdings auch erkennen, dass sich bisher noch jede Nichteinhaltung mit mehr oder weniger schweren seelischen Verletzungen gerächt hat.

Meine persönliche Erfahrung - und auch die von Anderen, mit denen ich (damals wie heute) darüber gesprochen habe, ist eher umgekehrt - dass religiöse Strenge und eiserne Selbstdisziplin in diesem Punkt meist keine starken Persönlichkeiten schafft, sondern auf lange Sicht psychische Probleme. ...


Ich denke, dass es noch eine zweite Alternative gibt, die diese Probleme nicht hervorruft, nämlich die "Liebe zur Schönheit Gottes". Ich habe den Begriff bewußt in Anführungszeichen gesetzt, weil ich davon ausgehe, dass die meisten Menschen in unseren Breitengraden sich darunter gar nichts vorstellen können. Für mich ist er allerdings mit alltäglicher praktischer Erfahrung gefüllt. D.h., ich erlebe in mir selbst eine allmähliche Veränderung, die mich sensibler macht für das Erkennen und Genießen geistiger Schönheit, wo immer sie sich auch zeigt, und entwickle eine ebenso allmählich wachsende Abneigung gegen störende weltliche Ablenkungen. Dabei unterliegt der Inhalt von letzterem bei mir einem ganz beachtlichen Wandel, der mich selbst manchmal verwundert.

Beispielsweise war es für mich früher völlig selbstverständlich und auch mit meiner damaligen Auffassung von Geistigkeit vereinbar, maximalen Erfolg in meiner beruflichen Karriere anzustreben. Das setzte voraus, dass ich bereit war, "mit den Wölfen zu heulen", und in gewissem Maße war das bei mir auch der Fall. Heute empfinde ich das als schlechten Kompromiss, den ich meiner Seele nicht mehr zumuten möchte, weil er mich davon abhält, zu den Menschen, denen ich in meiner Arbeit begegne, eine echte Herzensverbindung aufzubauen und auf diese Weise mit ihnen zusammen der geistigen Welt etwas näher zu sein.

Eine ähnliche, wenn auch weit langsamere Entwicklung erlebe ich bei meiner Sexualität. Nicht dass ich sie als grundsätzlich störend ansehe. Es ist eher eine allmähliche Verschiebung der Schwerpunkte, die ich als wohltuend und befreiend für meine Seele empfinde. Bahá´u´lláh sagt dazu an einer Stelle einen Satz, der mir persönlich in diesem Zusammenhang sehr wichtig ist und mir ein völlig neues Verständnis für das Bemühen um die Einhaltung göttlicher Gebote ermöglicht hat:

Zitat:
... Die Zunge Meiner Macht hat aus dem Himmel Meiner allmächtigen Herrlichkeit diese Worte an Meine Schöpfung gerichtet: "Haltet Meine Gebote aus Liebe zu Meiner Schönheit!" ...


Nach meinem Verständnis ist Bahá´u´lláh in diesem Moment ein Sprachrohr für das Wort Gottes selbst, so wie es auch die anderen Offenbarer zu ihrer Zeit gewesen sind.

Dieser Satz ist mir deshalb so wichtig, weil er klar macht, dass es zu religiöser Strenge und Disziplin eine wesentliche Alternative gibt, die es dem Gläubigen leicht macht, vielleicht sogar überhaupt erst ermöglicht, göttliche Gebote einzuhalten, nämlich die Liebe des gläubigen Menschen zur Schönheit Gottes.


Liebe Grüße,

Herzlich
Ja die Unterscheidung zwischen außerehelich und vorehelich ist sicher wichtig Dio.

Außerehelich (sogenannter 'Seitensprung') ist nicht okay, ich glaub da sind wir uns zumindest mal alle einig. Und wenn ich sage 'wir', dann meine ich Leute, die etwas mit Religion am Hut haben, denn ich habe das Gefühl, daß heutzutage es immer mehr okay ist mal hier und da einen Seitensprung zu machen; das ist leider sehr traurig und egoistisch; einfach ohne Rücksicht auf den Ehepartner, ohne Rücksicht auf die Kinder und die Familie einfach so zu betrügen. Ich meine alle Religionen betrachten Ehebruch als massiven Fehler/Sünde. Man bedenke all die Konsequenzen, die es mit sich bringt. Zerrüttete Ehe, eventuell Scheidung, Kinder werden mit reingezogen und leiden usw.

Und wofür? Für einen kurzen 'Glücksmoment'.

Bei vorehelichem Geschlechtsverkehr kann ich die Leute verstehen, die sagen, es wäre okay, aber ich glaube erst der Verzicht darauf, bedeutet wirkliche Freiheit, wie Baha'u'llah es ausdrückt:

Wahre Freiheit besteht in der Unterwerfung des Menschen unter Meine Gebote, so wenig ihr dies auch versteht. ... Wer ihre Süße kostet, wird es verschmähen, sie gegen alle Herrschaft der Erde und des Himmels zu tauschen.
Dio hat folgendes geschrieben:
...
In Diskussionen mit Leuten meines Alters (Anfang/Mitte 20) habe ich allerdings zu meiner Überraschung festgestellt, dass meine Ansichten zu diesem Thema offenbar aus heutiger Sicht bereits sehr konservativ sind!


Yep - und es gehört Mut dazu, sie so offen und geradlinig zu äußern. Das bewundere ich.


Liebe Grüße,

Herzlich
Dio hat folgendes geschrieben:

In Diskussionen mit Leuten meines Alters (Anfang/Mitte 20) habe ich allerdings zu meiner Überraschung festgestellt, dass meine Ansichten zu diesem Thema offenbar aus heutiger Sicht bereits sehr konservativ sind!


Wobei es aber auch den gegenteiligen Trend gibt - ich sage nur Britney Spears
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