Die Größe Christi liegt in seiner Vollkommenheit


Entnommen aus Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, erschienen im Baha'i Verlag.

Die Größe Christi liegt in seiner Vollkommenheit

Ein großer Mann ist groß, gleichgültig, ob er einen menschlichen Vater hat oder nicht. Wenn es ein Vorzug wäre, keinen Vater zu haben, so wäre Adam größer und erhabener als alle Propheten und Gottgesandten, denn er hatte weder Vater noch Mutter. Die Ursache der Größe und Erhabenheit ist der Glanz und die Gnade göttlicher Vollkommenheit. Die Sonne ist aus Substanz und Form geschaffen, die man mit Vater und Mutter vergleichen kann, und sie ist reine Vollendung; die Finsternis aber hat weder Substanz noch Form, weder Vater noch Mutter, und sie ist absolute Unvollkommenheit. Die Substanz von Adams körperlichem Leben war Erde, diejenige Abrahams aber reiner menschlicher Samen; sicherlich ist reiner und keuscher Samen besser als Erde.

Mehr noch, im Evangelium des Johannes, im ersten Kapitel, Vers 12 und 13, heißt es: "Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Gelübde noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind."

Aus diesen Worten geht klar hervor, daß das Wesen eines Jüngers auch nicht durch physische Kraft, sondern durch die geistige Wirklichkeit verursacht wurde. Die hohe Stellung und die Größe Christi liegen nicht darin, daß Er keinen Vater hatte, sondern in Seinen Vollkommenheiten, Seinen Gnadengaben und in Seiner himmlischen Herrlichkeit. Wenn die Größe Christi in Seiner Vaterlosigkeit gelegen hätte, müßte Adam größer gewesen sein, denn er hatte weder Vater noch Mutter. Im Alten Testament steht: "Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und Er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele." Beachte, es heißt, daß Adam durch den Geist des Lebens erschaffen wurde. Darüber hinaus sind die Worte des Johannes über die Jünger ein Beweis dafür, daß auch sie vom himmlischen Vater sind. Es ist also klar erwiesen, daß die geheiligte Wirklichkeit, daß heißt das wirkliche Sein eines jeden großen Menschen, von Gott kommt und durch den Odem des Heiligen Geistes ins Leben tritt.

Der Sinn ist: Wenn es der größte Vorzug des Menschen wäre, keinen menschlichen Vater zu haben, dann wäre Adam größer als alle anderen, weil er weder Vater noch Mutter hatte. Ist es besser für den Menschen, aus lebendiger Substanz oder aus Erde erschaffen zu werden? Sicher ist es besser, aus lebendiger Substanz erschaffen zu werden. Christus aber wurde vom Heiligen Geist geboren und ins Leben gerufen.

Abschließend: Der hohe Rang und der Ehrenplatz der heiligen Seelen und der göttlichen Offenbarer kommen von ihren Vollkommenheiten und Gnadengaben und ihrer himmlischen Herrlichkeit, und von nichts anderem.
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"Alle Religionen lehren, daß wir einander lieben und unsere eigenen Fehler herausfinden sollten, bevor wir uns erkühnen, die Fehler anderer zu verdammen, und daß wir uns nicht über unseren Nächsten erheben dürfen." -- Abdul-Baha