Geschichte von Imam Gazzali


Eines Tages saß Sultan Mahmud im Audienzsaal. Ein Mann kam und trat mit einer Schale Salz in der Hand mitten in den Kreis der zur Audienz Versammelten und rief: „Wer kauft Salz?" So etwas hatte Mahmud noch nie erlebt. Er ließ ihn festnehmen, und als er wieder allein war, ließ er ihn kommen und fragte ihn: „Was war denn das für eine Frechheit, die du dir da erlaubt hast, und war denn der Audienzsaal des Mahmud etwa der rechte Ort, Salzverkauf auszurufen?" Er erwiderte: „Edler Herr! Ich habe etwas mit Ayaz [höfischer Sklave und Liebling Sultan Mahmuds, Anm.], das Salz war nur ein Vorwand." Mahmud sagte: „Du Bettler! Wer bist denn du, dass du mit Mahmud die Hand in die gleiche Schüssel tauchst? Ich habe siebenhundert Elefanten, eine ganze Welt voll Güter und ein Reich, und du hast nicht einmal das Brot über Nacht!"

Er antwortete: „Erzähle keine lange Geschichte! Alles, was du besitzt und genannt hast, ist Ausstattung des Vereintseins, nicht Ausstattung der Liebe. Die Ausstattung der Liebe ist ein geschmortes Herz, und das habe ich in vollkommener Weise und so, wie die Sache es erfordert. Ja noch mehr, Mahmud! Mein Herz ist frei davon, dass es Raum für siebenhundert Elefanten böte. So viele Länder aufzuzählen und zu verwalten, nützt nichts. Ich habe ein leeres Herz, das nach Ayaz brennt, Mahmud. Kennst du das Geheimnis dieses Salzes? Im Topf deiner Liebe fehlt das Salz der Selbstentäußerung und Erniedrigung, denn du bist gar gewaltherrlich, und das ist keine Eigenschaft der Liebe. Mahmud, all das, was du aufgezählt hast, ist Ausstattung des Vereintseins, die Liebe aber hat überhaupt keine Eigenschaft vom Vereintsein. Wenn das Vereintsein an der Reihe ist, dann hat eben Ayaz die Ausstattung des Vereintseins in vollkommenem Maß.

Mahmud, diese siebenhundert Elefanten und dieses ganze Reich von Sind und Indien – sind sie denn ohne Ayaz etwas wert, oder können sie etwa Ersatz sein für ein einziges Haar seiner Locke?" Er antwortete: „Nein." Er fragte weiter: „Ist mit ihm in einem Badeheizraum oder in einem finsteren Zimmer der Garten Eden?" Er antwortete: „Ja." Er fragte: "Und ist das Vereintsein vollkommen?" Er antwortete: „Ja." Er sprach: „Dann ist also all das, was du aufgezählt hast, nicht einmal Ausstattung für das Vereintsein, weil der Liebende keine Ausstattung für das Vereintsein haben kann, sondern diese in den Wunderzeichen der Schönheit besteht.

Hieraus ersiehst du, dass die Liebe keinerlei Eigenschaft von Vereintsein und von Trennung hat und der Liebende nichts von der Ausrüstung des Vereintseins kennt, noch kennen kann. Die Ausrüstung des Vereintseins ist das Sein des Geliebten, die Ausrüstung für die Trennung das Sein des Liebenden, die Liebe aber braucht keines von beiden. Wenn die Gunst der Zeit dazu verhilft, wird dieses Sein zur Opfergabe für jenes Sein. Das ist vollkommenes Vereintsein."

eure Zahra
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* Mein Herz ruft ALLAH ALLAH,
mein Nefs schreit yallah yallah ....*

* Der Heuchler sucht nach Fehlern;
der Gläubige nach Entschuldigungen.*
Meine liebe Zahra,

Das ist wunderschön!

Das gewaltige und eigentliche Kernstück dieser Geschichte ist der letzte Satz, denn er enthält eine Verheißung:

Zitat:
Wenn die Gunst der Zeit dazu verhilft, wird dieses Sein zur Opfergabe für jenes Sein. Das ist vollkommenes Vereintsein.


Zitat:
Er, der euer Herr ist, der Allerbarmer, hegt in Seinem Herzen die Sehnsucht, das ganze Menschengeschlecht als eine Seele und einen Körper zu sehen. Eilt, euren Anteil an Gottes Gunst und Gnade zu erlangen an diesem Tage, der alle erschaffenen Tage in den Schatten stellt. Welch große Glückseligkeit harrt des Menschen, der all seine Habe aufgibt aus Sehnsucht, die Gaben Gottes zu erlangen. Ein solcher Mensch, Wir bezeugen es, gehört zu Gottes Seligen. (Bahá'u'lláh)


Diese Sehnsucht zu erfüllen verlangt eine solche Opfergabe. Es geht um das Geschenk der Seele, des ewigen Lebens....

Es ist seit Altersher die Vorgehensweise und der Auftrag der Gottesoffenbarer:

Zitat:
Wenn Du bei jemandem den Duft der Liebe Deines Herrn verspürst, so opfere Dich für ihn, denn dafür haben Wir Dich erschaffen, und mit diesem Ziel haben Wir seit unvordenklichen Zeiten in Gegenwart der Schar Unserer Wohlbegünstigten einen Bund mit Dir geschlossen.
(Baha'u'llah)


Die Vereinigung mit dem Gottesoffenbarer ist das höchste Paradies und ist das ewige Leben...:

Zitat:
Wo ist das Paradies und wo die Hölle?« Sprich: »Das eine ist die Vereinigung mit Mir, das andere dein eigenes Selbst, o du, der du Gott einen Gefährten zugesellst und zweifelst
(Baha'u'llah)


Die "Ausrüstung des Vereintseins" ist das Sein des Geliebten, die "Ausrüstung für die Trennung" ist das Sein des Liebenden, kommt beides hierin zum Ausdruck.

Das wirklich erstrebte jedoch ist nicht der "vereinbarte", sondern der "wesensmäßige Bund". Die Seele ist eine w e s e n s m ä ß i g unteilbare Einheit; die Vereinigung der Seele demnach ein
w e s e n s m ä ß i g e r Bund.

Mein bescheidenes Verständnis der Sendung von Bahá'u'lláh ist dieser Kern: Es geht um einen wesensmäßig unzerstörbaren Bund zwischen den Menschenkindern: die Vereinte Seele der Menschheit.

Liebe Zahra, darf ich dein Bruder sein und dir gehören, für immer?

Alles Liebe von Yojo
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"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Freundschaft und Aufrichtigkeit
Imam Al- Gazzali




In den Erzählungen der Israeliten wird die Geschichte eines frommen Mannes erzählt, der Gott für viele Jahre gedient hatte. Eines Tages erzählte man ihm von der Abtrünnigkeit eines Stammes, der sich von der wahren Verehrung Jahwes abgewandt hatte und nun einen bestimmten Baum anbetete. Der Einsiedler, erfüllt mit dem Geist des „Eifernden Gottes“ ergriff eine Axt, um diesen Baum umzuschlagen. Unterwegs machte sich jedoch der Teufel in der Gestalt eines alten Mannes an ihn heran und befragte ihn nach seiner Absicht. Der Einsiedler teilte sie ihm mit, worauf der Satan zu ihm sprach: “Warum auf Erden verlässt du deine Übungen und Gebete und gibst dich einer anderen Arbeit hin?“
„Dies ist doch auch eine geheiligte Sache!“ erwiderte der Einsiedler.
„Nein, bei unserem Willen erlaube ich sie Dir nicht“ rief der Teufel!
Darauf ergriff der Einsiedler den Bösen in heiligem Zorn und rang ihn mit aller Kraft nieder. „Lass mich Herr,“ bat dieser „ich will dir etwas mitteilen.“
Darauf ließ ihn der Einsiedler frei.
Da sprach Satan: „Ich glaube nicht, dass dir Gott dein Unternehmen anbefohlen hat. Du verehrst ja keinen Baum und für die Sünden Anderer bist du nicht verantwortlich. Wenn Gott es will, sendet Er einen Propheten, diesen Befehl auszuführen. Darum glaube ich nicht, dass dies deine Pflicht ist. Warum also willst du dich in Schwierigkeiten bringen?“
„Ich gehöre aber zu den auserwählten Leuten Jahwes und meine Pflicht und Bestimmung ist es so zu handeln.“
Daraufhin begannen sie wieder miteinander zu ringen und abermals unterlag der Satan.
„Oh ich sehe,“ sagte der Verworfene „mir kam da gerade eine Idee. Lass mich doch bitte frei und ich will sie dir verraten.“
Wiederum frei gelassen, redete ihn der Böse folgendermaßen an:
„Ist es nicht so, dass du arm bist und von den Almosen derer lebst, welche dir zugetan sind? Aber Im Innersten deines Herzens möchtest doch du selbst gerne Wohltaten über deine Brüder und Nachbar ausgießen. Deine Natur ist so großzügig und mitfühlend. Wie schade, dass eine solch edle Seele auf Almosen angewiesen ist.“
„Du hast mein Inneres richtig erkannt,“ sagte der Einsiedler.
„Ich hoffe,“ sagte der Böse eindringlich, “dass die 2 Golddinare, welche du ab jetzt jeden morgen neben deinem Bett finden wirst, dich von der Abhängigkeit anderer befreien werden und du endlich in der Lage sein wirst, Gutes für deine armen Verwandten und Nachbarn zu tun. Und was diesen Baum angeht, wenn er gefällt würde, bekämen deine bedürftigen Brüder doch gar nichts und du verlörest die Chance ihnen zu helfen - und der Baum würde ohnehin auch wieder nachwachsen.“ Der Einsiedler dachte über diese Worte nach und sagte sich: „Eigentlich spricht dieser alte Mann ganz vernünftig, also sollte ich sorgfältig das Für und Wider seiner Worten abwägen.
Bin ich ein Prophet?
Nein, das bin ich nicht! Daher bin ich eigentlich nicht verpflichtet diesen Baum umzuschlagen.
Habe ich einen Befehl dies zu tun? Nein!
Sollte ich also sein Angebot annehmen?
Ohne Zweifel wäre dies vom religiösen Standpunkt durchaus nützlicher.
Nein - kein Zweifel, ich sollte es annehmen, ja vielmehr, ich muss sogar!“
So gaben die beiden einander ihr Wort und der Einsiedler kehrte zurück.
Nächsten Morgen fand er tatsächlich zwei Dinare neben seinem Bett und war hoch erfreut. Auch am nächsten Morgen war das Gold an seinem Platz. Am dritten Morgen jedoch suchte er vergeblich danach. Sein Zorn wuchs ins Grenzenlose.
Er griff nach seiner Axt und eilte zum Ort des Götzendienstes. Aber gerade wie beim letzten mal lauerte ihm der Teufel auf dem Weg dorthin auf.
„Du Elender, du Erzteufel!“ schrie der Einsiedler, „willst Du mich erneut von meiner heiligen Pflicht abhalten?“
„Du kannst sie ohnehin nicht erfüllen, du schaffst es nimmermehr!“ gab der Böse zurück.
„Hast du den Beweis meiner Kraft vergessen?“ gab der erzürnte Einsiedler scharf zurück. Aber zu seiner eigenen großen Überraschung, fiel er wie ein saftloses Blatt kraftlos zur Erde.
Der Teufel setzte ihm seinen Fuß auf die Brust, ergriff ihn an der Kehle und sprach ihm vor:
“Entweder schwörst du diesen Baum nicht anzutasten oder bereite dich darauf vor zu sterben.“
Der Einsiedler, gänzlich hilflos, gab klein bei:
„Ich schwöre es, aber nenne mir den Grund für meine missliche Lage.“
„Höre,“ antwortete ihm der Satan „zuerst mühtest du dich um die Sache Gottes und um die getreue Befolgung Seiner Anordnungen. Daher musste ich dir unterliegen. Aber nun bist du um deinetwegen wütend und um deines eigenen weltlichen Gewinns wegen.“
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* Mein Herz ruft ALLAH ALLAH,
mein Nefs schreit yallah yallah ....*

* Der Heuchler sucht nach Fehlern;
der Gläubige nach Entschuldigungen.*