Ábdu'l-Bahá und das Physiologie-Examen


Die Tage waren Trist in jener Woche in Sucre, und schon Montag zog sich so lange hin; alle waren nach Cochabamba gefahren, und dort war Sommerschule. Ja, Bahá'i Sommerschule. Und ich saß hier fest. Fest, weil am Freitag im praktischen Teil der Physiologie das einzige Examen des Semesters war. Wenn ich es nicht ablegte, würde ich das Fach wiederholen müssen. Es gab keine Chance. Ich hatte eine Reihe Vorlesungen an jenem Montagnachmittag, und kam dann so kurz nach fünf in unser verlassenes Zimmer. Meine Frau war bereits am Samstag mit dem Bus weggefahren, und die ganzen Freunde waren alle dort. Ich schmiss meine Mappe auf den Tisch, wir hatten das Bücherregal als Raumteiler in das Zimmer gestellt, damit man beim reinkommen das Bett nicht gleich sehen konnte. Ich ging gerade an dem Raumteiler vorbei, da fiel mir das Paßfotogroße Bild von Ábdu'l-Bahá ins Auge, was am Regal angepinnt war. Es ist das einzige Bild was ich kenne, auf dem Er lacht. Sein Lachen traf mich mitten in mein trauriges Herz, und riß mich in einem einzigen Augenblick von Melancholie nach Extase. Ich schaute auf die Uhr. Es war viertel nach fünf.
Was dann passierte weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch daß ich auf die Straße rannte und ein Taxi anhielt. Der Busbahnhof war am anderen Ende der Stadt, oben auf dem Berg. Die Busse nach Cochabamba fuhren um halb sechs in Sucre los, und sind dann morgens um halb sieben in Cochabamba. Wir schafften es gerade eben so. Ich rannte in den Busbahnhof zum erstbesten Schalter, und es gab genau noch einen Platz im Bus, der gerade dabei war, loszufahren. Einer von den Angestellten hielt den Bus gerade noch zurück, und dann saß ich im Bus Richtung Paradies, mir war einfach alles egal, und ich glaube ich hab mich zusammen mit Ábdu'l-Bahá "krumm und schief gelacht", innerlich.
Die Sommerschule war wundervoll. Am Sonntag fuhren wir zurück nach Sucre. Lustigerweise hatte der Bus über unserem Sitzplatz ein Loch im Dach und es regnete herein. Wir mußten die ganze Nacht einen Regenschirm aufspannen, im Bus wohlgemerkt, um nicht naß zu werden. Aber es war einfach wundervoll.
Montag morgens traf ich dann meine Kommilitonen an der Uni. Und es gab nur ein Thema über das alle sprachen: Das Examen vom Freitag, vom praktischen Teil der Physiologie. Alle beschwerten sich, es war unglaublich schwer gewesen. Sogar diejenigen, die viel lernten und gut waren, hatten es versiebt. Das kleingedruckte in den Fußnoten war abgefragt worden, so ungefähr, und das Buch war 500 Seiten dick, voller Information.
Ich hatte keine andere Wahl, ich suchte den Professor. Er war in den Laboratorien. Ich konnte zu ihm, und fing an ihm zu erklären........ , und wollte ihn bitten ob ich das Examen nachschreiben kann. Aber, er unterbrach mich bevor ich meine Entschuldigung aussprechen konnte, geschweige denn ihn zu bitten es nachzuschreiben. "Dich kenne ich doch. Wärest du mit einer Note von 80 Prozent einverstanden?" Ich traute meinen Ohren nicht, und dennoch wurde ich sofort heiter, ganz ungezwungen, weil mich Ábdu'l-Bahá am Bauch kitztelte, so war mir. Ich blickte ihn einfach an, den Professor. "Machen wir 80%, ich weiß eh daß du Physiologie kannst, außerdem habe ich keine Zeit für diese Nachschreiberei...
So war ich nicht nur in der Sommerschule gewesen, sondern hatte darüber hinaus noch von allen die beste Note in diesem Physiologie Examen...... Und alle waren erstaunt wie es möglich war daß ich das so gut konnte. Ich war zwar gut, aber soooo gut? Der Professor hatte mir verboten, meinen Kommilitonen davon zu erzählen......


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"Es ist die Sehnsucht Gottes an diesem Tage, alle Menschen als eine Seele und einen Körper zu betrachten" (Bahá'u'lláh)
Also die Geschichte ist echt süß!
Find ich wundervoll, dass solche Sachen passieren, hat mich jetzt richtig aufgeheitert, danke Yojo!