Mein Vater hat Angst vor dem Sterben


Hallo,

ich mache mir sehr große Sorgen um meinen Vater und bitte Euch um Hilfe.
Mein Vater ist 72 Jahre alt, in der Regel bei guter Gesundheit und Aktiv, aber schon seit geraumer Zeit habe ich den Eindruck, dass er Angst vor dem Sterben hat und ihm immer stärker bewusst wird, dass er die meiste Zeit seines Lebens schon gelebt hat.
Ich muss gestehen, dass ich ebenfalls große Angst habe ihn darauf anzusprechen, da ich selbst das Thema "Tod" im Bezug auf meine Eltern verdränge und mir einfach nicht vorstellen kann und will, dass sie eines Tages nicht mehr bei mir sind.
Ich möchte aber gern mit ihm sprechen um ihm damit vielleicht ein bisschen zu helfen, mit dem Rest seines Lebens klar zu kommen.
Momentan ist mein Vater krank - nichts wirklich ernstes - aber als ich heute mit ihm telefoniert habe, hat er geweint und das kenn ich gar nicht bei ihm. Ich fürchte er gibt sich auf und macht sich durch seine momentanen Schmerzen nur noch mehr Gedanken.
Ich bin 34 und ich versuche mir vorzustellen wie er sich fühlt mit seinem "geringen Rest Leben" vor sich, aber genau werde ich es erst wissen, wenn ich selbst in seinem Alter bin.
Mein Vater ist ein einfacher Mann, der mit Spiritualität etc. nicht viel anzufangen weiss. Er hat immer hart gearbeitet und es tut mir weh, dass er seinen "Lebensabend" nicht genießen kann.

Alles etwas chaotisch, ich geb's zu, aber ich bin momentan so aufgewühlt und verzweifelt.
Ich bin Euch für jeden Rat und Beitrag dankbar.

Lieber Grüße
Spunky
hallo Spunky

du hast den eindruck dass sich dein vater vor dem tode fuerchtet? ob das nun stimmt oder nicht, es hat bei dir etwas zum anklingen gebracht, was dich nun beschaeftigt. ich kann dir deshalb nur raten, dich selbst mit diesem thema ein wenig vertrauter zu machen und mit jemandem darueber zu reden. dabei kannst du erfahrungen machen, welche dir dann in einem gespraech mit deinem vater von nutzen sein werden.

lies vielleicht auch mal das eine oder andere posting hier durch. es sind wirklich gute ansichten darunter.

allgemeingueltige patentrezepte gibt's aber auch in diesem thema leider nicht..

viel kraft sendet dir das continuum
Hallo Continuum,

vielen Dank für deinen Rat. Ich habe mir bereits einige der Beiträge durchgelesen und mir sogar Notizen gemacht - dies ist mein erster Anfang.
Ich glaube, ich muss die Angst ablegen, dass ich den Tod herbeirede, wenn ich über ihn spreche.

Liebe Grüße
Spunky
hallo spunky,

Du "redest" den Tod nicht herbei - ich finde es sehr mutig, dass Du Dich diesen Gedanken stellst !

Ich beschäftige mich auch intensiv mit gedanken - rund um den Tod - dies hat vielerlei Gründe - sowohl mein Mann, alsauch einer meiner Söhne - befanden sich einst in einer lebensbedrohlichen Lage.
Wir hatten Glück - Beide überstanden die Krankheit.
Vor eineinhalb Jahren jedoch verstarb eine mir sehr liebe freundin.
...näher kamen wir uns nur durch ihre krankheit -
.......wir kannten uns - halt so - durch die Kinder - durch den Sportverein - letztlich - durch unsere Hunde
Sie war mir immer sympatisch - aber gut
eines tages erzählte sie mir von ihrer diagnose.....krebs.
Was folgte war ein unglaublciher Kampf , ein Hoffen, Bangen , immer wieder Kämpfen - selten nur loslassen - immer wieder neue Wege suchen.........
Gute Nachrichten - niederschmetternde Diagnosen.......
Wir kannten uns zuvor - 15 Jahre - so halt ..........diese letzten 18 Monate waren sowas von intensiv - viele, viele gespräche was denn sein soll, wenn sie stirbt..
Glaube mir - Du kannst Dich auf den Tod eines lieben Menschen nicht vorbereiten. Schau in dich hinein - und Du wirst wissen, was gut und richtig ist.
lass Dich nicht beirren -
das leben ist nicht wirklich planbar - der tod schon gar nicht!

Mit einer gesunden Portion Emotion schaffst Du es - und die hast Du....
lieber spunky,
ist es nicht seltsam. wir menschen haben nur eine gewissheit, im leben und das ist ,zur zeit zumindest, der tod.

und der wird verdrängt. ist ein tabu.ich sezte mich schon bewusst mit dem tod auseinander. es ist beides, beängstigend und zugleich weiß ich dadurch auch, was das leben ist.

elisabeth kübler ross hat ja diese vielen bücher über den tod geschrieben.ich war da immer skeptisch. ich wollte die"WERBUNG" über den tod ausschalten, mich nicht beeinflussen und manipulieren lassen. ich will "vorurteilsfrei" sterben, offen, wenn es denn dann soweit ist.

und da hat sie ein buch über das leben geschrieben, zusammen mit david kesssler "geborgen im leben". ich finde es sehr gut!!!!

es ist paradox, aber seit ich den tod nicht mehr verdränge, weiß ich mehr um das leben.

ich hoffe so sehr, dass dein vater diesen mut wieder findet, ganz intensiv zu leben. obwohl, oder weil es den tod gibt.
in meiner nachbarschaft habe ich einige alte leute, die jahrelang, bei relativer gesundheit ,jahrelang sterben.warum denn, heute lebe ich.

eines der zauberwörter ist wohl "jetzt".
Vielen, vielen, vielen Dank für eure lieben Worte.
Meine große Verzweiflung und Angst nach dem Telefonat mit meinem Vater hat sich etwas gelegt, und es geht ihm wieder besser.
Trotzdem habe ich mir fest vorgenommen mit ihm zu sprechen, wenn wir uns das nächste Mal treffen, denn per Telefon oder Brief, das wäre mir nicht persönlich genug.
Ich hoffe, dass ich den richtigen Moment finden werde und dann nicht doch einen Rückzieher mache. Ich hoffe, dass wir ehrlich miteinander sein können und dieses Gespräch uns beiden hilft.

Nochmals herzlichen Dank für eure Ehrlichkeit und Anteilnahme!

Liebe Grüße
Spunky
Hallo Spunky,
bin durch Zufall auf deinen Beitrag gestossen (unsere Tochter wird heute getauft und ich suchte nach "Fürbitte"),
Es hat mich bewegt, wie sensibel Du an das Thema rangehst und wie Dich Dein Vater uns seine Ängste beschäftigen. Als gläubiger Mensch ohne eine bestimmte Religin (ich "war" evangelisch, stehe aber jeglicher Institutionalisierung von Religion kritisch oder gar ablehend gegenüber) bin ich der Meinung, dass GENAU DAS zählt. Nicht im Kämmerlein für ihn beten, sondern nach Rat fragen, präsent zu sein und ihm zu zeigen, dass SEIN Sohn für ihn da ist und ihn liebt. Wenn er spürt, dass Deine Liebe echt ist, wird es ihm leichter falallen, den Ktreislauf des Lebens anzunehmen. Verdränge das Thema nicht, wenn er bereit dafür ist, rede mit ihm über eine Angst. Ist es Angst vor dem Tod oder vor Schmerz, Sichtum, Hilflosigkeit, Einsammkeit ? Den Tod kannst Du ihm nicht ersparen, aber zeige ihm, dass er DICH hat und Du ihm jetzt beistehst. Er hatte, schreibst Du, ein hartes >Leben. Rede mit ihm über die Freuden, die er in seinem Leben hatte, es werden mehr sein, als ihr denkt. Allein die Tatsache, das er einen Sohn hat, der ihn so liebt wie Du, zeigt, dass er Dir in der Erziehung viel Liebe gegeben und bestimmt auch empfangen hat. Er wird erkennen, dass alleine das schon eine grosse Gnade war. Er kann stolz sein und sich an den Gedanken halten, das seine Werte durch Dich weiterleben.
DIR empfehle ich ein Buch: Johannes aus dem Lucy Körner Verlag.
Ich hoffe, mein Beitrag erreicht Dich und wünsche Dir die Kraft, Deinem Vater ein guter Begleiter auf seinem verbleibenden Lebensweg zu sein.

Grüsse aus Langen (hessen)
"Quinoman" Michael (47)