Baha'u'llah, Medizin und andere Fragen


Zitat:
ziraki hat folgendes geschrieben:
Erscheint mir schwierig. Die Theodizeeproblematik wäre zwar aufgelöst, weil Gott dann nicht allwissend ist. Damit wäre er aber auch nicht vollkommen. Auch, falls ich dich richtig verstehe, nicht moralisch vollkommen. Denn sonst bedarf es keines Reinigungsprozesses.
Das würde ihn weder verehrungs- noch anbetungswürdig machen.


Dass Gott nicht allwissend ist, würde ich davon nicht zwangsläufig ableiten.
Der Geist Gottes ist der Schöfpung ja immanent. Er durchströmt alles und jeden, ähnlich einer Perlenschnur, auf die sich die Perlen reihen. Der Geist weiß alles, aber es ist den einzelnen Gliedern der Kette nicht bewusst - jedenfalls nur in Ausnahemfällen. So erkläre ich mir auch Phänomene wie Präkognition, wissen wer anruft, Hellsehen etc. Unter bestimmten Umständen kann das Einzelwesen auf das Gesamte zugreifen.

Und was heißt vollkommen? Gott mag gleichzeitig vollkommen sein und nicht vollkommen sein. Das hängt von der Persepektive und der Dimension ab.
Raumzeit sorgt für einen chronologischen Ablauf der Dinge und dehnt sie in einzelne, zählbare (erzählbare) Schritte. Außerhalb dieser Dimension findet alles wohlmöglich gleichzeitig statt, bzw. jenseits von Zeit und Raum - wie als würde Gott sich im Bruchteil einer Sekunde (Hilfskonstruktion, denn außerhalb von Zeit gibt es ja keine Zeit) entfalten, erkennen und korrigieren.

Für uns - seine kleinsten Informationseinheiten - scheint es Jahrmillionen zu dauern.
Moralisch ist Gott vollkommen, sonst würde ja kein Reinigungsprozess stattfinden. Das Ziel ist die Vollkommenheit. Eine neue Schöpfung aus allem was als gut empfunden wurde.

Wenn du die Natur betrachtest, die wunderbare Schönheit und eine Ahnung davon bekommst, wie berauschend genial alles sein könnte (wird) wenn es kein Fressen und Gefressen werden mehr gibt, keinen Tod und kein Leid, wenn nur noch das Gute in den Wesen übrig bleibt und das der Ausdruck des sich so meinenden und wollenden Gottes ist, warum ist er dann nicht anbetungswürdig?
Und wieviel Mitgefühl hat man erst, wenn man bedenkt das Gott sich so völlig in diese Schöpfung hinein ausgeliefert hat und jeder, dem du ins Gesicht schaust, ein Teil von ihm ist?Jedes Reh und jede Kuh, jede Katze und jeder Hund, jeder Adler und jede Maus. Jeder, der hier herumkrabst und irgendwie das Beste aus seinem Leben machen möchte, mit all den Enttäuschungen, Schmerzen und Schwierigkeiten.

Ich denke schon, dass wir alle der sich erpropende Gott sind.

ziraki hat folgendes geschrieben:

"Auch die Annahme dass ein erster Denkprozess zu etwas geführt hat, impliziert dass Gott vorher nicht gedacht hat. Das erscheint mir alles aus einem Vergleich von Gott mit Menschen, einem gedachten und überhöhten Supermenschen, zu stammen und auf ein anthropomorphes Gottesbild zu deuten."


Gott ist pures Sein, pures Leben. Denken ist erst der nächste Schritt, nämlich die Bewusstwerdung des eigenen Seins. Ein Vorher und ein Nachher sind auch schon wieder Zeitbegriffe, Zeit gibt es aber erst ab dem Moment der Emanation. "Vorher" w a r Gott jetzt reflektiert Gott.

Warum sollte die Schöpfung nicht "nach Gottes Bild" geschaffen sein? Parallelen zwischen dem Bild Gottes und Gottes Gesamtwesen zu ziehen ist nur natürlich. Ich betrachte Gott aber nicht als Supermenschen, denn der Mensch ist nur ein Teilaspekt Gottes. Vielmehr scheint die gesamte Schöpfung ein Megaorganismus zu sein. Schon dieser Megaorganismus ist nicht überschaubar und kaum in seiner Gesamtheit zu betrachten, wie sollte es die Gottheit sein? Gott ist im Prinzip undenkbar, nur erfahrbar.
Es kann sein, dass das menschliche Bewusstsein das größte Mitteilungs- bzw. Erkenntnispotential aufweist, auch in Hinsicht auf Propheten, insbesondere Jesus, aber deshalb würde ich mir Gott nicht als anthropomorphes Wesen denken. Es ist aber für viele hilfreich, denn irgendetwas muss man sich ja vorstellen, um sich anzunähern.
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Locker bleiben, Maß halten (frei nach Aristoteles)
@Elem. Luft
Sehr interessante Gedanken.
Gleichzeitige vollkommen und unvollkommen? a = nicht a, ist meiner Meinung nach keine logische Aussage.

Ich stolpere auch über den Begriff Reinigungsprozess. Das beinhaltet doch dass etwas aus einem weniger erstrebenswerten Zustand in einen erstrebenswerteren Zustand versetzt wird. Du sagst das ist ein Zeichen von Vollkommenheit, ich würde das Gegenteil annehmen.

Die klassische theistische Position ist die, dass Gott unveränderlich ist. zB Jakobus 1,17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten.

Elem.Luft hat folgendes geschrieben:
Wenn du die Natur betrachtest, die wunderbare Schönheit und eine Ahnung davon bekommst, wie berauschend genial alles sein könnte (wird) wenn es kein Fressen und Gefressen werden mehr gibt,[...]

Ich kann mir das nicht vorstellen, das Wesen eines Adlers besteht ja darin, dass er Adleraugen hat, um die Beute zu erspähen, dass er blitzschnell herabstürzen kann um die Maus zu fassen usw. , wie sollte das weiterbestehen ohne fressen- und gefressen werden.

Elem.Luft hat folgendes geschrieben:
Gott ist im Prinzip undenkbar, nur erfahrbar.

Also falls ich dich richtig verstehe, kommst du durch deine Erfahrungen zu anderen Ergebnissen, als zB Thomas von Aquin oder Aristoteles und nicht wie anfangs geschrieben zu ähnlichen.

Vielleicht verstehe ich dich auch falsch, weil es wohl sehr schwer ist mystische Erfahrungen in Worte zu kleiden.