Macht und Gewalt im Islam


Grubi hat folgendes geschrieben:

Aber welches Islamverständnis sollen wir uns aus der enormen Vielfalt herraussuchen um damit beruhigt leben zu können?



Hi Grubi,

schon bevor ich die Bahai kennengelernt habe, habe ich ein sehr positives Verständnis vom Islam und von Mohammed entwickelt.
Das ergab sich daraus dass ich, als ich erstmals versucht habe den Islam besser kennen zu lernen, als erstes auf die 'Nur Koran' Anhänger gestoßen bin. Oder die vielleicht auch ausgewählt habe, weil es meiner Meinung entspricht, dass es sinnvoll ist zu prüfen, was denn die ursprüngliche Botschaft war.

Diese Gruppe lehnt die meisten Ahadith ab. Wenn sie dem Koran widersprechen, werden sie als eine Verzerrung der ursprünglichen Aussagen gesehen. Eine Auffassung, der ich zustimmen würde.

Ich kann deine Wut bezüglich bestimmter Religionsauffassung und -ausübung schon nachvollziehen.
Anders als du, führe ich das nicht auf Mohammed zurück, sondern auf menschliche und oft patriarchale Machtphantasien.

Aber natürlich, auch die Qur'anists werden verfolgt.
Falls es dich interessiert, hier spricht einer: https://www.youtube.com/watch?v=CQrZaYGb7_4

Liebe Grüße!
Hallo allerseits,

um das Thema mal etwas auszuweiten:

Was ich viel problematischer am Islam finde als die Frage, wie gut oder nicht er sich zur Rechtfertigung von Gewalt benutzen/missbrauchen lässt, ist die Frage nach seiner Einstellung zur Politik.

Der Anspruch, nicht nur zur individuellen Erlösung beizutragen, sondern ausdrücklich ein universelles politisches Modell sein zu wollen, ist natürlich problematisch ...

Im Endeffekt sagt "der Islam" ja (verschwindend geringe Minderheiten von explizit sekularen oder liberalen Muslimen mal ausgenommen), dass das göttliche Gesetz grundsätzlich über jeglichem von Menschen gemachten Gesetz steht -- und zwar nicht nur für den einzelnen Gläubigen, sondern auf die Gesellschaft bezogen.

Deswegen sind viele Muslime bestrebt, die Scharia zur Grundlage auch aller weltlichen Gesetze des Staates zu machen, in dem sie leben -- und wenn sie das nicht schon sind, wie etwa in westlichen Demokratien, dann wird das bestenfalls als Provisorium geduldet, wobei an dem Fernziel festgehalten wird, irgendwann die Scharia einzuführen, wenn die Machtverhältnisse entsprechend liegen.

Und nach der Scharia sind "Ungläubige" bestenfalls Menschen zweiter Klasse, und von der Kompatibilität der Scharia mit allgemeinen Menschenrechten müssen wir gar nicht erst anfangen.

Zusammengefasst strebt der Islam also danach, die gesamte Welt zu islamisieren und dem islamischen göttlichen Gesetz zu unterwerfen -- selbst wenn dieses Ziel meist nicht gewaltsam verfolgt wird, so bleibt es als Fernziel doch bestehen.

Das finde ich weitaus gefährlicher, als dass der halbalphabetisierte Ali Durchschnittsterrorist ein paar Zeilen aus dem Koran aus dem Kontext reißt, um dann wahllos Leute in die Luft zu sprengen.

Gruß,
Bernhard
Bernh hat folgendes geschrieben:
Der Anspruch, nicht nur zur individuellen Erlösung beizutragen, sondern ausdrücklich ein universelles politisches Modell sein zu wollen, ist natürlich problematisch ...


Dieser Anspruch wird von Islamisten (hier meine ich damit erst einmal jene Muslime, die den Islam auch als politische Ideologie verstehen) vertreten, aber keineswegs von jedem Muslim. De facto ist die historische Staatsform der islamischen Geschichte die Monarchie, nicht anders als im Falle der christlichen Geschichte (wenngleich mit anderem Gesellschaftsmodell). Der von Islamisten so geliebte Ausspruch Islam Din wa Daula (Islam ist Glaube und Staat) ist vor dem 19. Jahrhundert überhaupt nicht belegt. Deshalb lehnen die Islamisten oft auch die islamische Tradition ab und greifen auf ihre Interpretation der Zeit von Muhammad und seinen Gefährten zurück. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass sie dabei auf Ibn Taimiya - der sich mit seinen radikalen holistischen und fundamentalistischen Lehren gegen fast die gesamte islamische Gelehrsamkeit stellte - als Gelehrten des 14. Jh. zurückgreifen können.
Bernh hat folgendes geschrieben:
Im Endeffekt sagt "der Islam" ja (verschwindend geringe Minderheiten von explizit sekularen oder liberalen Muslimen mal ausgenommen), dass das göttliche Gesetz grundsätzlich über jeglichem von Menschen gemachten Gesetz steht -- und zwar nicht nur für den einzelnen Gläubigen, sondern auf die Gesellschaft bezogen.


Es ist nur eine logische Folgerung aus der Kombination aus allwissendem und offenbarenden Gott, dass dessen Weisungen zu befolgen sind. Das Unterscheidet Muslime nicht von anderen Monotheisten.

Unterschiedlich ist freilich was das Quellmaterial (die Offenbarung und die Traditionen) enthält und wie dies interpretiert wird. Das ist aber nicht nur massiv unterschiedlich zwischen Religionen, sondern auch sehr unterschiedlich in Religionen. Es gibt gar einige Hinwiese, dass die Unterschiede zwischen etwa dem schiitischen und dem evangelikalen Fundamentalismus eher in der politischen Kultur, denn der Religion begründet sind (siehe die bekannte Arbeit von Riesebrodt dazu).
Soeren hat folgendes geschrieben:
... Das war für die damalige Zeit ein gewaltiger Fortschritt, wenn man die Methoden der damaligen Kriegsführung bedenkt.


Uff, hust! Ich wusste gar nicht dass wir uns in den Methoden der Kriegsführung -auch noch im göttlichen Sinne- weiter entwickeln können oder sogar hätten. Das ist lediglich Tinte auf Papier, beides menschlicher Natur. Die heutige Kriegsführung ist zudem abartiger denn je. Und da nehmen sich keine Angehörtigen gleich welcher Religionen aus. Für mich ist das pure Verklärung.

Naja, der völlige Irrsinn der Religionen eben. Tja, darin wird Gott immer humaner. Früher wurde so gemurkst heute dürfen wir so murksen und morgen so und übermorgen so. Hält sich nur keiner dran. Selbst wenn einer, was ein Witz das alles ist !
Friededemland hat folgendes geschrieben:
Die heutige Kriegsführung ist zudem abartiger denn je. Und da nehmen sich keine Angehörtigen gleich welcher Religionen aus. Für mich ist das pure Verklärung.


Mit Kontext wär' das nicht passiert... Weder habe ich von der heutigen Kriegsführung gesprochen noch davon, dass Krieg irgendwie ein erstrebenswerter Zustand wäre.

Ich habe lediglich zu bedenken gegeben, dass zur damaligen Zeit z.B. gezielte Massenvergewaltigungen ein probates Mittel waren, einen Gegner kampfunfähig zu machen. Auch das Vernichten von Ernten oder das Salzen der Erde (siehe Karthago), um einen Landstrich auf Jahrhunderte unbewohnbar zu machen, waren an der Tagesordnung. Dem hat Mohammed einen Riegel vorgeschoben und Regeln aufgestellt, um z.B. Zivilbevölkerung und Infrastruktur zu schützen. Das war für die damalige Zeit ein revolutionärer Ansatz, ganz egal, ob sich nach seinem Tod noch jemand daran gehalten hat. Es hält sich auch im Ernstfall niemand an die Haager Landkriegsordnung oder die Genfer Verträge, trotzdem halte ich beides für einen großen zivilisatorischen Fortschritt.

Friededemland hat folgendes geschrieben:
Uff, hust! Ich wusste gar nicht dass wir uns in den Methoden der Kriegsführung -auch noch im göttlichen Sinne- weiter entwickeln können oder sogar hätten.


Auch hier wieder: Kontext! Denn ich habe ebenfalls nicht behauptet, dass der Krieg als solcher eine "Evolution" innerhalb des göttlichen Gesetzes durchlaufen würde. Hier ging es einzig und allein darum, vorhandene Exzesse zu bekämpfen und den Menschen Grenzen zu setzen, die außerhalb der Religion (im damaligen Kontext) kaum ernst genommen worden wären. Nichtsdestotrotz kann es nur das Ziel sein, den Krieg als Mittel der Politik gänzlich zu beseitigen. Heute ist das möglich, damals war dieser Gedanke aber noch völlig utopisch.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Sören,
Soeren hat folgendes geschrieben:

Ich will auch gar nicht leugnen, dass viele dieser Verse immer wieder in der Geschichte und bis in die heutige Zeit so ausgelegt worden sind, dass sie für die Zwangsmissionierung nutzbar wurden. Das ist eine mögliche Interpretation, aber nicht die einzig mögliche und ganz bestimmt nicht die einzig logische. Das funktioniert aber wie gesagt nur, wenn man den Kontext sieht und zu verstehen versucht.

mir stellst sich bei einer solchen Argumentation aber immer die Frage, warum es ein Gottesoffenbarer oder sogar Gott selber nicht hinbekommen sollte, Verse so zu formulieren, dass "Missverständnisse" zumindest sehr unwahrscheinlich gemacht werden? Wenn Mohammed respektive Gott da nun einmal gleich in mehreren Versen das Verb "töten" verwenden, dann halte ich es für etwas merkwürdig, davon auszugehen, dass das schon von einem Großteil der Gläubigen genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort in Gottes Sinne ausgelegt werden wird.

Gruß,
Cacau
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Die Gottheit lebt in den Details.
Hallo Cacau,

gg, auf diese Frage wirst du von Monotheisten niemals eine überzeugende Antwort erhalten.
Sie müßten dann nämlich zugeben, daß ihre Offenbarer auch nur Menschen
mit Fehlern und Schwächen gewesen sind, wie das nun mal für das Menschsein üblich ist.
Kein Zweifel, sie haben zumindest teilweise ihren Wert gehabt und in manchen Bereichen haben sie ihn sicher heute noch. Aber es fehlt bei vielen Religionsanhängern doch die Einsicht, das wir nicht in einemm statischen Wertesystem leben, sondern das Wertesystem ständig den neuesten Entwicklungen anpassen müssen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Hallo zusammen,

vor Jahrzehnten (also in jüngeren Jahren) war ich öfters nach der Arbeit in einer „Kneipe“, welche von einem Islam geführt wurde.
Irgendwann haben wir uns unterhalten, und ich stellte Ihm Die Frage: Was er von der 6. Sure aus dem Koran – „Du sollst den Ungläubigen TÖTEN“ hält? http://www.gam-online.de/text-Zitate,koran.html

Er gab mir eine sehr überraschende Antwort …. Aber mich würde zunächst Eure Antwort interessieren?

Demetrius
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Auf der Erde gibt es seit jeher den Kampf zwischen Egoismus und Selbstlosigkeit.
Die Egoisten werden reich, die Selbstlosen schaffen große Werke.
www.demetrius-degen.de
Demetrius hat folgendes geschrieben:
6. Sure aus dem Koran – „Du sollst den Ungläubigen TÖTEN“ hält? http://www.gam-online.de/text-Zitate,koran.html


Demetrius


Solche Aussagen treffen immer auf das Innere zu und haben nichts mit dem Außen zu tun. Du sollst den Ungläubigen töten bedeutet daher nichts anderes wie das hier: Befreie dich von den Dingen aus dieser Welt die da wären Leid und Schmerz. ♥
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Wahrheit ist da wo weder Subjekt noch Objekt existieren. Damit liegt die Wahrheit Jenseits dieser Welt. Solange da noch etwas ist das sich mit einem Subjekt oder einem Objekt identifiziert ist die Wahrheit schon als Relativ zu sehen und damit nicht Wirklichkeit.
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