Religionen/Philosophien/Weltanschauungen - wann gefaehrlich?


Tobias hat folgendes geschrieben:
Bernh hat folgendes geschrieben:
Ja, Aufklärung ist irgendwann auch Mythos...


Auch diese wird z.T. so behandelt und dargestellt, allerdings nicht ganz so extrem und natürlich meist ins positive verzerrt.

Ein Beispiel wäre die oft vorgenommene Vermischung von Aufklärung und Demokratisierung, dabei schätzten ein großer Teil der Aufklärer die Nähe zu einem starken Monarchen. Lediglich eine Minderheit machten den Schluss von der Verwendung der Ratio auf die Verwendung der Ratio für alle erwachsenen, mit Einkommen ausgestatteten Männer und dann auch noch dazu, dass diese Männer sich dann auch politisch selbst bestimmen können sollten.


Das mag ja so sein, aber nun muss man fairnesshalber auch sagen, dass der Schritt von der Konzipierung eines Regierungssystems, bei dem der Volksvertretung eine wichtige bzw. entscheidende Funktion zufällt, zu dem Gedanken, dass das Volk dann auch mehr oder weniger gleich vertreten sein muss, denklogisch kein sonderlich weiter Schritt ist. Und wenns "heiß" wird, kann man auch sehr schnell auf die Idee kommen, dass Gewaltenteilung à la Montesqieu auch ohne Erbmonarchen ganz gut funktionieren kann.

In der Französischen Revolution wurde diese Gedankenkette in der Praxis innerhalb von nur 4 Jahren vollzogen (auch wenn die am Ende übers Ziel hinausgeschossen ist), wenn ich mich nicht irre, und auch die amerikanische Verfassung kam zu einem gleichen Wahlrecht für weiße Männer innerhalb von weniger als zwei Jahrzehten. Zu nennen wäre dann allerdings auch der Liberalismus im angelsächsischen Raum als grundlegender Einfluss.

Der demokratische Gedanke (bzw. im Rahmen des republikanischen, der heute oft vereinfachend so genannt wird), war also bereits in den beiden großen aufgeklärt/liberalen Revolutionen des späten 18. Jahrhunderts vorhanden und teilweise sogar in die Praxis umgesetzt. Selbst wenn die Realisierung auf breiter Basis im Westen noch eine ganze Weile auf sich warten lassen musste.
@Bernh

Zitat:
Der demokratische Gedanke ... war also bereits in den beiden großen aufgeklärt/liberalen Revolutionen des späten 18. Jahrhunderts vorhanden und teilweise sogar in die Praxis umgesetzt.


Er war in beiden Revolutionen vorhanden, sicher. Wobei die Franz. Revolution in ihrer Radikalität da deutlich weiter ging als jene in den USA, die sich besonders auf die liberale Tradition stützte und gerade versuchte eine Republik mit möglichst wenig Demokratie zu bauen.

Wie dem auch sei. Ich wäre mir immer noch nicht so sicher ob man einfach zwischen Aufklärung und diesen Revolutionen bzw. der allgemeinen Demokratisierung einfach so eine monokausale Linie ziehen kann. Es gab genauso Aufklärer die eine starke Monarchien unterstützt hatten. Wenn man es der Aufklärung allgemein zuschreiben will, dann wohl eher deren Tendenz erst einmal alles infrage zu stellen und rational begründen zu wollen. Als perfektes Beispiel könnte hier Hobbes gelten, der eigentlich ein Vertreter der absoluten Monarchie war, aber dessen Strategie der Begründung gerade von Monarchen skeptisch betrachtet wurde.