Religionen/Philosophien/Weltanschauungen - wann gefaehrlich?


Hallo Tobias,

Zitat:
wenn sie ein so marginales, aber dem Anspruch auf körperliche Unversehrtheit entgegenstehendes Merkmal, zum Wesenskern der Religion macht.

Du fragst:
Ist es nun marginal oder zentral? Dein Argument enthält hier beide Behauptungen.

Aber um auf das Argument einzugehen: Ja, natürlich ist es potentiell eine Einschränkung in die körperliche Unversehrtheit, aber im Vergleich zu dem starken Eingriff in das Recht auf Religionsfreiheit und das Recht auf Erziehung des eigenen Kindes ein vergleichsweise geringer. Entsprechend ist die Grundrechtsabwägung hier recht klar.


Hmm, ich dachte das wäre eigentlich klar. Für mich ist das Ritual der Beschneidung ein ausgesprochen marginaler Bestandteil einer Religion. Wenn eine Religion nicht mehr zu bieten hat als die Beschneidung zur Unterscheidung von anderen Religionen und sonst keine besonderen Inhalte, so lohnt es sich nicht, sich mit ihr auseinander zu setzen. Sie wäre für mich obsolet. Zu deiner Beruhigung halte ich die jüdische Religion aber nicht für so einfältig.
Eine Religion kann ich, wenn auch meist durch Konditionierung nur sehr schwer, wechseln. Eine Vorhaut wächst nicht nach.

Zitat:
Und mit Verlaub: Bist du auch dafür etwa Schönheitschirurgen "abzuschaffen"? Immerhin greifen die auch für einen relativ geringen Teil der persönlichen Entfaltung in die körperliche Integrität einer Person ein. Vielleicht zeigt dir diese Frage auf wie absurd die ganze Idee ist.


gg, so etwas nennt man wohl "Äpfel mit Birnen vergleichen".
In der Regel werden Schönheitsoperationen bei erwachsenen Menschen durchgeführt, die nicht durch religiöse Konditionierung darauf vorbereitet werden. Wenn ein erwachsener Mann sich beschneiden lassen will, so soll er das von mir aus gerne tun. Auf eine aktuelle Diskussion um die Beschneidung hatte ich bereits hingewiesen.
https://scilogs.spektrum.de/mensche.....ungsdebatte-widerspricht/


Zitat:
Eine Frage hätte ich auch noch: Wie schaffst du denn das Judentum ab? Dir dürfte ja klar sein, dass ein gesetzliches Verbot sowohl gegen die Menschenrechte als auch gegen das Grundgesetz verstößt. Nachdem du diese aber schon so in die Tonne getreten hast bleiben dir ja alle Möglichkeiten offen. Denn dir dürfte ja klar sein - das zeigt die Geschichte - das Juden ihre Religion nicht so einfach aufgeben werden. Folgen dann entsprechende Enteignungen von Gegenständen und Gebäuden? Wie bestrafst du weiteres Bekenntnis und weitere Praxis der jüdischen Religion? Gibt es nur Geldstrafen oder auch Freiheitsentzug oder gar noch härtere Maßnahmen? Wirst du auch einen ideologisch motivierten Kulturkrieg gegen die jüdische Religion beginnen, damit die Menschen von dieser Abstand nehmen?


Bevor du irgendwelchen nichtzutreffenden Äußerungen machst, die niemand so beahuptet hat, solltest du den ganzen Thread erst einmal sorfältig durchlesen.
Ich habe bereits ziraki geantwortet, daß mein Statement eine extreme Antwort auf die Extremmeinung eines Rabbis gewesen ist.
Aber daß du Schwierigkeiten hast Sarkasmus oder Ironie von Fakten zu trennen, hast du schon des öfteren bewiesen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Minou hat mir in einem anderen Thread geschrieben:

Zitat:
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
für mich sind die Worte Baha'u'llah's hauptsächlich Worthülsen, die sich in jeder Religion, die eine unsterbliche Seele voraussetzen, in ähnlicher Form wiederfinden lassen.


Lieber Pjotr,

nein, es sind keineswegs Worthülsen. Die Bedeutung seiner Worte ist sehr tief. Es ist schwierig, hier in ein paar Sätzen die Fülle der Bedeutung Seiner Schriften darzulegen. Die Vertiefungen füllen unzählige Seminare.
Ohne sich vorurteilsfrei damit zu beschäftigen, kann man nicht in das Meer Seiner Worte eintauchen, schon gar nicht die Perlen darin finden.


Natürlich kann die Beschäftigung mit den Schriften einer Religion zur Vertiefung oder, wenn man Pech hat auch zur wortwörtlichen Versenkung in diese Religion führen. Gegen eine Vertiefung ist sicher nichts einzuwenden, wenn ein gewisser kritischer Abstand gewahrt bleibt.
Da sich die Vertiefung aber zumeist auf metaphysische Inhalte bezieht, kommt dieser aber oft zu kurz. Das führt dann zu dem Ergebnis, daß man dem Andersdenkenden vorwirft, er habe sich nur nicht genügend mit den
sogenannten "heiligen Schriften" befaßt. Eine dem logischen Verstand entsprechende Überprüfung der metaphysischen Inhalte erfolgt bei den meisten Religionsangehörigen nicht.
Kurz gesagt, durch die kritiklose Vertiefung religiöser oder weltanschaulicher Inhalte kann es zu einer Konditionierung kommen, aus der es dann kein Entkommen mehr gibt.
Was hier gut oder was schlecht ist, hängt also von der Überprüfung durch den Verstand ab.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
. Eine dem logischen Verstand entsprechende Überprüfung der metaphysischen Inhalte erfolgt bei den meisten Religionsangehörigen nicht.

Echt? Da habe ich ganz andere Erfahrungen, insbesondere mit Bahai (obwohl ich selber keine bin).
Eigentlich hat dir Minou auch nicht vorgeworfen, dass du dich nicht ausreichend mit den heiligen Schriften befasst hast, sondern dass du sie nicht vorurteilsfrei betrachtest.
Das erscheint mir auch so. Was du hier wiedergibst ist oft, Religion=schlecht.
Verstand=gut. Ich habe gegen letztere Gleichung nichts einzuwenden.
Aber bei dir hört es sich manchmal so an, als ob nur Religionsferne zu guten Entscheidungen führt. Das ist geschichtlich und aktuell nicht haltbar.
Hallo ziraki,

ich versuche, jede Einstellung zunächst einmal auf den logischen Zusammenhalt zu überprüfen. Daher halte ich mich auch aus rein metaphysischen Diskussionen weitgehend heraus.


Zitat:
Was du hier wiedergibst ist oft, Religion=schlecht.
Verstand=gut. Ich habe gegen letztere Gleichung nichts einzuwenden.
Aber bei dir hört es sich manchmal so an, als ob nur Religionsferne zu guten Entscheidungen führt. Das ist geschichtlich und aktuell nicht haltbar.


Nein Religionen haben zumindest in der Vergangenheit viele Wertevorstellungen von Generation zu Generation weitergereicht. Aber sie haben eben (was von fast allen Religionen behauptet wird) nicht nur gute Seiten, sondern haben auch Fehler an jede neue Generation weitergereicht und oft sogar die Fehler noch verstärkt.
Weil ich für mich entschieden habe, daß Religionen mir nicht mehr bieten können als ich inzwischen durch Philosophie und Wertekonzepte auch erreichen kann, heißt das nicht, daß andere Menschen nicht zu ganz anderen Schlüssen kommen können.
Wenn diese Menschen in meinen Wertevorstellungen versuchen Fehler nachzuweisen, kann ich meine Argumente darlegen. Sind sie logisch und nicht zu widerlegen, brauch ich meine Einstellung nicht ändern. Werden sie widerlegt, muß ich in diesem Punkt meine Einstellung ändern

Zitat:
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
. Eine dem logischen Verstand entsprechende Überprüfung der metaphysischen Inhalte erfolgt bei den meisten Religionsangehörigen nicht.

Echt? Da habe ich ganz andere Erfahrungen, insbesondere mit Bahai (obwohl ich selber keine bin).


Hast du bedacht, daß ich von metaphysischen Inhalten schrieb? (Die ganze "Seelengeschichte" hält zur Zeit einer logischen und an Fakten orientierten Betrachtung nicht stand, und ich bezweifle, daß das in Zukunft anders sein wird).Ich geb gerne zu, daß die Bahai als junge Religion etliche Fallen, in die ältere Religionen noch getappt sind, elegant umschifft haben.
Die hier bereits oft genannten Kritikpunkte in der Bahai Religion habe ich übrigens von Beiträgen anderer Schreiber oder aus hier veröffentlichen Zitaten des Bahai-Offenbarers.
Außerdem hat jeder das Recht auf seine Religion.
Aber jeder muß sich auch Kritik daran gefallen lassen.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:

Hast du bedacht, daß ich von metaphysischen Inhalten schrieb? (Die ganze "Seelengeschichte" hält zur Zeit einer logischen und an Fakten orientierten Betrachtung nicht stand, und ich bezweifle, daß das in Zukunft anders sein wird).


Ich erinnere mich, dass du an anderer Stelle geschrieben hast, dass sich metaphysische Inhalte der Beweisbarkeit oder Widerlegbarkeit entziehen.

Von Bahai-Seite aus wurde auch bestätigt, dass die Seele nicht erklärbar ist (zur Enttäuschung von Templer).

Da gibt es keine Unterschiede in der Beurteilung, lediglich in der Glaubensposition. Selbst habe ich auch Mühe an eine Seele zu glauben, aber ich verstehe nicht, weshalb du Gläubigen, aufgrund einer solchen Übereinstimmung, wieder mal recht pauschal absprichst ihren Verstand einzusetzen.
Was soll das heißen, die Seele ist nicht erklärbar? Die Frage ist, ob und wo etwas existiert, das erklärbar, nicht erklärbar oder womöglich einfach fiktiv ist. Hier wird immer so getan, als sei doch klar, was mit "Seele" überhaupt gemeint ist, aber noch nicht mal darin sind sich die Religionen bzw. die Einzelmenschen einig. Mir scheint, die "Seelen"-Vertreter hätten einfach gerne eine. Na, meinetwegen sollen sie eine haben. Sie wissen dann zwar nicht, was sie haben, aber sie haben dann eben irgendwas. Sollen sie. Wenn sie sich dadurch besser oder gar glücklicher fühlen, bin ich mit dem Glauben an eine seele sehr einverstanden. Meine Kinder fanden den Gedanken, es gäbe einen Weihnachtsmann, der Geschenke bringt, auch für eine Weile ziemlich gut.
Soweit ich mich erinnere glaubst du an Gott. Hat sich da etwas verändert?
Alle deine Einwände treffen auf solch einen Glauben auch zu.
Ob du und ich unter "Gott" dasselbe/denselben meinen, wäre noch zu klären.
Sicher. Und da freue ich mich auch schon auf deine Erklärungen, die ausschließen, dass du nur einer geschätzten aber fiktiven Ansicht anhängst.
Und rational überprüfbar sind.
An mehreren Stellen der Bibel spricht der Ewige: "Sucht mich, und ich werde mich von euch finden lassen."
Also suche bitte selbst, meine worte sind nur Worte.
Mit Seelenspekulationen hat das nichts zu tun.
Nebenbei bemerkt: Ein weiterer "Offenbarer" ist unnötig, da bereits alles offenbart ist, und zwar vom Ewigen selber. Vielleicht sollte man besser von "Erklärern" reden.
Es wäre besser, das ständige Gerede und Spekulieren zu beenden und sich mal daran zu orientieren, was uns ein gewisser Jeschua aufgetragen hat: "Sucht, so werdet ihr finden, klopft an, und euch wird aufgemacht", und wenn man dabei Schwierigkeiten hat: "Bittet, dann wird euch gegeben".
Nirgendwo heisst es: Quatscht solange herum, bis nix mehr geht.